Soziales Engagement und Ehrenämter sind ein Vorteil in jeder Bewerbung – so ist zumindest die geläufige Meinung. Allerdings können Sie nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass Sie mit einem Ehrenamt in der Bewerbung positiv auffallen. Im Gegenteil: Ein Ehrenamt kann ebenso nichtssagend wie sogar schädlich für Ihre Karriere sein. Wann und wie Sie ein Ehrenamt in der Bewerbung erwähnen sollten und in welchen Fällen lieber nicht, möchten wir Ihnen heute verraten.

1. Sollten Sie ein Ehrenamt annehmen?
2. Welche Ehrenämter kommen nicht in die Bewerbung?
3. Vorsicht: Sie dürfen das Ehrenamt nicht verschweigen!
4. Wie viele Ehrenämter sollten Sie in der Bewerbung nennen?
5. Das Ehrenamt richtig in die Bewerbung einbauen
6. Ehrlichkeit währt am längsten

Sollten Sie ein Ehrenamt annehmen?

Die erste wichtige Frage, welche Sie sich stellen sollten, ist weshalb Sie ein Ehrenamt annehmen möchten? Wenn Sie lediglich Ihre Bewerbungschancen aufbessern wollen, müssen wir Sie leider enttäuschen:

Ein Ehrenamt ist keine Garantie dafür, dass Sie gegenüber anderen Bewerbern positiv hervorstechen.

Sie sollten ein Ehrenamt daher stets nur annehmen, weil es Ihnen Spaß macht. Hinzu kommt, dass Sie hier wichtige Fähigkeiten für Ihr berufliches oder privates Leben erlernen sowie nette Kontakte knüpfen können. Werden Sie sich daher über Ihre Gründe klar, weshalb Sie ein Ehrenamt ausüben möchten. Denn genau diese müssen Sie später auch in der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch glaubhaft vermitteln können…

Welche Ehrenämter kommen nicht in die Bewerbung?

Prinzipiell haben Sie keinen Vorteil daraus, ein Ehrenamt in der Bewerbung zu nennen, welches keinen offensichtlichen Bezug zu Ihrer Arbeit in der ausgeschriebenen Stelle mit sich bringt. So können Sie zwar gerne im Tierheim aushelfen, wenn Sie beruflich aber Informatiker sind ist die Verbindung hier auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Versuchen Sie dann zwanghaft das Ehrenamt mit der ausgeschriebenen Stelle zu verbinden, kann dies auch schnell verzweifelt oder weit hergeholt wirken.

Schlimmer jedoch ist es, wenn Ihr Ehrenamt auf eine extreme politische, religiöse oder sonstige Weltanschauung schließen lässt. Hiermit könnten Sie sich beruflich ins Aus schießen.

Auch andere ehrenamtliche Tätigkeiten sind manchmal nicht ganz so gerne gesehen, zum Beispiel die Suchtberatung, da diese häufig aus eigenen Erfahrungen resultiert. Sie müssen sich daher auf unangenehme Fragen im Vorstellungsgespräch gefasst machen. Schlussendlich müssen Sie das jeweilige Ehrenamt auf seine individuelle Bedeutung bezüglich der Bewerbung prüfen. In Kürze zusammengefasst gehören also all jene Ehrenämter nicht in Ihre Bewerbung, die

  • auf eine „extreme“ Weltanschauung schließen lassen (politisch, religiös o.ä.),
  • keine ersichtliche Verbindung zur ausgeschriebenen Stelle besitzen oder
  • Ihnen im Vorstellungsgespräch unangenehme Fragen einhandeln könnten.

Vorsicht: Sie dürfen das Ehrenamt nicht verschweigen!

Allerdings sollten Sie solche Ehrenämter nicht nur aus der Bewerbung streichen. Ehrenämter, welche Ihrer Karriere schaden könnten, dürfen Sie gar nicht erst annehmen. Weshalb? Da Sie diese dem Arbeitgeber melden müssen, es sei denn im Tarif- oder Arbeitsvertrag finden Sie eine abweichende Regelung. Laut deutschem Gesetz müssen Sie Ihrem Arbeitgeber nämlich jede Nebentätigkeit melden, egal ob entgeltlich oder unentgeltlich.

Wie viele Ehrenämter sollten Sie in der Bewerbung nennen?

Prinzipiell gilt: Qualität ist besser als Quantität. Lieber nehmen Sie ein Ehrenamt an, welches Ihnen einen nachvollziehbaren Bewerbervorteil bringt, als dass Sie drei, vier oder auch 20 verschiedene Ehrenämter in der Bewerbung aufführen, welche jedoch keine offensichtliche Verbindung zu Ihrer beruflichen Tätigkeit haben. Besonders gerne gesehen sind übrigens soziale Engagements, da sie soziale Kompetenzen erhöhen und so einen direkten Nutzen für das Unternehmen mit sich bringen. In Deutschland werden die meisten Ehrenämter daher im Bereich „Kinder und Jugendliche“ ausgeübt, so das Ergebnis einer bei Statista veröffentlichten Umfrage:

Statistik: In welchem Bereich sind Sie ehrenamtlich tätig? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Insgesamt übten in Deutschland im Jahr 2009 13,44 Millionen Menschen ein Ehrenamt aus, das entspricht 16,6 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung. Auffallend ist, dass vor allem Berufstätige als Gruppe hier sehr stark vertreten sind. 27 Prozent haben neben ihrer Haupttätigkeit noch mindestens ein Ehrenamt inne. In 68 Prozent der Fälle nehmen die Ehrenämter nicht mehr als fünf Stunden pro Woche in Anspruch. Zeitlich scheint es also durchaus machbar zu sein, jetzt müssen Sie es nur noch in der Bewerbung als Vorteil zu nutzen wissen:

Das Ehrenamt richtig in die Bewerbung einbauen

Wichtig ist, dass Sie das Ehrenamt nicht einfach nur am Ende des Lebenslaufes aufführen. Sie müssen es stattdessen bewusst in die Bewerbung einbauen und den Nutzen Ihres Ehrenamtes für das Unternehmen deutlich hervorheben, wie zum Beispiel die bereits genannten sozialen Kompetenzen. Für das Ehrenamt in der Bewerbung gilt deshalb:

  • Ehrenamtliche Tätigkeiten werden im Lebenslauf aufgeführt, meist am Ende nach den IT-Kompetenzen und Fremdsprachen.
  • Als Bezeichnung im Lebenslauf können Sie „Ehrenamtliche Tätigkeiten“, „soziales Engagement“, „Engagement und persönliche Kompetenzen“ o.ä. wählen.
  • Um die Verbindung zwischen Ehrenamt und ausgeschriebener Stelle herauszuarbeiten, sollten Sie zudem im Bewerbungsanschreiben kurz darauf eingehen.
  • Im Bewerbungsanschreiben erwähnen Sie, inwiefern Sie das Ehrenamt besonders für die Stelle qualifiziert (soziale Kompetenzen, Erfahrung mit Buchhaltung etc.)
  • Machen Sie anhand konkreter Beispiele deutlich, dass sich Ihre ehrenamtliche und berufliche Tätigkeit ergänzen.
  • Stellen Sie ebenfalls heraus, dass Sie zeitlich durch das Ehrenamt nicht beeinträchtigt werden und dennoch ausreichend Energie für Ihre Arbeit übrig haben. Der Job soll aus Arbeitgebersicht schließlich stets an erster Stelle stehen.

Ehrlichkeit währt am längsten

Beginnen Sie aber nicht damit, Ihre ehrenamtliche Tätigkeit auszuschmücken oder gar den einen Tag „Gassigehen“ im Tierheim als dauerhaftes Engagement darstellen zu wollen. Es gilt nämlich:

Sie sollten Ihre ehrenamtliche Tätigkeit unbedingt nachweisen und auch tiefergehende Fragen im Vorstellungsgespräch wahrheitsgemäß beantworten können.

Lassen Sie sich daher unbedingt entsprechende Belege ausstellen und bereiten Sie sich darauf vor, im Bewerbungsgespräch Ihre Tätigkeit noch einmal genau zu schildern. Legen Sie sich auch hier konkrete Beispiele zurecht, inwiefern Ihr Ehrenamt mit der ausgeschriebenen Stelle im Zusammenhang steht und Sie als Bewerber gegenüber der Konkurrenz positiv hervorhebt.

Welches Ehrenamt ist das für Sie richtige? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar…

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