Telearbeit: Vor- und Nachteile der Heimarbeit

Die Telearbeit ist einer dieser Begriffe, den wir alle schon einmal gehört haben, den aber nur die Wenigsten einzuordnen wissen. Was also genau verbirgt sich hinter der „Telearbeit“ und welche Vorzüge bringt sie als Arbeitsmodell mit sich?

1. Was ist Telearbeit? Eine kurze Definition
2. Viele Arbeitgeber trauen sich noch nicht. Wieso?
3. Die Vorteile der Telearbeit aus Arbeitgebersicht
4. Und inwiefern profitiert der Arbeitnehmer von der Telearbeit?
5. Es ist nicht alles Gold, was glänzt – Auch die Telearbeit birgt Risiken
6. Telearbeit, ja oder nein? Das Fazit

Was ist Telearbeit? Eine kurze Definition

Telearbeit ist laut Gabler Wirtschaftslexikon eine dezentralisierte Bürotätigkeit, welche mithilfe von Kommunikations- und Informationstechniken außerhalb des eigentlichen Büros stattfindet. Genau genommen ist sie also eine Home-Office-Regelung, nur dass Sie eben nicht zwingend zuhause sein müssen, sondern ganz nach Belieben und Tätigkeit auch am Strand, bei Freunden, in einem Nachbarschaftsbüro, in einer anderen Zweigstelle oder auch im Hotel arbeiten können. Dies funktioniert in der Regel via Laptop, Internet, Tablet oder Smartphone. Die Telearbeit ist also immer dann möglich, wenn Sie auch ohne persönliche Anwesenheit Ihrem Job nachgehen können.

Das Problem: Für den Arbeitgeber bedeutet die Telearbeit ein hohes Maß an Vertrauen. Sie findet deshalb vor allem in jenen Berufen Anwendung, die messbare und eindeutig definierbare Ergebnisse hervorbringen. Durch die wachsenden digitalen Kommunikations- und Kontrollmöglichkeiten jedoch, wächst die Zahl der Telearbeitsverträge rasant.

Viele Arbeitgeber trauen sich noch nicht. Wieso?

Viele Arbeitgeber sehen in der Telearbeit immer noch hauptsächlich Nachteile. Sie befürchten eine schlechtere Zusammenarbeit der Mitarbeiter im Team, ein nachlassendes „Wir-Gefühl“ und eine geringere Identifikation mit dem Unternehmen, wenn sich der Mitarbeiter nicht unmittelbar vor Ort aufhält. Eine weitere Angst liegt in der schlechteren Kommunikation zwischen den Angestellten im Büro und jenen mit dem Telearbeitsmodell. Dadurch könnten Prozesse verzögert und die Fehlerrate erhöht werden. Bislang bieten daher nur rund 21 Prozent der deutschen Arbeitgeber die Möglichkeit zur Telearbeit ein.
Statistik: Anteile der deutschen Unternehmen, die diese Arbeitszeitmodelle für Familien anbieten | Statista
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Beweise für diese Nachteile jedoch, konnten Studien bislang nicht ermitteln. Im Gegenteil: Gerade bei Vertrauensarbeitszeit verzeichnen Untersuchungen immer wieder eine erhöhte Produktivität und längere Arbeitszeiten als bei der Präsenzarbeit im Büro. Eigentlich klar, denn in Deutschland herrscht die Kultur von Disziplin, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Es sind die berühmten „deutschen Tugenden“, die unsere heimischen Arbeitskräfte auf der ganzen Welt so beliebt machen. In Deutschland funktioniert die Telearbeit daher nicht nur, sie ist sogar absolut sinnvoll und bringt zahlreiche Vorteile mit sich.

Die Vorteile der Telearbeit aus Arbeitgebersicht

Ablenkung durch die Kinder? Schwindel bei den Arbeitszeiten? Sinkende Produktivität? Fehlanzeige! Studien beweisen: Mit der Telearbeit steigt die Produktivität und viele Angestellte arbeiten länger sowie effizienter als im Büro.

In der Realität ist die Ablenkung im Home Office oder sogar im Garten in der Regel geringer als im Büro durch die Kollegen oder das ständig klingelnde Telefon und die eingehenden E-Mails. Nach einer solchen Unterbrechung braucht ein Mensch nämlich durchschnittlich 15 Minuten, um sich wieder voll und ganz auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren zu können. Durch diese bessere Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, kehren zudem viele Mütter und Väter wieder früher aus der Elternzeit zurück. Das bedeutet für den Arbeitgeber eine große Kostenersparnis. Geld sparen kann er auch durch die wegfallenden Büros und die zugehörige Ausstattung aufgrund der Dezentralisierung der Arbeit. Erreichbar ist der Mitarbeiter via Telefonkonferenzen und E-Mail-Kommunikation ja dennoch jederzeit. Das Unternehmen profitiert zudem von glücklicheren, gesünderen und motivierteren Mitarbeitern aufgrund der besseren Work-Life-Balance

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Schlussendlich kommt noch ein weiterer wichtiger Vorteil zum Tragen: Die Verringerung der krankheitsbedingten Ausfallzeiten. Wer sich unwohl fühlt, arbeitet bei einem Telearbeitsvertrag dennoch häufig, würde aber bei dem Präsenzmodell nicht ins Büro kommen. Dadurch verringert sich gleichzeitig die Ansteckungsgefahr unter den Kollegen. Ob es nun für den Arbeitnehmer von Vorteil ist, krank zu arbeiten, mag dahingestellt sein. Für den Arbeitgeber ist es das allemal!

Und inwiefern profitiert der Arbeitnehmer von der Telearbeit?

Doch der Arbeitnehmer geht bei der Telearbeit natürlich auch nicht leer aus. Gerade für ihn bringt sie zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Ganz oben auf der langen Liste der Vorteile der Telearbeit steht natürlich die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eltern können schneller wieder aus der Elternzeit in den Job zurückkehren, die Kinderbetreuung ist gesichert und sie fallen nicht zwangsweise aus, wenn das Kind einmal krank ist und deshalb nicht in den Kindergarten darf. Zudem kann der Wohnort freier gewählt werden. Das erhöht die Zufriedenheit der Arbeitnehmer und dadurch auch ihre Motivation sowie Produktivität. Dieses hohe Maß an Flexibilität ist in Zeiten der Patchwork-Familien und Fernbeziehungen häufig eine große Entlastung.
  • Eine halbe Stunde Fahrtzeit, endlose Staus und nervenzerreißende Parkplatzsuche: Dank der Telearbeit gehört all das der Vergangenheit an. Wer flexibel von Zuhause aus arbeiten kann, spart damit nicht nur eine Menge Nerven und Zeit, auch die Benzinkosten sinken und die Umwelt wird geschont.
  • Apropos Zeit: Mehr Zeit haben Arbeitnehmer bei der Telearbeit nicht nur durch die wegfallenden Fahrtwege, sondern auch durch die flexiblere Zeiteinteilung. Je nach Vertrag, können Sie in einem festgelegten Zeitrahmen Ihre Kapazitäten frei einteilen oder sogar völlig nach Belieben arbeiten, solange das Ergebnis stimmt. Dann genießen Sie doch lieber einmal am Donnerstag den strahlenden Sonnenschein und legen dafür am verregneten Samstag eine Doppelschicht ein.
  • So oder so, mehr Zeit zu haben und diese flexibler einteilen zu können, erhöht die Work-Life-Balance ungemein. Hinzu kommt, dass Sie bei der Telearbeit das Mittagessen mit Ihrer Familie einnehmen können oder Sie holen Ihre Kinder kurz selbst vom Kindergarten ab. Manch einer geht in der Pause auch gerne kurz Joggen oder macht ein Nickerchen in der Sonne. Den Tag so gestalten zu können, dass Sie Hobbys, Familie, Privat- und Berufsleben problemlos unter einen Hut bringen – all das wird durch die Telearbeit möglich.
  • Die Folge? Natürlich eine höhere Motivation. Wenn Sie von einem solch hohen Maß an Freiraum, Flexibilität und selbstverantwortlichem Arbeiten profitieren, möchten Sie Ihren Job gewiss behalten. Die Arbeitnehmer sind durch die Telearbeit daher motivierter und treuer als die Angestellten im klassischen Bürojob.
  • Das wiederum erwirkt eine höhere Produktivität. Doch die gestiegene Motivation ist dafür nicht der einzige Grund. Viele Studien haben bewiesen: Im Home Office beziehungsweise bei der Telearbeit gibt es weniger Ablenkung als im Büro, wodurch die Produktivität der Mitarbeiter steigt. Und das selbst dann, wenn im Nebenzimmer die Kinder toben. Das bedeutet: Aufgaben sind schneller erledigt, Sie geraten seltener und weniger stark unter Zeitdruck und leben daher mit der Telearbeit schlichtweg stressfreier.
  • Stressfrei, das heißt zugleich auch gesünder. Die höhere Work-Life-Balance, die ruhigere Umgebung und das geringere Stresslevel sind die beste Burnout-Prävention. Vor allem die psychische Belastung sinkt mit der Telearbeit rapide und stressbedingten Erkrankungen wird vorgebeugt. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Telearbeit für Sie oder gemäß Ihres Vertrages nicht die ständige Erreichbarkeit bedeutet.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – Auch die Telearbeit birgt Risiken

Ständige Erreichbarkeit? Das ist nicht der einzige Nachteil, der bei der falschen Organisation mit der Telearbeit einhergehen kann. Stimmen die Rahmenbedingungen für das flexible Arbeitsmodell nicht, leiden viele Telearbeiter unter dem fehlenden Kontakt zu den Kollegen, zähen Kommunikationsketten oder der Einsamkeit im heimischen Büro. Das kann auf Dauer am Selbstbewusstsein nagen, da sich viele Angestellte mit Telearbeitsvertrag früher oder später nicht mehr als vollständiges Teammitglied fühlen. Ein weiteres Problem kann darin liegen, dass Telearbeiter unter Umständen vom Radar der Führungskräfte verschwinden und daher bei Beförderungen übergangen werden. Die Telearbeit ist bislang zwar als Teilzeit- oder flexibles Arbeitszeitmodell akzeptiert, nicht aber als vollwertiger Arbeitsplatz für Mitarbeiter, welche die Karriereleiter erklimmen möchten. Für diese ist die Präsenz im Büro in den meisten Unternehmen immer noch sehr wichtig.

Telearbeit, ja oder nein? Das Fazit

Sie müssen sich also durchaus bewusst sein, dass Sie mit dem Wunsch nach der Telearbeit Ihrem Vorgesetzten eventuell signalisieren, dass Sie nicht an einer großen Karriere interessiert sind. Die Akzeptanz der Telearbeit und der Umgang mit den flexiblen Arbeitszeitmodellen ist aber immer noch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Ob die Telearbeit sinnvoll ist oder nicht, muss daher jeweils im Einzelfall entschieden werden. Fest steht: Die Telearbeit ist ein modernes, flexibles Arbeitszeitmodell mit großem Zukunftspotenzial und zahlreichen Vorteilen für die Arbeitnehmer und -geber. Allerdings birgt sie bei mangelhafter Umsetzung oder fehlenden Rahmenbedingungen auch Risiken, zum Beispiel durch die ständige Erreichbarkeit. Abhilfe kann da eine sinnvolle Kombination aus Telearbeit und der Präsenz im Büro schaffen.

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