Als faul bezeichnet zu werden, wäre für die meisten Menschen eine Beleidigung. Wer es im Leben zu etwas bringen möchte, muss hart arbeiten. Faulheit wird durch beruflichen Misserfolg bestraft. So zumindest lauten die Glaubenssätze, welche du und viele andere Menschen in ihrer Kindheit mit auf den Weg bekommen haben. Denn so funktioniert unsere Gesellschaft: Harte Arbeit, Disziplin und Zielstrebigkeit gelten als höchste Tugenden. Sie sind der Schlüssel zum Erfolg. Das ist falsch, behauptet ein Harvard-Professor. Studien beweisen: Intelligente Menschen sind faul. Und wer faul ist, wird erfolgreich.

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Lautet das neue Credo: Füße hochlegen und dem Nichtstun verfallen?

Es klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein: Faulheit soll erfolgreich machen. Wofür also noch Überstunden schieben, in Hektik verfallen oder sich beim Projekt anstrengen? Musst du überhaupt noch zur Arbeit gehen? Wenn Faulheit angeblich erfolgreich macht, wieso kuschelst du dich dann nicht einfach auf dem heimischen Sofa ein und wartest, bis der Erfolg an die Türe klopft? Ganz so einfach ist es leider nicht. Ja, du sollst faul sein, deine Füße hochlegen und dem Nichtstun verfallen. Aber natürlich nicht immer. Denn 15-Stunden-Tage und ständiger Zeitdruck machen auf Dauer nicht erfolgreich, sondern krank. So viel sollte unserer Gesellschaft mittlerweile klar sein.

Die Folge: Burnout, Depressionen oder stressbedingte physische Erkrankungen. Dass du durch harte Arbeit alles erreichen kannst und diese garantiert mit Erfolg belohnt wird, ist ein weit verbreiteter Denkfehler.

In den meisten Fällen bringt harte Arbeit dir auf Dauer nichts als Frustration, Krankheit und Reue, dass du deine kostbare Lebenszeit nicht sinnvoller verbracht hast.

Es ist ein fieser Denkfehler, der da in unserer deutschen Kultur festsitzt. Vielleicht, weil er noch aus der Nachkriegszeit stammt, als unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern alles verloren hatten und ihnen keine andere Wahl blieb als hart zu arbeiten – besser gesagt um ihr Überleben zu kämpfen. Und ja, ihr Fleiß wurde mit Erfolg gekrönt. Ihnen hat das Wirtschaftsland Deutschland seinen Wohlstand zu verdanken. Vielleicht liegt es auch daran, dass den Deutschen bis heute in Kindheitstagen eingebläut wird, mit Fleiß, Disziplin und harter Arbeit könnten sie alles erreichen.

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Wer klug ist, ist fleißig. Wer klüger ist, ist fauler.

Es sind genau diese Tugenden, welche die deutschen Arbeitskräfte weltweit so beliebt macht. Denn in wenig anderen Kulturen sind Fleiß, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit & Co so tief verwurzelt wie in der unseren. Genau diesen anderen Ländern geht es deshalb aber auch viel schlechter als uns. Griechenland oder Spanien sind dafür die prominentesten Beispiele.

In der Gesamtheit sind wir also sehr klug. Wir sind fleißig und leben im Wohlstand. Unter der Lupe basiert dieser Wohlstand – dieses „Glück der Gesamtheit“ – aber auf dem Unglück zahlreicher Individuen. Jenen Menschen, die ihr Leben hart arbeitend verbracht haben, um dadurch irgendwann krank zu werden, vielleicht sogar mit nichts zu enden als dem Tod durch Überarbeitung. „Karoshi“ heißt das Phänomen in Japan.

Lese-Tipp:Karoshi – Erst die Arbeit, dann der Tod

Und dann gibt es da noch die Trittbrettfahrer – die „Sozialschmarotzer“, wie sie so gerne im Volksmund genannt werden – welche die Vorzüge des deutschen Wohlstandes erkannt haben und es sich auf Kosten der Disziplin und harten Arbeit der anderen gutgehen lassen. Gar nicht so dumm, oder? Erfolgreich und reich wirst du dadurch aber auf Dauer auch nicht. An diesem Punkt sollte bei dir der Groschen gefallen sein: Nicht jeder, der fleißig ist, ist klug.

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Hat nicht stattdessen vielleicht Faulheit etwas mit wahrer Intelligenz zu tun? Ja, sagt eine aktuelle Studie der Florida Gulf Coast University: Die Forscher fanden demnach heraus, dass intelligente Menschen mehr Zeit mit dem Nichtstun verbringen als jene mit geringerem IQ.

Intelligenz und Faulheit hängen zusammen – aber wie?

Die Wissenschaftler beobachteten im Rahmen ihrer Studie, dass Probanden mit höherem IQ häufigere sowie längere Ruhephasen im Alltag verzeichneten als ihre Vergleichsgruppe. Die Erklärung liefern sie in ihren Studienergebnissen direkt mit:

Intelligentere Menschen hängen viel und gerne ihren Gedanken nach. Sie erörtern komplizierte Sachverhalte, üben sich in Selbstreflexion oder visualisieren ihre Wünsche – zum Beispiel in Form von Tagträumereien.

Wer hingegen einen geringeren Intelligenzquotienten aufweist, scheint mehr Stimulanz von außen zu benötigen, zum Beispiel durch geistige oder körperliche Betätigung, um sich nicht zu langweilen. In Extremfällen geraten die Betroffenen gar in eine Art Beschäftigungssucht.

Intelligenz macht also faul und Faulheit macht erfolgreich?

Die Studienergebnisse lassen also das Fazit zu: Ja, intelligente Menschen sind tatsächlich fauler als ihr weniger intelligenten Kolleginnen und Kollegen. Das bedeutet aber nicht, dass sie plötzlich nicht mehr bei der Arbeit erscheinen und zum Sozialschmarotzer mutieren.

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Im Gegenteil: Durch ihre häufigeren sowie längeren Ruhephasen teilen sich intelligentere Menschen automatisch ihre Energieressourcen nachhaltiger ein. Sie können beim Nichtstun entspannen, um anschließend bei der Arbeit Höchstleistungen zu erbringen. Dadurch bleiben sie im Gegensatz zu ihren „immer-gestressten-15-Stunden-Arbeitstag-Kollegen“ auf Dauer gesünder, leistungsfähiger und natürlich erfolgreicher. Egal, wie hoch dein IQ ist: Auch du solltest also fortan hin und wieder guten Gewissens die Füße hochlegen und dem Nichtstun verfallen. Hänge deinen Gedanken und Tagträumen nach oder übe dich in Meditation – der Königsdisziplin im Nichtstun.

Lese-Tipp:Meditation: Wie sich 3 x 20 Minuten positiv auf Deine Karriere auswirken

Harvard-Professor bestätigt: Harte Arbeit und Erfolg bedingen sich nicht gegenseitig

Auch Shawn Achor, Glücksforscher und Harvard-Professor, ist sich sicher, dass harte Arbeit und Erfolg relativ wenig miteinander zu tun haben. Er bestätigt die Studienergebnisse und geht sogar noch weiter: Harte Arbeit stünde Erfolg sogar im Weg, so seine Meinung. Bei der Frage, was einen Menschen glücklich macht, stolperte er eher zufällig über den Faktor Erfolg. Seine Forschung ergab nämlich, dass Glück und Erfolg für einen Menschen unmittelbar zusammenhängen. Aber anders, als du vielleicht denkst:

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie durch harte Arbeit erfolgreich werden und durch den Erfolg glücklich. Dabei verhält es sich genau umgekehrt: Wer weniger arbeitet, ist glücklicher, und wer glücklicher ist, wird automatisch erfolgreicher.

Laut Achor ist es das Glück, welches das Gehirn in einen positiven Zustand versetzt und dadurch zu Höchstleistungen hinsichtlich Intelligenz, Produktivität, Problemlösungskompetenz, Kreativität & Co veranlasst. Kurz gesagt: Wer glücklicher ist, arbeitet automatisch „härter“ – und weil das völlig automatisch vonstattengeht, merkst du die harte Arbeit nicht einmal. Genau deshalb fühlt es sich für dich dann so an, als käme die Belohnung quasi von selbst. Stattdessen jagen viele Menschen verbissen dem beruflichen Erfolg nach, stets auf der Suche nach Glück. Doch wurde ein Ziel erreicht, richtet sich der Fokus auf das nächste. Für das Glücklichsein bleibt schlichtweg keine Zeit. Es sei denn, du nimmst dir diese.

Nur, wer faul ist, kann auch glücklich sein – und erfolgreich

An dieser Stelle schließt sich der Kreis: Wenn du hin und wieder faul bist, bleibst du körperlich sowie geistig leistungsfähig. Du gibst dir selbst die Chance, glücklich zu sein und dadurch im Beruf größere Erfolge einzufahren. Über diese kannst du dich wiederum nur freuen, wenn du dich durch etwas Faulheit auch die Zeit nimmst, deinen Erfolg zu genießen.

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Verstehe uns nicht falsch: deine Chancen, durch harte Arbeit erfolgreich zu werden, stehen gut. Allerdings bleibt das Glück dann häufig fern und deine Gesundheit beginnt zu leiden. Deine Chancen, durch Faulheit erfolgreich und vor allem glücklich zu werden, stehen daher viel besser. Übe dich also hin und wieder im Nichtstun, in Dankbarkeit und Achtsamkeit.

Nimm selbst kleine Erfolge Tag für Tag bewusst wahr und gönnen dir ausreichend Zeit, um diese gebührend zu genießen. Ein kleines, aber feines Helferlein ist hierbei das sogenannte Erfolgstagebuch.

Lese-Tipp:Erfolgstagebuch: Kleines Helferlein mit großer Wirkung

Du wirst sehen: Schon bald bist auch du fauler, glücklicher sowie erfolgreicher – und gehörst zu den Menschen, denen mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen all die guten Dinge im Leben vermeintlich „einfach so zufliegen“. Du musst es nur zulassen und dich von den veralteten Denkmustern aus deiner Kindheit befreien.

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Welche Erfahrungen hast du mit Faulheit gemacht? Fällt auch dir plötzlich alles leichter, wenn du hin und wieder guten Gewissens die Beine hochlegst? Welche Erfolge konntest du bei dir seit diesem Umdenken verzeichnen? Fühlst du dich glücklicher? Und wo liegt deiner Meinung nach die Grenze zwischen gesunder und ungesunder Faulheit? Wir freuen uns auf deine Beiträge und Diskussionen in den Kommentaren!

Bildnachweis: BLACKDAY/Shutterstock.com