Je nachdem wie stark, in welcher Art und von wem du verletzt wurdest, kann das Verzeihen durchaus schwierig werden. Dabei ist Verzeihen wirklich wichtig und das nicht nur für die Person, welche dir emotionalen Schaden zugefügt hat, sondern vor allem für dich. Warum das so ist und wie du richtig verzeihen kannst, auch in besonders harten Fällen, erfährst du in folgendem Beitrag.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Verzeihen bedeutet, dass du Frieden mit einer Person schließt, welche einen großen emotionalen Verrat an dir begangen hat.
  • Verzeihen fällt den meisten Menschen äußerst schwer.
  • Es liegt in der Natur des Menschen, anderen Menschen zu vergeben, dies zeigte eine Studie an der US-amerikanischen Universität Yale.
  • Wenn du nicht verzeihen kannst, kann dies erhebliche negative Auswirkungen auf dich und dein Umfeld haben.
  • Um das Verzeihen zu lernen, existiert eine 4-Schritte-Methode.
  • In vier Schritten lernst du, den Verrat an dir zu akzeptieren und deinen inneren Frieden mit der Situation zu schließen.

Was es bedeutet zu verzeihen

Bevor du jedoch lernst, warum Verzeihen so wichtig ist, solltest du dich zunächst jedoch mit der exakten Bedeutung des Begriffs auseinandersetzen.

Verzeihen bezeichnet zunächst einmal, dass du Frieden mit einer Person schließt, welche dir gegenüber einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat. Solche Fehler können folgendermaßen aussehen:

  • Dein Partner oder deine Partnerin ist dir in eurer Beziehung fremdgegangen.
  • Ein wichtiges Familienmitglied oder deine beste Freundin oder Freund sind in einem wichtigen Moment nicht für dich da oder haben dich angelogen.
  • Eine dir nahestehende anderweitige Person beklaut oder betrügt dich oder hintergeht dich emotional.

Die meisten Menschen suchen im ersten Moment großen Abstand zu dieser Person, wenn sie in eine solche Situation geraten. Das ist zunächst auch wichtig, um den schwerwiegenden Verrat als Erstes zu verarbeiten. Es gibt jedoch noch eine andere Methode, mit einem solchen Verrat umzugehen.

Du kannst nämlich auch mit der Person und allem, was zwischen euch passiert ist, deinen emotionalen Frieden schließen. Welche Konsequenzen du dann im Detail für dich ziehst, ist abhängig von dir als Person und von der jeweiligen Person. Wichtig ist, dass du der betroffenen Person deine Gedanken und Gefühle mitteilst und vor allem, dass du für dich mit der Situation abschließt. Zusammenfassend lässt sich so am besten beschrieben, was Verzeihen eigentlich genau bedeutet.

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Verzeihen ist wichtig

Dass du jemandem verzeihst, ist keinesfalls etwas Ungewöhnliches, egal wie schwerwiegend der Vorfall der anderen Person dir gegenüber war. Der Drang zu Verzeihen liegt nämlich in den Genen der Menschen, wie US-amerikanische Forscher der Universität Yale herausgefunden haben. In einem Experiment mit verschiedenen Probanden konnten die Forschenden herausfinden, dass Menschen eine grundsätzliche Neigung dazu entwickeln, sogar Fremden einen Vertrauensvorschuss zu geben. Zu der Erkenntnis kam die Psychologin und Autorin der Studie, Molly Crocket. Weiterhin gab Crocket an, dass es ein menschliches Grundbedürfnis sei, soziale Bindungen zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten.

Warum ist das Verzeihen nun also so wichtig? Ganz einfach, da die Forschenden der Yale Universität zu dem Ergebnis gekommen sind, dass das Verzeihen Teil der normalen menschlichen Verhaltensstruktur ist, wäre es entgegen der menschlichen Natur, wenn du einem anderen Menschen nicht verzeihst. Was zunächst etwas paradox klingt, erklärt sich bei näherer Betrachtung jedoch von selbst.

Wenn du dich gegen dein innerstes Bedürfnis stellst, also dem Drang zu Verzeihen, dann riskierst du ein Gefühl von Beklommenheit und baust eine Art eigenes emotionales Gefängnis um dich herum. Denn erst durch das Verzeihen erreichst du ein Gefühl von innerer Freiheit. Du kappst somit alle Verbindungen zu deiner negativ behafteten Vergangenheit und reißt die emotionale Mauer um dich herum einfach ein.

Doch was passiert, wenn du nicht verzeihen kannst, egal ob aus Stolz, Angst oder einfach, weil du äußerst sturköpfig bist? Die Folgen können mitunter einen ziemlich starken Einfluss auf dein mentales Wohlbefinden haben:

  • Negative Gefühle kochen hoch. Aufgrund der inneren Vorwürfe, welche sich an dich selbst richten, verspürst du nicht selten starke negative Emotionen wie: Hass, Wut, Rachegefühle, ein Gefühl der Verbitterung und Enttäuschung.
  • Wenn du nicht verzeihen kannst, riskierst du, dass du dich versuchst, mit schlechten Dingen abzulenken. Dies können vor allem Suchtmittel wie Alkohol oder andere Drogen sein, aber auch selbstverletzendes Verhalten kann je nach Typ Mensch ziemlich häufig vorkommen.
  • Deine innere Unzufriedenheit wird vor allem dein näheres Umfeld zu spüren bekommen. Explizit die Leute, die eine sehr enge Bindung zu dir haben, bekommen deine Enttäuschung hab, was wiederum dafür sorgen kann, dass du weitere dir nahestehende Personen verlieren wirst.
  • Auch körperliche Folgen sind keine Seltenheit. Vor allem der menschliche Darm reagiert besonders empfindlich auf psychischen Stress und emotionale Belastungen.

So schaffst du es, jemanden zu verzeihen – die 4-Schritte-Methode

Je nachdem in welchem Ausmaß und in welcher Art du verletzt wurdest, kann dir das Verzeihen mitunter ziemlich schwerfallen. Doch auch das hängt von jedem Menschen individuell ab. Denn jeder Mensch geht mit emotionaler Trauer anders um. Was der eine gut wegsteckt, kann für den anderen einen Weltuntergang bedeuten. Deshalb soll die 4-Schritte-Methode dir und vielen anderen Menschen dabei helfen, das Vergeben zu lernen, damit du deinen eigenen Frieden finden kannst.

1. Schritt: Durchlebe deinen Schmerz, um diesen zu verstehen

In der ersten Phase ist es vor allem wichtig, dass du den gesamten Schmerz des Verrats noch einmal durchlebst. Das klingt natürlich im ersten Moment völlig abstrus, dient jedoch dazu, dass du deine eigenen Gefühle besser verstehst und einzuordnen weißt.

2. Schritt: Wähle den richtigen Weg der Vergebung

Nachdem du deine Gefühle eingeordnet hast, ist es im nächsten Schritt wichtig, dass du den richtigen Weg der Vergebung wählst. Deshalb ist es wichtig, dass du dir selbst bewusst machst, dass dein bisheriger Umgang mit der Problematik nicht zielführend war und du nun bereit bist, einen anderen Weg für den Prozess des Verzeihens zu wählen.

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3. Schritt: Verständnis für die andere Person entwickeln

Im dritten Schritt wird es für die meisten Menschen ziemlich schwierig. Hier geht darum, Verständnis zu entwickeln für das Verhalten der Person, welche dich verletzt hat. Je nachdem, wie heftig dieser Verrat gewesen ist, kann dieser Schritt mitunter zur Herausforderung werden. Es ist jedoch unerlässlich für den Prozess des Verzeihens, dass du nachvollziehst, warum diese Person sich so verhalten hat.

4. Schritt: Emotionales Loslassen und die Situation akzeptieren lernen

Im letzten Schritt erreichst du endlich das finale Ziel, das Verzeihen eines großen Fehlers. In der finalen Phase geht es also darum, dass du dich emotional loslöst vom riesigen Ballast, welcher auf dir gelastet hat. Wichtig ist dabei vor allem, es geht hier nicht um das reine Vergessen und auch nicht darum, dass du alles in Ordnung finden musst, was passiert ist. Du sollst dich lediglich von den schlechten Gedanken an diese Situation loslösen und der Person, welche dich verletzt hat, ihren Fehler verzeihen.

Bildnachweis: theprint/istockphoto.com