„You’re fired“, tönt es in vielen Hollywood-Filmen oder TV-Serien mal lustig und mal ernst gemeint aus dem Fernseher. Daraufhin packt die Figur ihre Siebensachen und verlässt wutentbrannt das Büro. Aber ist das nun eigentlich ein amerikanisches Phänomen, ein Hollywood-Irrglaube oder sogar in Deutschland möglich: Darf ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer mündlich (fristlos) kündigen? Oder können Sie das nächste Mal, wenn Ihr Chef Ihnen den letzten Nerv raubt, einfach „Ich kündige“ rufen und aus der Tür spazieren?
Arbeitgeber kündigt Arbeitnehmer mündlich mit dem Megafon
Inhalt
1. Mündliche Kündigung – wirksam oder nicht?
2. Mündliche Kündigungen sind prinzipiell ungültig, aber…
3. …von jeder Regel gibt es Ausnahmen!
4. Tipps für Arbeitgeber: So verhindern Sie eine mündliche Kündigung
5. Fazit: Vorsicht mit mündlichen Kündigungen!

Mündliche Kündigung – wirksam oder nicht?

In Deutschland genießen die Arbeitnehmer einen umfassenden Kündigungsschutz. Prinzipiell gilt: Je länger Sie im Unternehmen tätig waren, umso länger ist auch die gesetzliche Kündigungsfrist. Zudem darf ein Arbeitgeber keine willkürlichen Kündigungen aussprechen. Entweder er lässt einen befristeten Arbeitsvertrag auslaufen oder aber er kann einen wirklich guten Grund für seine Kündigungsentscheidung vorweisen. Infrage kommen zum Beispiel eine krankheitsbedingte oder auch die verhaltensbedingte Kündigung.

Lese-Tipp:Krankheitsbedingte Kündigung: Tipps für Arbeitnehmer und -geber

Dieser umfassende Kündigungsschutz wird von immerhin 55 Prozent der Befragten einer Studie von polis+sinus wertgeschätzt. 27 Prozent wünschen sich dessen weiteren Ausbau, 14 Prozent würden ihn gerne etwas eindämmen und drei Prozent sogar gänzlich abschaffen.

Statistik: Welche Meinung haben Sie zum bestehenden gesetzlichen Kündigungsschutz? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Doch nicht nur eine „normale“, sprich frist- und formgerechte, Kündigung ist in Deutschland aus Arbeitgebersicht äußerst schwierig, noch komplizierter ist es bei der sogenannten fristlosen Kündigung, welche nur in absoluten Extremfällen gültig ist. Dies können sein:

  • Beleidigungen des Arbeitgebers
  • aggressives Verhalten oder tätlicher Angriff am Arbeitsplatz
  • vorgetäuschte Krankmeldung
  • nicht angemeldete Nebentätigkeit
  • Arbeitszeitbetrug
  • finanzieller Betrug am Arbeitgeber
  • Diebstahl oder andere Straftaten

Lese-Tipp:Arbeitsrecht – Die außerordentliche und die fristlose Kündigung

Prinzipiell gilt:

„§ 626 Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund
(1) Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann.
(2) Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen.“
(Quelle: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB))

Das bedeutet: Sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer kann fristlos kündigen, wenn das Fortsetzen des Arbeitsverhältnisses in seiner individuellen Situation als unzumutbar zu bewerten ist. Zudem können beide Parteien natürlich auch noch eine ordentliche Kündigung aussprechen. Aber geht das auch mündlich oder nur schriftlich?

Lese-Tipp:Die 15 schlimmsten verhaltensbedingten Kündigungsgründe

Mündliche Kündigungen sind prinzipiell ungültig, aber…

Der Zusatz

„Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen.“

gibt bereits einen ersten Hinweis auf die Antwort zu dieser Frage: Laut deutschem Gesetz bedarf es einer schriftlichen Kündigung, um einen ebenfalls schriftlich geschlossenen Vertrag zu beenden. Diese Regelung greift demnach auch für Arbeitsverträge. Eine mündliche Kündigung ist deshalb prinzipiell ungültig. Auch eine mündliche Aussprache der Kündigung mit anschließender schriftlicher Bestätigung ist nicht als rechtskräftiges Kündigungsschreiben ausreichend. Eine schriftliche Kündigung muss zwingend

  • Name und Anschrift des Kündigenden,
  • Ort und Datum,
  • Kündigungswunsch und -zeitpunkt
  • sowie eine eigenhändige Unterschrift

beinhalten, um vor Gericht bestehen zu können. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt zudem:

„§ 623 Schriftform der Kündigung
Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen.“
(Quelle: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB))

Je nach Arbeits-, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung müssen Sie dieses Kündigungsschreiben eventuell sogar als Einschreiben versenden. Eigentlich könnte die Frage, ob eine mündliche Kündigung wirksam ist, daher prinzipiell mit „Nein“ beantwortet werden. Doch was wäre unsere deutsche Bürokratie ohne komplizierte Ausnahmen und Sonderfälle?

…von jeder Regel gibt es Ausnahmen!

Es gibt nämlich durchaus Situationen, in welchen die mündlich ausgesprochene Kündigungsabsicht in Kombination mit schlüssigem oder auch widersprüchlichem Verhalten gültig werden kann. Klingt kompliziert? Ist es leider auch. Wir möchten es Ihnen deshalb anhand von zwei Beispiel näher erläutern:

Beispiel 1: Arbeitgeber kündigt mündlich
Nehmen wir an, ein Arbeitgeber spricht in Rage eine mündliche Kündigung aus. Wie sie bereits gelernt haben, ist diese eigentlich ungültig. Sollten Sie als Arbeitnehmer nun aber tatsächlich Ihre Sachen packen, Ihre Arbeitsstelle räumen und keine (!) Kündigungsschutzklage einreichen, könnte das Gericht dies als schlüssiges Verhalten interpretieren und damit wird die mündlich ausgesprochene Kündigung tatsächlich wirksam.

Laut Kanzlei Kotz bedeutet das: Zwar ist eine mündliche Kündigung durch den Arbeitgeber unwirksam und der Arbeitnehmer muss daher auch keine dreiwöchige Frist für seine Kündigungsschutzklage einhalten, akzeptiert er jedoch die ausgesprochene Kündigung und lässt nicht die Absicht erkennen, einige Wochen oder Monate später doch noch gegen die unrechtmäßige Kündigung vorzugehen, könnte das Gericht die mündliche Kündigung aufgrund schlüssigen Verhaltens des Arbeitnehmers für rechtmäßig erklären.

Tipp für Arbeitnehmer: Spricht Ihr Arbeitgeber also eine mündliche Kündigung aus, dürfen Sie diese erst einmal getrost ignorieren und weiterhin Ihre Arbeit verrichten. Sollten Sie davon durch den Arbeitgeber abgehalten werden (Schlüsselentzug, keine Lohnzahlung mehr o.ä.), müssen Sie unbedingt zeitnah gerichtlich mittels Kündigungsschutzklage gegen die mündliche Kündigung vorgehen!

Und was, wenn der Arbeitnehmer mündlich kündigt? Können Sie filmreif Ihre Arbeitsstelle mit einem „Ich kündige“ verlassen? Oder müssen Sie – sollten Sie diesen Ausspruch später bereuen – befürchten, dass diese mündliche Kündigung nun wirksam ist? Jein! Auch diesen Sachverhalt möchten wir Ihnen anhand eines Beispiels näherbringen:

Beispiel 2: Arbeitnehmer kündigt mündlich
In unserem zweiten Beispiel spricht der Arbeitnehmer entweder im persönlichen Gespräch oder via Telefon seine mündliche Kündigung aus. Er lässt also klar und eventuell sogar vor Zeugen seine Kündigungsabsicht verlauten. Auch hier kann die mündliche Kündigung aufgrund widersprüchlichen Verhaltens wirksam werden.

Dies zumindest bestätigt ein Urteil des LAG Rheinland-Pfalz (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Aktenzeichen 8 Sa 318/11, Urteil vom 08.02.2012). Hier sprach eine angestellte Friseurin gegenüber ihrem Arbeitgeber mehrfach im telefonischen Gespräch mündlich ihre fristlose Kündigung aus. Das Gericht entschied: Die Friseurin  habe „mehrfach“ sowie „ernsthaft“ mündlich gekündigt und das Arbeitsverhältnis dadurch rechtmäßig aufgelöst. Die Klage auf Wiedereinstellung nach Eingang der offiziellen schriftlichen Kündigung durch den Arbeitgeber interpretierte das Gericht daher als widersprüchliches Verhalten. Die mündliche Kündigung wurde für gültig erklärt und die Klage abgewiesen. Zwar ist dieses Urteil aufgrund der fehlenden Schriftform umstritten, doch verdeutlicht es: In Ausnahmefällen kann eine mündliche Kündigung durch das Gericht als rechtswirksam ausgelegt werden.

Tipp für Arbeitnehmer: Auf der sicheren Seite sind Sie also nur, wenn Sie niemals (!) eine Kündigungsabsicht mündlich aussprechen – vor allem nicht aus dem Affekt. Bewahren Sie lieber stillschweigen und kündigen Sie, falls Sie sich tatsächlich dafür entscheiden, formgerecht sprich schriftlich. Wie das geht, erfahren Sie in unserem Artikel „Kündigungsschreiben Arbeitnehmer: Kostenloses Muster“.

Tipps für Arbeitgeber: So verhindern Sie eine mündliche Kündigung

Als Arbeitgeber können Sie präventiv Maßnahmen ergreifen, um eine mündliche Kündigung und einen eventuell folgenden Gerichtsstreit von Vornherein zu vermeiden:

  1. Betonen Sie im Arbeitsvertrag noch einmal den Bedarf der Schriftform für eine gültige arbeitnehmerseitige Kündigung.
  2. Tritt der Fall dennoch ein, klären Sie den Arbeitnehmer über die Rechtslage auf.
  3. Bleibt er trotzdem der Arbeit fern, senden Sie ihm eine eigenhändig unterschriebene Abmahnung via Einschreiben – mit Hinweis auf die Konsequenzen seines Handelns.
  4. Kommt der Arbeitnehmer auch nach Erhalt der Abmahnung seinen vertraglichen Pflichten nicht (vollständig) nach, sprechen Sie die form- sowie fristgerechte ordentliche Kündigung aus – schriftlich, versteht sich!

Fazit: Vorsicht mit mündlichen Kündigungen!

Sowohl als Arbeitgeber wie auch als Arbeitnehmer sollten Sie also mit mündlichen Kündigungen äußerst vorsichtig umgehen. Zwar sind diese prinzipiell unwirksam, doch können sie in Ausnahmefällen durch widersprüchliches oder schlüssiges Verhalten als rechtsgültig ausgelegt werden. Und selbst, wenn nicht, so bleibt schlussendlich dennoch ein vergiftetes Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis übrig, das sich wohl nur sehr schwierig wieder reparieren lässt. Überlassen Sie die „You’re fired“ oder „Ich kündige“ Aussprüche daher doch lieber Hollywood und nutzen Sie, sollten Sie denn tatsächlich eine Kündigungsabsicht hegen, die formgerechte schriftliche Kündigung.

Welche weiteren Erfahrungen, Ergänzungen oder Tipps haben Sie zum Thema mündliche Kündigung eines Arbeitsverhältnisses? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge in den Kommentaren!


Ihr Kommentar zum Thema