Du hast dich bestimmt schon oft so wie viele andere in deinem Umfeld für bestimmte Taten in deinem Leben gerechtfertigt. Doch hast du dich schon einmal intensiv damit beschäftigt, wie oft diese Rechtfertigungen gegenüber anderen oder sogar gegenüber dir selbst vorkamen? In folgenden Beitrag erfährst du, was eine Rechtfertigung psychologisch bedeutet, worin der Unterschied zu einer Erklärung liegt und ob Rechtfertigungen überhaupt etwas Schlechtes sind.

Anzeige

Das Wichtigste in Kürze

  • Sich für etwas rechtfertigen bedeutet, dass jemand sein Handeln verteidigt und eine defensive Haltung einnimmt.
  • Eine Rechtfertigung findet in der Regel nur statt, wenn du mit deinem Handeln unzufrieden bist oder das Gefühl hast, andere könnten damit unzufrieden sein.
  • Rechtfertigungen sind ein Zeichen von fehlendem Selbstbewusstsein.
  • Das Gegenteil stellt die Erklärung dar. Sie steht für selbstbewusstes Handeln.
  • Erklärungen sind immer besser als Rechtfertigungen.
  • Versuche Rechtfertigungen in Zukunft zu vermeiden und suche die Fehler zunächst bei dir selbst anstatt bei anderen.
  • Analysiere dein eigenes Handeln und erkläre dieses, anstatt blind auf defensive Rechtfertigungen zu setzen.

Was bedeutet es, wenn du dich rechtfertigst?

Sich zu rechtfertigen bedeutet, dass du begründest oder argumentierst, wieso eine bestimmte Sache so ist, wie sie ist. In der Regel befindest du dich in einer inneren Anspannung, wenn du das Gefühl hast, dass du dich für eine bestimmte Handlung deinerseits rechtfertigen musst. Du nimmst also praktisch eine Art Defensivhaltung ein.

Die Hintergründe einer Rechtfertigung sind meistens folgende:

  • Jemand der sich rechtfertigt, tut dies meistens, weil er oder sie Schuldgefühle für die zugrunde liegende Handlung entwickelt hat.
  • Rechtfertigungen geschehen auch meist vor dem Hintergrund, dass sich die Person, von welcher die Rechtfertigung bedroht fühlt und sich somit aus defensiven Gründen dazu verpflichtet fühlt, ihr Handeln zu rechtfertigen. In den meisten Fällen ist diese sogenannte Bedrohung jedoch völlig unbegründet und nur für die Person existent, welche sich rechtfertigt.
  • Menschen, die sich rechtfertigen wollen, nutzen diese Taktik oft, um ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken, da sie Angst vor der Konfrontation mit diesen haben.

Unterschiede zwischen einer Erklärung und einer Rechtfertigung

Du siehst also, wenn du oder jemand anderes sich rechtfertigt, dann wird versucht, eine gewisse Handlung zu erklären. Doch hier liegt der Knackpunkt. Denn zwischen einer Erklärung und einer Rechtfertigung gibt es einige Unterschiede. Um diese zu verdeutlichen, solltest du zunächst wissen, was eine Erklärung genau ist.

Anzeige

Eine Erklärung hat zum Ziel, dass du einem anderen Menschen eine Information zu einer bestimmten Sache oder Handlung mitteilst, damit dieser die Hintergründe und Ursachen der Handlung versteht. Eine Erklärung hat also zum Ziel, eine Handlung für eine andere Person nachvollziehbarer zu gestalten.

Jetzt aber zu den Unterschieden. Eine Erklärung verfolgt im Gegensatz zu einer Rechtfertigung einen völlig anderen Ansatz und die Intention dahinter ist deutlich weniger defensiv. Bei einer richtig ausformulierten Erklärung läufst du keine Gefahr, dass sich dein Gegenüber angegriffen fühlen könnte, was bei einer Rechtfertigung in vielen Fällen jedoch vorkommen kann. Eine Erklärung verfolgt nicht die Intention, dein Gegenüber von etwas überzeugen zu wollen. Hier geht es viel mehr um den Ansatz, eine Information greifbarer und nachvollziehbarer zu machen, um Verständnis bei deinem Gesprächspartner zu erzeugen.

Ein weiterer eklatanter Unterschied zwischen einer Erklärung und einer Rechtfertigung spiegelt sich auch im eigenen Selbstvertrauen wider. Einer Rechtfertigung liegt immer eine gewisse Unsicherheit zugrunde und in der Regel wirst du dich nur für Dinge rechtfertigen, für die du dich schämst oder mit denen du selbst nicht zufrieden bist. Bei einer Erklärung jedoch besitzt du eine innere Sicherheit und vermittelst die Information in der Regel sachlich und routiniert. Deutlicher wird das eventuell anhand eines Beispiels.

Du erledigst eine Aufgabe nach Anleitung deines Vorgesetzten. Nach Beendigung dieser spricht dieser dich auf das Ergebnis an und fragt dich, wie du zu diesem gelangt bist. Du kannst entweder mit einer Rechtfertigung oder einer Erklärung antworten:

Anzeige
  • Rechtfertigung: „Ich musste das so machen, anders hätte es nicht funktioniert.“
  • Erklärung: „Ich die Schritte so durchgeführt, wie es von mir verlangt wurde und darauf geachtet, alles gewissenhaft zu erledigen.“

Du erkennst also die Antwort mit einer Rechtfertigung lässt vermuten, dass du selbst mit dem Ergebnis nicht zufrieden und der Meinung bist, dein Chef findet dieses ebenfalls nicht gut, weswegen du defensiv reagierst. Die Erklärung jedoch lässt den Rückschluss zu, dass du zufrieden bist und dein Chef ist es auch und dieser lediglich aus Neugier wissen möchte, wie du die Aufgabe erledigt hast.

Sind Rechtfertigungen grundlegend schlecht?

Rechtfertigungen sind also von Grund auf negativ konnotiert und stellen immer ein fehlendes Selbstvertrauen dar. Vor allem aber suchst du bei einer Rechtfertigung oft die Fehler bei anderen, anstatt dein eigenes Handeln zu überdenken und zu reflektieren. Die Frage, ob du dich also Erklären oder Rechtfertigen sollst, lässt sich ganz einfach beantworten. Eine Erklärung ist in jedem Fall die bessere Wahl. Eine Rechtfertigung und Schuldvermutung bei anderen Personen lässt immer Zweifel an deiner eigenen Kompetenz aufkommen und das sollte natürlich nicht der Idealfall sein.

Doch heißt das, dass du deine Standpunkte in Zukunft nicht mehr vertreten und lieber schweigen solltest? Pauschal lautet die Antwort hier ganz klar: auf keinen Fall. Jedoch gilt es hier abzuwägen. Die Frage ist nämlich, welchen Standpunkt möchtest du vertreten? Ein blindes Rechtfertigen kann nie die Individuallösung sein. Ein konsequentes Schweigen aber auch nicht.

Bei bestimmten Punkten ist es auf jeden Fall besser, lieber nichts zu sagen, während du bei anderen Punkten wiederum auf jeden Fall einen Erklärungsansatz verfolgen solltest, und da ist es wieder das Stichwort. Erklärung und nicht rechtfertigen. Wenn dir Zweifel an deinen Handlungen aufkommen, suche nicht die Schuld bei anderen, indem du dich blind rechtfertigst. Versuche lieber dein Handeln so rational, sachlich und detailliert zu erklären, wie es dir möglich ist.

Anzeige

So erklärst du deine Beweggründe ohne blinde Rechtfertigungen

  • Entwickle ein geschärftes Bewusstsein für unterschiedlichste Situationen. Versuche bestmöglich zu erkennen, ab wann du dein Handeln erklären solltest und vor allem wie du dies tust.
  • Gehe deine Schritte im Kopf vorher durch und versuche sie nachzuvollziehen. So kommst du später bei eventuellen Nachfragen nicht in Erklärungsnot, sondern kannst gezielt und sachlich alles erläutern, was du getan hast.
  • Versuche verschiedene Optionen zu erkennen. Wenn du deinem Vorgesetzten beispielsweise ein Ergebnis präsentieren sollst, überlege welche Fragen er oder sie dir stellen können und such dir bereits im Vorfeld die passenden Antworten raus.
  • Niemand ist perfekt und jeder macht mal Fehler. Versuche also zu deinen zu stehen. Du hast dich verkalkuliert? Eine falsche Entscheidung getroffen? Rechtfertige dich nicht, indem du die Schuld von dir lenkst, sondern stehe klar zu deinen Fehlern und erklär deinen Vorgesetzten, was du beim nächsten Mal besser machen kannst. Immerhin kannst du aus Fehlern immer neue Erkenntnisse gewinnen.

Bildnachweis: g-stockstudio/istockphoto.com