Einige Arbeitgeber fallen immer wieder durch eine unfaire Vergütung auf. Lass dich nicht über den Tisch ziehen und erfahre, ob du unterbezahlt bist.

Dank der neuen EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU/2023/970), die am 06. Juni 2023 offiziell in Kraft getreten ist, müssen künftig Arbeitgeber die Beweislast tragen, wenn Arbeitnehmer wegen Lohndiskriminierung vor Gericht gehen. Bis spätestens 07. Juni 2026 sollen Deutschland und alle anderen EU-Staaten Sorge dafür tragen, dass Voraussetzungen geschaffen werden, welche es ermöglichen, die Richtlinie im eigenen Land anwenden zu können. Die Bundesrepublik muss also das bestehende Entgelttransparenzgesetz überarbeiten.

Eine Unterbezahlung kann aber jeden treffen und bezieht sich nicht nur auf den Gender-Pay-Gap: Ob qualifizierte Facharbeiter, erfahrene Arbeitskräfte, die langjährig für ein Unternehmen tätig sind oder Berufseinsteiger, die bewusst ausgebeutet werden. Achte deshalb auf folgende Anzeichen, um sicherzustellen, dass du eine Unterbezahlung erkennst.

1. Neue Mitarbeiter erhalten mehr Geld als du

Nach Angaben des Personaldienstleistungsunternehmens Robert Half sollen 56 Prozent der Unternehmen die Gewohnheit pflegen, neuen Mitarbeitern im Kampf und qualifiziertes Personal mehr zu bezahlen. Mitarbeiter, die schon länger im Unternehmen sind, werden finanziell vernachlässigt.

Erkennst du dich darin wieder? Deinem Arbeitgeber geht es wirtschaftlich gut, sodass reihenweise neue Mitarbeiter eingestellt werden, die zuvor mit attraktiven Verdienstmöglichkeiten angelockt worden sind. Obwohl eure Qualifikationen und Positionen sich kaum unterscheiden, verdienst du aber wesentlich weniger.

Achtung: Das ist ein Warnzeichen. Wenn die Umsätze stetig ansteigen, das Unternehmen von Erfolgen spricht und neue Mitarbeiter braucht und einstellt, muss es auch sein bestehendes Team berücksichtigen. Bleibt eine Gehaltserhöhung auch nach Jahren harter Arbeit nach wie vor auf der Strecke oder wird die Vergütung mit steigendem wirtschaftlichen Erfolg nicht angepasst, während die Gehälter der Neuen utopische Höhen erreichen, bist du ein unterbezahlter Mitarbeiter.

2. Deine Vergütung liegt unter dem offiziellen Branchendurchschnitt

Qualifikation, Erfahrung und Position gehören zu den wesentlichen Einflussfaktoren, die über deine Gehaltshöhe bestimmen. Weitere wichtige Punkte sind das aktuelle Marktgeschehen, die individuelle Leistung und möglicherweise das Potenzial (der künftiger Mehrwert) für ein Unternehmen.

Unabhängig davon: In jeder Branche und in jedem Beruf existieren Durchschnittsgehälter, die du anhand von Gehaltsdaten online miteinander vergleichen kannst. Du solltest nicht weniger verdienen, als es in der jeweiligen Branche üblich ist. Denn dann bist du eindeutig unterbezahlt, wenn du für die Stelle qualifiziert bist und trotzdem mit einer Bezahlung, die deinem Marktwert nicht gerecht wird, auskommen musst.

Den Durchschnittsverdienst verschiedener Berufe kannst du zum Beispiel im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit einsehen. Hierbei werden Faktoren wie das Anforderungsniveau, das Bundesland und das Alter berücksichtigt.

3. Deine Jobwechsel bringen dir nicht mehr Geld ein

Erwiesenermaßen können Beschäftigte, die häufiger ihren Job wechseln, bei neuen Arbeitgebern oft mehr Gehalt aushandeln, weshalb sich ein Stellenwechsel in Abstand von wenigen Jahren durchaus lohnen kann.

Sorgen machen solltest du dir, wenn deine Vergütung sich trotz einiger Jobwechsel nicht verändert. Wer auf dem gleichen Lohnniveau hängenbleibt, wird zumeist unterbezahlt. Dann erübrigt sich oft ein weiterer Wechsel, wenn der Kreislauf nicht durchbrochen werden kann.

Tipp: Kenne deinen Marktwert. Wenn du schon mehrere Jahre Berufserfahrung nachweisen kannst, aber trotz Wechsel keinen finanziellen Fortschritt erkennst, ist es wichtig, einen fairen Lohn aktiv einzufordern und so für dich einzustehen. Wenn du bisher eher bescheiden mit deinen Forderungen aufgetreten bist, solltest du mindestens den branchenüblichen Durchschnittslohn aushandeln – denn dieser steht dir für deine Arbeit, die mit Fleiß und Mühe verbunden ist, zu. Arbeitgeber, die den Wert ihrer Mitarbeiter kennen und anerkennen, bemühen sich sogar selbstständig um eine faire Bezahlung und sehen von ausbeuterischen Taktiken ab.

4. Deine Kollegen erhalten eine üppigere Gehaltszahlung als du

Manchmal erfahren wir ganz zufällig, dass andere im Team besser bezahlt werden. Wenn nicht nur neue Mitarbeiter mehr als du verdienen, sondern auch deine Kollegen für den gleichen Job – bei gleichen Voraussetzungen, wie etwa Qualifikation und Erfahrung – mehr Geld erhalten, stimmt meist etwas nicht. Es ist ein Warnsignal dafür, dass auf deinem Lohnzettel eine Zahl steht, die viel höher oder zumindest fairer sein sollte.

5. Dein Boss verhindert Gehaltsverhandlungen

Offensichtlicher geht es nicht: Wenn dein Chef immer wieder Ausreden findet, um eine Gehaltsverhandlung zu vertagen und diese nicht stattfinden zu lassen, kann es sein, dass das Vertrösten eine Taktik ist, um dir nicht mehr bezahlen zu müssen.

Du solltest dich aber keinesfalls über den Tisch ziehen lassen – auch nicht, wenn dein Boss noch so lieb und aufmerksam ist oder andere Wege wählt, um dich milde zu stimmen. In erster Linie ist es wichtig, für dich selbst einzustehen, denn eine Überanpassung an die Pläne und Bedürfnisse anderer schadet dir langfristig. Sollte es nicht im Interesse eines Arbeitgebers liegen, dich fair zu entlohnen, solltest du dir dringend überlegen, ob du dich weiterhin darauf einlassen möchtest.

6. Dein Gehalt ist trotz hoher Personal- und Fachkräftenachfrage im jeweiligen Beruf mittelmäßig

Ob in der IT-Branche oder in anderen gefragten Berufen, die dringend auf Fachkräfte angewiesen sind, die Bezahlung in diesen Bereichen ist heute überdurchschnittlich gut. Normalerweise. Denn vielleicht fällst du mit einer Unterbezahlung aus dem Raster. Auch deshalb empfehlen wir dir, dein Gehalt mit den üblich bezahlten Durchschnittsgehältern deines Berufes zu vergleichen. Möglicherweise kannst du dir so eine bessere Vergütung bei deinem jetzigen Arbeitgeber aushandeln oder dich für eine attraktivere Option bei anderen Unternehmen entscheiden. Gefragt sind Fachkräfte in Berufen mit Fachkräftemangel ohnehin.

7. Du erhältst nur eine scheinbare Gehaltserhöhung

Je loyaler wir einem Arbeitgeber gegenüber sind, desto eher lassen wir uns von ausbeuterischen Taktiken täuschen, weil wir weniger objektiv urteilen können. Blindes Vertrauen in Geldangelegenheiten sollten wir uns schnell abgewöhnen: Dir steht ein faires Gehalt zu.

Wurde dein Gehalt zum Beispiel zwischendurch nur um ein Prozent erhöht, obwohl schon mehrere Jahre vergangen sind? Lass dich keinesfalls täuschen, denn je länger du für eine Firma tätig bist und je besser deine Position ist, desto mehr Geld steht dir zu. Du entwickelst dich mit den Jahren, erbringst fleißig deine Leistung und sammelst Arbeitserfahrung. Dein Wachstum und dein Marktwert beweisen, dass du mehr verdienen solltest. Alles andere ist lediglich ein Zeichen der Unterbezahlung.

8. Die Konkurrenz ist bereit, dir ein wesentlich attraktiveres Angebot zu machen

Arbeitgeber, die mindestens fair und vielleicht sogar sehr gut bezahlen, erkennst du daran, dass sie sich zumindest an die für deinen Beruf typische Durchschnittsbezahlung halten und bereit sind, noch eine Schippe draufzulegen, um Mitarbeiter zu binden und zu würdigen.

Vielleicht hast du dich bereits für eine Stelle bei einem anderen Unternehmen beworben und stellst nun fest, dass dieses dir wesentlich mehr bezahlen würde. Auch das kann ein Zeichen der Unterbezahlung sein, welches wir bisher nicht eindeutig identifizieren konnten. Nimm es als Anlass, ernsthaft über einen Arbeitsplatzwechsel nachzudenken oder ein neues Gehalt mit deinem Noch-Arbeitgeber auszuhandeln. Wenn dieser dich behalten möchte und deine Expertise und Leistung zu schätzen weiß, bekommst du ein gutes Angebot.

Und falls nicht: Du kennst spätestens jetzt deinen Marktwert, nachdem du dich schlau gemacht hast – nutze ihn, um an eine gut bezahlte Positionen in einem Unternehmen zu kommen, welches dich sowohl menschlich als auch auf finanzieller Ebene zu würdigen weiß.

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