Wer seinen Job mit nach Hause nimmt, riskiert psychische und körperliche Gesundheit. Lasst die Arbeit sowie Ballast auf der Arbeit und genießt den Feierabend ausgiebig – mit diesen Tipps.

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Bekommst du während des abendlichen Zähneputzens Anrufe von deinen Kollegen oder gar von deinem Chef? Oder beantwortest du deine Mails beim gemeinsamen Fernsehnachmittag mit der Familie?

Die Vermischung von Berufs- und Privatleben hat heute einen Namen: „Work-Life-Blending“ nennt sich der Trend, der mit dem Begriff Work-Life-Balance konkurriert. Mit Blending ist hier das Vermischen oder das Verschmelzen gemeint. Es gibt Befürworter. Und es gibt die, die den Trend in der Arbeitswelt ablehnen.

Work-Life-Blending bedeutet also, dass die Grenzen verschwimmen. Berufliches und Privates wird nicht strikt voneinander getrennt. Auch eine ständige Erreichbarkeit ist charakteristisch. Heißt: Beschäftigte sind außerhalb ihrer „regulären“ Arbeitszeiten für Chef und Kollegen erreichbar.

In unserer heutigen Welt ist dieser Trend einer, der nicht auf selbstverständliche Weise hinterfragt wird. Auch wenn Arbeitgeber es nicht immer konkret einfordern, beantworten Arbeitnehmer E-Mails und Anrufe während ihrer Freizeit, nach Feierabend oder am Wochenende.

Psychologische Studie: Wer den Job mit nach Hause nimmt, riskiert viel

Ab und an eine E-Mail beantworten, obwohl du schon Feierabend hast, ist unbedenklich. Aber ständiges Work-Life-Blending? Eine Studie der Universität Zürich hat ergeben, dass Arbeit besser auf der Arbeit bleiben sollte. Rund 2.000 Menschen aus unterschiedlichen Berufen wurden hierfür befragt.

Wie die psychologischen Forscher angaben, ist ein Teil der Befragten davon überzeugt, aufgrund der Vermischung von Arbeit und Privatleben eine stärkere Resilienz aufzubauen. Alles Quatsch – so zumindest der Eindruck vieler Psychologen:

  • Zeitdruck und ständige Erreichbarkeit können zu Erschöpfung führen, meint Sabine Sonnentag (Arbeitspsychologin). Das gilt besonders für das Work-Life-Blending Modell, welches einige Gefahren birgt.
  • Befinden wir uns in einem Zustand, der einer Abrufbereitschaft ähnelt, kann das Körper und Psyche belasten. Vor allem dann, wenn es sich um einen Dauerzustand handelt.
  • Der Stresspegel bleibt wegen der Alarmbereitschaft kontinuierlich oben.
  • Einige Menschen leiden unter Bluthochdruck. Andere haben Schlafstörungen.
  • Manchen fällt es schwer, sich bei entspannenden Tätigkeiten zu entspannen.

Tipps: So lässt du deinen Job dort, wo er hingehört

Wir geben zu: Manchmal fühlen wir uns schlecht, wenn wir Mails unbeantwortet lassen oder das Handy stumm schalten. Führe dir aber vor Augen, dass du nicht dazu verpflichtet bist, unbezahlte Mehrarbeit zu leisten – die außerdem deine mentale Gesundheit beeinflussen kann.

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Tipp 1: Verbanne deinen Job aus deinem Bett

Dein Job begleitet dich während des Kochens, Aufräumens oder Spielens mit den Kindern? Wer sich gedanklichen Ballast von der Arbeit mitgebracht hat, schaltet nicht richtig ab. Besonders wichtig ist der Schlaf. Dein Bett und dein Schlafzimmer sollten stets deine heilige Ruhe-Oase bleiben, damit du erholt in den kommenden Arbeitstag startest.

Im Klartext: Im Schlafzimmer haben dein Job, dein Firmenhandy oder Arbeitsunterlagen nichts verloren.

Was dir helfen kann:

  • Halte wichtige Arbeitsaufgaben schriftlich fest, damit du am Abend im Bett keine gedankliche Liste durchgehen musst, in der Angst, eine Erinnerungslücke zu erleiden.
  • Öffne dein Fenster regelmäßig, damit du gut durchlüften kannst und den Job notfalls „durchs Fenster“ verbannst, zumindest symbolisch.
  • Schaffe eine saubere, frische und private Atmosphäre – dein Schreibtisch sollte nicht unbedingt im Schlafzimmer stehen.

Tipp 2: Reserviere deine Arbeitszeit für die Arbeit

Klingt banal? Möglich. Aber: Es ist kein unbekanntes Phänomen, dass wir erst den Laptop hochfahren, wenn die Kleinsten im Bett sind oder der Haushalt bereits erledigt wurde. Eigentlich solltest du jetzt entspannen. Du entscheidest dich jedoch dazu, zu arbeiten.

Vielleicht fühlst du dich auf der Arbeit im Büro abgelenkt. Es ist dennoch wichtig, diese wertvolle Arbeitszeit vollständig zu nutzen, um die wichtigsten Arbeiten zu erledigen. Wechsle den Ort im Gebäude, wenn die Ablenkung zu groß ist. Setze dir Deadlines und kleine Ziele, um effektiv voranzukommen. Und vor allem: Nur im äußersten Notfall solltest du deinen wohlverdienten Feierabend nutzen, um dich doch wieder vor den Computer zu setzen.

Tipp 3: Definiere, was „Feierabend“ für dich heißt

Gehst du um 17.00 Uhr nach Hause? Falls ja, beginnt um 17.01 Uhr dein Privatleben. Nur mit einem authentischen Zeitmanagement und Grenzen schaffst du es, die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen.

Zeitmanagement bedeutet auch, dass du Zeit für andere Aktivitäten als Arbeit einplanst. Diese Aktivitäten solltest du keinesfalls durch deinen Job ersetzen, indem du diesen mit nach Hause nimmst. Berücksichtige unter anderem folgende Zeitposten bei deiner Tagesplanung:

  • Familie
  • Finanzen
  • Schlaf
  • Hobby
  • Einkauf
  • Aufräumen
  • Körperpflege
  • Sport und Bewegung

Tipp 4: Nimm Abschied vom Phänomen „ständige Erreichbarkeit“

Du hast definiert, was Feierabend für dich bedeutet und wo deine Grenzen liegen? Gut – denn jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Viele von uns kennen das Gefühl des subtilen, unausgesprochenen Vorwurfes, nicht sofort reagiert zu haben, wenn der Chef dich vergeblich zu erreichen versucht. Bedenke aber: Du hast keine Verpflichtung, ständig außerhalb deiner Arbeitszeit erreichbar zu sein – auch nicht für deine Vorgesetzten.

Es erfordert Durchhaltevermögen. Wenn du ganz hibbelig wirst, weil das Smartphone klingelt, solltest du die Finger vom Firmenhandy lassen. Dein Arbeitslaptop hat ebenfalls Sendepause, denn Mails beantwortest du heute nicht mehr.

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Tipp 5: Kommuniziere deine To-dos regelmäßig deinem Team und dem Chef

„Ab 15.00 Uhr bin ich nicht mehr online“. Ein Satz, den du dir unbedingt merken solltest. Füge nur deine persönliche Zeit ein, damit du deinen Kollegen deine Grenzen zu kommunizierst. Um die Arbeit auf der Arbeit zu lassen, hilft es, deine Kollegen und Vorgesetzten in deine Planung einzuweihen. So vermeidest du in erster Linie Missverständnisse, die zu einer konkreten Erwartungshaltung bei deinem Team führen könnten.

Nimm dir deshalb selbst den Erwartungsdruck und plane deine To-dos realistisch. Wenn du etwas nicht schaffen solltest, bedeutet es nicht, dieses „etwas“ in den Kofferraum zu packen und mit nach Hause zu nehmen. Denn: Arbeit bleibt auf der Arbeit.

Tipp: Sei bereit, deine Kollegen auch mal um Hilfe zu bitten und Unterstützung anzunehmen. So reduzierst du dein Risiko, wegen einer Arbeitsüberlastung auszubrennen.

Sonderfall Homeoffice: Wie verhalte ich mich?

Du musst deinen Job nicht mit nach Hause nehmen, weil er dort bereits ist? Immer mehr Menschen lernen die Benefits des Homeoffice kennen. Die Kehrseite ist aber, dass du ständig von deiner Arbeit umgeben bist. Mehr Work-Life-Blending geht nicht.

In einem solchen Fall kannst du deinen Arbeitsbereich von deinem Privatbereich strikt trennen. Wer kein separates Zimmer für ein Büro zur Verfügung hat, kann zum Beispiel eine praktische Trennwand integrieren. Dein wichtigstes Werkzeug im Homeoffice ist jedoch dein Zeitmanagement: Setze dir klare Fristen, zu wann du Feierabend machst und wann du wieder beginnst.

Verlasse deinen Arbeitsplatz im heimischen Homeoffice pünktlich – und kehre nicht vor dem nächsten Arbeitstag zurück, auch nicht um kurzfristig eine Mail zu beantworten. Denn aus „eben mal kurz“ kann echtes psychisches und körperliches Leid entstehen, wenn wir beginnen, eigene Grenzen und die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben dauerhaft aufzuweichen.

Bildnachweis: pitchwayz/istockphoto.com