„Leistungsträger“ werden heutzutage von Unternehmen gesucht. Menschen, die wie eine Maschine arbeiten können, dabei niemals krank werden und am besten noch stets gut gelaunt sind. Klingt unrealistisch? Ist es auch! Da aber viele Arbeitnehmer aus Angst vor einem Jobverlust versuchen, eben dieser „Leistungsträger“ zu sein, wächst ihnen schnell die Arbeit über den Kopf. Sie haben dann die Wahl: Entweder Sie steuern direkt auf ein Burnout zu oder aber Sie sprechen mit Ihrem Chef. Nur, wie?

Inhalt
1. Unsere Geschäftswelt verändert sich – aber nicht unbedingt positiv
2. „Arbeit 4.0“ – Das digitale Zeitalter bricht an
3. Überstunden: Mehr Arbeit in weniger Zeit? Von wegen!
4. Ihnen wächst die Arbeit über den Kopf? Das ist in Ordnung!
5. „Weniger Arbeit, bitte!“ – So führen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef
6. Tipp 1: Gespräch vorbereiten
7. Tipp 2: Situation mittels Fakten aufdröseln
8. Tipp 3: Lösungsvorschläge entwickeln
9. Tipp 4: Zukunftsperspektiven besprechen
10. Tipp 5: Erfolge dokumentieren

Unsere Geschäftswelt verändert sich – aber nicht unbedingt positiv

Die Globalisierung der vergangenen Jahre hat den Konkurrenzdruck auf deutsche Unternehmen erhöht. Sie müssen höhere Löhne zahlen und strengere Richtlinien einhalten als ihre Mitstreiter in Osteuropa, Südamerika oder Asien. Doch wer günstiger produziert, kann auch billiger verkaufen. In vielen Branchen herrscht deshalb zurzeit reges Preisdumping. Doch in einem Land der Mindestlöhne und Tarifvereinbarungen fällt es den deutschen Unternehmen schwer, Kosten einsparen und so im internationalen Konkurrenzkampf mithalten zu können. Die Folge: Wer keine günstigeren Mitarbeiter einstellen kann, beschäftigt eben schlichtweg weniger.

Statistik: Entwicklung der Arbeitslosenzahl in Deutschland von 2007 bis 2015 und Prognose des DIW bis 2018 (in Millionen) | Statista
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Aufgrund des demografischen Wandels hat dies auf die Arbeitslosenquote in Deutschland keine negativen Auswirkungen, schließlich fehlt es ohnehin in zahlreichen Branchen an qualifiziertem Nachwuchs, sodass mehr und mehr Beschäftigte aus dem Ausland angeworben werden. Doch der angestellte Arbeitnehmer selbst bekommt die Auswirkungen des „Sparkurses“ deutscher Unternehmen durchaus zu spüren:

Deutsche Arbeitnehmer müssen in immer kürzerer Zeit immer mehr sowie komplexere Aufgaben erledigen.

Noch eine weitere Entwicklung kommt nämlich hinzu, welche zwar eigentlich den Arbeitsalltag erleichtern sollte, doch auch ganz neue und bislang ungeahnte Probleme mit sich bringt. Die Sprache ist von der Digitalisierung. Klingelnde Smartphones, hunderte von E-Mails pro Tag, Remote Work, mobile Recruiting – all diese Dinge und noch viele mehr wären vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Doch ist unsere „neue“ digitale Welt auch plötzlich viel komplexer als eben noch vor einigen Jahren. Wir werden schon am Morgen von unserem Smartphone geweckt und sind auch nach Feierabend oder im Urlaub noch erreichbar. „Arbeit 4.0“ nennen Experten diese neue komplexe Geschäftswelt.

Statistik: Sind Sie außerhalb der regulären Arbeitszeit für berufliche Angelegenheiten erreichbar? | Statista
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„Arbeit 4.0“ – Das digitale Zeitalter bricht an

Die „Arbeit 4.0“ bezeichnet simultan zur sogenannten „Industrie 4.0“ die Veränderung der Arbeitswelt durch die Globalisierung und die Digitalisierung. Sie steht ganz im Zeichen der bereits erwähnten zunehmenden Komplexität sowie dem technologischen Fortschritt sowohl bei Robotern als auch den modernen Kommunikationsmitteln.

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Fakt ist also, dass die Entwicklung der Arbeitswelt derzeit in Richtung Vernetzung und Komplexität geht. Ein Prozess, der sich nicht mehr aufhalten lässt, der aber für Arbeitnehmer eine zunehmende und vor allem völlig neue Belastung bedeutet. Konkurrenz-, Arbeits- und Zeitdruck scheinen im Berufsleben mittlerweile in rasantem Tempo zuzunehmen und viele Deutsche haben sich noch nicht an die neue „Arbeitswelt 4.0“ angepasst. Die Folge: Dauerstress!

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Überstunden: Mehr Arbeit in weniger Zeit? Von wegen!

Wenn also immer weniger Arbeitnehmer dieselben oder sogar mehr und komplexere Aufgaben erledigen müssen, bedeutet das vor allem eine Menge Überstunden. Zwar soll die Digitalisierung den Arbeitsalltag erleichtern und beschleunigen, die Realität sieht aber leider anders aus. Die aufgrund des demografischen Wandels eigentlich immer weniger Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten sogar mehr als ihre Vorgänger.

Infografik: Deutsche arbeiten immer mehr | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Und das Erschreckende ist nicht nur die hohe Anzahl an Überstunden in Deutschland, sondern vor allem, dass ein Großteil davon sogar auch noch unbezahlt ist.

Infografik: Deutsche machten 2014 über 1 Milliarde unbezahlte Überstunden | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Der deutsche Arbeitnehmer von heute arbeitet quasi freiwillig ohne Bezahlung nach seinem Feierabend weiter, einfach, um seine Arbeitslast irgendwie zu schaffen und so dem ständigen Zeit- und Leistungsdruck zu entkommen.

Statistik: Wie häufig fühlen Sie sich bei der Arbeit gehetzt und stehen unter Zeitdruck? | Statista
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Dass dies eine äußerst beunruhigende Entwicklung ist, liegt eigentlich auf der Hand. Doch auch diese These möchten wir noch einmal durch empirische Daten untermauern: Eine weitere Studie ergab, dass bereits zwei Überstunden pro Woche bei 49 Prozent der Betroffenen zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. 48 Prozent leiden unter Rückenschmerzen, 36 Prozent unter körperlicher Erschöpfung, 29 Prozent unter Schlafstörungen und 21 Prozent unter Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression.

Infografik: Schon wenige Überstunden machen krank | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Überstunden sollten daher weder von Arbeitgebern noch von Arbeitnehmern auf die leichte Schulter genommen werden. Eine zu hohe Arbeitslast bedeutet auf Dauer für die Unternehmen nämlich keine Kosteneinsparungen, sondern im Gegenteil eine sinkende Produktivität sowie hohe Krankenstände und damit auch eine erhebliche finanzielle Belastung. Vor allem Frauen leiden schnell unter einer (zu) hohen Arbeitslast beziehungsweise Arbeitszeit pro Woche, was aber nicht an ihrem Geschlecht, sondern der häufig damit einhergehenden Doppel- oder Dreifachbelastung liegt.

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Ihnen wächst die Arbeit über den Kopf? Das ist in Ordnung!

Fragen Sie sich jetzt, was wir Ihnen mit all diesen Daten sagen wollen? Ganz einfach: Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Ihnen mittlerweile die Arbeit über den Kopf wächst. Es ist im Gegenteil sogar die logische Schlussfolgerung aus den aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und es ist vor allem völlig in Ordnung. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die Arbeitslast, der Zeitdruck oder die Überstunden zu viel werden und Ihr Wohlbefinden darunter zu leiden beginnt, sollten Sie dringend handeln. Ansonsten drohen früher oder später psychische und/oder physische Folgeerkrankungen à la Burnout-Syndrom.

Nicht ohne Grund wird das Burnout-Syndrom mittlerweile auch als „Modekrankheit“ betitelt, doch das kommt nicht von ungefähr. Dennoch sind Sie diesen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt durchaus Möglichkeiten der Burnout-Prävention.

Lese-Tipp:Burnout verhindern – 10 wirksame Tipps zur aktiven Prävention

Lassen Sie sich nicht in den Konkurrenzdruck Ihrer Kollegen reinziehen. Sagen Sie nicht zu allem „Ja und Amen“ und ignorieren Sie nicht Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. Spätestens, wenn Sie erste körperliche oder psychische Warnsignale wahrnehmen, sollten Sie handeln – und zwar bevor der im Video genannte „Tunnelblick“ einsetzt. Üben Sie sich in Achtsamkeit und lernen Sie (wieder), nach sich selbst zu schauen anstatt nach rechts und links.

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Und Achtsamkeit beziehungsweise Selbstreflexion – dazu gehört eben auch, schnell zu handeln, wenn Ihnen die Arbeit zu viel wird und das Vieraugengespräch mit Ihrem Vorgesetzten zu suchen. Um weniger Arbeit bitten, das kommt aber für viele Deutsche nicht infrage. Sie haben Angst davor, ihr Gesicht oder schlimmer noch ihren Job zu verlieren, wenn sie Schwäche zeigen. Menschlichkeit ist in unserer westlichen Arbeitswelt schließlich nicht gerne gesehen. Doch in vielen Unternehmen findet aufgrund der hohen Burnout-Zahlen und der neuen Anforderungen der Generation Y mittlerweile ein Umdenken statt.

Infografik: Junge Deutsche sehen vor allem Überstunden als Problem | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die „Jungen“ möchten sich nämlich nicht mehr wie ihre Vorgänger im wahrsten Sinne des Wortes für ihren Job aufopfern und dadurch ihre psychische sowie physische Gesundheit aufs Spiel setzen. Sie möchten keine (unbezahlten) Überstunden leisten, wünschen sich stattdessen eine ausgewogene Work-Life-Balance, ein sinnerfülltes Berufsleben und persönliche Flexibilität.

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Und das ist auch gut so! Sie sollten sich ein Beispiel an der „egoistischen“ Generation Y nehmen und sich wieder selbst als das Wichtigste in Ihrem Leben betrachten. Wenn Sie aufgrund der hohen Arbeitsbelastung auf Dauer krank werden, profitieren nämlich weder Sie selbst noch Ihr Arbeitgeber davon. Sollte ihm das nicht bewusst sein beziehungsweise bringt er dafür keinerlei Verständnis auf, wäre es eventuell ohnehin einmal an der Zeit, über einen Jobwechsel nachzudenken.

„Weniger Arbeit, bitte!“ – So führen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef

Hin und wieder fühlt sich wohl jeder von uns überfordert. An manchen Tagen scheint sich die Arbeit einfach unendlich zu stapeln und Sie haben das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen. An anderen Tagen sind Sie vielleicht einfach schlecht drauf, fühlen sich unwohl oder leiden noch unter dem Streit mit dem/r Ehepartner/in am Vortag. Diese Momente der völligen Überwältigung, vielleicht sogar des Blackouts, kennt wohl jeder von uns. Aber keine Sorge: Es gibt einfache „Erste-Hilfe-Maßnahmen“, die Ihnen in einer akuten Überforderungssituation helfen können.

Lese-Tipp:Überforderung im Job – 10 wirksame Erste-Hilfe-Maßnahmen

Wenn solche Momente aber öfters vorkommen, vielleicht sogar Dauerzustand sind, oder Sie schon am Vorabend voller Angst und Überforderungsgefühle an den nächsten Arbeitstag denken, sollten Sie dringend handeln. Was jetzt noch hilft, ist ein ehrliches Vieraugengespräch mit Ihrem Vorgesetzten, in welchem Sie ihm die Situation schildern und bestenfalls gemeinsam eine Lösung entwickeln. Aber wie gehen Sie ein solches Gespräch mit Ihrem Chef am besten an?

Tipp 1: Gespräch vorbereiten

Ein Gespräch mit dem Vorgesetzten sollten Sie niemals unvorbereitet oder in Ihrer ersten „Panik“ führen. Das gilt auch für Gehaltsverhandlungen, Feedbackgespräche & Co. Nehmen Sie sich daher Zeit, das Gespräch ausreichend vorzubereiten, den Chef um einen ihm passenden Termin mit ausreichend Pufferzeit zu bitten und sich Ihre Argumente zurechtzulegen.

Tipp 2: Situation mittels Fakten aufdröseln

Setzen Sie sich hierfür zum Beispiel an Ihrem Feierabend oder am Wochenende hin, nehmen Sie ein Blatt Papier sowie einen Stift zur Hand und beginnen Sie, Ihre Überforderungssituation so objektiv wie möglich zu analysieren:

  • Wie fühlen Sie sich momentan bei der Arbeit?
  • Wieso fühlen Sie sich so?
  • Welche Projekte liegen derzeit auf Ihrem Tisch?
  • Welche Deadlines setzen Sie unter Zeitdruck?
  • Gibt es weitere Belastungen im Arbeitsalltag wie Konflikte mit Kollegen?
  • Fühlen Sie sich von Ihrem Team unterstützt oder im Stich gelassen?
  • Fehlen Ihnen für gewisse Projekte oder Verantwortungen eventuell Knowhow beziehungsweise wichtige Kompetenzen?

Tipp 3: Lösungsvorschläge entwickeln

Da es aber natürlich nichts bringt – und Ihrem Vorgesetzten gewiss auch auf die Nerven geht – wenn Sie nur über Ihre Situation jammern, ohne einen Lösungsvorschlag parat zu haben, sollten Sie natürlich auch mögliche Auswege aus Ihrer Überlastung auflisten:

  • Welche Projekte oder Verantwortungsbereiche können Sie vielleicht abgeben und an wen?
  • Welche Maßnahmen würden Ihrem Wohlbefinden derzeit guttun (Reduzierung der Arbeitszeit, Homeoffice, Abtretung von Zuständigkeiten o.ä.)
  • Gibt es Deadlines, welche Sie nach hinten verschieben könnten?
  • Wo könnte Ihnen vielleicht das Team, ein Praktikant oder eine andere Person unter die Arme greifen?
  • Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, um fehlende Kompetenzen zu erwerben?

Tipp 4: Zukunftsperspektiven besprechen

Vorausgesetzt, Ihr Vorgesetzter ist ebenfalls an Ihrem Wohlbefinden sowie Ihrer Gesundheit interessiert, entwickeln Sie daraufhin im „Best-Case-Szenario“ Zukunftsperspektiven, die für alle Beteiligten in Ordnung sind, also für Sie selbst, Ihren Arbeitgeber, Ihren Vorgesetzten, die Teamkollegen und und und…Allein der Ausblick auf Änderung hilft vielen Betroffenen bereits, besser mit der akuten Überforderungssituation klarzukommen. Doch natürlich sollte es nicht dabei bleiben, sondern auf lange Sicht muss sich Ihr Arbeitsalltag auch tatsächlich (wieder) zum Besseren wenden.

Tipp 5: Erfolge dokumentieren

Aus diesem Grund sollten Sie die Ergebnisse Ihres Vieraugengesprächs mit dem Chef schriftlich festhalten, eventuell sogar von ihm unterzeichnen lassen, und anschließend dokumentieren, ob sich Erfolge beziehungsweise Veränderungen einstellen und ob diese ausreichend sind. Sollte sich keine Besserung der Situation abzeichnen, können Sie entweder noch einmal das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen oder aber Sie denken tatsächlich über einen internen oder externen Jobwechsel, eine Reduktion Ihrer Arbeitszeit oder auch ein Sabbatical nach – je nach individueller Situation.

Lese-Tipp:Sabbatical – Die Auszeit vom Job richtig planen

Denn wie bereits erwähnt, sollten Sie selbst sowie Ihre Gesundheit ab sofort (wieder) an erster Stelle stehen. Und vielleicht bleibt dann nach Feierabend ja auch mal wieder mehr Zeit für die Familie, Ihre Hobbys oder einfach ein wenig Entspannung.

Statistik: Bleibt Ihnen durch die Arbeit manchmal weniger Zeit für die Familie als geplant? | Statista
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Oder was denken Sie? Ist es Ihrer Meinung nach ein „No-Go“, den Chef um weniger Arbeit zu bitten? Welche sind Ihre Tricks gegen eine Überforderung im Job? Haben Sie vielleicht selbst schon einmal unter einem Burnout-Syndrom gelitten? Und was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt? Teilen Sie Ihre Gedanken zum Thema in den Kommentaren mit uns!

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