Bei der Erstellung eines Lebenslaufes stehen viele Bewerber, vor allem Frauen, immer wieder vor der Frage, ob die Kinder mit angegeben werden sollten und ob dann auch noch reingeschrieben wird, dass Sie alleinerziehend sind? Schließlich könnte der potenzielle zukünftige Arbeitgeber ja davon ausgehen, dass Sie mit der Betreuung Ihrer Kinder ausgelastet sind und sich dies nachteilig auf Ihre Anwesenheitszeiten auswirken könnte. Bei Männern gestaltet sich diese Frage meist weniger kritisch. Dennoch, wie sieht es denn jetzt aus? Werden die Kinder und der Familienstand im Lebenslauf erwähnt? Und wenn ja, wie?

Inhalt:
1) Wie sieht die rechtliche Situation aus?
2) Pro oder Contra?
3) Kinder lieber verschweigen?
4) Tipps für Mütter junger Kinder
5) Und bei älteren Kindern ab 12?

Wie sieht die rechtliche Situation aus?

Aus rechtlicher Sicht darf der Arbeitgeber nicht verlangen, dass Sie solch private Angaben machen. Zwar dient der Lebenslauf als Informationsquelle für den Personaler, doch lückenlose Angaben beinhaltet nicht den privaten Bereich Ihres Lebens. Viele Bewerber holen an dieser Stelle zu weit aus…meist zu ihrem eigenen Nachteil. In Unternehmen ab einer gewissen Größe ist es auch weder üblich diese Informationen preiszugeben, noch danach zu fragen. Bei kleineren „familiären“ Arbeitgebern kann das da schon einmal anders aussehen. Und dann wollen Sie ja den Ihnen gegenüber sitzenden potenziellen Arbeitgeber auch nicht einfach ins Leere laufen lassen. Schließlich könnte er ja denken, Sie hätten etwas zu verbergen. Viele Bewerber machen sich genau diese Gedanken und geraten bei Bewerbungsgesprächen in unangenehme Situationen.

Pro oder Contra?

Der ein oder andere von uns erwähnt seinen Familienstand gezielt, mit der Hoffnung auf eine positive Rückwirkung. Zur Veranschaulichung ein kurzes Beispiel: „Wenn ich in der Bewerbung erwähne, dass ich ledig bin, schätzt mich der Personaler als besonders flexibel und engagiert ein.“ Gleiches gilt für die Angabe „geschieden“. Leider geht diese Rechnung in der Regel nicht auf. Im Gegenteil: ledige Bewerber werden oft als schwierige Persönlichkeiten eingeschätzt oder gelten als persönlich gescheitert. Bei jüngeren Bewerberinnen liegt zudem die Vermutung nahe, sie wolle bald einen Partner finden und eine Familie gründen. Dasselbe gilt für die Angabe, eine Frau sei verheiratet aber noch kinderlos. Im entsprechenden Alter kann der Arbeitgeber dann nachzählen, wann Sie aufgrund des Mutterschutzes und der Elternzeit ausfallen werden.

Selbst bei Männern stellt sich diese Frage immer häufiger, ist schließlich auch hier eine gesetzliche Elternzeit auf Wunsch zu genehmigen. Offiziell ist es zwar nicht rechtens, solche Gründe für das Aussortieren der Bewerber zu verwenden, inoffiziell führt dies aber leider immer wieder genau dazu. Nachweisen können Sie es schließlich hinterher nicht mehr.

Kinder lieber verschweigen?

Und wie sieht das jetzt eigentlich mit den Kindern aus? Experten raten, die Kinder im Lebenslauf nicht zu erwähnen. Jedoch geht Ihr zukünftiger Arbeitgeber dann auch davon aus, dass Sie sozusagen bei der Arbeit „nicht existieren“, sprich: Es darf keine Probleme mit den Kindern geben. Für die Betreuung muss gesorgt sein und Sie müssen nicht jeden Tag früher von der Arbeit gehen, um sie vom Kindergarten abzuholen. Sollten Sie hier Probleme sehen, so ist es ratsam den Arbeitgeber rechtzeitig auf Ihre Verantwortung hinzuweisen. Dennoch: auch hier besser erst im Bewerbungsgespräch, sodass eventuelle Missverständnisse gleich ausgeräumt werden können. Im Lebenslauf sollten Sie auch in diesem Fall die Kinder besser unerwähnt lassen. Schließlich würden Sie dann eventuell schon aussortiert werden, bevor Sie die Situation genauer und ausführlicher erläutern konnten.

Tipps für Mütter junger Kinder

Im Endeffekt muss zwischen Eltern jüngerer und älterer Kinder unterschieden werden. Ab einem bestimmten Alter werden die Kinder schließlich als selbstständig eingeschätzt und wirken sich bei einer Bewerbung anders aus, als jüngere. Dazu aber später mehr.

Sind Sie die Mutter (oder der Vater) eines jungen Kindes (ca. <12), so werden Sie bei Bewerbungen leider noch häufig nachteilig behandelt. Hintergrund ist die Befürchtung von Fehlzeiten im Krankheitsfall oder bei fehlender Betreuung der Kinder. Hier gilt es für Sie folgendes zu beachten: Gerade als junge Bewerberin kann es durchaus von Vorteil sein, wenn der zukünftige Arbeitgeber den Eindruck erhält, Ihre Familienplanung sei abgeschlossen und die Elternzeit läge hinter Ihnen. Sie dürfen die Kinder also durchaus erwähnen, müssen dies aber keinesfalls tun. Oder Sie entschließen sich dafür, die Katze erst im persönlichen Gespräch aus dem Sack zu lassen. Wichtig ist es, dem Personaler glaubhaft zu vermitteln, für die Kinder sei ausreichend gesorgt. So können Sie beispielsweise Ihre Mutter (also die Oma der Kinder) als immer erreichbare Betreuungsperson, da in Rente, nennen. Wie auch immer die Lösung am Ende aussieht, wenn der Arbeitgeber davon ausgeht, dass er trotz Ihrer Kinder voll und ganz auf Sie zählen kann, so kann Ihre Nennung (mit dem Vermerk der gesicherten Betreuung!) durchaus positive Rückschlüsse veranlassen. Schließlich muss eine Person, die eine oder mehrere Kinder versorgt, ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent mitbringen. Falls Sie sich dafür entscheiden, die Kinder zu nennen, so erfolgt dies in der Regel nach dem Familienstand als Sohn oder Tochter mit der Altersangabe.

Beispiel: „ein Sohn (4), zwei Töchter (6) und (9)“. Achten Sie aber darauf immer ehrlich zu bleiben. Wenn Sie dem Arbeitgeber versprechen, dass es keine Probleme geben wird, so darf dies anschließend auch nicht der Fall sein.

Und bei älteren Kindern ab 12?

Ab diesem Alter dürften die Kinder eigentlich kein Problem mehr in der Bewerbung darstellen. Im Gegenteil: Oft können Sie nur so die dreijährige Auszeit als Elternzeit erklären und auch in der Lohnsteuerabrechnung sind sie hinterher relevant. Und im Bewerbungsgespräch wird dann spätestens sowieso danach gefragt. Während es für kinderlose Bewerber erlaubt ist einen bestehenden Kinderwunsch zu verleugnen, dürfen existierende Kinder nicht verschwiegen werden. Ob die Frage danach zweifelhaft ist oder nicht, sei einmal dahin gestellt. Im Allgemeinen ist es aber so oder so üblich entweder Familienstand und Kinder zu erwähnen, oder keines von beidem. Wie Sie es schlussendlich handhaben liegt dann doch in Ihrer freien Entscheidung?!

3 Kommentare

  1. Simone

    Wie sieht es denn aus, wenn man ein behindertes Kind hat und selbst sozusagen, durch Epilepsie gleichgestellt ist? Mein Kind hat seit einigen Jahren seinen festen Wohnsitz in einem Behindertenheim und ich kann ihn alle 14 Tage mit Taxi holen(vom Staat aus sind nur 2 Wochenenden finanzierbar und ich habe keine Möglichkeit den Führerschein zu machen).
    Soll man das mit meinem behinderten Sohn, bei einem Bewerbungsgespräch erwähnen und das man selbst gleichgestellt ist?
    Man sagt mir immer wieder das mit meinem Kind sollte ich sagen, aber mit meiner Krankheit nicht.
    Ich will doch nur wieder nach jahrelanger Arbeitslosigkeit ins Berufsleben zurück!!!!!!!!!!

  2. Samantha Von Kunterbunt

    Weis es aus eigener Erfahrung. Es ist besser sowas erst zum Gespräch zu erwähnen. Sonst ist es wie in dem Artikel, man wird aussortiert ohne eine wirkliche Chance auf den Job zu haben.

  3. Ich finde diese Angaben, egal aus welcher Motivation heraus und von welcher Seite, ob Arbeitgeber und Arbeitnehmer, völlig unnütz. Das verstößt meiner Meinung gegen jegliche ethische Grundsätze und spiegelt doch nur ein grosses Mißtrauen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Was ist dabei, wenn Kinder krank werden und deshalb Mutter /Vater auf Arbeit ausfallen müssen? Das passiert. Und deshalb kann der Arbeitgeber doch trotzdem seinem Arbeitsprozess vertrauen. Wenn er das nicht kann, dann muss das Loch im System ein anderes sein. Eine gut funktionierende motivierte, vertrauenswürdige und vertrauensvolle Gesellschaft kann es nur geben, wenn Kinder, alte und kranke Menschen einen festen Platz in der Arbeitswelt bekommen und respektiert werden. So jedenfalls sehen es traditionsgemäß die Skandinavier, denen solche Angaben völlig absurd sind. Jeder Arbeitnehmer ist als ein Individuum zu betrachten, der mit seinem Gehalt seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ganz gleich, ob alleinerziehend, verheiratet, mit oder ohne Kinder. Dieser Respekt wird auch belohnt, denn die Menschen gehen dort gerne arbeiten.

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