Jeder kennt sie – niemand mag sie: Die Rede ist von Angebern. Aber irgendwie hat es doch den Anschein, dass genau diese vor Selbstüberschätzung strotzenden und völlig in sich selbst vernarrten Persönlichkeiten jene sind, die schlussendlich im Berufsleben die größten Erfolge verzeichnen. Hängen Angeberei und eine steile Karriere also irgendwie zusammen? Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf diese Frage werfen!

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Inhalt
1. Definition: Was ist eigentlich „Angeberei“?
2. Selbstbild: Es gibt zwei verschiedene Arten von Angebern
3. Angeberei hängt mit einem mangelnden Selbstbewusstsein zusammen
4. Viele Angeber sind Narzissten – und Narzissten sind erfolgreich
5. Aber: Was Sie von den Angebern lernen können…
6. Augen auf: So können Sie Angeber erkennen
7. Tipps: Wie Sie bei Angeberei richtig kontern

Definition: Was ist eigentlich „Angeberei“?

Auf der Suche nach einer Definition für „Angeber“ beziehungsweise „Angeberei“ sind wir auf die sehr treffende Aussage von Mundmische.de gestoßen:

„Angeber sind Sprachriesen, in denen sich Denkzwerge verstecken.“

Angeber sind Menschen, welche sich selbst, ihre Leistungen oder ihre Erfolge ungefragt (!) zur Schau stellen. Sie befinden sich gerne im Mittelpunkt des Interesses und rücken sich natürlich ausschließlich in ein positives Licht. Dabei neigen Angeber zur Übertreibung bis hin zu bewussten Lügen. Sie gehen in der Regel weder subtil noch mit Charisma vor.

Lese-Tipp:Charisma lernen: 13 Tipps für mehr Ausstrahlung

Aus diesem Grund fühlt sich ihr soziales Umfeld schnell von ihnen genervt. Treffende Synonyme für den „Angeber“ beziehungsweise die „Angeberei“ sind:

  • Blender
  • Prahlerei
  • Aufschneider
  • Großtuer
  • Gernegroß
  • Wichtigtuer
  • Protz

Bei einem Angeber stimmen also Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht überein. Manch einer besitzt ein offensichtlich völlig falsches Selbstbild, ein anderer einfach ein angeblich übersteigertes Selbstbewusstsein.

Selbstbild: Es gibt zwei verschiedene Arten von Angebern

Bei einem genaueren Blick auf das Selbstbild entwickelt sich die Erkenntnis, dass es zwei verschiedene Arten von Angebern geben muss:

  1. Die einen, welche bewusst oder unbewusst mit Erfolgen, Leistungen & Co prahlen, die nicht oder nicht in dieser Form stattgefunden haben. Es handelt sich also um eine Übertreibung der Wirklichkeit bis hin zur kompletten Lüge.
  2. Und die anderen, welche tatsächlich große Leistungen vollbracht, viel Geld gescheffelt oder Angela Merkel die Hand geschüttelt haben – und das gerne bei jeder Gelegenheit alle Menschen in Hörweite wissen lassen.

Doch sowohl die Ursache als auch die Wirkung dieser zwei verschiedenen Arten der Angeberei sind dieselben: Sie resultiert in der Regel aus einem mangelnden Selbstbewusstsein und geht dem Umfeld tierisch auf die Nerven. Angeber werden gemeinhin auch als „eingebildet“ bezeichnet. Und tatsächlich handelt es sich bei dem angeblich so positiven Selbstbild in der Regel um nichts Anderes als Einbildung:

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„Einbildung ist auch eine Bildung!“
(Volksmund)

Angeberei hängt mit einem mangelnden Selbstbewusstsein zusammen

Ein Stück weit mag Angeberei jedem Menschen in die Wiege gelegt sein. Wer genießt es schließlich nicht, etwas „Besonderes“ zu sein oder von seinem sozialen Umfeld Bewunderung einzuheimsen? Doch wenn Angeberei (zu) häufig oder exzessiv auftritt, kann sie Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung sein. In der Regel versuchen Menschen durch ihre Angeberei ein mangelndes Selbstbewusstsein zu vertuschen beziehungsweise ihren Selbstwert durch äußere Faktoren – wie die Bewunderung durch ihr soziales Umfeld – aufzubauen. Dieses mangelnde Selbstbewusstsein kann aus in der Kindheit erworbenen Minderwertigkeitskomplexen resultieren bis hin zur handfesten Psychopathie. Auch Narzissten neigen häufig und gerne zur Angeberei.

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Angeberei kann also – muss aber nicht – ein Anzeichen für eine narzisstische oder psychopathische Persönlichkeitsstörung sein. Dies gibt auch einen ersten Hinweis auf die Antwort zu unserer Frage: Ja, Angeberei und eine steile Karriere könnten tatsächlich zusammenhängen.

Viele Angeber sind Narzissten – und Narzissten sind erfolgreich

Angeberei hat also mit einem mangelnden Selbstbewusstsein zu tun, zum Beispiel als Teil einer narzisstischen oder psychopathischen Persönlichkeitsstörung. Der „Erfolgsmechanismus“ ist also eigentlich ganz simpel in vier Schritten zusammenzufassen:

  1. Ein Angeber hat ein mangelndes Selbstbewusstsein.
  2. Er ist mit sich selbst und der Realität nicht zufrieden.
  3. Um Anerkennung zu erlangen, neigt er deshalb zu überdurchschnittlichen Leistungen.
  4. Diese wiederum sorgen dafür, dass er (positiver) auffällt und schneller befördert wird.

Genau diese Anerkennung, Bewunderung oder das Lob durch das soziale Umfeld sind es, welche den Angeber geradezu süchtig machen können, sodass er immer noch mehr davon wünscht und auch noch mehr leistet beziehungsweise angibt. Er begibt sich also in einen Teufelskreis aus diesen vier genannten Schritten.

Eben dieser Teufelskreis ist dann aber auch dafür verantwortlich, dass die Karriere des Angebers häufig ebenso schnell wieder endet, wie sie aufwärtsging. Und der Fall ist nicht selten tief. Wer sich selbst überschätzt oder durch Angeberei als kompetenter, leistungsstärker, intelligenter usw. darstellt als er eigentlich ist, erschafft dadurch selbst ein Idealbild von sich, welches er fortan gegenüber seinem sozialen Umfeld aufrechterhalten muss.

Beispiel: Der Angeber hat lauthals die Leitung für ein Projekt übernommen, von dem er fachlich eigentlich keine Ahnung hat. Er hat sein Umfeld beziehungsweise den Vorgesetzten aber glauben lassen, er verfüge über eine Menge Knowhow und Erfahrung in dem Fachbereich und muss das Projekt nun natürlich auch erfolgreich abschließen, um die gewünschte Bewunderung oder sogar Beförderung zu erhaschen.

Ein Angeber setzt sich also im Beruf auf Dauer selbst so stark unter Druck, dass er unter diesem früher oder später meist zusammenbricht. Die Folge: Psychische und oder physische Probleme. Scham, wenn wie Angeberei auffliegt, ist ebenso häufig zu finden wie stressbedingte psychische oder physische Erkrankungen à la

  • Burnout
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Rückenschmerzen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • und und und…

Zwar geht der hierarchische Aufstieg eines Angebers also zu Beginn oft schnell und hoch hinaus, doch stößt er irgendwann aufgrund seiner maßlosen Selbstüberschätzung an die Grenzen seiner Kompetenz – womit er aufgrund seines mangelnden Selbstbewusstseins natürlich überhaupt nicht zurechtkommt. Vor allem

  • die fehlende Lernbereitschaft,
  • mangelnde Selbstkritik,
  • hohen Erwartungen an sich selbst,
  • der eigens auferlegte Zeitdruck sowie
  • die Dysbalance aus Soft Skills (persönlichen Kompetenzen) und Hard Skills (fachlichen Kompetenzen)

ergeben eine explosive Mischung, die dem Angeber früher oder später „um die Ohren fliegt“.

„Der Angeber kommt meist nicht weit.
Es fehlt ihm ja die Sicherheit, mit der, ganz ohne anzugeben,
die wahrhaft Fortgeschritt’nen leben.“
(Sprichwort)

Aber: Was Sie von den Angebern lernen können…

…ist, dass (vorgetäuschtes) Selbstbewusstsein durchaus zu mehr Erfolg im Beruf führen kann. Sie müssen ja nicht gleich mit der Angeberei beginnen, doch ständige Selbstzweifel können auf der anderen Seite zum echten Karrierehemmnis mutieren. Wer selbstbewusst ist und sich mehr zutraut, strahlt dies auch aus, reißt seine Kollegen oder Mitarbeiter mit und genießt mehr Respekt durch sein soziales Umfeld. Selbstbewusste Menschen wirken überzeugender und hinterlassen einen bleibenderen sowie positiveren Eindruck. Sie können sich also durchaus eine Scheibe von den nervigen Angebern abschauen: Ein gesundes (!), wenn auch nicht übersteigertes, Selbstbewusstsein ist nämlich eine wichtige Grundlage für beruflichen Erfolg – und privaten.

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Bauen Sie also Ihr Selbstbewusstsein auf und beobachten Sie erste positive Auswirkungen auf Ihr Selbstbild sowie Ihre Fremdwahrnehmung im Job. Doch Vorsicht: Verfallen Sie nicht der Angeberei, denn dann vergraulen Sie schnell Ihre „Freunde“ im beruflichen Umfeld und soziale Kontakte sind für die Karriere mindestens ebenso wichtig wie Ihre Leistungen oder eben Ihr Selbstbewusstsein.

Lese-Tipp:Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Augen auf: So können Sie Angeber erkennen

Gerade im Arbeitsleben – und hier vor allem in den Führungsetagen – wimmelt es geradezu von Angebern, Narzissten und Psychopathen. Also schlüpfen Sie einmal in die Beobachterrolle und halten Sie im beruflichen Umfeld Ihre Augen offen. An folgenden fünf Merkmalen können Sie Angeber schnell erkennen:

  1. Auffälliges Styling: Angeber wollen auffallen um jeden Preis. So viel wissen Sie jetzt bereits. Das äußert sich natürlich auch in ihrem Styling. Häufig sind sie zwar auf den ersten Blick „normal“ gekleidet, auf den zweiten Blick darf es aber nur das Beste vom Besten sein. Eine teure Uhr, der maßgeschneiderte Anzug oder die Louboutin-Heels können unweigerliche Zeichen für einen Angeber sein. Häufig sind sie zudem sehr gepflegt und setzen ihren sportlichen Körper durch hautenge Kleidung in Szene.
  2. Schlechter Verlierer: Für einen Angeber ist das ganze Leben ein Wettkampf. Er versucht sich deshalb stets mit anderen zu messen. Und sollte er einmal als Verlierer aus einem dieser „Wettkämpfe“ hervorgehen, kommt er damit in der Regel überhaupt nicht gut zurecht. Trotziges Verhalten kann dabei ebenso zu beobachten sein wie Aggressivität oder Verleumdung.
  3. Spannende Geschichten: Der Angeber steht gerne im Mittelpunkt. Wie er das schafft? Durch spannende Geschichten natürlich! Diesen Promi hat er schon einmal getroffen, auf dem Konzert war er in der ersten Reihe und der Chef hat ihm neulich einen lustigen Witz erzählt. Hauptsache, er steht in der Geschichte als jemand Besonderes da. Wer in jeder Situation eine Geschichte zu erzählen hat – die Ihnen zudem unglaubwürdig oder übertrieben erscheint – könnte ein klassischer Angeber sein.
  4. Einschleimen beim Chef: Da sich der Angeber gerne als „etwas Besseres“ ansieht als seine Kolleginnen und Kollegen, strebt er vor allem nach der Aufmerksamkeit der ihm hierarchisch höher gestellten Personen. Plötzlich ist der „per Du“ mit dem Chef oder war mit dem CEO einen Kaffee trinken. Nicht selten mutiert ein Angeber geradezu zum „Schleimer“ mit Fremdschämpotenzial.
  5. Hoher Lebensstandard: Die Extravaganz des Angebers kostet eine Stange Geld. Die Kleidung ist teuer, die Wohnung viel zu groß und das Auto über eigentlich viel zu hohe Schulden finanziert. Angeber pflegen einen hohen Lebensstandard – häufig zu hoch für ihr eigentliches Einkommen. Ein auffällig luxuriöser Lebensstil ist deshalb ebenfalls ein untrüglicher Hinweis auf einen Angeber.
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ (Sprichwort)
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Sollten Sie einen Angeber entlarvt haben, halten Sie am besten einfach eine höfliche Distanz zu ihm ein und nehmen Sie seine Prahlerei nicht allzu ernst. Vor allem, wenn es sich um eine Ihnen vorgesetzte Führungspersönlichkeit handelt, ist Schweigen Gold.

Tipps: Wie Sie bei Angeberei richtig kontern

Sollten Sie aber endgültig die Nase voll haben von der Prahlerei eines Angebers in Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld, können Sie ihm durch einen bewusst platzierten Konter den Wind aus den Segeln nehmen. Am besten wirkt dabei ein wenig spitzzüngige Ironie:

„Ach wirklich Herr Mustermann? Sie fahren jetzt einen Porsche? Na dann muss ich wohl mal mit der Personalabteilung sprechen, wieso ich als Ihr Vorgesetzter mir das nicht leisten kann. Oder haben Sie einen Nebenjob, von dem ich nichts weiß?“

„Ein ähnliches Projekt haben Sie schon in Ihrer vorherigen Anstellung geleitet? Erzählen Sie mir doch mehr darüber – das interessiert mich wirklich bis ins kleinste Detail, Herr Mustermann!“

„Das ist ja unfassbar interessant, Frau Musterfrau! Aber ich möchte Ihre kostbare Zeit nicht stehlen. Wenn Sie allerdings gerade nichts Besseres zu tun haben, hätte ich da eine wichtige Aufgabe für Sie.“

Doch Vorsicht: Vor allem bei Narzissten oder Psychopathen mit handfester Persönlichkeitsstörung kann die Reaktion auf Ihr „Bloßstellen“ unberechenbar ausfallen. Also halten Sie sich vielleicht doch lieber zurück, setzen Sie Ihr höflichstes Lächeln auf und warten Sie auf das nächste Fettnäpfchen. Wenn Angeber nämlich für eines gut sind, dann für einen herzhaften Lachkrampf, wenn sie sich durch ihre Selbstüberschätzung wieder einmal selbst zum Narren halten.

Welche lustigen Anekdoten können Sie von Angebern erzählen? Oder wie gehen Sie mit ihnen im beruflichen Umfeld um? Denken Sie, dass Angeberei eher karrierehinderlich oder -förderlich ist und wieso? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit!

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