Berufsunfähigkeit – Ursachen, Versicherungen und Ablauf

Jeder vierte Deutsche wird vor Erreichen des Renteneintrittsalters berufsunfähig. Je nach Geschlecht und Alter liegen die Zahlen sogar bei 43 Prozent. Berufsunfähigkeit – das ist ein Thema, welches uns alle betrifft! Trotzdem besitzen nur wenige Menschen in Deutschland eine Berufsunfähigkeitsversicherung und setzen damit ihre gesamte Existenz aufs Spiel.

Inhalt
1. 20, männlich, jung, gesund? 43 Prozent von Ihnen werden berufsunfähig!
2. Gibt es eine staatliche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit?
3. Unterschied: Erwerbsunfähigkeitsrente vs. Berufsunfähigkeitsversicherung
4. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung
5. Experten sind sich sicher: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist unverzichtbar!
6. Häufigste Ursachen: Berufsunfähigkeit kann jeden treffen
7. Was genau ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
8. Was kostet eine BU-Versicherung?
9. Worauf müssen Sie beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten?
10. Checkliste: So erkennen Sie eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung
11. Ablehnung oder Vorerkrankungen? Alternativen zur BU-Versicherung
12. Berufsunfähig – und jetzt? Der Antrag auf Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsrente
13. Und was, wenn der Versicherer die Leistung verweigert?
14. Fazit: Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich ab!

20, männlich, jung, gesund? 43 Prozent von Ihnen werden berufsunfähig!

Gerade in jungen Jahren, wenn Sie noch fit und gesund sind, haben Sie gewiss andere Sachen im Kopf als eine mögliche Berufsunfähigkeit. Im Alter von 20 Jahren befinden Sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal im Beruf, sondern Sie beschäftigen sich gerade erst mit den Anfängen des Studiums oder erkunden die Welt als Backpacker. Gerade jetzt wäre der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung aber sinnvoll. Einerseits sollten Sie nämlich zugreifen bevor Sie sogenannte „Vorerkrankungen“ haben und andererseits sind die Policen noch vergleichsweise günstig. Immerhin werden 43 Prozent der heute 20-jährigen Männer vor Erreichen ihres Renteneintrittsalters berufsunfähig. Rund 38 Prozent sind es bei den Frauen.
Statistik: Wahrscheinlichkeit, bis zur Rente mit 65 berufsunfähig zu werden nach Altersgruppen | Statista
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Doch gerade jetzt ist natürlich auch das Geld knapp, schließlich leben Sie als Student vielleicht von Bafög oder Sie müssen sich Ihre Weltreise durch Nebenjobs finanzieren. Auch als Berufseinsteiger nach einer absolvierten Ausbildung dürfte Ihr Einkommen noch recht überschaubar sein. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein Schnäppchen und wird im Laufe des Lebens in der Regel immer teurer. Dies ist ein Hauptgrund dafür, weshalb lediglich rund 20 Prozent der Deutschen überhaupt gegen die Berufsunfähigkeit versichert sind.
Statistik: Welche Gründe sprechen für Sie gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung? | Statista
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Natürlich ist es für den Moment schöner, das viele Geld für ein köstliches Essen im Restaurant auszugeben, für eine Reise auf die Malediven oder das neue PS-starke Auto in der Garage. Viele Menschen verlassen sich zudem auf eine andere Art der Vorsorge, zum Beispiel eine Privatrente, Bausparverträge oder Immobilien. Das Problem an der Sache ist: Im Fall einer Berufsunfähigkeit muss das Geld sofort verfügbar sein. Sollten Sie zudem gleich für zehn, 15 oder 20 Jahre komplett ausfallen, sind auch Privatrente, Bausparvertrag & Co meist schnell aufgebraucht. Und dann?

Gibt es eine staatliche Absicherung gegen Berufsunfähigkeit?

Ein Großteil der Deutschen geht davon aus, dass im Fall der Berufsunfähigkeit der Staat einspringt. Wir sind schließlich berühmt für unser vorbildliches Sozialsystem, oder nicht? An dieser Stelle müssen wir Sie leider enttäuschen! Zwar sind Sie als Angestellter automatisch im Fall einer Erwerbsunfähigkeit pflichtversichert, eine „gesetzliche“ Berufsunfähigkeitsversicherung existiert allerdings nicht!
Statistik: Was glauben Sie, wer im Fall einer Berufsunfähigkeit Ihren Lebensunterhalt sicherstellt? | Statista
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Natürlich haben Sie im Fall der Fälle die Möglichkeit, Ihren Lebensunterhalt mit Unterstützung Ihrer Angehörigen oder durch Hartz IV zu bestreiten. Eventuell können Sie auch mit ein wenig Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung rechnen. Doch so oder so bedeutet die Berufsunfähigkeit für Sie enorme finanzielle Einbußen und einen rasanten sozialen Abstieg.
Eventuell müssen Sie fortan sogar von Sozialhilfe, Wohngeld & Co leben und sich mit den Behörden um jeden zusätzlichen Cent streiten. Und das, obwohl Sie über eine exzellente Ausbildung verfügen, einen (unbefristeten) Arbeitsvertrag oder sogar eine Führungsposition hatten – und ein entsprechend hohes Einkommen.

Unterschied: Erwerbsunfähigkeitsrente vs. Berufsunfähigkeitsversicherung

Das Stichwort ist nun bereits mehrfach gefallen: Als Arbeitnehmer besitzen Sie eine gesetzliche Pflichtversicherung im Bereich der Erwerbsunfähigkeit – nicht aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Viele Menschen fragen sich daher: Worin liegt eigentlich der Unterschied? Natürlich gibt es je nach Versicherer verschiedene Policen, prinzipiell liegt der Hauptunterschied zwischen einer Berufsunfähigkeits- und einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung aber in der sogenannten „abstrakten Verweisung“:

Definition „Abstrakte Verweisung“: Bei einer abstrakten Verweisung wird im Fall der Berufsunfähigkeit geprüft, inwiefern der Betroffene eine andere Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt ausüben kann. Ob es in diesem Beruf überhaupt freie Stellen gibt, ist hierbei irrelevant. Ebenso, ob der Arbeitnehmer eventuell stark unterfordert wäre. Können Sie aufgrund eines kaputten Knies zum Beispiel nicht mehr stehen und daher als Arzt nicht mehr operieren, darf der Versicherer Sie als Kassierer an die Supermarktkasse „verweisen“.

Sie erhalten die Leistungen bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung also, sobald Sie Ihren konkret versicherten Beruf nicht mehr ausüben können, unabhängig davon, ob Sie noch anderweitig arbeiten könnten. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung greift hingegen erst, wenn Sie weder Ihrem Beruf noch irgendeiner anderen „zumutbaren“ Arbeit nachgehen können. Dies gilt sowohl für eine private als auch die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung

Versicherte der Deutschen Rentenversicherung haben einen gesetzlichen Anspruch auf die angegliederte Erwerbsminderungsrente, also eine Form der Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Sie ist – wie der Name bereits vermuten lässt – vor allem zur Füllung der Einkommenslücken bei einer teilweisen Erwerbsunfähigkeit gedacht. Die Erwerbsminderungsrente bedeutet deshalb nur eine unzureichende Absicherung für den Fall der vollständigen Erwerbs- beziehungsweise Berufsunfähigkeit.

Regelmäßig veröffentlicht die Deutsche Rentenversicherung spannende Zahlen zu den rund 400.000 Betroffenen, welche pro Jahr einen Antrag wegen Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit stellen. Demnach üben Gerüstbauer und Dachdecker die gefährlichsten Berufe in Deutschland aus.
Statistik: Gefährlichste Berufe in Deutschland nach der Erwerbsunfähigkeitsrente* | Statista
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Auf der „sicheren Seite“ hingegen sind Physiker, Ärzte und Maschinenbauingenieure.
Statistik: Ungefährlichste Berufe in Deutschland nach der Erwerbsunfähigkeitsrente* | Statista
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Doch nicht nur als Gerüstbauer oder Dachdecker sollten Sie nun über eine zusätzliche private Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente bringt den ein oder anderen Haken mit sich:

  • Antragsteller dürfen die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben.
  • Es gilt eine allgemeine Wartezeit von fünf Jahren. Betroffene müssen also vor ihrer Erwerbsunfähigkeit bereits mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein.
  • In diesen fünf Jahren müssen sie zudem mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge im Rahmen der versicherungsrechtlichen Voraussetzung gezahlt haben.
  • Um festzustellen, ob ein Antragsteller voll oder teilweise erwerbsunfähig ist, kann der Versicherungsträger Einsicht in ärztliche Dokumente verlangen oder ein Gutachten anfordern.
  • Es gilt der Grundsatz „Reha vor Rente“. Eine Erwerbsminderungsrente wird demnach nur gezahlt, wenn die Erwerbsfähigkeit trotz medizinischer oder beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen nicht wiederhergestellt werden kann.
  • Abstrakte Verweisung: Kann der Betroffene noch (zumindest stundenweise) andere „zumutbare“ Tätigkeit ausüben, wird die Erwerbsminderungsrente nur anteilig oder überhaupt nicht gezahlt.
  • Das bedeutet: Leistungsberechtigt sind nur Versicherte, die aufgrund einer Behinderung oder Krankheit in keinem (!) auf dem Arbeitsmarkt üblichen Beruf mehr als sechs Stunden pro Tag arbeiten können (teilweise Erwerbsunfähigkeit). Die volle Erwerbsminderungsrente beziehen lediglich Betroffene mit einer Erwerbsfähigkeit von weniger als drei Stunden täglich.
Rentenanspruch in Höhe von Bei Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von
100 Prozent < 3 Stunden täglich
50 Prozent 3 – 6 Stunden täglich
0 Prozent > 6 Stunden täglich

(Quelle: Deutsche Rentenversicherung)

Abstrakte Verweisung, versicherungsrechtliche Voraussetzung & Co sind aber nicht die einzigen Kritikpunkte an der gesetzlichen Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Die Höhe der Rente liegt bei voller Erwerbsunfähigkeit derzeit nur zwischen 532,88 Euro und 1.676,61 Euro pro Monat, abhängig vom vorherigen Einkommen des Betroffenen (Stand 2016). Bei einer Erwerbsfähigkeit von drei bis unter sechs Stunden täglich sogar nur die Hälfte. Gerade für Besserverdiener kann dies große finanzielle Einbußen bedeuten. Selbstständige und Freiberufler gehen sogar gänzlich leer aus. Einzige Ausnahme: Sie sind über die Künstlersozialkasse in der deutschen Rentenversicherung pflichtversichert.

Lesetipp: Die Künstlersozialkasse – Absicherung für Selbstständige

Experten sind sich sicher: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist unverzichtbar!

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass Sie sich zusätzlich zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente privat gegen eine Erwerbsunfähigkeit absichern. Ihre erste Wahl sollte hierbei eine Berufsunfähigkeitsversicherung (auch „BU“) sein, um Sie im Fall des Verlustes Ihrer Berufsfähigkeit vor einem finanziellen sowie sozialen Abstieg zu bewahren. Experten zählen die Berufsunfähigkeitsversicherung deshalb zu den „unverzichtbaren Versicherungen“ in Deutschland. Sie steht damit auf derselben Stufe wie die

  • private Haftpflichtversicherung
  • Krankenversicherung
  • Auslandsreisekrankenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung

Aktuelle Zahlen belegen aber: Deutsche Haushalte setzen falsche Prioritäten. Während gerade einmal rund 19 Prozent über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügen, besitzen immerhin 72 Prozent eine private Haftpflichtversicherung. Im Vergleich dazu haben aber 79 Prozent die in der Regel völlig überflüssige Hausratversicherung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist die falsche Stelle für Sparsamkeit. Schließlich geht es hier um Ihre Existenz.

Tipp: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Versicherungspolicen und sparen Sie bei überflüssigen Verträgen zugunsten der unverzichtbaren Versicherungen – wie der BU-Versicherung.

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Statistik: Im Haushalt vorhandene Versicherungen* in Deutschland 2009 | Statista
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Häufigste Ursachen: Berufsunfähigkeit kann jeden treffen

Bis zu 43 Prozent kann die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit je nach Alter und Geschlecht betragen – so viel haben Sie bereits gelernt. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Gerüstbauer und Dachdecker. Im Gegenteil: Unfälle sind nur in zehn Prozent der Fälle die Ursache einer Berufsunfähigkeit. Viel häufiger sind (Quelle: Finanztip)

  • Psychische und nervliche Erkrankungen (31 Prozent)
  • Erkrankungen am Skelett und Bewegungsapparat (22 Prozent)
  • Krebs (14 Prozent)
  • Sonstiges (23 Prozent)

Und eben diese Krankheiten können jeden treffen – auch Sie! Selbst ein scheinbar stressfreier Bürojob kann durch die steigende Komplexität der Aufgaben, den wachsenden Zeitdruck oder eine schlechte Arbeitsatmosphäre durch ständige Umstrukturierungen sowie die Angst vor einem Arbeitsplatzabbau zur echten Belastung werden. Studien verzeichnen in den vergangenen Jahren deshalb einen rasanten Anstieg an stressbedingten Erkrankungen, von Burnout über Bandscheibenvorfälle bis hin zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

Rund jeder fünfte Deutsche bezieht vor der Alters- eine Erwerbsminderungsrente, hinzu kommen zeitweise Berufsunfähige, welche die Leistungen also für ein halbes, ganzes oder mehrere Jahre beziehen und anschließend wieder in das Arbeitsleben zurückkehren können. Auch in einem solchen Fall springt eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ein – wenn Sie denn eine haben.

Was genau ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt Ihnen nämlich eine monatliche „Rente“ aus, wenn Sie dauerhaft oder zeitweise Ihren versicherten Beruf nicht mehr ausüben können. Der § 172 VVG regelt:

„(1) Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Versicherer verpflichtet, für eine nach Beginn der Versicherung eingetretene Berufsunfähigkeit die vereinbarten Leistungen zu erbringen.

(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

(3) Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“

Wichtig ist deshalb, dass Sie auf eine Police ohne abstrakte Verweisung achten. Dann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung nämlich auch, wenn Sie theoretisch einer anderen Tätigkeit nachgehen könnten. Gezahlt wird zudem in der Regel, wenn Sie laut ärztlicher Diagnose voraussichtlich für mindestens ein halbes Jahr zu 50 oder mehr Prozent berufsunfähig sind.

Was kostet eine BU-Versicherung?

Im Gegensatz zur Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung ist die Höhe des ausgezahlten Betrags bei der Berufsunfähigkeitsversicherung unabhängig von Ihrem bisherigen Einkommen. Auch hierüber wird stattdessen eine individuelle Vereinbarung im Versicherungsvertrag getroffen. Sie können also frei bestimmen, ob Ihre monatliche Rente im Fall einer Berufsunfähigkeit 500 Euro, 2.000 Euro, 3.500 Euro usw. beträgt. Dadurch lassen sich finanzielle Einbußen und ein sozialer Abstieg im Fall der Fälle optimal verhindern.
Allerdings gilt natürlich auch die Regel: Je höher die monatliche Rente, umso höher Ihre zu zahlenden Versicherungsbeiträge. Und wie bereits erwähnt sind Berufsunfähigkeitsversicherungen leider keine Schnäppchen. Wie hoch Ihre Beiträge schlussendlich sind, hängt zudem von zahlreichen weiteren Faktoren ab:

  • Berufsgruppe
  • Vorerkrankungen
  • Riskante Hobbys
  • Alter
  • Rentenhöhe
  • Abstrakte Verweisung
  • Versicherungsdauer
  • Versicherungsumfang
  • Ausschlussklauseln
  • Kündigungsfrist

Die durchschnittlichen monatlichen Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Rente von 1.500 Euro pro Monat liegen laut Finanztip bei

~ 349 Euro für einen Maurer
~ 308 Euro für einen Maler
~ 194 Euro für einen Elektriker
~ 164 Euro für einen Dolmetscher
~ 113 Euro für einen Bürokaufmann
~ 88 Euro für einen Maschinenbauingenieur

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Zwar gibt es Policen mit sogenannter Rückvergütung, laut Experten lohnen sich diese aufgrund noch höherer Monatsbeiträge aber nur in den seltensten Fällen. Das bedeutet: Werden Sie nicht berufsunfähig, sind diese Beiträge „verloren“. Dies mag der Hauptgrund sein, weshalb so viele Menschen in Deutschland vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zurückschrecken, obwohl sie neben der Haftpflicht- als wichtigste Zusatzversicherung gilt.

Worauf müssen Sie beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten?

Auf eine BU-Versicherung verzichten? Darüber sollten ausschließlich Beamte nach dem fünften Dienstjahr oder Hausmänner beziehungsweise Hausfrauen ohne regelmäßiges Einkommen nachdenken. Egal, ob Arbeitnehmer, Selbstständiger, Freiberufler oder Berufseinsteiger, ob 16, 20, 30 oder 50 Jahre alt, ob Mann oder Frau, ob Handwerker oder Akademiker: Für Sie ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein absolutes Muss! Die Frage lautet also nicht „ob“ Sie eine BU-Versicherung abschließen sollten, sondern „wie“? Gehen Sie dabei in folgenden Schritten vor:

  1. Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich ab, bestenfalls ohne Vorerkrankungen.
  2. Denken Sie zeitgleich über den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung nach, falls die Versicherung im Fall der Berufsunfähigkeit die Zahlung verweigern möchte.
  3. Ermitteln Sie Ihren monatlichen Finanzbedarf im Fall der Berufsunfähigkeit. Wie hoch müsste die Rente sein, damit Sie einen sozialen Abstieg verhindern können? Vergessen Sie dabei keinesfalls die Inflation!
  4. Lassen Sie sich von einem kompetenten Versicherungsmakler beraten und führen Sie gemeinsam eine anonyme (!) Risikovoranfrage durch.
  5. Beantworten Sie hierfür alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß und fügen Sie eventuelle ärztliche Dokumente bei. Im Fall einer Berufsunfähigkeit darf der Versicherer Einsicht in die relevanten ärztlichen Dokumente verlangen. Sollte sich hierbei herausstellen, dass Sie bei Ihrer Krankheitsgeschichte geflunkert haben, erlischt Ihr Anspruch auf Rentenzahlungen.
  6. Meiden Sie Kombiprodukte, bei welchen die Berufsunfähigkeitsversicherung zum Beispiel mit einer Risikolebensversicherung gekoppelt ist.
  7. Prüfen Sie die Versicherungsgesellschaft auf ihr Rating. Berufsunfähigkeitsversicherungen sind Langzeitpolicen. Geht der Versicherer in diesem Zeitraum insolvent, sind Ihre Beiträge sowie Leistungsansprüche hinfällig.

Anhand der Risikovoranfrage erhalten Sie nun entweder eine Ablehnung, zum Beispiel aufgrund einer Vorerkrankung, oder aber verschiedene Angebote von den Versicherungsgesellschaften. Bevor Sie sich endgültig für eine der Policen entscheiden, gilt es diese auf zahlreiche wichtige Faktoren zu prüfen.

Neben den im Video genannten Stolpersteinen, gilt es aber noch zahlreiche weitere Besonderheiten zu beachten, um eine gute von einer schlechten Berufsunfähigkeitsversicherung zu unterscheiden. Wir haben Ihnen diese zur besseren Übersichtlichkeit daher in einer praktischen Checkliste zum Download aufbereitet. Gehen Sie diese mit Ihrem Versicherungsmakler Punkt für Punkt durch und lassen Sie sich unverständliche Passagen erläutern oder fragen Sie sicherheitshalber noch einmal genauer beim Versicherer nach.

Extra-Tipp: Es ist zudem ratsam, den Versicherungsvertrag vor der Unterzeichnung von einem Anwalt prüfen zu lassen.


Auf was Sie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten sollten

Ablehnung oder Vorerkrankungen? Alternativen zur BU-Versicherung

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung können die Gesundheitsfragen zu einem echten Problem werden. Besitzen Sie bereits Vorerkrankungen, drohen Ihnen nämlich

  • die komplette Ablehnung,
  • ein Risikozuschlag und dadurch deutlich höhere Monatsbeiträge oder
  • eine Ausschlussklausel.

Besonders schwierig wird es im Fall einer Vorerkrankung, welche in die Risikobereiche fällt, also vor allem psychische oder Erkrankungen von Nerven, Rücken, Bewegungsapparat oder Krebs. Droht Ihnen also aufgrund einer Vorerkrankung bereits die Berufsunfähigkeit, ist es für den Vertragsabschluss bereits zu spät.

Extra-Tipp: Beantragen Sie bei Ihrem Hausarzt Akteneinsicht. So verhindern Sie eine unabsichtliche Falschangabe bei den Gesundheitsfragen und dadurch das nachträgliche Erlöschen des Versicherungsschutzes.

Auch bei riskanten Hobbys oder gefährlichen Berufen kann es zu einer Ablehnung seitens des Versicherers kommen. Sie können dann je nach individueller Situation vielleicht auf eine der folgenden Alternativen zurückgreifen, welche jedoch im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung in der Regel einen sehr eingeschränkten Versicherungsschutz bieten:

  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung
  • Dread Disease Versicherung
  • Grundfähigkeitenversicherung
  • Multi Risk Versicherung
  • Unfallversicherung

Berufsunfähig – und jetzt? Der Antrag auf Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsrente

Aber nicht nur der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann zahlreiche Hürden bergen, sondern auch der Antrag, wenn der Fall der Fälle tatsächlich eingetreten ist. Viele Betroffene stehen dann vor Fragen, wie

  • Woran erkenne ich, dass ich berufsunfähig bin?
  • Wer stellt eine Berufsunfähigkeit offiziell fest?
  • Wie kann ich die Erwerbsminderungsrente beantragen?
  • Wie muss ich bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorgehen?
  • u. v. m.

Eine Berufsunfähigkeit kann sich entweder schleichend entwickeln oder aber plötzlich durch einen Unfall. Nicht immer ist es daher einfach, Dauer, Umfang und Beginn der Berufsunfähigkeit exakt zu bestimmen. Es ist durchaus sinnvoll, dass Sie bei ersten Anzeichen einer Erkrankung schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. So wird der Krankheitsverlauf von Anfang an protokolliert. Dies ermöglicht bei einer entsprechenden Vereinbarung in der Versicherungspolice eine rückwirkende Leistung. Aber wie genau sollten Sie eigentlich vorgehen?

a) Der Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente

  1. Begeben Sie sich unmittelbar in ärztliche Behandlung.
  2. Häufig geht der Berufsunfähigkeit eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit voraus (+/- 3 Monate).
  3. Nach drei Monaten bitten Sie den Arzt um eine sogenannte Prognose.
  4. Sind Sie laut Prognose voraussichtlich für ein halbes Jahr oder mehr arbeitsunfähig, greift in den meisten Fällen die Berufsunfähigkeitsversicherung (sehen Sie noch einmal in Ihren Versicherungsbedingungen nach).
  5. Besprechen Sie die Berufsunfähigkeit zuerst mit Ihrem Arzt, lassen Sie ihn ein entsprechendes ärztliches Gutachten erstellen und sammeln Sie alle notwendigen Dokumente für den Rentenantrag zusammen.
  6. Entbinden Sie den Arzt für den Prüfungszeitraum von seiner Schweigepflicht gegenüber der Versicherungsgesellschaft.
  7. Lassen Sie dem Versicherer Ihren Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente inklusive der ärztlichen Dokumente zukommen. Müssen sie diese erst selbst beantragen, neigen viele Versicherer zur bewussten Zeitverzögerung.
  8. Gibt es keinen vorgefertigten Antrag des Versicherers, reichen Sie ein Anschreiben mit Ihrer Versicherungsnummer, Ihrem Namen, Ihrer Adresse sowie dem konkreten Anliegen mit Eintrittsdatum der Berufsunfähigkeit, ärztlicher Prognose sowie Anlagenaufzählung ein.
  9. Eventuell müssen Sie anschließend weitere Dokumente ausfüllen, zum Beispiel die sogenannte Berufskunde mit einer detaillierten Beschreibung Ihrer Tätigkeit und beruflichen Position – ob und welche weiteren Informationen Sie preisgeben müssen, hängt stark von der Versicherungsgesellschaft ab.
  10. Informieren Sie sich daher über das exakte weitere Vorgehen direkt bei Ihrem jeweiligen Versicherer.

b) Der Antrag auf Erwerbsminderungsrente

  1. Auch dem Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung geht natürlich der Arztbesuch voraus.
  2. Laden Sie sich auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung die entsprechenden Formulare herunter und füllen Sie diese vollständig aus.
  3. Sie haben zudem die Möglichkeit, einen formlosen Antrag zu stellen. Anschließend wird der Rentenversicherungsträger Ihnen die notwendigen Formulare zukommen lassen und Sie über das weitere Vorgehen informieren.
  4. Je vollständiger Ihr Antrag ist, umso schneller findet die Prüfung der Erwerbsunfähigkeit statt und desto eher können Sie mit eventuellen Zahlungen rechnen.
  5. Sollten Sie selbst nicht mehr in der Lage sein, einen Antrag auf Erwerbsminderung zu stellen, ist die Beauftragung einer Vertrauensperson möglich.

Und was, wenn der Versicherer die Leistung verweigert?

Leider kommt es immer wieder vor, dass sich vor allem die privaten Versicherungsgesellschaften vor der Leistung einer Berufsunfähigkeitsrente drücken möchten. Klar, hier geht es um mitunter hunderttausende Euro. Bevor Sie nun einen teuren Anwalt aufsuchen, stehen Ihnen zwei weitere kostenfreie Möglichkeiten der Streitschlichtung zur Verfügung:

Der Ombudsmann für Versicherungen prüft – leider häufig sehr langsam, dafür aber für den Verbraucher kostenfrei – außergerichtlich Ihren Versicherungsstreitfall. Keine Sorge: Die Klagefrist wird dementsprechend auf einen Monat nach der Entscheidung verschoben. Der Rechtsweg steht Ihnen also anschließend immer noch offen.

Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) überprüft weiterhin das Verhalten der Versicherungsgesellschaft auf ihre Korrektheit. Sie führt zudem Statistiken über Versicherungsunternehmen, eingegangene Beschwerden und informiert sogar den Vorstand der jeweiligen Versicherungsgesellschaft über den Konfliktfall. Auch dieses findet für Sie als Verbraucher kostenfrei statt.

Zuletzt bleibt nur noch der Rechtsweg. Suchen Sie fristgerecht (in der Regel sechs Monate) einen Anwalt auf, um den Fall prüfen zu lassen und eventuell Klage einzureichen. Hierfür kann – wie bereits erwähnt – eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll sein. Die Anwalts- und Gerichtskosten gehen sonst schnell in die Tausende und da hat die große Versicherungsgesellschaft Ihnen gegenüber einen erheblichen finanziellen Vorteil.

Fazit: Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich ab!

Auch, wenn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kein leichtes Unterfangen ist und Sie niemals die Garantie haben werden, dass der Versicherer im Fall der Fälle tatsächlich seine Leistungen bezahlt – die Berufsunfähigkeitsversicherung ist neben der Kranken- und privaten Haftpflichtversicherung die wichtigste Versicherung überhaupt!

Je jünger und gesünder Sie diese abschließen, umso geringer ist Ihr Risiko einer Ablehnung, von Ausschlussklauseln, Risikozuschlägen oder sogar der Leistungsverweigerung der Versicherungsgesellschaft. Ein Schnäppchen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung zwar nicht, doch durch einen regelmäßigen Policen-Vergleich können Sie bis zu 30 Prozent sparen und sich gleichzeitig vor dem finanziellen Ruin durch die Berufsunfähigkeit bewahren. Also nehmen Sie sich die Zeit für eine umfassende Beratung, eine anonyme Risikovoranfrage und die sorgfältige Auswahl Ihres Versicherers. Denn ist die Berufsunfähigkeit erst einmal absehbar, ist es für eine Versicherung längst zu spät…

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Besitzen auch Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Oder haben Sie bereits Erfahrungen mit der Berufs- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit gemacht? Welche Tipps, Ratschläge oder Warnungen haben Sie für unsere Leser? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag in den Kommentaren!

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