Bewerbung als Freiberufler: Tipps für Ihren Lebenslauf

Sie möchten nach jahrelanger freiberuflicher Tätigkeit in ein festangestelltes Arbeitsverhältnis zurückkehren? Ihr zentrales Problem bei einer Bewerbung: Für diesen Abschnitt in Ihrer Berufsbiografie können Sie keine Arbeitszeugnisse vorlegen. Deshalb muss vor allem der Lebenslauf auf den ersten Blick überzeugen. Aber wie?

Inhalt
1. Lebenslauf – Ihr Aushängeschild bei der Bewerbung als Freiberufler
2. Schritt 1: Selbstbewusstsein
3. Schritt 2: Aufmerksamkeit
4. Schritt 3: Portfolio
5. Schritt 4: Berufserfahrung
6. Schritt 5: Soft Skills
7. Schritt 6: Referenzen
8. Fazit: Nur Mut bei der Bewerbung aus der Freiberuflichkeit

Lebenslauf – Ihr Aushängeschild bei der Bewerbung als Freiberufler

Der Weg vom Freiberufler zurück in eine Festanstellung ist als eher ungewöhnlich zu bewerten. Schließlich träumen viele Festangestellte stattdessen vom Sprung in die Selbstständigkeit.

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Egal, ob Sie diese Entscheidung daher aus freien Stücken oder zwangsweise getroffen haben: Die Bewerbung auf eine Festanstellung aus der Freiberuflichkeit heraus birgt einige Herausforderungen. Der Lebenslauf dient den Personalentscheidern hierbei in der Regel zur sekundenschnellen Einschätzung, ob Ihre Erfahrungen und Qualifikationen mit den Anforderungen für die ausgeschriebene Stelle übereinstimmen – oder nicht. Eine allgemeine Angabe über die Art der Freiberuflichkeit und ihrer zeitlich ausgeübten Dauer reicht daher längst nicht aus.

Lese-Tipp:Lebenslauf – Form, Inhalt und Aufbau + Muster

Zur Präzisierung des eigenen Profils sollten deshalb die prägnantesten Tätigkeitsschwerpunkte und wichtigsten Auftraggeber im Curriculum Vitae erwähnt werden. Doch damit ist es nicht getan. Die grundsätzliche Entscheidung beginnt schon vor dem Verfassen des Lebenslaufs: Möchten Sie die Selbständigkeit mit angemessenem Selbstbewusstsein vertreten oder glauben Sie, diese als vermeintliches Manko verstecken zu müssen? Für eine überzeugende Präsentation Ihrer Berufsbiografie haben wir die wichtigsten Schritte für Sie zusammengestellt.

Schritt 1: Selbstbewusstsein

Vielleicht begann Ihre Selbständigkeit einst als Notlösung oder Sie haben sich viele Kompetenzen mühsam selbst erworben und schätzen sie weniger profund ein als die von Festangestellten? Es gibt so manche Gründe – einschließlich der fehlenden Arbeitszeugnisse – weshalb sich Freiberufler in Konkurrenz zu Bewerbern aus einer Festanstellung nicht ebenbürtig fühlen. Die Folge: So gut es geht, soll im Lebenslauf die Freiberuflichkeit vertuscht werden. Diese Einstellung schlägt sich auf die Bewerbungsgestaltung nieder und wird von erfahrenen Recruitern erkannt. Betrachten Sie Ihre Freiberuflichkeit lieber wohlwollend und mit der Haltung von Selbstvertrauen.

Lese-Tipp:Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Ihr Profil, Ihre Berufsbiografie und Ihre Kompetenzen besitzen eine ebenso große Unverwechselbarkeit wie die aller anderen Bewerber. Welche Ihrer Qualifikationen letztendlich am meisten punktet, können Sie nur bedingt vorhersehen. Vielleicht ist es gerade der Wille, die Verantwortung für den Erfolg allein in die eigenen Hände zu legen, der an Ihrer Selbständigkeit am meisten überzeugt. Stehen Sie zu sich und beginnen Sie in dieser Haltung mit der Bewerbung.

Schritt 2: Aufmerksamkeit

Entdecken Sie eine interessante Ausschreibung, schieben Sie die Bewerbung nicht allzu lange auf. Demonstrieren Sie, dass Sie nicht auf die letzte Minute erscheinen – auch bei der Bewerbung nicht. Dennoch sollten Sie den Lebenslauf mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit verfassen. Geben Sie sich dafür ausreichend Zeit. Studieren Sie zunächst genau, welche Anforderungen an die Bewerber gestellt werden. Sichten Sie anschließend Ihre bisherigen Aufträge und suchen Sie gezielt diejenigen Projekte für Ihre Präsentation heraus, die eine möglichst hohe Übereinstimmung mit dem Anforderungsprofil aufweisen.

Schritt 3: Portfolio

Diese Projekte sind jetzt der ideale Grundstock für ein zielgerichtetes Bewerbungs-Portfolio. Anschließend nehmen Sie am besten ein Brainstorming zu folgenden Punkten vor:

  • Ihre erfolgreichsten Kampagnen und Projekte,
  • Ihre wichtigsten Auftraggeber und
  • Ihre höchsten Umsätze.

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Pro Kategorie sollten Sie zwei bis drei Angaben machen können, auf die Sie besonders stolz sind. Aus diesen Komponenten stellen Sie Ihr Portfolio zusammen – idealerweise mit einigen Arbeitsproben. Wichtig ist, dass die nachgewiesenen Tätigkeitsschwerpunkte im Portfolio eine möglichst hohe Übereinstimmung mit den geforderten Qualifikationen in der Ausschreibung erkennen lassen.

Schritt 4: Berufserfahrung

Die im Portfolio dokumentierten Erfahrungskompetenzen müssen auf einen Blick im Lebenslauf ersichtlich werden. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte können Sie bei den Angaben zur Berufserfahrung stichwortartig mit Bulletpoints einfügen. Diese Angaben verleihen Ihrem Freiberufler-Profil die relevante Individualität und zeigen sofort, dass Sie die geeigneten Kompetenzen für die Ausschreibung mitbringen.

Schritt 5: Soft Skills

Ohne eine Vielzahl an persönlichen Kompetenzen, könnten Sie keine erfolgreiche Freiberuflichkeit ausüben. Geschick in der Akquise, Fähigkeit zu verlässlichen Arbeits- und Kundenbeziehungen, Zuverlässigkeit in der Auftragserfüllung und Selbständigkeit in der Arbeitsorganisation sind Pluspunkte, die auch für eine Festanstellung von Vorteil sind. Dazu gehören ebenfalls gewisse Persönlichkeitsmerkmale. Sie sind als Freiberufler sowohl Chef als auch Serviceanbieter in Personalunion.

Lese-Tipp: „Soft Skills vs. Hard Skills – Welche sind wichtiger?

Das erfordert soziale und kommunikative Kompetenzen, die wahlweise für Führungs- oder für Teamaufgaben prädestinieren. Je nach Stellengebot, betonen Sie daher die relevanteren Kompetenzen. Formulieren Sie Ihre gesammelten Soft Skills kurz und bündig.

Schritt 6: Referenzen

Arbeitsproben können Sie vorlegen, Arbeitszeugnisse jedoch nicht. Hier sind Empfehlungen und Referenzen eine unschätzbare Hilfe. Erkundigen Sie sich bei zufriedenen Kunden, ob sie bereit wären, Empfehlungen und Auskünfte zu erteilen. Fügen Sie eine kleine Referenzliste an. Name und Funktion des Ansprechpartners, Unternehmenstitel, Adresse und Telefonnummer sollten vollständig angegeben werden. Seien Sie sich bewusst, dass die Referenzliste tatsächlich genutzt wird. Sollte ein genannter Ansprechpartner Sie nicht kennen oder zur Auskunft nicht bereit sein, ist das ein echter Fauxpas für Ihre Bewerbung. Belassen Sie es deshalb beim Portfolio, wenn Sie keine echten Referenzen benennen können.

Lese-Tipp: „Mit Referenzen in der Bewerbung glänzen

Trotz einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, ist von einer übertriebenen und zu ausführlichen Darstellung abzuraten. Portfolio samt Referenzliste sollten als gleichwertiger Ersatz für fehlende Arbeitszeugnisse betrachtet werden. Benennen Sie auch Ihre Tätigkeitsschwerpunkte und Soft Skills nicht ausführlicher, als dies bei einer Bewerbung auf der Festanstellung der Fall wäre. Genau damit zeigen Sie Ihren souveränen, selbstverständlichen Umgang mit Ihrer persönlichen Berufsbiografie.

Fazit: Nur Mut bei der Bewerbung aus der Freiberuflichkeit

Die Bewerbung als Freiberufler unterscheidet sich nur begrenzt von einer Bewerbung aus dem Angestelltenverhältnis heraus. Mit Referenzen und Portfolio ersetzen Sie die fehlenden Zeugnisse und Nachweise. Ihre Projekte dienen als Nachweise für die gewünschten Schlüsselqualifikationen. Diese können Sie gezielt im Lebenslauf hervorheben und damit Ihr individuelles Profil eindeutig charakterisieren. In allen anderen Belangen können Sie genau so vorgehen, wie Sie es auch bei einer Bewerbung aus einer Festanstellung heraus tun würden.

Welche weiteren Tipps für eine Bewerbung aus der Freiberuflichkeit auf eine Festanstellung? Welche weiteren inhaltlichen sowie Gestaltungsmerkmale sind Ihrer Meinung nach in diesem Sonderfall beim Lebenslauf zu beachten? Wir bedanken uns für Ihre Ergänzungen und Tipps in den Kommentaren!

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