Dankschreiben: So punkten Bewerber nach dem Vorstellungsgespräch

Die Meinungen darüber gehen auseinander. Manche sind der Ansicht, es sei höflich und außerdem geschickt, sich mit einem Dankesbrief, einer Mail oder einem Anruf noch einmal in Erinnerung zu bringen.

Es hängt stark vom eigenen Gefühl und der Einschätzung der persönlichen Chancen ab, ob und wie ein Dankschreiben formuliert wird. Befürworter raten, dieses zwei bis drei Tage nach dem Vorstellungstermin zu verfassen und sich für das informative Gespräch in freundlicher Atmosphäre zu bedanken. Wenn dies der Wahrheit entspricht, darf ein Bewerber dies tun. Er kann auch betonen, dass er die Herausforderung, die der Job bietet, gern annimmt.

Vorteil: Der Bewerber zeigt Initiative (die sich viele Arbeitgeber oder Personalentscheider ja wünschen) und kann vielleicht einen inaktiven Mitbewerber im Rennen um den Job ausschalten. Experten sind der Meinung, dass eine nachfassende Nachricht die Entscheidung positiv beeinflussen kann.

Kein Blaba, sondern sinnvolle Inhalte

Das Dankschreiben nach einem Vorstellungsgespräch muss individuell abgefasst werden, damit es seinen Sinn nicht verfehlt. Also möglichst keine Textbausteine oder Floskeln verwenden, die die Personaler schon herunterbeten können. Wenn das Schreiben exakt auf die Firma und auf den angepeilten Job Bezug nimmt, ist schon einiges gewonnen. Je persönlicher es verfasst wird, desto besser. Lieber ein konkretes Thema, das während des Gesprächs eine Rolle gespielt hat, wieder aufgreifen als das Gespräch im Ganzen zu bewerten, denn die Einschätzung, wie “harmonisch” es gelaufen sei, muss die andere Seite nicht zwangsläufig teilen.

Wer meint, er habe bestimmte Fähigkeiten nicht ausreichend herausgestellt, sollte dies im Nachgang tun. Beispielsweise kann er erwähnen, wie viel Projekt-Erfahrung er mitbringt oder dass ihn ein Aspekt des Jobprofils ganz besonders interessiert und warum.  Insofern ist schriftliches Nachfassen auf jeden Fall besser als ein Telefonanruf! Damit bringt der Bewerber den potenziellen Arbeitgeber nämlich in die Lage, nochmals zuhören und sich Notizen zu machen zu müssen. Besser ist es, er hat alles Schwarz auf Weiß vor Augen, was es noch zu ergänzen gibt.

Es hat schon Fälle gegeben, in denen Bewerber aufgrund ihres Schreibens zu einem zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen wurden – und das stellte sich dann bereits als Einstellungsgespräch heraus. Der neue Chef begründete seine Entscheidung u. a. damit, dass ihm die Zusammenfassung der ersten Unterredung gefallen und dass er diese als Zeichen der Aktivität seitens des Bewerbers aufgefasst und begrüßt hätte.

Weitere Tipps für Dankschreiben nach Bewerbungen

Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Erfolg, sagt man. Diese Tugend beugt dem eigenen Größenwahn vor und verbessert die Beziehungen zu anderen Menschen. Angeblich macht sie sogar glücklich. Im Arbeitsalltag gehen Höflichkeit und Dankbarkeit bisweilen unter. Ehe ein Bewerber seinen neuen Job antritt, kann er sich von seiner besten Seite zeigen und beweisen, dass er weiß, was sich gehört. Er bedankt sich für die Chance, die ihm durch ein Vorstellungsgespräch geboten wurde.

Was für viele  dagegen spricht, sich für die Einladung zur persönlichen Bewerbung nach dem Gespräch noch einmal zu bedanken, ist schnell zusammengefasst: Ihnen kommt diese Mühe altmodisch, aufdringlich oder wie Effekthascherei vor. Das ist nicht so ganz falsch, wenn das Schreiben wie ein Bettelbrief klingt oder nur hohle Phrasen enthält. Wirklich professionelle Bewerber jedoch verfassen ihren Dankesbrief so, dass es Aufmerksamkeit erregt. Im positiven Sinn!

Sie ergreifen die Chance, kleine Patzer aus dem Gespräch richtigzustellen oder nachzubessern. Ein Dankschreiben ist ein stilvoller Rahmen, um weitere Argumente auf die Reise zu schicken, die während des Gesprächs nicht zur Sprache gekommen sind. Sogenannte Soft Skills (Schlüsselqualifikationen), also Fähigkeiten aus dem Bereich der sozialen Kompetenz, lassen sich beispielsweise geschickt einflechten, um die eigene Person verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.

Geht es um Kann-Anforderungen in dem Job, so sollte der Bewerber noch eimal begründen, warum er sich für den perfekten Kandidaten hält und wie er gedenkt, bestimmte Schwächen auszugleichen. Die Bereitschaft zu lernen darf gern betont werden, besonders von Bewerbern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.

Die Formalien eines Dankschreibens

Mehr als eine halbe Seite sollte der Text nicht umfassen. Kurze aussagekräftige Sätze wie “Das Gespräch mit Ihnen hat mich in meinem Wunsch bestärkt, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten.” sind präzise und verständlich. Der Brief sollte von seinem äußeren Erscheinungsbild her zurückhaltend gestaltet sein und direkt an den Gesprächspartner adressiert sein. Wer es sich zutraut, kann ihn sogar mit der Hand schreiben, das fällt garantiert auf, wirkt möglicherweise aber ein wenig übertrieben oder gewollt. Es hängt vom Job ab und davon, wie der Bewerber seinen Gesprächspartner einschätzt. In einer kreativen Branche könnte ein handschriftlicher, stilvoll designter Brief durchaus gut ankommen.

Der Inhalt sollte so verfasst werden, dass bereits der erste Satz verdeutlicht, um was für ein Schreiben es sich handelt: um einen Dankesbrief. Es empfiehlt sich, möglichst keine Beispielsätze wörtlich aus Ratgebern zu übernehmen, denn das zeugt nicht gerade von Selbstsicherheit. Ein eigener Stil muss erkennbar sein, weil sonst das Dankschreiben sinnlos ist.

4 Kommentare

  1. Quirin White on

    Wenn ich pro Tag 5 Vorstellungsgespräche für verschiedene zu besetzende Positionen führe und dann ruft auch noch jeder Bewerber nochmals an oder schickt eine Mail – dann komme ich gar nicht mehr zum Arbeiten! Wenn man im Gespräch gut gepunktet hat, braucht man sich nicht mehr in Erinnerung rufen – dann hebt man sich automatisch von der Masse ab!

  2. Interessanter Tipp!
    Allerdings bin ich hin und her gerissen zwischen “guter Idee” (mit allen von Ihnen aufgeführten Argumenten) und “ziemlich schleimig”.
    Was sagen denn die Personaler dazu? Haben Sie von deren Seite auch Feedback erhalten?
    Würde mich wirklich interessieren!

    Herzliche Grüße
    Ulla Schneider

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