Im Vorstellungsgespräch müssen Sie so einige kritische Fragen „überstehen“, um eine Chance auf die Jobzusage zu haben. Dazu gehört auch der Klassiker: Weshalb möchten Sie Ihren Job wechseln? Was also sollten Sie antworten, wenn Sie sich aus einer bestehenden Anstellung heraus bewerben? Wir verraten es Ihnen!

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Bewerberin wird im Vorstellungsgespräch nach ihren Jobwechsel-Gründen gefragt
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Inhalt
1. Jeder Personaler interessiert sich für Ihre Ausgangssituation
2. Inwiefern sind Ihre Jobwechsel-Gründe wichtig?
3. „Freiwillige Jobwechsler“ können getrost mit Selbstbewusstsein auftreten
4. Was sollten Sie auf die Frage „Weshalb möchten Sie Ihren Job wechseln“ antworten?
5. Grundregeln: Dos und Don’ts im Vorstellungsgespräch
6. Formulierungsbeispiele für Ihre Antwort auf die Frage nach den Jobwechsel-Gründen

Jeder Personaler interessiert sich für Ihre Ausgangssituation

Die Situation eines jeden Bewerbers ist absolut individuell. Klar, dass sich der Personaler dafür interessiert, weshalb Sie sich beworben haben. Möglichkeiten gibt es viele: Ein Klassiker ist zum Beispiel die Bewerbung aus der Arbeitslosigkeit. In diesem Fall ist es für den Personaler von Interesse, ob Sie Ihre vorherige Anstellung selbst gekündigt haben oder ob Sie gekündigt wurden und weshalb.

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Vielleicht kommen Sie auch direkt vom Studium oder Sie befinden sich aktuell noch in einer Anstellung. Auch da dürfte es spannend sein, ob Sie sich beworben haben, weil Sie in Ihrem bisherigen Job unglücklich waren und weshalb, ob Sie die ausgeschriebene Stelle einfach „besser“ finden und Lust auf eine neue Herausforderung haben oder ob Sie vielleicht aus privaten Gründen – beispielsweise der Liebe wegen – umziehen und deshalb nach einem neuen Arbeitsplatz Ausschau halten.

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Ihre Ausgangssituation kann bereits viel über Ihre Motivation aussagen. Personaler wissen: Bewerber, die sich „freiwillig“ für einen Jobwechsel entschieden haben, sind häufig motivierter als jene, die dazu „gezwungen“ wurden. Die Gründe dafür können vielfältig sein und bieten dem Entscheidungsträger natürlich wichtige Anhaltspunkte über Ihre Vergangenheit, Ihre Persönlichkeit sowie Ihre Ziele.

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Inwiefern sind Ihre Jobwechsel-Gründe wichtig?

Eine Veränderung der privaten Lebenssituation kann ebenso zu einem Jobwechsel führen wie der Wunsch nach einem höheren Gehalt. Weitere häufige Ursachen für die Entscheidung einer beruflichen Veränderung sind beispielsweise zu wenig Wertschätzung durch den Arbeitgeber, die Suche nach mehr Flexibilität sowie Eigenständigkeit oder bessere Aufstiegschancen.

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Wenn Sie nicht gekündigt oder aus anderen Gründen zu einem Jobwechsel gezwungen wurden, steht hinter Ihrer Bewerbung stets der Wunsch nach Verbesserung in irgendeiner Art und Weise:

  • Sie wünschen sich ein besseres Arbeitsklima.
  • Sie möchten Ihre Work-Life-Balance verbessern.
  • Sie planen eine geringere Distanz zum Lebenspartner.
  • Sie sehnen sich nach einer neuen Herausforderung.
  • Sie möchten der Langeweile entkommen.

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Wir könnten diese Liste ewig weiterführen. Sie sehen selbst, wie unterschiedlich die Beweggründe für einen Jobwechsel je nach individueller Situation sein können. Da liegt es doch auf der Hand, dass der Personaler Ihre Entscheidung nachvollziehen möchte. Zudem kann er direkt überprüfen, ob der potenzielle neue Arbeitgeber Ihre Wünsche überhaupt erfüllen könnte und dadurch auch tatsächlich eine Verbesserung darstellen würde. Denn wenn Sie mit dem Ziel einer höheren Arbeitszeitflexibilität wechseln, das Unternehmen Ihnen diese aber nicht bieten kann oder möchte, wird das Arbeitsverhältnis voraussichtlich nicht zustande kommen oder wenn doch, nicht langfristig zur beidseitigen Zufriedenheit bestehen.

„Freiwillige Jobwechsler“ können getrost mit Selbstbewusstsein auftreten

Wenn Sie Ihre vorherige Anstellung aus freien Stücken gekündigt haben oder sich noch in einer Anstellung befinden, aber nebenbei nach einer neuen Stelle umsehen, haben Sie einen großen Vorteil: Sie müssen sich vor dem Personaler nicht für eine Kündigung rechtfertigen und können gelassen in das Vorstellungsgespräch gehen. Schließlich sind Sie aufgrund der aktuellen Anstellung oder des Arbeitslosengeldes bestenfalls nicht auf eine Zusage angewiesen.

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Diese Lockerheit ist Ihr großer „Wettbewerbsvorteil“ gegenüber all jenen Bewerbern, die händeringend nach einer neuen Stelle suchen oder von ihrem vorherigen Arbeitgeber – aus welchen Gründen auch immer – entlassen wurden. Ihre Ausgangssituation sorgt nämlich dafür, dass Sie in einer besseren Verhandlungsposition stehen und dementsprechend automatisch selbstbewusster auftreten.

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Sie können beispielsweise hinsichtlich Ihrer Gehaltsforderung mutiger sein, als wenn Ihr Bankkonto langsam den roten Zahlen entgegenschreitet und kein Job in Sicht ist. Dennoch darf Ihr Selbstbewusstsein natürlich nicht in Arroganz ausarten. Wenn Sie zu hohe Ansprüche stellen oder der Personaler das Gefühl hat, Sie nehmen die Bewerbung auf die leichte Schulter, möchten den Job nicht unbedingt oder sind nicht 100-prozentig motiviert, sinken Ihre Chancen schnell „gen Null“. Genau dieser Spagat zwischen Leichtfertigkeit und Gelassenheit, Motivation und Lockerheit, Selbstbewusstsein und Arroganz, Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl ist es demnach, den Sie im Vorstellungsgespräch meistern müssen.

Was sollten Sie auf die Frage „Weshalb möchten Sie Ihren Job wechseln“ antworten?

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, kann der Personaler bereits aus Ihren Bewerbungsunterlagen ablesen, ob Sie sich noch in einer Anstellung befinden. In der Regel bitten Sie in diesem Zuge ja auch um Diskretion, damit Ihr aktueller Arbeitgeber nicht von Ihren eventuellen Kündigungsabsichten erfährt. Sollten Sie selbst gekündigt haben, ist auch das gewiss in Ihrem Lebenslauf oder Anschreiben vermerkt. Eventuell haben Sie zudem Ihre Gründe kurz dargelegt. Egal, ob der Personaler also bereits grob über Ihre Absichten unterrichtet ist oder nicht – früher oder später wird im Vorstellungsgespräch garantiert eine dieser Fragen kommen:

  • Weshalb möchten Sie Ihren Job wechseln?
  • Wieso haben Sie sich bei uns beworben?
  • Aus welchen Gründen möchten Sie Ihre bisherige Anstellung verlassen?
  • Sind Sie an Ihrem aktuellen Arbeitsplatz unzufrieden und wieso?
  • Was hat Sie zur Bewerbung auf unsere Ausstellung bewogen?

So oder so ähnlich möchten die Personaler im Bewerbungsgespräch noch einmal persönlich erfahren, welche Ihre Motivation für den Stellenwechsel und die Bewerbung bei dem Unternehmen ist. Was also sollten Sie antworten?

Grundregeln: Dos und Don’ts im Vorstellungsgespräch

Ganz einfach: die Wahrheit! Prinzipiell sollten Sie natürlich während des gesamten Bewerbungsprozesses ehrlich und authentisch bleiben. Dennoch kommt es stets darauf an, wie Sie die Wahrheit verpacken. Je nach Kündigungsgrund ist diese nämlich vielleicht nicht allzu schön oder lässt Sie in einem schlechten Licht erscheinen. Sollten Sie also wechseln, weil Sie sich neue Herausforderungen, flexiblere Arbeitszeiten oder bessere Aufstiegschancen wünschen, können Sie das natürlich dementsprechend ehrlich sagen. Schwieriger wird es beispielsweise bei

  • einem schlechten Betriebsklima im Unternehmen,
  • Konflikten bis hin zum Mobbing oder
  • ständiger Unzufriedenheit des bisherigen Arbeitgebers mit Ihren Leistungen.

Die Antwort „Mein Chef ist nie mit meiner Arbeit zufrieden“ dürfte im Bewerbungsgespräch nämlich keinen allzu guten Eindruck hinterlassen. Selbst, wenn Ihr Vorgesetzter wirklich völlig überzogene Erwartungen hat, könnte das Zweifel beim Personaler hervorrufen, ob Ihre Leistungen vielleicht schlecht sind. Wie also händeln Sie die Frage nach den Gründen für Ihren Jobwechsel je nach Situation am besten?

Dos:

  • Bleiben Sie stets professionell, sachlich und konstruktiv.
  • Finden Sie für sich heraus, weshalb Sie wirklich den Job wechseln möchten.
  • Formulieren Sie diese Kündigungsgründe ehrlich, aber positiv. Sie wollen beispielsweise nicht bei Ihrem bisherigen Job gehen, weil Sie unzufrieden sind, sondern bei dem neuen Unternehmen beginnen, weil Sie hier bessere Aufstiegschancen sehen – oder so ähnlich.
  • Geben Sie dem Personaler das Gefühl, dass Sie „im Guten“ bei Ihrem vorherigen Arbeitgeber gehen möchten. Dies sollte übrigens auch für Sie persönlich – für Ihren „inneren Frieden – stets das Ziel sein.
  • Überlegen Sie sich, was Sie von dem neuen Job erwarten, welche Ihre Ziele und Motivatoren sind. Blicken Sie also in die Zukunft, statt in die Vergangenheit.
  • Präsentieren Sie sich authentisch.
  • Überzeugen Sie den Personaler von Ihrer Motivation für die neue Stelle. Er möchte nicht das Gefühl haben, Sie möchten „weg“ von Ihrem bisherigen Job, sondern „hin“ zu dem neuen. Finden Sie daher die positiven Aspekte bei Ihrer potenziellen zukünftigen Anstellung und fokussieren Sie sich auf diese.

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Don’ts:

  • Ziehen Sie niemals über Ihren bisherigen Arbeitgeber, das Unternehmen oder Ihre Kollegen her. Lästern wirkt stets unprofessionell und macht einen schlechten sowie unsympathischen Eindruck. Schließlich möchte der Personaler auch nicht, dass Sie in Zukunft vielleicht irgendwann über ihn derart schlecht sprechen.
  • Suchen Sie die Gründe für Ihren Jobwechsel nicht bei anderen Personen. Anschuldigungen oder zwischenmenschliche Konflikte sprechen nicht für eine hohe emotionale Intelligenz.
  • Erfinden Sie keine Gründe, denn Lügen haben bekanntlich kurze Beine und können in Extremfällen auch im Nachhinein noch zu einer fristlosen Kündigung führen.
  • Überprüfen Sie, ob Ihre Begründung aus Arbeitgebersicht einen guten Eindruck hinterlässt. Wenn er denkt, Sie möchten „nur“ wechseln, um mehr Geld zu verdienen oder mehr Freizeit zu haben, nicht aber um der Stelle willen, haben Sie eher schlechte Karten auf eine Zusage.

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Eine positive Formulierung der Wahrheit ist also die perfekte Antwort auf die Frage nach den Gründen für Ihren Jobwechsel. Sollte es mehrere Ursachen geben, wählen Sie die unverfänglichen aus. Wenn Sie sich also mehr Verantwortung wünschen und einen Konflikt mit Ihrem Vorgesetzten haben, so nennen Sie einfach Erstere. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand sollte die perfekte Antwort machbar sein. Wichtig ist einfach, dass Sie sich gut vorbereiten und durch kritische Fragen des Personalers nicht aus dem Konzept bringen lassen. Üben Sie gerne im Voraus Ihre Antworten oder das gesamte Vorstellungsgespräch mit einer oder verschiedenen Personen aus Ihrem privaten Umfeld. Übung macht bekanntlich den Meister!

Formulierungsbeispiele für Ihre Antwort auf die Frage nach den Jobwechsel-Gründen

Frage: Sie schreiben, Sie suchen nach einer beruflichen Veränderung. Weshalb?
Grund: Dem Unternehmen geht es wirtschaftlich schlecht.
Formulierung: Ich war bei meinem bisherigen Arbeitgeber stets zufrieden und konnte zahlreiche spannende Erfahrungen sammeln. Leider kann er mir momentan aber nicht die Karrieremöglichkeiten bieten, welche ich suche. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mich einem aufstrebenden und zukunftsgerichteten Unternehmen anzuschließen, um hier meine Kenntnisse zu erweitern und mehr Verantwortungsbereiche zu übernehmen.

Frage: Sie schreiben, Sie wünschen sich eine neue Herausforderung. Konnte oder wollte Ihr bisheriger Arbeitgeber Ihnen diese nicht bieten?
Grund: Sie werden nicht befördert oder langweilen sich im Job.
Formulierung: Mein bisheriger Arbeitgeber ist ein eher kleines Unternehmen mit dem Fokus auf ABC. Es bietet mir deshalb in dem Fachbereich XYZ, auf welchen ich mich zukünftig spezialisieren möchte, nicht dieselben Entfaltungsmöglichkeiten, wie ich sie laut Stellenausschreibung in Ihrem Unternehmen hätte.

Frage: Ich konnte Ihrer Bewerbung leider nicht die konkreten Gründe für Ihren Jobwechsel entnehmen. Würden Sie mir diese noch einmal darlegen?
Grund: Es gibt personelle Konflikte mit den Kollegen oder Vorgesetzten, zum Beispiel in Form von Bossing oder Mobbing.
Formulierung: Mir sind Teamarbeit und ein gutes Arbeitsklima im Betrieb sehr wichtig. Leider haben zahlreiche Umstrukturierungen in den vergangenen Jahren zu großen personellen Veränderungen geführt, die meines Erachtens nicht optimal sind. Aus diesem Grund haben mich Ihre Leitwerte sowie die demokratische Organisationsform des Unternehmens davon überzeugt, dass Sie besser zu meinen persönlichen Zielen und Werten passen.

Frage: Wie ich sehe, haben Sie in den vergangenen fünf Jahren dreimal den Job gewechselt. Werden Sie also auch bei uns nicht lange bleiben?
Grund: Sie haben Ihre „wahre Bestimmung“ noch nicht gefunden oder sind ein rastloser „Patchwork-Karrierist“.
Formulierung: Für mich war es erst einmal wichtig, möglichst viel Berufserfahrung zu sammeln und einen Einblick in verschiedene Betriebe zu erhalten, um zu sehen, welches Arbeitsmodell optimal zu meinen Karrierezielen passt. Ich habe dadurch ein sehr klares Profil dessen entwickelt, was ich mir für meine berufliche Zukunft vorstelle, das sind vor allem ABC und XYZ. Ich bin mir deshalb sicher, dass ich optimal zu Ihrem Unternehmen passe und mich hier auch langfristig einbringen möchte.

Frage: Sie schreiben, dass Sie sich vor allem mehr Flexibilität und Eigenverantwortung wünschen. Wie soll ich das verstehen?
Grund: In Ihrer vorherigen Anstellung wurde der Leistungsdruck zu hoch oder Sie haben durch den Stress erste gesundheitliche Probleme erlitten. Sie möchten durch den Jobwechsel ein Burnout verhindern.
Formulierung: Meiner Meinung nach, sind starre Arbeitszeiten und Großraumbüros ein Konstrukt, das in die Vergangenheit gehört. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich kreativer und produktiver arbeite, wenn ich mir meine Arbeitszeit freier einteilen und zumindest teilweise auch meinen Arbeitsplatz selbst aussuchen kann. Aus diesem Grund kann ich mich sehr gut mit Ihrem Gleitzeitarbeitsmodell und der Möglichkeit zur „Remote Work“ identifizieren.

Welche weiteren gelungenen oder lustigen Formulierungen kennen Sie für die Antwort auf die Frage „Weshalb möchten Sie den Job wechseln“? Wir sind gespannt auf Ihre Ideen und bedanken uns für Ihren Kommentar!

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