Mehr Gehalt – wer träumt davon nicht? Doch wie heißt es so schön: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Den meisten Berufseinsteigern ist deshalb durchaus bewusst, dass sie zu Beginn ihrer Karriere erst einmal mit einem eher mäßigen Einstiegsgehalt rechnen müssen. Doch dann geht es ja bis zur Rente ohnehin steil aufwärts, oder? Leider nicht! Eine neue Studie fand jetzt nämlich heraus, dass bei den meisten Arbeitnehmern ab 40 mit Gehaltserhöhungen Schluss ist.

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Inhalt
1. Gehaltserhöhung ab 40? Von wegen!
2. Woher kommt der Gehaltssprung um das 35. Lebensjahr?
3. Fachkräfte stoßen ab 40 Jahren an eine „gläserne Mauer“
4. Führungskräfte verdienen bis 50 überdurchschnittlich – und darüber hinaus
5. Gender Pay Gap – Frauen verdienen bis zu 40.000 Euro weniger
6. Die Kindererziehung ist nach wie vor ein Problem für Frauen
7. Fazit: Beeilen Sie sich mit Ihrer Karriere!

Gehaltserhöhung ab 40? Von wegen!

Viele Menschen stellen sich ihr Berufsleben als stetigen Aufstieg vor, sowohl hinsichtlich ihrer Verantwortung als auch der Bezahlung. Auf eine Beförderung folgt die nächste und mit ihr natürlich auch jeweils ein höheres Gehalt, oder? Dass es sich dabei um einen Trugschluss handelt, beweist jetzt eine neue Studie der Plattform Gehalt.de. In ihrer Gehaltsbiografie aus dem Jahr 2016 untersuchte sie mehr als 214.000 Gehälter in ganz Deutschland und setzte sie in das Verhältnis zum jeweiligen Lebensalter der Person. Die Frage, welche dabei geklärt werden sollte, lautete: Steigt mit zunehmenden Lebensalter tatsächlich auch das Gehalt kontinuierlich?

Infografik: In welchem Alter verdient man am besten? | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die Grafik gibt bereits einen ersten Anhaltspunkt: Ab dem 40. Lebensjahr ist nur noch ein geringer Anstieg der Durchschnittsgehälter zu beobachten, mit 55 Jahren sogar ein leichter Rückgang. Doch die Gehaltsbiografie liefert dazu noch detailliertere Daten und trennt die Ergebnisse nach Fachkräften und Führungskräften. Während Gehaltserhöhungen bei Fachkräften nämlich bereits ab dem 40. Lebensjahr zunehmend seltener werden, können Führungskräfte sich bis etwa zum 50. Lebensjahr über steigende Gehälter freuen. Auch dann stagniert ihr Verdienst allerdings – oder fällt sogar wieder geringfügig ab. Die durchweg steigenden Durchschnittsgehälter aus der obigen Grafik stellen deshalb ein verzerrtes Bild der Wahrheit dar. Nehmen wir die Realität deshalb noch etwas genauer unter die Lupe…

Woher kommt der Gehaltssprung um das 35. Lebensjahr?

Nehmen wir einmal an, Sie steigen nach Ihrem Studium zwischen 25 und 30 Jahren in ein Unternehmen ein. In der Regel sind Sie dann erst einmal für ein bis zwei Jahre befristet angestellt. Das Einstiegsgehalt liegt bundesweit für Hochschulabsolventen bei durchschnittlich 43.000 Euro Bruttojahresverdienst. Dabei gibt es natürlich große Unterschiede je nach Qualifikation, Branche, Unternehmen und auch Verhandlungsgeschick.

Lese-Tipp:Einstiegsgehalt: So klappt’s mit der Gehaltsvorstellung

Der Wechsel von einem befristeten zu einem unbefristeten Arbeitsvertrag bedeutet häufig zugleich die erste Gehaltserhöhung. Anschließend folgen meist recht schnell erste Beförderungen, eine eigene Projektleitung oder die erste kleine Führungsposition – und diese gehen in der Regel ebenfalls mit einem Gehaltsanstieg einher. Zudem empfehlen Experten, spätestens alle zwei Jahre erneut nach einem höheren Verdienst zu fragen.

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Besonders auffällig war in der Gehaltsbiografie 2016 aber ein starker Gehaltssprung um das 35. Lebensjahr: So bewegte sich das jährliche Bruttodurchschnittsgehalt in der Studie mit 30 Jahren um 44.385 Euro, mit 35 Jahren hingegen bereits um 51.180 Euro. Hier findet also der Sprung über das bundesweite Durchschnittsgehalt von Fach- und Führungskräften statt, welches in der Studie bei 49.371 Euro lag. Die Erklärung dieses Gehaltssprungs ist simpel: Mit 35 Jahren steigen die meisten Arbeitnehmer in ihre erste Führungsposition und damit ein ganz neues Gehaltsniveau auf. Wer das bis 40 nicht schafft, hat anschließend leider eher schlechte Karten – zumindest aus finanzieller Sicht.

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Fachkräfte stoßen ab 40 Jahren an eine „gläserne Mauer“

Wer nämlich bis zu seinem 40. Geburtstag nicht den Sprung von der Fach- zur Führungskraft geschafft hat, darf nur in Ausnahmefällen noch einen starken Gehaltsanstieg oder eine nennenswerte Beförderung erwarten, so das traurige Fazit der Gehaltsbiografie 2016. Ihr Verdienst pendelt sich ab 40 auf etwa 45.000 Euro pro Jahr ein – und bleibt anschließend konstant. Mit etwa 55 Jahren war in der Studie sogar eine kleine Absenkung der Durchschnittsgehälter von Fachkräften zu beobachten.

Führungskräfte verdienen bis 50 überdurchschnittlich – und darüber hinaus

Anders bei Führungskräften: Wer einmal in eine Führungsposition aufgestiegen ist, hat tatsächlich noch eine Chance auf die eingangs erwähnte „Bilderbuchkarriere“. Führungskräfte verdienen in der Gehaltsbiografie nämlich überdurchschnittlich und verzeichnen zugleich einen Gehaltsanstieg bis über das 50. Lebensjahr hinaus. Auch dann beginnen die Gehälter zwar zu stagnieren, doch bei durchschnittlichen 105.000 Euro Bruttojahresverdienst, ist das gewiss kein Grund zur Klage.

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Gender Pay Gap – Frauen verdienen bis zu 40.000 Euro weniger

Es sei denn, Sie sind eine Frau. Die Gehaltsbiografie bringt nämlich auch neue Daten zum Thema „Gender Pay Gap“ ans Tageslicht – und die sind leider alles andere als erfreulich. In den Medien wird derzeit immer wieder freudig berichtet, dass sich die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen langsam zu schließen beginnt. Was dabei allerdings unerwähnt bleibt, ist der enorme Unterschied im Verdienst, welcher trotzdem noch in Deutschland gang und gäbe ist.

Infografik: So viel verdienen Frauen weniger | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Auch in der Gehaltsbiografie lautete das traurige Ergebnis: Weibliche Fach- und Führungskräfte verdienen deutlich weniger als Männer in vergleichbarer Position. Etwa 15.000 Euro verdienen weibliche Fachkräfte durchschnittlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei Führungskräften liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen sogar bei durchschnittlich 40.000 Euro. Zudem müssen Frauen sich mit ihrer Karriere noch mehr beeilen, denn für sie stagniert oder sinkt das Gehaltsniveau nicht erst mit 40, sondern bereits ab 35 Jahren. Anschließend noch eine (nennenswerte) Gehaltserhöhung zu verzeichnen, das ist für Frauen beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Kindererziehung ist nach wie vor ein Problem für Frauen

Dass Frauen ab Mitte 30 stagnierende oder sogar sinkende Gehälter in Kauf nehmen müssen, hängt auch mit der Kindererziehung zusammen. Immer noch sind es vor allem die Frauen, die zugunsten der Kinder ihre Karriere hinten anstellen und für mehrere Monate oder sogar Jahre aus dem Job aussteigen. Leider ist die deutsche Unternehmenswelt bislang „Mütter-unfreundlich“. Viele Frauen stehen deshalb nach wie vor vor der Frage: Kind oder Karriere?

Lese-Tipp:Kinder – Das Aus für die Karriere?

Fazit: Beeilen Sie sich mit Ihrer Karriere!

Als Resümee aus der Gehaltsbiografie 2016 können wir Ihnen zum Schluss folgende zwei Tipps mit auf den Weg geben: Beeilen Sie sich mit Ihrer Karriere und seien Sie mutig bei Gehaltsverhandlungen. Je früher Sie nämlich Ihre Ausbildung abschließen und ins Berufsleben starten und je höher dann bereits Ihr Einstieggehalt ist, umso höher wird Ihr Verdienst mit 35, 40 oder 50 Jahren liegen. Gegen die Stagnation der Gehälter älterer Fach- und Führungskräfte können Sie im Moment nämlich leider nichts tun. Dann ist es doch besser, wenn sie zumindest „auf hohem Niveau stagnieren“, oder?

Was denken Sie? Können Sie die stagnierenden Gehälter ab dem 40. Lebensjahr für Fachkräfte beziehungsweise ab dem 50. Lebensjahr für Führungskräfte aus eigener Erfahrung bestätigen? Welche Tipps können Sie unseren Lesern für ein höheres Gehalt mit auf den Weg geben? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag zum Thema in den Kommentaren!