Immer wieder stolperst du über dieselben Phrasen in den unterschiedlichsten Stellenanzeigen. Egal ob ein “kollegiales Umfeld” oder ein “angenehmes Betriebsklima”. Es sind fast immer dieselben Bezeichnungen und das lässt die Frage aufkommen, wie viel Wahrheit in diesen Aussagen steckt. Damit du bei deiner nächsten Bewerbung keine böse Überraschung erlebst, wird es Zeit, dass du verstehst, was die klassischen Phrasen in Stellenanzeigen wirklich bedeuten.

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Erkennen, was der Arbeitgeber dir sagen möchte

Leider haben die meisten Arbeitgeber die Eigenschaft, ihre Wünsche und Vorstellungen sowie ihre Meinung recht kryptisch mitzuteilen. Du kennst das mit Sicherheit aus deinem Arbeitszeugnis, falls du schon einmal eines erhalten hast. Auch hier gibt es die klassischen Floskeln, welche jedoch was völlig anderes bedeuten als das, was der Inhalt auf den ersten Blick vermuten lässt.

Um ein klassisches Beispiel aus dem Arbeitszeugnis zu nennen. Die Formulierung “er oder sie war stets bemüht“, mag auf den ersten Blick gar nicht so negativ klingen, immerhin hat sich die Person ja Mühe gegeben und war bemüht, seine Aufgaben zu erledigen. In Wahrheit bedeutet diese Floskel jedoch, dass der Arbeitgeber ganz und gar nicht zufrieden mit der Person war. Würdest du die Aussagen deines Arbeitszeugnisses als Schulnoten sehen, dann wäre dieser Satz eine glatte 5, also mangelhaft.

Ähnlich verhält es sich auch bei Stellenanzeigen. Auch hier findest du repetitive Floskeln und Phrasen, die in fast jeder Anzeige vorkommen, egal welche Branche. Jedoch ist es bei Stellenanzeigen nicht ganz so extrem wie bei den kryptischen Formulierungen in deinem Arbeitszeugnis. Karriereberater Christoph Burger gab dazu bereits in einem Artikel von Welt.de zu verstehen, dass die Formulierungen in Arbeitszeugnissen unter anderem durch Gerichtsverhandlungen entstanden sind. Es handelt sich also bei den klassischen Arbeitgeber-Floskeln in Stellenanzeigen nicht unbedingt um eine Art “kryptischen” Geheimcode, wie du ihn etwa in deinem Arbeitszeugnis findest.

Der elementare Unterschied liegt schlichtweg darin, dass der Arbeitgeber unter Umständen versucht, gewisse Sachen zu beschönigen und Zeit zu sparen. Trotzdem steckt hinter jeder klassischen Floskel immer noch eine gewisse Hintergrundinformation, welche du erkennen solltest. So kannst du dich auf gewisse negative Aspekte des Jobs von vorneherein besser einstellen.

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Die klassischen Arbeitgeber-Floskeln und ihre Bedeutung

Folgende Floskeln hast du mit Sicherheit schon in mindestens einer, wenn nicht sogar in mehreren Stellenanzeigen gesehen. Jetzt erfährst du, was diese bedeuten können.

1. Motivierte Mitarbeiter mit Begeisterungsfähigkeit

Viele Unternehmen suche in Ihrem Stellenausschreiben nach “motivierten Mitarbeitern, welche eine gewisse Begeisterungsfähigkeit mitbringen”. Das scheint natürlich auf den ersten Blick nichts Verwerfliches zu sein und ist irgendwo auch nachvollziehbar. Doch wenn du etwas zwischen den Zeilen liest, dann könntest du diese Floskel auch etwas anders verstehen. Denn wenn ein Unternehmen Mitarbeiter sucht, welche leicht zu begeistern sein sollten, dann könnte die entsprechende Tätigkeit wahrscheinlich ziemlich langweilig sein, weshalb es den meisten Mitarbeitern schnell an Motivation und Begeisterung mangelt.

2. Ein dynamisches Arbeitsumfeld und eine flexible Tätigkeit

Sätze, welche so oder so ähnlich klingen, sind ebenfalls in vielen Stellenanzeigen zu finden. Auch diese Formulierung klingt erst mal positiv. Aber die Begriffe “dynamisch” und “flexibel” kann man natürlich auch anders deuten. Denn oftmals verbirgt sich hinter dieser Aussage, dass es eine sehr hohe Mitarbeiterfluktuation gibt und Mitarbeiter spontan einspringen müssen, weil andere Kollegen unzuverlässig sind. Solltest du diese Floskel in einer Anzeige finden, schau dir auf jeden Fall die Bewertungen der Firma an. Sollten hier vermehrt negative Rezessionen von ehemaligen Mitarbeitern auftauchen, dann sollten bei dir bereits die Alarmglocken angehen.

2. Überdurchschnittliches oder attraktives Gehalt

Auch diese Formulierung findest du in den meisten Stellenausschreibungen. Jedoch solltest du dich von dieser überschwänglichen Formulierung nicht blenden lassen. Mit einem “überdurchschnittlichen Gehalt” kann nämlich auch einfach ein Betrag gemeint sein, welcher nur knapp über dem Mindestlohn liegt. Ebenso ist die Bezeichnung “ein attraktives Gehalt” oftmals rein subjektiv. Was für den einen attraktiv ist, muss nicht zwangsläufig für alle attraktiv sein.

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4. Viele Weiterbildungsmöglichkeiten

Eine immer wieder gerne genutzte Arbeitgeber-Floskel, sind die “Weiterbildungsmöglichkeiten”. Doch auch hier solltest du die rosarote Brille am besten abnehmen und dich von der blumigen Umschreibung nicht täuschen lassen. Denn in den seltensten Fällen sind damit lehrreiche und wichtige Weiterbildungsmaßnahmen gemeint, die deinen beruflichen Horizont erweitern und dein Gehalt erhöhen. Stattdessen handelt es sich um notgedrungene Fortbildungen, die du annehmen musst, da immer wieder Mitarbeiter kündigen und bestimmte Stellen nicht mehr besetzt werden können. Im schlimmsten Fall werden diese Fortbildungen nicht mal vom Unternehmen bezahlt, sondern du mnusst diese aus eigener Tasche finanzieren.

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5. Belastbarkeit

Im Anforderungsprofil vieler Stellenanzeigen findest du den Begriff “Belastbarkeit”. Es wird also vom Interessenten der Stelle erwartet, eine außergewöhnliche Belastbarkeit mitzubringen. Das lässt schon vermuten, worauf die ganze Sache hinausläuft. Oftmals ist damit nämlich gemeint, dass du in diesem Unternehmen auf ein äußerst ruppiges Betriebsklima treffen wirst und die Arbeit mit sehr viel Stress verbunden ist.

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6. Mobilität

Auch ein Punkt, den sehr viele Arbeitgeber in das Anforderungsprofil ihrer Stellenanzeige reinschreiben. Es wird erwartet, dass du als Bewerber über eine möglichst große Mobilität verfügst. Im Klartext heißt das, du solltest mindestens einen Führerschein der Klasse B mitbringen. Jetzt denkst du wahrscheinlich, dass das daran liegt, damit du nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bist und somit immer pünktlich zur Arbeit erscheinen kannst. Das ist jedoch nur teilweise richtig. Denn diese Formulierung bedeutet auch noch etwas anderes. Oftmals ist es nämlich so, dass diese Mobilität erwartet wird, weil du öfter den Standort wechseln musst. Es kann also sein, dass du in unterschiedlichen Filialen des Unternehmens eingesetzt wirst oder sogar Dienstfahrten für deinen Chef erledigen musst.

Informiere dich vorab über das Unternehmen

Nun hast du einige der bekanntesten Arbeitgeber-Floskeln kennengelernt und weißt jetzt, was diese in Wahrheit bedeuten. Das muss natürlich nicht immer heißen, dass das Unternehmen wirklich schlecht ist. Es gibt auch Ausnahmen und oftmals greifen Personaler auf diese Phrasen zurück, um die Stellenanzeige schnellstmöglich fertigzustellen, da sie unter Zeitdruck stehen.

Damit du trotzdem auf Nummer sichergehen kannst, bekommst du noch einige Tipps, mit denen du das Risiko minimieren kannst, an einen unpassenden Arbeitgeber zu gelangen:

  • Informiere dich vorab über das Unternehmen. Gibt es eine hohe Fluktuation? Sind im Internet vermehrt schlechte Rezessionen zu finden?

  • Lass dir beim Vorstellungsgespräch alle wichtigen Informationen geben. Welche Konditionen gibt es? Wie sieht die Vergütung aus?

  • Sei ruhig wählerisch. Du kannst dich auch auf Stellen bewerben, bei denen du nicht alle Anforderungen erfüllst. Das ist sowieso selten der Fall. Bewirb dich lieber auf eine solche Stelle, anstatt auf eine Stellenanzeige, welche voller Floskeln steckt.

  • Bestimmte Phrasen lassen sich nicht vermeiden. Nur weil in einer Stellenanzeige von einem “attraktiven Gehalt” die Rede ist, solltest du diese nicht kategorisch ausschließen. Betrachte die Anzeige als Ganzes und nicht nur die einzelnen Teile.

Bildnachweis: vectorkuro/Shutterstock.com

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