Ein Lob vom Chef kann gönnerhaft, oberflächlich oder falsch wirken. Wie Führungskräfte es besser machen.

Mehr Wertschätzung, mehr Lob, mehr Anerkennung – Unternehmen werden verstärkt dazu aufgefordert, ihre Mitarbeiterbindung auf diese Weise zu stärken. Lob sollte dabei keinesfalls instrumentalisiert werden, sondern vor allem ehrlich sein. Und es sollte die Motivation der Angestellten stärken.

Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Die Bemühung, Mitarbeiter emotional an das Unternehmen zu binden, laufen häufig ins Leere. Weil Lob oberflächlich wirkt, wenn es mechanisch, emotionslos und ohne individuellen Bezug zu den Arbeitnehmern ausgesprochen wird.

Führungskräfte, die sich fragen, wie sie es besser machen, können aufatmen. Und dies gilt auch für den Fall, dass man Kollegen loben möchte: Es lässt sich erlernen. Auf Emotionalität, Dosis und Authentizität kommt es an.

Psychologe: Ein Lob müsse so konkret wie möglich sein

Man müsse so explizit wie möglich beschreiben, was man lobt, sagt Wirtschaftspsychologe Florian Becker. Hätte eine Mitarbeiterin zum Beispiel ein kompliziertes Kundengespräch, für welches sie sich viel Zeit für die Vorbereitung genommen hat, und war sie nun in der Lage, auch auf schwierige Fragen zu reagieren, sollte die Mühe dahinter wahrgenommen und beschrieben werden. Nur auf diese Weise können Lob und Emotionalität verbunden werden, anstatt ausschließlich zu loben, dass es ein „gutes Kundengespräch“ gewesen sei.

Es sei zu unspezifisch, wenn Vorgesetzte generalisierendes Lob aussprechen würden, wie etwa: „Sehr gut gemacht“, denn ein solches Lob geht schnell über die Lippen und spricht nicht die Individualität eines einzelnen Mitarbeiters an. Es ist zu pauschal – und es kommt nicht immer an.

Nicht übertreiben: Wer zu häufig lobt, weckt Misstrauen

Führungsexperte und Coach Dr. Reinhold Haller macht darauf aufmerksam, dass Lob manchmal schädlich sein kann. Dies sei der Fall, wenn es zu häufig komme. Es sei keine gute Idee, so Haller, es bei seinen Mitarbeitern zu übertreiben. Würden wir Mitarbeiter auffällig oft loben, könnte unser Lob nicht mehr glaubwürdig wirken.

Übertreibungen erwecken dann den Eindruck, dass wir aus Prinzip loben und nicht, weil wir es so meinen – und das wiederum kann Misstrauen wecken.

Zudem sei es schwierig, so Experte Haller, Mitarbeiter auf diese Weise zu motivieren. Ständiges Lob könne dazu führen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Würde man dann versuchen, Kritik zu äußern, sei diese daraufhin nur schwer nachvollziehbar oder annehmbar.

Eine ähnliche Orientierungslosigkeit sei auch bei Kindern zu beobachten, die von ihren Eltern allzu häufig Lobeshymnen hören, sagt Psychologe Becker. Dann könnte der Nachwuchs nicht mehr richtig unterscheiden, welche Entscheidungen und Handlungen denn nun wirklich erstrebenswert sind und welche nicht.

Paradox: Wir wollen Lob, können aber keine Komplimente annehmen

Christopher Littlefield, Autor, Coach für Führungskräfte und Gründer von „Beyond Thank You“, beschreibt in diesem Zusammengang ein besonders bemerkenswertes Phänomen: Er habe in einer Analyse festgestellt, dass etwa 70 Prozent der Menschen nicht sonderlich gut mit lobenden Worten umgehen konnten, wenn man ihnen etwas sagte, das ihnen schmeichelte.

Nicht jeder kann Komplimente und Lob annehmen. Um andere authentisch loben zu können, so der Experte, sei es aber wichtig, selbst in der Lage zu sein, ein Kompliment anzunehmen. Erst dann könne es uns gelingen, Mitarbeitern die eigene Wertschätzung richtig zu zeigen.

Mit einigen einfachen Worten könne es bereits gelingen. Dabei sollten Komplimente nicht abgeschmettert oder überhört werden. Wie man sich für ein Lob revanchieren kann:

  • „Vielen Dank. Ich weiß Ihre/deine Worte wirklich zu schätzen.“
  • „Das ist schön zu hören. Ich bedanke mich.“
  • „Danke, dass du das sagst. Es freut mich, dass du das wahrgenommen hast, weil ich mir viele Gedanken dazu gemacht habe.“
  • „Das Lob/Kompliment zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich danke dir.“

Grober Fehler: Lob einschränken – so lieber nicht

Ein Lob kann auch nach hinten losgehen. Besonders dann, wenn Chefs sich überwinden, Worte für die Mühe von Mitarbeitern zu finden, nur um es so richtig zu vermasseln und das Gegenteil von dem zu bewirken, was die Worte eigentlich machen sollten – nämlich: motivierend wirken.

Dies gilt für einschränkendes Lob. Beispiel: „Den Fall hast du erstklassig gelöst. Weshalb schaffst du das sonst nicht?

Bei einschränkenden Worten, die als Lob verpackt werden, handelt es sich manchmal – ungewollt – um einen Vorwurf. Im genannten Beispiel wird deutlich, dass die bisherige Leistung eigentlich kritisiert wird, weil sie unzureichend war. Wer als Führungskraft ein Lob aussprechen möchte, sollte dies ohne Einschränkungen tun.

Bessere Alternative zum Loben: Mitarbeiter ermutigen

Wer einen Schritt weitergehen möchte, setzt auf Ermutigung. Das bedeutet nicht, dass Lob unwichtig ist. Es kann die Motivation fördern. Aber es existiert ein entscheidender Unterschied: Mitarbeiter, die gerade an einem schwierigen Projekt arbeiten, fühlen sich angespornt, wenn Vorgesetzte den Prozess wahrnehmen und zeigen, dass sie die ganze Mühe, die investiert wird, sehen. Wertschätzende Worte, die nicht erst am Ende eines Projekts in Form von Lob erfolgen, sondern Teams schon während des Projekts motivieren, können Wunder bewirken.

Beispielformulierung für eine motivierende Ermutigung: „Ich sehe, dass ihr jeden Tag an diesem anspruchsvollen Projekt arbeitet und es kostet euch Zeit und Mühe. Danke, dass ihr euch dem Problem XY so intensiv widmet. Der Fortschritt im Bereich XY ist beachtenswert. Ich weiß eure Arbeit zu schätzen.“

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Lob auszusprechen?

Sagen wir es so: Der richtige Zeitpunkt für ein Lob ist im Grunde eine subjektive Empfindung. Es gibt ihn also nicht wirklich. Während einige Mitarbeiter es zu schätzen wissen, am Ende des Projekts vor versammelter Mannschaft gelobt zu werden, lässt andere eine solche Situation eher erröten. Wichtig ist deshalb, es so persönlich wie möglich zu gestalten, und wenn Mitarbeiter vor dem Team gelobt werden, dann keinesfalls einschränkend – denn das könnte sie in die Bredouille bringen. Idealerweise suchen Chefs das Feedbackgespräch, um ein Lob so persönlich, konkret und ehrlich wie möglich zu gestalten.

Lob und Wertschätzung: Manchmal geht es auch ohne Worte

Lobende Worte sind schön. Sie gehen runter wie Öl. Es gibt aber auch die Möglichkeit, und diese wirkt oft noch viel tiefgreifender, die Wertschätzung in Taten zu zeigen. Kleinere Events, wie beispielsweise ein Lunch mit dem gesamten Team, eine kleine Überraschung als Dank, einen zusätzlichen Tag zum Relaxen für Mitarbeiter, die jeden Tag ihr Bestes geben – es gibt viele kreative Möglichkeiten, Lob und Dankbarkeit anders auszudrücken.

Loben, aber richtig: Das sollten Chefs außerdem wissen

Ein ehrliches Lob ist niemals nur eine Strategie, um Mitarbeiter dazu zu bringen, Überstunden zu schieben oder um sie für eigene Zwecke auszunutzen. Auch wenn loyalen Arbeitnehmern so oft das Gefühl vermittelt wird, dass sie besonders wertvoll sind, weil sie Mehrarbeit leisten, sollte Loben nicht zum Instrument werden.

Wenn ein Lob ausgesprochen wird, dann, um ehrliche Wertschätzung zu zeigen. Andernfalls ist es eine Frage der Zeit, bis Arbeitnehmer das Vertrauen verlieren – und das Weite suchen.

Bild: Jacob Wackerhausen/istockphoto.com