Liebe am Arbeitsplatz? Viele Menschen halten das immer noch für ein echtes Tabuthema. Dabei hat bereits jeder dritte Deutsche erlebt, dass es zwischen Schreibtisch, Meetings und Kopierer funkt. Und bekanntlich ist in der Liebe und im Krieg ja alles erlaubt, oder?

1. Sind Beziehungen am Arbeitsplatz verboten?
2. Jeder Dritte ist oder war in Kollegen verliebt
3. Ihr Glück in die Welt hinausschreien? Nicht bei der Arbeit!
4. Beziehungen können Neid, Missgunst, Lästereien oder Mobbing hervorrufen
5. 10 Tipps für den richtigen Umgang mit der Liebe im Job

Sind Beziehungen am Arbeitsplatz verboten?

Auch wenn Beziehungen am Arbeitsplatz je nach Unternehmen nicht gerne gesehen sind, kann der Arbeitgeber diese nicht einfach verbieten. Eine fristlose Kündigung aufgrund einer Beziehung zu einem Kollegen ist natürlich nicht möglich. Eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag ist aus rechtlicher Sicht ungültig und verletzt die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen. Eine Klausel, die aber durchaus legal und gar nicht einmal so selten ist, besteht darin, dass Beziehungen zwischen Arbeitnehmern dem entsprechenden Unternehmen gemeldet werden müssen. Eine interne Versetzung ist aber mit einer triftigen Begründung durchaus möglich, zum Beispiel dann, wenn die Arbeit der Liebenden unter der Beziehung leidet.

Jeder Dritte ist oder war in Kollegen verliebt

Die Liebe am Arbeitsplatz gänzlich zu verbieten, wäre ohnehin so gut wie unmöglich. Jeder dritte Deutsche gab in einer Umfrage an, bereits mindestens einmal in einen Kollegen oder eine Kollegin verliebt gewesen zu sein.

Hätten Sie das gedacht: Vor allem Männer neigen dazu, sich am Arbeitsplatz den Kopf verdrehen zu lassen. Nicht immer wird daraus schlussendlich eine Beziehung oder eine lebenslange Partnerschaft. Trotzdem ist der Arbeitsplatz eine der größten „Partnerbörsen“ des Alltags. In einer bei Statista veröffentlichten Studie gaben elf Prozent der Befragten an, ihren Partner beziehungsweise ihre Partnerin bei der Arbeit kennengelernt zu haben.
Statistik: Wo haben Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin kennengelernt? | Statista
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Wenn Sie einmal bedenken, dass Sie nicht selten 35, 40 oder auch 45 Stunden pro Woche bei der Arbeit verbringen, ist es eigentlich kein Wunder, dass sich gerade hier häufig Beziehungen entwickeln. Das kann vom Flirt an der Weihnachtsfeier über die Schwärmerei für eine Kollegin bis zur lebenslangen Ehe gehen. Doch ab wann sollten Sie Ihre Beziehung eigentlich öffentlich machen?

Ihr Glück in die Welt hinausschreien? Nicht bei der Arbeit!

(Frisch) verliebt zu sein, ist das wohl schönste Gefühl der Welt. Sie haben Schmetterlinge im Bauch, können gar nicht abwarten Ihre/n Liebste/n wiederzusehen und würden am liebsten der ganzen Welt von Ihrer neuen Liebe erzählen. Das können Sie auch tun – in Ihrem privaten Umfeld. Bei einer Beziehung am Arbeitsplatz hingegen, ist Vorsicht geboten. Klar, gerade zu Beginn fällt es schwer, bei der Arbeit Abstand von der neuen Flamme zu halten. Doch am Anfang sind Beziehungen noch sehr brüchig. Es ist daher ratsam, unbedingt drei bis sechs Monate zu warten, bevor Sie Ihre Beziehung öffentlich machen. So können Sie sich in Ruhe kennenlernen und erst einmal sehen, ob sich aus der anfänglichen Schwärmerei eine ernsthafte Beziehung entwickelt und Sie eine gemeinsame Zukunft planen. Sollte dies der Fall sein, können Sie sich bei der Arbeit zu Ihrer Beziehung bekennen. Dass Ihre Beziehung nun bekannt ist, bedeutet aber natürlich immer noch nicht, dass Sie Ihren Gefühlen bei der Arbeit freien Lauf lassen sollten.

Beziehungen können Neid, Missgunst, Lästereien oder Mobbing hervorrufen

Kollegin gönnt die Liebe nicht
Leider können Sie nun, da Ihre Beziehung öffentlich ist, nicht zwangsweise erwarten, dass Ihr Glück von allen Kollegen und Kolleginnen geteilt wird. Vielleicht waren Sie der Schwarm Ihrer Tischnachbarin und diese ist nun verletzt, beginnt zu lästern oder Sie sogar zu mobben? Als hübsche Frau haben Sie mit dem Vorgesetzten angebandelt und dürfen sich nun anhören, Sie würden sich „hochschlafen“?

Beziehungen am Arbeitsplatz bergen häufig Konfliktpotenzial, vor allem wenn sich die Partner auf unterschiedlichen Hierarchieebenen bewegen. Es gilt daher, mit der Beziehung im Job diskret umzugehen und Rücksicht auf die Kollegen und Kolleginnen zu nehmen. Sollte es zu Konflikten oder gar Mobbing kommen, suchen Sie frühzeitig das Gespräch, schalten einen Mediator ein oder bitten vielleicht doch um die interne Versetzung. Partnerschaften in demselben Team bergen nämlich ein höheres Konfliktrisiko als bei Liebenden in unterschiedlichen Abteilungen. Zudem kann es für die Beziehung eine echte Herausforderung sein, sich nicht nur privat, sondern dann auch noch sechs, acht oder zehn Stunden täglich bei der Arbeit zu sehen.

10 Tipps für den richtigen Umgang mit der Liebe im Job

Dass man Liebe weder verhindern noch verbieten kann, haben die meisten Unternehmen mittlerweile eingesehen. Beziehungen am Arbeitsplatz werden daher in der Regel problemlos akzeptiert, manch einmal sogar begrüßt. Angeblich soll sich dadurch das Arbeitsklima im Unternehmen verbessern. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn das Paar sich auch angemessen zu verhalten weiß und nicht ständig knutscht oder sogar streitet. Wie also gehen Sie um mit Ihrer Liebe am Arbeitsplatz?

Tipp 1: Zuneigung gehört nach Hause und nicht ins Büro. Händchenhalten, Küssen und Kuscheln sowie ständiges Flirten und Kichern sind bei der Arbeit nicht angebracht. Versuchen Sie sich im Büro so normal wie möglich zu verhalten, ansonsten geraten Sie schnell ins Kreuzfeuer vom aktuellen Klatsch und Tratsch der Kollegen.

Tipp 2: Ziehen Sie sich auf keinen Fall zurück, sondern verbringen Sie die Pausen wie gewohnt mit Ihren Kollegen und Kolleginnen. Sie und Ihr/e Partner/in dürfen nicht zu einer Einheit verschmelzen. Sonst stehen Sie am Ende vielleicht alleine da, wenn die Beziehung irgendwann scheitern sollte. Werden Sie also nicht zum Außenseiter!

Tipp 3: Privates muss privat bleiben. Sie sollten daher selbst bei befreundeten Kollegen und Kolleginnen stets genauestens überlegen, welche Beziehungsdetails Sie preisgeben möchten und welche nicht. Vor allem bei Personen, die in direktem beruflichen Kontakt zu Ihrem/r Liebsten stehen, behalten Sie private Informationen lieber für sich. Erzählen Sie dann doch eher Ihrem besten Freund aus Schulzeiten oder der Freundin aus dem Fitnessstudio von den Beziehungsproblemen oder der aufregenden Liebesnacht.

Tipp 4: Professionalität ist das A und O, auch wenn das nicht immer einfach sein mag: Egal, ob Sie gerade Streit haben oder noch sauer auf ihn/sie sind – im Büro verhalten Sie sich stets professionell. Sie müssen sachlich zusammenarbeiten können, ohne unterschwellige Konflikte dann bei der Arbeit austragen zu wollen. Funktioniert das nicht, ist eine interne Versetzung vielleicht die bessere Möglichkeit.

Tipp 5: Unterlassen Sie Kosenamen, denn „Schatzi“, „Hasi“ und „Mausi“ machen sich schnell zum Gespött der Kollegen. Seien Sie ehrlich: Würden Sie Ihren Chef noch ernst nehmen, wenn seine Freundin ihn im Büro ständig „Kuschelbär“ nennt?

Tipp 6: Sachliche Kritik muss manchmal sein, selbst wenn Sie mit dem betroffenen Kollegen beziehungsweise der Kollegin eine Beziehung führen. Wichtig ist, dass Sie dann zwischen Privatem und Beruflichem trennen und die Kritik auch professionell annehmen können. Leider sind nicht alle Menschen kritikfähig. In diesem Fall sollten Sie im Voraus unter vier Augen über die Situation sprechen oder ebenfalls über eine interne Versetzung nachdenken.

Tipp 7: Bevorzugung ist ein absolutes Tabu, das sollte beiden Partnern bewusst sein. Dieser Punkt kommt vor allem dann ins Spiel, wenn Sie eine Beziehung über verschiedene Hierarchieebenen hinweg führen. Beide Partner müssen sich dann darüber im Klaren sein, dass die Beziehung keinen Einfluss auf den Karriereweg haben wird und darf. Das bedeutet: Als Höhergestellte/r müssen Sie bei der Vergabe von Projekten, der Leistungsbeurteilung oder gar der Beförderung immer noch objektiv bleiben. Als Partner/in auf der niedrigeren Hierarchieebene haben Sie aufgrund Ihrer Beziehung keinen Anspruch auf Bevorzugung. Sie dürfen also keine falschen Erwartungen hegen.

Tipp 8: Geheimhaltungspflichten gelten auch für Liebende. Erzählen Sie daher auch Ihrem/r Partner/in nicht von geplanten Beförderungen, Änderungen in der Geschäftsstrategie, bevorstehenden Unternehmenszusammenschlüssen oder sonstigen geheimen Betriebsinterna. Auch wenn Sie in Ihrer Beziehung absolut ehrlich sein möchten: Das ist im Sinne der Fairness gegenüber den anderen Mitarbeitern unerlässlich und sorgt ansonsten nur für ein schlechtes Betriebsklima, Konflikte und Neid.

Tipp 9: Reden Sie offen und ehrlich über die Situation. Wird Ihre Beziehung durch einen Vorfall bei der Arbeit belastet? Fühlen Sie sich unwohl damit, direkt mit Ihrem/r Partner/in zusammen zu arbeiten? Haben Sie Zweifel an der Beziehung? Natürlich sollten Sie in jeder Partnerschaft offen miteinander kommunizieren, bei der Herausforderung „Liebe im Büro“ ist das aber besonders wichtig. Allerdings gehören solche Gespräche und Diskussionen natürlich in den Feierabend. Für viele Paare stellt die Zusammenarbeit auf Dauer eine Belastung dar. Finden Sie daher gemeinsam die für Sie beste Lösung. Manch einmal ist das die interne Versetzung, manchmal der Unternehmenswechsel und ein anderes Mal auch einfach die Familiengründung und Elternzeit. Finden Sie daher für sich heraus, mit welchem individuellen Beziehungs- und Arbeitsmodell Sie sich am wohlsten fühlen.

Tipp 10: Wenn es dann doch zur Trennung kommt, sollten Sie ebenfalls erst einmal abwarten und sichergehen, dass es endgültig aus ist. On-Off-Beziehungen machen sich nämlich schnell zum Gespött der Abteilung. Ist es wirklich vorbei, können Sie Ihren engsten Kollegen und Vorgesetzten kurz und sachlich erklären, dass Sie sich getrennt haben. Details zu den Gründen behalten Sie für sich. Sie sollten zudem weiterhin professionell zusammenarbeiten können. Ist das nicht möglich, gilt es eine individuelle Lösung zu finden. Auch hier kann die interne Versetzung wieder infrage kommen.

Waren Sie schon einmal in einen Kollegen oder eine Kollegin verliebt? Oder führen Sie vielleicht sogar eine Beziehung oder Ehe im Büro? Wir sind gespannt auf Ihre persönlichen Erfahrungen und Tipps.

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