CoWorking Spaces – das sind große Bürokomplexe, in denen nicht nur Arbeit, sondern auch Networking an der Tagesordnung steht. Lange Zeit als temporärer Trend angesehen, hat sich dieses Modell der neuen Arbeit inzwischen etabliert – auch hier in Deutschland. Das liegt unter anderem auch daran, dass mittlerweile nicht mehr nur Selbstständige vom CoWorking profitieren. Auch immer mehr Unternehmen entdecken das Modell für sich und erkennen, dass es viele Vorteile mit sich bringt. Welche das konkret sind, für wen CoWorking alles interessant ist und was darunter überhaupt zu verstehen ist, haben wir in diesem Beitrag für Sie zusammengefasst.

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Inhalt
1. CoWorking: Was ist das?
2. CoWorking: Weltweit möglich
3. Die flexible Nutzung der CoWorking Spaces
4. Für wen ist CoWorking interessant?
5. Unternehmen entdecken CoWorking für sich
6. Alternativen zum CoWorking

CoWorking: Was ist das?

Zu sagen, dass es sich beim CoWorking um eine neudeutsche Bezeichnung für Bürogemeinschaft handelt, ist falsch. Dieses Arbeitsmodell umfasst so viel mehr als das Teilen eines Büros und der dadurch entstehenden Kosten. CoWorking bedeutet nicht, parallel zueinander zu arbeiten, sondern miteinander in Kontakt zu treten, sich auszutauschen, zu unterstützen und sich gegenseitig mit kreativen Ideen und Impulsen zu versorgen. Es handelt sich hierbei um eine fruchtbare Symbiose verschiedener Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen. Je vielfältiger das Publikum in einem Co Working Space ist, desto besser.

Beim gemeinschaftlichen Arbeiten im CoWorking Office kommt es auf fünf feste Werte an. Diese sollte jeder CoWorker stets vor Augen haben:

  • Offenheit: Jemand, der ins CoWorking Office kommt, um anschließend ausschließlich hinter verschlossenen Türen zu arbeiten, hat das Prinzip des Modells nicht begriffen. Natürlich ist es legitim, sich während der Arbeit auch mal zurückzuziehen – beispielsweise für Telefonate oder Meetings. Die meiste Zeit wird jedoch Wert darauf gelegt, eine offene Atmosphäre zu schaffen, in der es kein Problem ist, mit anderen in Kontakt zu kommen. Nur so können nämlich gemeinsame und kreative Projekte entstehen.
  • Zugänglichkeit: CoWorking Spaces befinden sich im Idealfall an einem Standort, der durch eine ausgeprägte Infrastruktur sehr gut zu erreichen ist. Zusätzlich legen viele Bürokomplexe Wert auf Barrierefreiheit. CoWorking soll, allgemein formuliert, für jeden zugänglich sein und möglichst wenige Hürden bereithalten.
  • Nachhaltigkeit: Das Arbeiten im CoWorking Space ist ressourcenschonend und dadurch nachhaltig. Die meisten Offices sind mit einer Vielzahl von elektronischen Geräten wie Beamer, Drucker, Telefon usw. ausgestattet, die von allen genutzt werden können. Das schont nicht nur den Geldbeutel jedes einzelnen, sondern ist auch gut für die Umwelt.
  • Kollaboration: „Gemeinsam sind wir stark“ – ein abgeschmacktes Sprichwort, das im CoWorking Space eine völlig neue (und ernstgemeinte) Dimension erreicht. Es ist durchaus an der Tagesordnung, dass sich völlig fremde Leute in den Offices begegnen, ins Gespräch kommen und plötzlich an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Hierbei spielt es auch eine Rolle, auf die Stärken der anderen CoWorker setzen und von deren Fähigkeiten profitieren zu können. Ein offenes und vertrauensvolles Miteinander ist hierbei unverzichtbar.
  • Gemeinschaft: Die geschäftlichen Kollaborationen, die im CoWorking Office entstehen, weiten sich häufig auch aufs Private aus. Public Viewings, Grillabende und Umzugshilfe sind im CoWorking Space alltäglich und sehr wichtig, um das Gemeinschaftsgefühl auszuprägen.

Zusätzlich zu diesen Grundwerten bildet jedes CoWorking Office ein ganz eigenes Profil aus. Während die einen auf Familienfreundlichkeit setzen, spezialisieren sich andere auf das Thema Nachhaltigkeit in all seinen Facetten. Sehr beliebt und absolut im Trend ist es außerdem, CoWorking mit dem Konzept Maker Space zu kombinieren.

CoWorking: Weltweit möglich

Mittlerweile gibt es weltweit CoWorking-Spaces. Die Keimzelle der Idee liegt, wie sollte es auch anders sein, in den USA, genauer gesagt: Im Silicon Valley. Hier gibt es die meisten Offices, die den Gedanken und die Werte des CoWorkings verfolgen. Doch auch hier in Deutschland wächst die Zahl der Spaces stetig an. Inzwischen sind es mehr als 300, die sich auf das ganze Bundesgebiet verteilen und in unterschiedlichen Ausprägungen daherkommen. Zu den Ballungsgebieten gehören selbstverständlich Berlin, das Ruhr- sowie das Rhein-Main-Gebiet. Auch Baden-Württemberg, Hamburg und Niedersachsen verzeichnet immer mehr CoWorking-Spaces. Die neuen Bundesländer sind bisher (mit wenigen Ausnahmen wie Leipzig und Erfurt) sehr spärlich ausgestattet. Die Tendenz zum gemeinschaftlichen Arbeiten hat hier durchaus noch Potentiale, sich zu etablieren und zu verbreiten. Eine Übersicht aller CoWorking Spaces in Deutschland können Sie hier finden.

Bekannte CoWorking-Spaces in Deutschland:

Info: Fast zeitgleich zu den USA sprossen weltweit CoWorking Spaces aus dem Boden. Diese parallele und dennoch unabhängige Entwicklung zeigt deutlich auf, dass die Berufswelt auf ein neues Arbeitsmodell gewartet hat und dafür reif war. Die Entstehungsgeschichte vom CoWorking ist eng mit dem Trend des Outsourcings verknüpft.

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Die flexible Nutzung der CoWorking Spaces

Wir wissen nun: CoWorking Offices bringen Menschen zusammen und fördern den Austausch. Doch als wäre das noch nicht vorteilhaft genug, haben die Spaces ein weiteres Ass im Ärmel. Sie können nämlich vollkommen flexibel genutzt werden und passen sich daher ideal an jeden CoWorker an. Wer sich einen Büroplatz mietet, kann diesen entweder stunden-, tage- oder monatsweise nutzen. Einige Spaces bieten sogar eine ganzjährige Nutzung an.

Weiterhin gibt es verschiedene Tarife, die vom Basis-Modell im Großraumbüro über diverse Extras bis hin zur Luxus-Variante mit Einzelbüro und Zugang zu allen technischen Geräten reichen. Mit anderen Worten: CoWorking Spaces bieten für jedes Anliegen und jedes Budget die passende Lösung.

Für wen ist CoWorking interessant?

CoWorking Spaces sind Orte, an denen die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen und Qualifikationen zusammenkommen. Was sie eint, ist der Wunsch, sich auszutauschen, zu vernetzen und sich auch gegenseitig zu unterstützen. Das Potpourri der CoWorker kann folgendermaßen aufgeschlüsselt werden:

  • Freelancer: Freie Mitarbeiter, die an verschiedenen Projekten arbeiten, sind im CoWorking Space bestens aufgehoben. Die Büros stellen einen geringen Kostenfaktor dar und sind gleichzeitig eine willkommene Abwechslung zum sonst eher einsamen Arbeitsalltag. Freelancer, die nicht projektbezogen in einem Unternehmen arbeiten, üben ihren Job häufig im Home Office aus. Dieses bringt zwar viele Vorteile mit sich, bedeutet jedoch immer auch Isolation. Ein CoWorking Space kann dabei helfen, diese zu durchbrechen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.
  • Startups: Doch nicht nur Einzelunternehmer und Freiberufler fühlen sich im CoWorking Office pudelwohl. Junge Startups, die sich gerade in der Gründungsphase befinden und oft nicht genügend Geld für ein eigenes Büro haben, nehmen die entsprechenden Angebote ebenfalls dankend an. Für die kreativen Jung-Unternehmen sind Co Working Spaces der perfekte Nährboden für verrückte Spinnereien, neue Ideen und konkrete Projekte. Weiterhin sind die Kontakte, die hier geknüpft werden können, von unschätzbarem Wert.
  • Angestellte: Die Zahl der Angestellten, die im CoWorking Office arbeiten, ist noch verhältnismäßig gering. Sie steigt allerdings. Wie eingangs bereits beschrieben, entdecken immer mehr Unternehmen CoWorking für sich. In den meisten Fällen nutzen Angestellte, die bereits im Home Office arbeiten, die Möglichkeiten der Spaces, um der Einsamkeit und Eintönigkeit in den heimischen vier Wänden zu entkommen.
  • Kreative und Künstler: Im CoWorking Space wird längst nicht nur mit Laptop und Grafik-Tablet gearbeitet. Zahlreiche Offices bieten genügend Freiräume, die auch von Künstlern und Kreativen genutzt werden, um neue Projekte in die Tat umzusetzen.
  • Personal Trainer: Gleiches gilt auch für Personal Trainer, die ihre Sportkurse in entsprechend eingerichteten Räumlichkeiten abhalten können.
  • Digitale Nomaden: Ja okay, die meisten digitalen Nomaden können zur Gruppe der Freelancer gezählt werden. Sie sollen in dieser Auflistung dennoch separat erwähnt werden, da sie verdeutlichen, dass CoWorking Offices nicht nur in der Heimatstadt, sondern überall auf der Welt genutzt werden können. Wer ortunabhängig arbeitet, hat mittlerweile weltweit die Möglichkeit, sich in einen CoWorking Space einzumieten und dort internationale Kontakte zu knüpfen.
  • Berufstätige Eltern: Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist bekanntlich außerordentlich schwer. Immer mehr CoWorking-Betreiber sind sich dessen bewusst und setzen deswegen auf die Komponente der Familienfreundlichkeit. Spielzimmer und Betreuungspersonal sorgen dafür, dass die Kleinsten einfach mit zum Arbeitsplatz gebracht werden können.

Unternehmen entdecken CoWorking für sich

Zugegeben, in der Anfangszeit hat sich CoWorking eindeutig an Selbstständige und Gründer gerichtet. Inzwischen geht die Entwicklung jedoch dahin, dass auch immer mehr Unternehmen erkennen, welche Potentiale in dieser Arbeitsform stecken. CoWorking spielt deswegen auch für Angestellte eine immer größer werdende Rolle und ist mancherorts längst kein exotisches Novum mehr.

Dass Unternehmen vom CoWorking profitieren, wird anhand der folgenden Aspekte deutlich:

  • Auslagerung von Arbeitsplätzen: Das Unternehmen wächst, doch noch ist nicht genug Geld für ein größeres Büro da? In diesem Fall stellen CoWorking Spaces eine günstige Alternative dar.
  • Projektbezogener Zuwachs: Gleiches gilt auch, wenn ein Unternehmen nur zeitweise mehr Leute beschäftigt oder auf die Dienste von Freelancern zurückgreift. Auch diese können im CoWorking Office untergebracht werden.
  • Nutzung der vorhandenen Ressourcen: Moderne CoWorking Offices sind mit hochwertiger Technik ausgestattet. Keine Frage: Auch hiervon können die Unternehmen profitieren.
  • Ausbau des Netzwerks: Ein berufliches, gut ausgebautes und qualitativ hochwertiges Netzwerk ist das A und O für eine erfolgreiche Karriere. Das wissen auch Unternehmer und suchen im CoWorking Space gezielt nach neuen Kontakten.
  • Anreize für Angestellte: Die Arbeit wird zunehmend flexibler. Desk Sharing, Home Office und Job Hopping sind nur drei Beispiele, die das belegen. Arbeitgeber, die ihren Angestellten etwas bieten und sie langfristig an das Unternehmen binden wollen, tun gut daran, mit diesem Trend zu gehen. CoWorking Spaces sind eine gute Möglichkeit, dem Angestellten ein flexibles und dennoch professionelles Arbeitsumfeld zu bieten.
  • Veranstaltungsort: Die Mehrheit der CoWorking-Spaces verdient ihr Geld nicht nur mit dem Vermieten von Arbeitsplätzen, sondern auch über Seminare, Workshops, Vorträge, Networking-Events usw. Unternehmen, die hierfür keine passenden Räumlichkeiten haben, können durchaus mit CoWorking-Anbietern zusammenarbeiten und von dieser Kollaboration profitieren. Denkbar ist auch eine Art Sponsoring-Verhältnis, infolgedessen die Veranstaltungs- und Meeting-Räume „kostenlos“ genutzt werden können.
  • Leistungssteigerung: Wenn einem die Decke im Büro auf den Kopf fällt und man in einer kreativen Sackgasse steckt, wird es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. CoWorking Offices als neue, inspirierende Umgebung können durchaus zu einer Leistungssteigerung beitragen und dem Unternehmen auf diese Weise unter die Arme greifen.
  • Weiterbildung: Mitarbeiter, die im CoWorking Office auf verschiedene (fremde) Menschen treffen, können von einem extrem hochwertigen Austausch profitieren. Für Unternehmen sind solche Begegnungen überaus wertvoll, da sie eine Art von kostenfreier Weiterbildung (oder zumindest Horizonterweiterung) darstellen.

Wichtig: Es entspricht nicht dem Grundgedanken von CoWorking, einen Space mit allen Mitarbeitern eines Unternehmens zu besetzen und andere Nutzer Stück für Stück zu verdrängen. Das Modell funktioniert nur, wenn die menschliche und berufliche Vielfalt gewährt wird.

Inwieweit CoWorking für Unternehmen interessant ist, wurde 2014 vom Fraunhofer Institut untersucht. Die Studie kam unter anderem zu dem Schluss, dass CoWorking eine unglaubliche Faszination auf verschiedene Menschen ausübt. Diese Faszination ist auch der Grund dafür, dass das Arbeitsmodell längst mehr als nur ein Trend ist. Sowohl Freelancer als auch Unternehmen finden immer wieder neue Möglichkeiten, CoWorking aktiv einzusetzen und von den daraus resultierenden Vorteilen zu profitieren.

Alternativen zum CoWorking

Auch wenn sich CoWorking durch ein hohes Maß an Flexibilität auszeichnet, ist diese doch auch begrenzt. Denn: Die Spaces befinden sich an einem festen Ort und können nicht einfach auf „Wanderschaft“ gehen. Die, die es noch ein bisschen individueller mögen, können sich vielleicht für diese beiden Alternativen zum klassischen CoWorking begeistern:

  • Jellies: Ortsunabhängiges CoWorking wird auch als Jelly bezeichnet. Ein Jelly besteht aus mehreren Teilnehmern, die sich regelmäßig zum Arbeiten treffen. Diese Meetings können in Büros, Cafés, Gärten oder privaten Räumlichkeiten stattfinden.
  • Plug: Ein Plug ist die Weiterentwicklung der Jellies. Es handelt sich ebenfalls um örtlich flexibles CoWorking. Anders als im Jelly arbeiten die Teilnehmer jedoch nicht nur an eigenen Projekten, sondern befassen sich auch gemeinschaftlich mit einem konkreten Problem, das es zu lösen gilt. Als die Wiege der Plugs gilt Amsterdam. Das dortige Plug-Netzwerk ist inzwischen so gefragt, dass es als Beratergruppe von den unterschiedlichsten Personen in Anspruch genommen wird. Diese stellen im Gegenzug einen Arbeitsort, Verpflegung, WLAN usw. zur Verfügung.

Keine Frage: CoWorking ist eine spannende Form zu arbeiten, von der wir in den kommenden Jahren sicherlich noch viel hören werden. Aus einem anfänglichen Trend ist eine feste Größe geworden, die für viele gar nicht mehr wegzudenken ist. Ausprägungen wie die Jellies und Plugs zeigen, dass das Grundmodell des gemeinschaftlichen Arbeitens viele Freiräume bietet und stetig weiterentwickelt werden kann. Wir sind sehr gespannt, welche Entwicklungen in den kommenden Jahren noch das Licht der Welt erblicken werden.

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