Der Mensch ist bekanntlich ein soziales Wesen. Forschungsergebnisse machen jedoch deutlich, dass gerade Intelligente das Alleinsein bevorzugen.

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Menschen brauchen Menschen. Private Freundschaften und gute Beziehungen zu Teamkollegen sind wichtig, um das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Bindung zu befriedigen. Dennoch gibt es Ausnahmen. Studienergebnisse gehen davon aus, dass wir uns im Regelfall zwar gerne sozialisieren und deshalb glücklich und zufrieden sind, weil wir unter Menschen gesellig sein können. Die Untersuchung mit 15.000 Teilnehmern belegt aber auch: Gerade intelligente Menschen sind zufriedener, wenn sie alleine sind. Je mehr sie sich unter Menschengruppen aufhalten, so das Ergebnis, desto unglücklicher werden sie.

Auch wenn wir soziale Wesen sind, fühlen wir uns deshalb vielleicht nicht zu 100 Prozent mit einer Gemeinschaft verbunden – oder brauchen sie nicht so sehr, um wirklich glücklich zu sein. Nicht selten werden intelligente Menschen deshalb als geniale Einzelgänger oder „anders“ bezeichnet. Auch große Denker, Wissenschaftler und Künstler, beispielsweise Van Gogh, Sigmund Freud oder Emily Dickinson, gehören dazu.

Einzelgänger statt Herdenwesen: Deshalb bevorzugen kluge Menschen das Alleinsein

Grund #1: Ihre Sichtweise unterscheidet sich von denen der anderen

Intelligente, kluge Köpfe können gut um die Ecke denken und gelangen so gedanklich an Orte, wo andere eine Lösung vielleicht gar nicht vermutet hätten. Nicht umsonst heißt es, dass Neugier immer mit Intelligenz einhergeht. Der Drang, Dinge zu erkunden und neue Sachen zu erforschen, ist naturgemäß in hohem Maße ausgeprägt. Auch deshalb sind sie lieber allein: Sie brauchen den Raum, um ganz bei sich und den eigenen Gedanken sein zu können, die sich von den der anderen unterscheiden. Denn nicht jeder kann den Blickwinkel besonders kluger Menschen nachvollziehen oder akzeptieren, wenn er nicht der Norm entspricht.

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Grund #2: Sie fühlen sich sicher

Je größer eine Gruppe, desto größer ist auch das Konfliktpotenzial. Wissenschaftler der staatlichen Lakehead University (Kanada) haben in einer Untersuchung herausgefunden, dass Menschen, die in Intelligenztests besser abschneiden, sich auch mehr Sorgen machen und somit unter einem vergleichsweise hohen Angstniveau leiden. Verständlicherweise vermeiden sie deshalb soziale Situationen in größeren Gruppen, in denen mögliche Gefahren lauern. Sie fühlen sich sicher, wenn sie alleine sind, indem sie verschiedene Risiken minimieren, die im Kontext einer Gemeinschaft entstehen könnten. Auf diese Weise ist es für sie möglich, Stress zu vermeiden.

Grund #3: Sie sind bei Problemen oft nicht auf Hilfe angewiesen

Klar ist: Wir alle brauchen mal eine Schulter zum Anlehnen oder Ablenkung von guten Freunden, wenn wir uns schlecht fühlen. Haben wir Problemen, holen wir uns gerne einen guten Rat. Intelligente Menschen sind üblicherweise jedoch nicht so sehr auf andere Menschen angewiesen, um ihre Probleme zu lösen. Sie lernen schon früh, schwierige Situationen eigenständig zu lösen und demonstrieren damit ein hohes Level der Eigenständigkeit. Es wird davon ausgegangen, dass umgekehrt auch eine frühe Eigenständigkeit dazu führen kann, kluge Strategien zu entwickeln und die eigene Intelligenz zu fördern.

Tipp: Auch wenn du soziale Situationen lieber vermeidest und gar nicht so oft auf andere angewiesen bist, ist es wichtig, sich manchmal Unterstützung von lieben Menschen zu holen, denen du vertraust. Denn auch intelligente Menschen sind Menschen mit Gefühlen, die Erleichterung empfinden, wenn ihnen in schwierigen Situationen geholfen wird und sie spüren, dass sie für andere wichtig sind.

Grund #4: Sie sind oft ambitioniert und produktiv

Nicht selten haben intelligente Menschen ambitionierte Ziele und viel Potenzial, sich beispielsweise beruflich weiterzuentwickeln. Ob Universitätsabschluss oder Karrierepläne, alles, was sie näher an ihr Ziel bringt, hat Priorität. Dass sie weiter und schneller als andere sind, hat nicht nur mit ihrer Intelligenz zu tun. Sondern auch damit, dass sie wenig Zeit darauf verwenden, gesellige Tage und Abende mit anderen zu verbringen und stattdessen beispielsweise lieber lesen, lernen oder Informationen sammeln, die sie nutzen können, um näher an ihr Ziel zu kommen.

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Übrigens: Es wird vermutet, dass intelligente Menschen so sehr mit ihren Gedanken beschäftigt sind, die sie umtreiben, dass oft nur Produktivität hilft, um einen Ausgleich und ein Ventil zu finden. Das ist auch gut so – denn auf diese Weise kann es gelingen, kreativ zu werden und nicht nur in Gedanken zu versinken.

Grund #5: Sie legen Wert auf geistreiche Gespräche mit Tiefgang

Zwar führen auch intelligente Menschen Smalltalk. Sie müssen aber nicht viele Menschen in ihrem Leben haben, weil sie stattdessen wenige Kontakte, aber dafür qualitativ hochwertige Gespräche bevorzugen. Deshalb achten sie oft darauf, mit wem sie ihre Zeit verbringen. Denn auf Quantität kommt es für sie nicht an, weil sie Banalitäten vermeiden möchten.

Das hat einen bedeutenden Vorteil: Wenn wir uns nur auf wenige Beziehungen konzentrieren, haben wir die Möglichkeit, diese zu vertiefen und die Intensität und damit auch die Qualität einer Verbindung zu erhöhen. Wir können unsere emotionalen und zeitlichen Ressourcen bewusster einsetzen, weil wir sie nicht mit vielleicht sinnlos vielen Kontakten verschwenden.

Grund #6: Intelligente Menschen sind oft die besseren Zuhörer

Die Zurückhaltung intelligenter Menschen kann auch damit erklärt werden, dass sie sich nicht immer in den Mittelpunkt stellen müssen, weil es ihrer Neugier und ihrem Forschungsdrang nicht dient, immer von sich zu erzählen. Ihr Geltungsdrang ist – zwar nicht bei allen intelligenten Menschen, aber bei vielen – nicht besonders ausgeprägt, weshalb sie sich manchmal fast schon isolieren und nur reden, wenn es notwendig ist. Sie hören lieber zu, um neue Informationen zu sammeln. Das hat zugleich den Vorteil, dass kluge Köpfe oft als angenehme Gesprächspartner und aufmerksame Zuhörer gesehen werden.

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Grund #7: Die introvertierte Seite ist besonders ausgeprägt

Viele intelligente Menschen gehören tendenziell zu den eher introvertierten Menschen, auch wenn sie deshalb nicht ausschließlich als solche in eine Schublade gesteckt werden können. Denn wir alle tragen verschiedene Anteile in uns: laute, leise, zurückhaltenden, exzentrische. Weil Introvertierte aber besonders sensibel auf die Reize der Außenwelt reagieren, ziehen sie sich lieber zurück, um eine Reizüberflutung zu vermeiden. Andernfalls schellt ihr Stresspegel in die Höhe, weil ihr Nervensystem Alarm schlägt.

Grund #8: Sie brauchen keine Fremdstimulation, um sich unterhalten zu fühlen

Nicht nur im Job brauchen intelligente Menschen viel Zeit und Raum für sich. Auch in ihrer Freizeit sind sie nicht unbedingt darauf angewiesen, von jemandem unterhalten zu werden, um Erfüllung zu spüren. Sie sind gut darin, sich selbst zu unterhalten oder Sachen zu finden, mit denen sie sich sinnvoll beschäftigen können. Das bedeutet nicht, dass sie sich immer abschotten – aber durchaus, dass sie anders sind als Menschen, die nur in Stimmung kommen, wenn eine Party steigt oder sie von anderen Menschen umgeben sind.

Schon gewusst?

Für Menschen, die oft mit anderen Menschen zusammen und besonders gesellig sind, kann es manchmal hilfreich sein, bewusst Zeiten einzuplanen, während derer sie nur für sich sein können. Denn manchmal steckt hinter dem Drang, gesellig sein zu müssen und es ohne andere Menschen nicht aushalten zu können, ein anderes Problem: Wir können es nicht aushalten, mit unseren Gedanken allein zu sein – weil dann ungelöste Herausforderungen oder innere Konflikte zum Vorschein kommen. Hinschauen lohnt sich aber, auch wenn es schmerzt. Denn Verdrängen ist langfristig keine gesunde Lösung.

Bildnachweis: Foto von Polina Sirotina/Pexels.com