Referenzen, Zeugnisse, ein astreiner Lebenslauf – alles gut und schön: Aber das Wichtigste ist und bleibt das fehlerfreie Bewerbungsschreiben, wenn Sie einen neuen Job suchen.

Ihr Anschreiben wird von Ihrem potenziellen Arbeitgeber oder den Personalentscheidern genauestens unter die Lupe genommen. Wie schade, wenn z. B. durch Übereifer oder Formfehler ein negativer Eindruck entsteht!

Die folgenden 10 Punkte sind ein Leitfaden zum Vermeiden von fatalen Fehlern im Bewerbungsschreiben:

1. Fassen Sie sich kurz!

An einer detaillierten Biografie Ihrer Person ist niemand interessiert. In manchen Firmen kommen pro Woche mehr als 100 Bewerbungen an, die alle gelesen werden müssen. Achten Sie also darauf, nur das Wesentliche zu berichten, das einen Bezug zu Ihrer Bewerbung jetzt und hier hat. Und vor allem auf Ihre Stärken hinzuweisen. Auf bestimmte Einzelheiten, die Sie für wichtig erachten, können Sie ggf. bei einem Vorstellungsgespräch noch zurückkommen.

2. Schreiben Sie einen individuellen Brief!

Standardschreiben ohne konkreten Bezug auf die angebotene Stelle werden zuerst aussortiert. Bei Initiativbewerbungen versteht es sich von selbst, dass Sie Ihren Brief so individuell wie möglich abfassen – denn Sie wollen ja Bedarf an Ihrer Mitarbeit wecken. Wer nur die Anschrift und das Datum verändert und sich als Textbausteine verlässt, tut sich keinen Gefallen und macht den Eindruck, als sei er gar nicht hinter dem Job her.

3. Keine Formulierungen aus Ratgebern verwenden!

Anregungen und Denkanstöße können Sie gern übernehmen, aber schreiben müssen Sie schon selbst. Hüten Sie sich vor Floskeln wie “Aufgrund meiner überdurchschnittlichen Belastbarkeit …”, die der Adressat schon hundertmal gelesen hat. Ihr Brief wandert garantiert in den Korb “abgelehnt”. Und Ihre “Belohnung”: eine Standardabsage des Unternehmens!

4. Schreiben Sie in kurzen Sätzen!

Sie geben keine Stilprobe als Literat ab, sondern sagen, was Sie wollen. Sie bewerben sich um einen bestimmten Job. Der Empfänger Ihres Schreibens soll erfahren, warum Sie das tun. Er will wissen, was Sie können. Und warum Sie der passende Kandidat sind. Punkt.

5. Nur nicht übertreiben!

Lügen und Übertreibungen sind schnell entlarvt und werfen Sie garantiert aus dem Rennen. Falls Sie sich mit falschen Lorbeeren schmücken, wird Ihr Gegenüber dies bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch sowieso riechen. Und z. B. Ihre Anmerkung, dass Sie perfekte Spanischkenntnisse mitbringen, gleich mal in der Praxis auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Peinlich, peinlich – falls Sie zu dick aufgetragen haben sollten.

6. Superlative steigern nicht das Interesse!

Ein Bewerber, der sich ungelenk anbietet wie Sauerbier, verringert seine Chancen beträchtlich. Niemand möchte lesen “Ich bin der beste …” “Keiner kann das so wie ich”. Dass Sie gut sind, wird ja vorausgesetzt. Wo Ihre Stärken liegen, ist von Belang. Eigenlob stinkt bekanntlich, verpesten Sie also nicht das Bewerbungsklima!

7. Nicht als Egoist profilieren!

Niemand möchte wissen, was es Ihnen nützt, wenn Sie diesen und keinen anderen Job bekommen – schon gar nicht im Anfangsstadium Ihrer Bewerbung. Vermeiden Sie dringend die Mitleidsdrüse à la “Mein jetziges Gehalt reicht gerade, um meine Fixkosten zu decken” und stellen Sie keinerlei Forderungen wie “Ich erwarte von Ihnen, dass …” Erläutern Sie lieber, wie Ihre Fähigkeiten dem Unternehmen nutzen könnten.

8. Konjunktiv kommt schlecht an!

Wenig Selbstbewusstein signalisieren Sie, wenn Sie sich mit “könnte, würde, sollte” & Co. abmühen. Das liest sich schlecht und klingt unkonkret. Stattdessen sollten Sie klipp und klar schreiben, was Sie zu bieten haben. “Ich kann…”, “Meine Erfahrungen im Bereich …”, “Es liegt mir, Projekte zu konzipieren” oder ähnlich.

9. Keine Einschränkungen formulieren!

Was Sie (noch) nicht können, gehört nicht in ein Bewerbungsanschreiben. Also lassen Sie sich nicht verleiten zu schreiben “Leider sind meine Computerkenntnisse begrenzt” oder “Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, Englisch zu lernen”. Ihre Schwächen findet Ihr potenzieller Arbeitgeber von allein heraus, seien Sie sicher. Wappnen Sie sich lieber, indem Sie Ihre Defizite beizeiten ausgleichen und entsprechende Kurse belegen.

10. Passiv ist tabu!

Schreiben Sie, was Sie gelernt haben, wie Sie sich weitergebildet und was Sie bisher geleistet haben – und was Sie zu leisten bereit sind. Wenn Sie Formulierungen verwenden wie “Man hat mir beigebracht, …” oder “Während meines Praktikums wurden mir Kenntnisse vermittelt über …”, drängt sich unweigerlich die Frage beim Leser Ihres Bewerbungsschreibens auf, ob Sie denn das auch beherrschen, was Ihnen vermittelt wurde.

7 Kommentare

  1. Anja Neumann

    sorry, aber bewerbungen tendieren set einigen jahren immer stärker zum völligen verbiegen der eigenen person. das kann nicht gut gehen .es ist auch total verlogen. oft selbst im wortlaut. aber mindestens in der geisteshaltung, die dahinter steht. wollen frmen wrklich solche verlogenen mitarbeiter? dann haben sie auch nichts besseres verdient. und sollen sich dann nicht wundern, wenn sie keine guten mitarbeiter kriegen. und dann auch nicht rumjammern…

  2. Helen Patricia Anna Reinecke

    Nee, das Alter… den ab Mitte 40 hat man leider nur noch wenige Chancen auf einen guten Job ! 🙁

  3. Fotojournalist Dennis Stachel

    Besser: Hingehen, man selbst sein, sich verkaufen. Aber im positiven Sinne.

  4. Quirin White

    Wie schon mal erwähnt: ich arbeite im Personalbereich / Recruiting. Für mich gibt’s nichts fürchterlicheres als diese Standardtexte, mit denen sich (gefühlt) JEDER bewirbt. “ich bin flexibel, zuverlässig usw.” blablabla… Für mich muss in einem Anschreiben erst mal hervorgehen, warum der Mensch sich bei mir bewirbt. Dann lege ich Wert auf ein fehlerfreies Anschreiben – auch wenn sich jemand für’s Lager bewirbt, erwarte ich sorgfältiges Arbeiten und das zeigt sich auf den 1. Blick im Anschreiben. Steht das schon mal die falsche Firma und der falsche Ansprechpartner drin – KO-Kriterium…

  5. Und was auf keinen Fall fehlen sollte – weshalb man sich verändern will warum ausgerechnet zu dem angeschriebenen Unternehmen.

  6. Thommy

    Ich denke auch, dass man sich selbst treu bleiben sollte. Was nützt es, wenn ich mich im Anschreiben profiliere und der Chef später merkt, dass ich eigentlich ganz anders ticke. Der Bewerber muss sich gut verkaufen, ist klar, aber verbiegen nicht.

  7. Quirin White

    Aus dem Praxisalltag: ich lese pro Woche deutlich mehr als 100 Bewerbungen. Der Lebenslauf muss passen, erst dann – kann – ich mir die Zeit nehmen, das Anschreiben zu lesen…

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