Sogenannte Erfolgstrainer haben haufenweise Ratschläge im Köcher, wenn es um die Regeln des Selbstmarketings geht. Alle basieren auf einer Grundformel: „Leistung ist gut, ein makelloser Auftritt ist besser.“

1. Teil: Von der Selbsterkenntnis bis zur Ordnung

Manches von dem, das Sie im Laufe dieses Artikels lesen, mag Ihnen übertrieben, affig oder angeberisch vorkommen, doch alle Tipps basieren auf den Erfahrungen von gewieften Profis, die sich mit Karriereplanung und dem Weg zum Erfolg beschäftigen. Diese weisen beispielsweise daraufhin, dass der „wichtigste Kunde“ eines Mitarbeiters der eigene Chef ist. Denn dieser verfügt über die Macht, den Angestellten zu fördern oder aber auszubremsen. Deshalb gehört es zu den Grundtugenden der Aufsteiger und solcher, die es werden wollen, die Gunst ihres Vorgesetzten zu erringen und damit den eigenen Arbeitsplatz krisensicher zu machen.

Selbstmarketing ist nicht nur eine Frage der Oberfläche

Wie eine IBM-Studie belegt, werden rund 60 Prozent aller Jobs über Beziehungen vermittelt. 10 Prozent der Bewerber bekommen ihre Position aufgrund ihrer Leistung – und bei 30 Prozent entscheidet der überzeugende Auftritt. Es liegt also ganz aufseiten des Bewerbers, seine Selbstpräsentation zu optimieren. Damit meinen Karriere-Ratgeber nicht rücksichtslose Ellenbogenmentalität oder Wichtigtuerei, sondern eine solide Eigen-PR, die das persönliche Selbstbewusstsein stärkt und die Möglichkeiten im Berufsleben erweitert.

Wichtigste Voraussetzung: Sie müssen schon in der Lage sein, Ihre eigenen Leistungen zu vermarkten. Schaumschläger und Mogelpackungen werden schnell entlarvt. Professionalität hat mit der Eigenvermarktung eines guten Produktes zu tun – mit Ihnen selbst. Sie sind motiviert, die bestmögliche Leistung aus sich herauszuholen und diese so günstig wie möglich zu präsentieren.

Die 5 wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes Selbstmarketing

1. Selbsterkenntnis

Betrachten Sie sich selbst wie ein Produkt, das starke und schwache Seiten besitzt. Nur wenn Sie Ihre eigene Persönlichkeit realistisch einschätzen können, sind Sie in der Lage, eine Strategie für Ihre berufliche Laufbahn zu entwickeln, die zu Ihrem Profil passt. Um auf dem Arbeitsmarkt einen guten Job zu ergattern, ist eine Inventur der eigenen Begabungen unerlässlich.

Ihre Stärken sind Ihr Kapital – damit können Sie sich im besten Sinne „verkaufen“ oder anpreisen. Zur Selbsterkenntnis gehören aber ebenso die Schwächen, die Sie sich eingestehen sollten. Diese betrachten Sie am besten ebenfalls so ehrlich und so nüchtern wie möglich. Hatten Sie bereits in der Schule Probleme mit Zahlen, so wird voraussichtlich kein Rechenkünstler aus Ihnen. Fazit: Anstatt an Ihren schwachen Seiten herumzudoktern, sollten Sie lieber Ihre Stärken herausarbeiten. Dann können Sie Ihr Potenzial mit den Bedürfnissen des Unternehmens abgleichen.

2. Zieldefinition

Ziele setzen!
Ziele setzen!

Nehmen Sie sich Zeit. Urlaubsplanung ist zeitaufwendig, das wissen viele. Berufliche Weiterentwicklung ist bedeutend zeitaufwendiger, das wissen viele nicht. Um das eigene Handeln den betrieblichen Bedürfnissen anzupassen, müssen Sie sich über Ihre eigenen Ziele im Klaren sein – und das kann dauern.

Alle Berater sind sich darüber einig, dass ein planvolles Vorgehen das A & O des erfolgreichen Selbstmarketings ist. Die Laufbahn dem Zufall oder der Initiative anderer Leute zu überlassen, ist bequem, aber nicht effektiv. Es könnte passieren, dass niemand Ihre Fachkompetenz wahrnimmt, von der Sie selbst überzeugt sind, die Sie jedoch nicht ausreichend mit einer eindeutigen Zielsetzung zu untermauern vermögen.

Jedes Ziel, das Sie für sich formulieren, muss von Zeit zu Zeit überprüft werden. Konsequenz ist ein wichtiger Faktor bei Ihrer Vorgehensweise. Also nehmen Sie sich nicht vor, Ihre Arbeit lediglich so gut zu machen, damit Sie Ihren Job nicht verlieren – das ist ohnehin nur ein frommer Wunsch. Konkret hingegen können Sie beispielsweise anstreben, bis zum 31. März drei Verbesserungsvorschläge einzureichen, um den Vertrieb geschmeidiger zu organisieren.

Wenn Sie checken, ob Ihre Ziele noch mit dem übereinstimmen, was in Ihrem Unternehmen gefragt und gefordert ist, prüfen Sie sich gleichzeitig, ob Sie Ihre Energie künftig für ein anderes Ziel einsetzen wollen. Verlangen Sie nichts Unmögliches von sich – der Sprung aus dem mittleren Management in die Führungsetage hängt nicht von der Länge Ihrer Beine ab, Sie brauchen dafür vielmehr einen langen Atem.

In puncto Langzeitziele gibt es natürlich auch Empfehlungen von Karriereberatern. Sie können sich beispielsweise fragen: Wo will ich in fünf Jahren angekommen sein, und wo stehe ich in zehn Jahren? Eventuell geht Ihr Abteilungsleiter in einigen Jahren in den Ruhestand – dann könnten Sie das Ziel anpeilen, ein bis zwei Jahre vor seinem Ausscheiden längst Stellvertreter zu sein, um anschließend seinen Posten zu übernehmen. Bedenken Sie dabei, dass Sie am ehesten Unterstützung finden in Ihrem persönlichen Weiterkommen, wenn Sie sich gezielt um einen Job bewerben und den Entscheidern plausibel machen können, dass nur Sie die richtige Besetzung dafür sind.

3. Selbstlob

Uncooles Wort, zugegeben, aber auch Teil des Selbstmarketings, das zum Erfolg führen soll. Gemeint ist, dass Sie sich falsche Bescheidenheit nicht leisten können. Wer nur im Geheimen tolle Leistungen bringt, kommt nicht weiter. Nach einer Studie unter deutschen Unternehmensberatern gehört das Understatement in Bezug auf die eigenen Leistungen zu den Top 10 der sogenannten Karrierekiller. Wer nicht für sich trommelt, darf sich nicht wundern, wenn andere den Beifall einheimsen, befördert werden und mehr verdienen.

Wie aber stellen Sie es an, sich ins rechte Licht zu rücken und es Ihren Vorgesetzten zu ermöglichen, Ihre Erfolge Ihnen als Person zuzuordnen? Sie müssen selbst davon reden – hilft alles nichts. Ihre neidischen oder ehrgeizigen Kollegen werden es sicherlich nicht für Sie tun. Allerdings sollten Sie weder angeben noch protzen und Ihrem Chef mit permanentem Selbstlob nicht auf die Nerven gehen.

Eigenlob erfordert einiges an Fingerspitzengefühl, und viele Menschen empfinden grundsätzlich eine Scheu, sich allzu sehr nach vorn zu drängeln. Vor allem Frauen, die oft ungewöhnlich hilfsbereit und sehr kollegial in ihrem Verhalten sind, fällt es meist schwer, sich professionell zu „verkaufen“.

Eine Studie der Uni Heidelberg ergab, dass Männer bei Bewerbungen auch deshalb durchweg mehr Erfolg haben, weil sie durchschnittlich eine knappe Minute länger über ihre beruflichen Stärken reden als ihre weiblichen Mitbewerberinnen.

Die empfohlene und damit wohl auch bewährte Methode, sich selbst zu loben, besteht darin, sich vernehmlich über die eigenen Erfolge zu freuen und andere daran teilhaben zu lassen. Im Gespräch mit dem Chef können Sie immer mal einfließen lassen, dass die gelungene Organisation eines Events auf Ihr Konto geht, dass eine Verbesserung das Ergebnis ausschließlich Ihrer Überlegungen war etc. Sie dürfen ebenfalls beiläufig erwähnen, dass es nach Ihrer Einschätzung die hilfreichen Erfahrungen aus früheren Projekten waren, die zu einem Gedankenblitz Ihrerseits geführt haben.

Ganz wichtig: Protzen Sie niemals vor Ihren Chefs damit, wie viel Mühe und Arbeit erforderlich waren, um den Erfolg zu erringen, der Sie jetzt ins Rampenlicht rückt. Niemand will das wissen, wohl aber, welche Vorteile sich künftig für das Team, die Abteilung, die Firma daraus ergeben. Dass Sie 40 Überstunden gemacht haben und einige Male alles hinschmeißen wollten, gehört nicht in die Abteilung Selbstlob. Erwähnen dürfen Sie aber Ihre kontinuierliche Überzeugungsarbeit bei einem Kunden, ehe Ihnen dieser den erwünschten Auftrag gegeben hat.

4. Dresscode

mit Attraktivität mehr Erfolg im Job
Kleider machen Leute

Immer gut in Schale – das versteht sich von selbst für einen Aufsteiger, meinen Sie? Auch hier ist etwas Feingefühl angeraten, damit Sie nicht daherkommen wie ein Emporkömmling – also übertrieben modisch, konturlos bieder oder gar geckenhaft gekleidet. Ziehen Sie sich niemals besser an als Ihr Chef, lautet die Faustregel für die richtige „Arbeitskleidung“. Sie sollten natürlich wissen, dass Shopper nicht als Handtasche zum Cocktailkleid passen, dass Sie auch bei 30 Grad im Schatten niemals in kurzen Hosen oder barfuß in Sandalen zur Arbeit erscheinen und dass die Farbtiefe Ihres Anzuges etwas aussagt über den Rang, den Sie bekleiden (wollen).

Simpel gesagt: je dunkler der Dreiteiler, desto höher der Posten.

„Kleider machen Leute“ – das stimmt auch heute noch, jedenfalls im Business, wo der äußere Schein bereits Klasse und Nichtklasse definiert. Falsche Klamotten können Ihnen manchen Weg verstellen – gerade wenn Sie lieber als Individualist durchs Berufsleben gehen möchten und nicht als uniformiertes Wesen, das jeder sofort als jemanden aus dem Management oder Bankwesen identifiziert. „Mitgefangen, mitgefangen“, lässt sich dazu nur lakonisch sagen. Gehört zum Spiel, nehmen Sie es lässig, finden Sie Ihren eigenen Weg, sich ein wenig abzuheben von der Meute.

Wenn es beim Äußeren hapert, haben Sie einen schweren Stand und untergraben Ihr ansonsten eventuell gut funktionierendes Selbstmarketing. Akzeptieren Sie einfach, dass ein gepflegtes Aussehen ein absolutes Muss ist, es dabei nicht um Ihren persönlichen Geschmack geht, sondern um festgelegte Normen. (Zu Hause können Sie sich ja immer noch die Krawatte vom Hals reißen). Sie sind mit Ihrem Äußeren gewissermaßen ein Teil der Visitenkarte des Unternehmens, für das Sie arbeiten.

Mitarbeiter, die sich angemessen kleiden, sind im Allgemeinen erfolgreicher. Stellen Sie sich zwei Azubis vor, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Die eine trägt Leggings und eine Tiger-Shirt, die andere schwarze Hose, weißes Shirt, Blazer. Welche von beiden wird wohl die neue Assistentin im Marketing?

Als clever gilt, wer sich am Outfit der erfolgreichen Kollegen orientiert und den eigenen Stil in dieser Richtung perfektioniert. Auch damit wird der Aufstiegswillen nach außen dokumentiert – ebenfalls ein Teil des praktizierten Selbstmarketings. Ihre Kleidung verrät den Menschen um Sie herum, wie Ihre Einstellung zum Betrieb ist und in welcher Rolle Sie sich sehen. Sie können damit ausdrücken: „Was hier passiert, nehme ich wichtig“ oder „Mir ist nicht egal, was unsere Kunden von uns denken“ oder aber „Ich repräsentiere die Firma gern und bin in der Lage, eine anspruchsvolle Position auszufüllen.“

Seien Sie kritisch, mustern Sie alles an Kleidung aus, was nicht richtig sitzt oder ungepflegt wirkt – tragen Sie es in der Freizeit, wenn Sie an den Sachen hängen. Es ist erwiesen, dass über die Hälfte aller Mitarbeiter bei Präsentationen aufgrund ihres äußeren Eindrucks punkten – mit ihrer Körpersprache, ihrer Gestik, dem Augenkontakt, mit einem tadellosen Auftreten und einem falten- und fleckenlosen Outfit. Der positive Effekt ist auch auf die Stimmlage zurückzuführen (38 Prozent), erst danach folgt abgeschlagen mit sieben Prozent der Inhalt. Ihre Fachkompetenz also in allen Ehren – doch vernachlässigen Sie den Dresscode nicht, weder bewusst noch unbewusst.

5. Ordnung

Chaos auf dem Schreibtisch.
Chaos auf dem Schreibtisch.

Ein weiterer Begriff, der zum Selbstmarketing gehört wie die Socke zum Fuß, doch bei manchem unangenehme Assoziationen auslöst. Aber es hilft alles nichts: Sie müssen in der Lage sein, sichtbar für alle Ordnung zu halten, wenn Sie ganz nach oben wollen.

Glauben Sie also nicht, dass es einen guten Eindruck macht, wenn sich auf Ihrem Schreibtisch die Vorgänge türmen, die es selbst an digitalen Arbeitsplätzen immer noch zu besichtigen gibt. Ihr äußeres Chaos wird gern mit Ihrem Unvermögen, strukturiert zu denken, gleichgesetzt. Überladene Schreibtische und ein PC, voll gepflastert mit Post-it-Zetteln, gehören zu den absoluten Karrierekillern. Eine Büroartikelfirma ermittelte repräsentativ, dass vier Fünftel aller Geschäftsführer größerer deutscher Unternehmen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ordnung und Produktivität sehen.

Karriere-Experten stellen fest, dass Menschen mit leeren Schreibtischen unter die Kategorie „ordentlich, strukturiert, zuverlässig“ fallen. Bewerber mit Papiertürmen hingegen gelten als chaotisch und unzuverlässig, als Personen, die sich nicht gern an Vorgaben halten und sich zu viele eigene Gedanken machen. Folglich wird der Unordentliche weniger gern für höhere Positionen empfohlen als der (nur vermeintlich) effektivere Kollege – der eventuell nur äußerlich Ordnung hält, weil er diese als ein Prinzip des Selbstmarketings erkannt hat. Ähnlich wie bei der Kleidung gilt ein aufgeräumter Schreibtisch ebenfalls als eine Art Visitenkarte der Firma, die Sie bezahlt.

Die Bevorzugung eines Mitarbeiters, der Ordnung zu halten vermag, rührt auch daher, dass vielfach angenommen wird, ordentliche Menschen würden mehr arbeiten als unordentliche. Dies belegt eine Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts, nach der rund zehn Prozent der Arbeitszeit durch „überflüssige oder fehlende Arbeitsmaterialien“ oder „ständiges Suchen nach dem richtigen Dokument in chaotischen Dateiverzeichnissen“ verloren geht. Stapeln Sie deshalb auf Ihrem Schreibtisch nur die Unterlagen, die Sie für Ihr aktuelles Projekt benötigen. Und achten Sie außerdem darauf, dass der Desktop Ihres Rechners nicht aussieht wie ein Labyrinth.

Zu Ihrem überzeugenden Selbstmarketing gehört es auch, dass auf Ihrem Schreibtisch keine Esswaren herumliegen – Kaffeeflecken und Glasränder gehen natürlich gar nicht. Auf die Besucherstühle in Ihrem Büro gehören weder Ihr Mantel noch irgendwelche Dokumente. Ihre Kunden oder Ihr Chef werden es bedeutend positiver aufnehmen, wenn Sie einen freien Platz vorfinden. Verzichten sollten Sie auf Büropflanzen, wenn Sie nicht gerade ein Blumenfreund sind. Verstaubte, ungepflegte Pflanzen machen einen sehr schlechten Eindruck – ebenso Kalender, die wochenlang nicht abgerissen wurden, fleckige Poster oder allzu rührende Baby- und Familienbilder. Ein Foto Ihres Herzblatts im Badesdress hat ebenfalls nichts auf Ihrem Schreibtisch zu suchen – geschweige denn als Bildschirmschoner oder Mousepad.

Lesen Sie im 2. Teil:

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