Aus Angst, zu hoch zu pokern, warst du bei deiner Gehaltsverhandlung viel zu bescheiden. Verhandle dein Gehalt clever nach und verdiene mehr Geld – mit diesen drei nützlichen Tipps.

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Wenn du deinen Job gut erledigst, steht dir eine anständige Bezahlung zu. Das ist logisch und fair. So sieht die Realität für viele Arbeitnehmer aber nicht immer aus. Denn in der Realität stehen uns Unsicherheiten, Ängste und Zweifel im Weg. Zudem müssen Unternehmen so wirtschaftlich wie möglich denken. Deshalb könnte dein Verhandlungspartner versuchen, das dir zustehende Gehalt gewaltig zu drücken.

Wie eine Studie von StepStone verdeutlicht, bekommen Arbeitnehmer durchschnittlich 11,3 Prozent mehr Lohn, wenn sie sich trauen, danach zu fragen. Vielen fehlt aber der Mut. Deshalb tendieren wir dazu, bei der Gehaltsverhandlung zu zögern. Wir nennen eine Summe, meinen aber eine viel höhere Summe und verschenken damit bares Geld.

Auch dir ist das passiert? Ein legitimer Grund, sich zu ärgern. Stecke deinen Kopf aber nicht in den Sand: Solltest du ins Fettnäpfchen getreten sein, indem du dein Gehalt viel zu niedrig verhandelt hast, stehen dir nun mehrere Möglichkeiten in der Nachverhandlung offen.

Mit diesen 3 Möglichkeiten verhandelst du dein Gehalt clever nach

Möglichkeit #1: Höheres Gehalt nachverhandeln wegen veränderten Rahmenbedingungen

Während der Einstellungsphase und schon vor Vertragsunterzeichnung werden üblicherweise die jeweiligen Rahmenbedingungen einer Stelle transparent kommuniziert. Stellt sich am Ende heraus, dass der Arbeitsvertrag veränderte Rahmenbedingungen enthält, ist das ein guter Grund, ein neues und vor allem höheres Gehalt zu verhandeln.

Zu den neuen Rahmenbedingungen könnte gehören, dass du mehr Stunden leistest, als ursprünglich besprochen. Auch ein Job, in dem du mehr verantworten musst, als zuvor kommuniziert wurde, rechtfertigt die Nachverhandlung.

Tipp: Die Stellenbeschreibung war nicht ganz so transparent – und du hast deshalb im Anschreiben verhältnismäßig niedrig gepokert? Wenn du im Bewerbungsgespräch feststellen solltest, dass die Anforderungen höher sind und du dich mehr ins Zeug legen musst, als in der Ausschreibung deutlich wurde, kostet deine Arbeitskraft ebenfalls mehr.

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Möglichkeit #2: Mehr Gehalt fordern nach mess- und sichtbaren Erfolgen

Auch wenn du den Arbeitsvertrag bereits unterzeichnet hast: Falls du dein Wunschgehalt nicht bekommst, kannst du dieses nach deinen ersten Leistungen und Erfolgen nachverhandeln. Solltest du zum Beispiel nachweislich Kunden binden und für mehr Zufriedenheit als zuvor sorgen oder die Verkaufszahlen erhöhen können, ist es ein sehr guter Zeitpunkt, mehr Geld einzufordern.

Lass dich nicht einschüchtern: Möglicherweise wird dein Chef deine Erfolge nicht so anerkennen, wie du es dir wünschst. Denn einige Unternehmen betonen die „Selbstverständlichkeit“, mit der Arbeitnehmer zum Erfolg beizutragen zu haben. Damit plätten sie das Argument, dass nur einem einzelnen Mitarbeiter speziell mehr Geld zusteht. Für uns ein ganz mieser Schachzug.

Zeige anhand von konkreten Beispielen, was du mit deiner Arbeit beiträgst – aber ohne zu drohen, dass du die Kündigung auf den Tisch knallst, wenn deinen Gehaltswünschen nicht entsprochen wird. Denn ein negativer Ausgang, der Drohungen beinhaltet, bildet keine gute Basis für eine zweite oder dritte Nachverhandlung.

Möglichkeit #3: Das Ende der Probezeit für eine Nachverhandlung nutzen

Du hast einige Monate gearbeitet und gezeigt, was du auf dem  Kasten hast und warum du so wertvoll für das Unternehmen bist. Wenn das Ende der Probezeit naht, ist es Zeit für ein Fazit. Gehe während des Feedbacks aktiv auf deinen Chef zu, um eine faire Entlohnung deiner Arbeitsleitung einzufordern – aber nicht ohne eine professionelle Argumentation. Erwähne, dass beide Seiten sich nun ein besseres Urteil erlauben können, Vertrauen aufgebaut haben und wissen, woran sie sind.

Achtung: No-Gos bei der Nachverhandlung

Du vertrittst deine Meinung, hast aber Angst, dass alles ausartet? Verständlich: Gerade Unternehmen, die ungerechtfertigterweise den Lohn drücken, um am falschen Ende zu sparen, können uns triggern. Das Gefühl, unfair behandelt zu werden und dennoch professionell bleiben zu müssen, kann ambivalente Emotionen auslösen.

Scham kommt hinzu: Einige werden sich so vorkommen, als müssten sie regelrecht um mehr Lohn betteln. Ja – Nachverhandlungen sind meist ein heikles Thema. Manchmal kann es zu intensiven, passiv-aggressiven Machtkämpfen kommen. Denke daran: du bist kein Bettler.

In einer solchen Situation gibt es einige „Fettnäpfchen“, die eine Gehaltsverhandlung verschlimmern. Vermeide folgende Punkte, wenn du die Nachverhandlung mit einem positiven Gefühl und mehr Gehalt verlassen möchtest:

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Utopische Zahlen nennen und fordern:

Du wünschst dir mehr Geld und versuchst, in der Nachverhandlung die ganz harte Schiene zu fahren? Keine gute Idee: Natürlich kannst du deine Wünsche äußern. Wichtig ist aber, deinen realistischen Marktwert zu kennen und dich daran zu orientieren. Wie hoch dein tatsächlicher Lohn ausfallen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Leistungen, die du erbringst
  • Angebote zum Vergleichen, die andere Unternehmen dir anbieten
  • dein persönlicher Beitrag zum Unternehmenserfolg

Jammern und persönliche Argumente bringen:

Auch wenn die Inflation uns alle trifft: Persönliche Argumente, die sich zum Beispiel auf eine Mieterhöhung oder gänzlich weniger Geld in der Tasche oder auf dem Bankkonto beziehen, sind für eine Gehaltsverhandlung nicht ganz so stichfest, aber verständlich. Während der Nachverhandlung solltest du deshalb lieber auf harte Argumente setzen, die eine Erhöhung des Lohns rechtfertigen, die „in deiner Person“ als Arbeitnehmer für das Unternehmen liegen.

Hinweis: Das bedeutet nicht, den Termin für die Nachverhandlung gänzlich zu streichen, weil du in Geldnot bist. Manchmal hilft es, in schwierigen Situationen offen und ehrlich zu sprechen – und herauszufinden, ob dein Arbeitgeber bereit ist, dir entgegenzukommen.

Ohne gute Vorbereitung ins Gehaltgespräch gehen:

Auch wenn du der Überzeugung bist, dass du mehr wert bist, sieht dein Chef das – so hart es auch klingt – vielleicht (noch) etwas anders. Vermeide es deshalb, unvorbereitet das Gespräch aufzusuchen. Meist genügt es nicht, einfach nur mehr Geld zu fordern. Nachvollziehbare Argumente, die auf Basis deiner Erfolge, Qualifikationen, Soft Skills und Leistungen beruhen, sind ein gutes Fundament für ein solches Gespräch.

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Persönlich werden:

Vorwürfe und Angriffe auf persönlicher Ebene gehören in keine Nachverhandlung. Und auch nicht in die eigentliche Gehaltsverhandlung. Sei direkt, aber dennoch professionell. Formuliere deine Wünsche offen und ehrlich, ohne die „beleidigte Leberwurst“ zu spielen, damit dein Chef dich und deine Forderungen ernst nimmt.

Erpressungen sind fehl am Platz, auch wenn du natürlich damit argumentieren kannst und solltest, wie es um deinen Marktwert steht. Hier macht der Ton tatsächlich die Musik. Leere Drohungen kommen nicht gut an. Zwar kannst du signalisieren, dass dich die Situation nicht glücklich macht und du dir eine weitere Verhandlungsrunde wünschst. Verkneife es dir aber lieber, deinem Chef mit deiner Kündigung zu drohen, wenn du ohnehin im Unternehmen bleiben möchtest. Wenn ein Jobwechsel mit Aussicht auf mehr Geld eine realistische Option für dich ist, ist es natürlich eine andere Sache.

Unser Zusatztipp für dich

Du hast deinen Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben? Wenn es bereits eine weitere Gehaltsverhandlung in Form einer Nachverhandlung gab, diese aber nicht schriftlich durch eine Unterzeichnung bestätigt worden ist, ist das mündliche Angebot über die Höhe deiner Bezahlung nur eines: unsicher. Stelle deshalb sicher, dass deine Wünsche schwarz auf weiß Berücksichtigung finden.

Übrigens: Es lohnt sich, standfest zu bleiben. Kenne deinen eigenen Wert, um dich an diesen zu erinnern und starke Argumente zu bringen. Denn niemand muss von einem Dumpinglohn leben müssen oder weniger nehmen, als einem zusteht. Wir wünschen dir viel Erfolg und und ein dickes Gehaltsplus. 

Bildnachweis: BartekSzewczyk/istockphoto.com

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