Wann immer Menschen zusammenarbeiten, kommt es zu Konflikten. In einem gewissen Ausmaß ist das vollkommen normal. Manchmal sind Konflikte sogar wichtig, um anschließend ein zwischenmenschliches Verhältnis zu verbessern oder eine Zusammenarbeit effektiver zu gestalten. Doch wenn sie überhandnehmen, vergiften Konflikte das Arbeitsklima und können für dich zur psychischen Belastung werden – vielleicht sogar zur Gefahr für deine Gesundheit. Allerdings solltest du einen ehrlichen Blick auf die Gründe für solche ständigen Konflikte am Arbeitsplatz werfen. Denn eventuell bist du selbst das „Kollegenschwein“, ohne dies zu merken.

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Der Begriff „Kollegenschwein“ klingt drastisch, wird im Berufsleben aber nur allzu oft und gerne verwendet
Sonsedska Yuliia/Shutterstock.com



Inhalt

  1. Soziale Kompetenzen – erlernt oder „gottgegeben“?
  2. Konflikte reflektieren ist das A und O
  3. Bist du ein „Kollegenschwein“?
  4. Aus Konflikten lernen…und an ihnen wachsen
  5. Fazit

Soziale Kompetenzen – erlernt oder „gottgegeben“?

Jeder Mensch macht Fehler und (beinahe) jeder gerät am Arbeitsplatz in Konflikte. Das muss nicht bedeuten, dass es dir an sozialen Kompetenzen fehlt. Im Gegenteil: Wer Konflikte ansprechen und lösen kann, ist sogar gegenüber jenen Personen im Vorteil, die jede Konfrontation scheuen. Denn diese haben oft ebenfalls unterschwellige Konflikte, aber fressen sie sozusagen in sich herein, bis sie diese nicht mehr aushalten und sie drastische Maßnahmen wie eine Kündigung ergreifen. Ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen zu haben, bedeutet also nicht unbedingt, dass dein Sozialeben frei von Konflikten ist. Aber es gibt einen bedeutsamen Hinweis darauf, wie hoch deine emotionale Intelligenz tatsächlich ist, und zwar die Art sowie Häufigkeit der Unstimmigkeiten.

Lese-Tipp: Der IQ ist tot, es lebe der EQ: Darum sind Menschen mit emotionaler Intelligenz erfolgreicher als die „Hochintelligenten“

Wenn du im Leben nämlich immer wieder in ähnliche Situationen gerätst, also vergleichbare Konflikte mit verschiedenen Menschen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du einen großen Teil dazu beiträgst. Fühlst du dich also an jedem Arbeitsplatz gemobbt und wechselst daher regelmäßig den Arbeitgeber oder du hast immer wieder dieselben Diskussionen mit deinen Vorgesetzten, solltest du dringend in die Selbstreflexion gehen. Schlussendlich kannst du davon nur profitieren, obwohl es zu Beginn vielleicht schmerzt, dir deine Fehler einzugestehen. Das macht schließlich niemand gerne. Doch soziale Kompetenzen sind nicht „gottgegeben“. Zwar bringen einige Menschen bessere Startvoraussetzungen mit als andere. Aber jeder kann diese erlernen oder verbessern, zumindest in einem Maß, das ausreicht, um zukünftige Konflikte zu vermeiden oder (besser) zu lösen.

Konflikte reflektieren ist das A und O

Wann immer du im Berufsleben also einen Konflikt mit deinen Kollegen erlebst, sollte deine erste Reaktion sein, diesen zu reflektieren. Wie ist der Streit entstanden? Welchen Anteil hast du beigetragen? Welche wahren Ursachen stecken hinter dem Konflikt? Wie kannst du diesen lösen? Diese und viele weitere wichtige Fragen gilt es zu klären. Eventuell kommst du während dieses Prozesses aber immer wieder zu denselben Antworten. Sinnvoll kann daher sein, diese Erkenntnisse aufzuschreiben, um alte Konflikte mit neuen zu vergleichen. So kannst du vielleicht eines Tages ein Muster erkennen, wie du solche Unstimmigkeiten bewusst oder unbewusst hervorrufst – und kannst dieses Muster bestenfalls auflösen.

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Bist du ein „Kollegenschwein“?

Der Begriff klingt drastisch, wird im Berufsleben aber nur allzu oft und gerne verwendet. Vielleicht beklagst du dich selbst manchmal darüber, dass der- oder diejenige ein echtes „Kollegenschwein“ sei. So möchte niemand gerne bezeichnet werden. Daher lohnt sich der Blick auf dein eigenes Verhalten, um zu überprüfen, ob du eventuell selbst hin und wieder Fehler machst, welche dir diesen Titel einbringen könnten. Denn folgende Fehler kommen im Berufsleben häufig vor, sind aber ein echter Fauxpas in jeder Kollegenbeziehung und sollten daher in Zukunft unbedingt vermieden werden:

  • Du pflegst scheinbar enge und ehrliche Freundschaften mit deinen Kollegen – wenn es darauf ankommt, drängst du dich aber für ein Lob, eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung oder andere Vorzüge in den Vordergrund.
  • Du kapselst dich ab und präsentierst dich als „Einzelgänger“. Ob deine Kollegen eventuell Hilfe brauchen, interessiert dich nicht. Jeder ist sich selbst der Nächste, lautet deine Devise.
  • Du delegierst deine Aufgaben oft und gerne, um deine Kollegen arbeiten zu lassen, während du selbst deinen Arbeitstag so entspannt wie möglich gestaltest und pünktlich Feierabend machst.
  • Du nutzt jede Gelegenheit zum Lästern, gibst dich aber im direkten Kontakt stets freundlich und zugewandt. Vielleicht spielst du deine Kollegen sogar gezielt gegeneinander aus.
  • Wenn sich ein Konflikt anbahnt, versuchst du, so viele Kollegen wie möglich auf deine Seite zu ziehen – auch, wenn sich das Team dadurch in mehrere „Grüppchen“ spaltet.
  • Die Opferrolle gefällt dir und somit sind stets die Kollegen schuld, wenn etwas schiefgeht. Du übernimmst für deine Handlungen keine Verantwortung und gestehst dir keine Fehler ein, bist aber schnell beleidigt.
  • Bist du bereits in der Phase des „Beleidigtseins“ angekommen, sprichst du nicht offen an, was dich gestört oder verletzt hat. Stattdessen schmollst du und antwortest auf die Nachfrage, was los sei, mit „Nichts“.
  • Du wartest so lange damit, einen solchen Konflikt anzusprechen, bis er bereits großen Schaden im Team, bei dir selbst oder deinem Gegenüber angerichtet hat. Vielleicht explodierst du dann sogar vor versammelter Mannschaft und vergreifst dich im Tonfall.
  • Ein weiterer häufiger, aber schlimmer Fehler im Umgang mit deinen Kollegen besteht darin, dich bewusst rächen oder einem Kollegen schaden zu wollen, weil er dich scheinbar verletzt oder auf andere Art und Weise schlecht behandelt hat – oder einfach, weil du neidisch bist und ihn nicht magst.

All diese Typen von „Kollegenschweinen“ kennst du gewiss aus deinem Arbeitsalltag, denn sie sind leider häufiger anzutreffen als erwartet. Genau genommen, gleicht so manches Team einem großen Kindergarten, wo die Kinder streiten, schmollen, lästern & Co; der einzige Unterschied liegt aber darin, dass es sich um erwachsene und scheinbar reife Persönlichkeiten handelt.

Aus Konflikten lernen…und an ihnen wachsen

Eventuell hast du eine dieser Verhaltensweisen sogar bei dir selbst entdeckt oder du wurdest in der Vergangenheit immer wieder von Dritten darauf hingewiesen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch du dich manchmal aus Versehen zum „Kollegenschwein“ entpuppst. Doch keine Sorge: Solche Verhaltensweisen können aus alten Gewohnheiten resultieren, aber ebenso können sie verändert werden. Nachdem du die Selbstreflexion also abgeschlossen und eventuell gemerkt hast, dass du selbst – zumindest teilweise – an den Konflikten schuld bist, ist es an der Zeit, um daran zu wachsen.

„Wer Konflikten aus dem Weg geht, kommt darin um.“ (Anke Maggauer-Kirsche)

Sobald du dir deine (Mit-) Schuld eingestanden hast, hast du nämlich den schwierigsten Part hinter dir. Nun kannst du an den Konflikten wachsen und lernen, diese zukünftig zu vermeiden oder zumindest rechtzeitig aufzulösen, bevor sie schwerwiegendere Konsequenzen nach sich ziehen. Denn die schlimmsten Konflikte sind jene, die im Verborgenen schwelen und langsam aber sicher zur psychischen Belastung werden. Nimm jeden Konflikt daher als Chance, um daraus zu lernen und in deiner Persönlichkeitsentwicklung voranzukommen. Das bedeutet auch weniger Konflikte im Team, sodass du deine Energie stattdessen auf die eigentliche Arbeit verwenden und erfolgreicher werden kannst. Bessere soziale Kompetenzen können dir außerdem den Weg in die Führungsetage ebnen.

 

Fazit

Es gibt somit viele gute Gründe, weshalb du dein Konfliktmanagement reflektieren und optimieren solltest. Egal, ob es sich dabei um größere Fehler wie jene eines „Kollegenschweins“ handelt oder eher um kleine Verfehlungen: Sofern daraus ein Konflikt entsteht, solltest du ihn als wichtige Lektion begreifen. Denn hast du einmal gelernt, Konflikte im Leben zu vermeiden, aber auch auszutragen, wenn es notwendig ist, wirst du fortan weniger zwischenmenschlichen Stress erleben – jenen Stress also, der im Berufsleben sogar häufiger zum Problem wird als die eigentliche Arbeitslast.

Fühlst auch du dich manchmal oder ständig durch zwischenmenschliche Konflikte am Arbeitsplatz gestresst? Und wenn ja, kannst du bei dir selbst eine (Mit-) Schuld erkennen? Welche weiteren Tipps zum Thema hast du für unsere Leser? Vielen Dank für deinen Kommentar!