Wissen Sie, was „kristalline Intelligenz“ ist? Die meisten von Ihnen werden diesen Begriff schon einmal gehört haben, vermutlich als Gegenpart zur sogenannten „fluiden Intelligenz“. Doch was wirklich dahintersteckt, wissen nur die Wenigsten. Wir wollen uns heute daher mit dem Thema auseinandersetzen: Was verbirgt sich hinter der kristallinen Intelligenz und können Sie diese trainieren?
Altersweisheit ist trainierbar!
Inhalt
1. Definition: Was bedeutet „kristalline Intelligenz“?
2. Kristalline Intelligenz ist kulturabhängig
3. Exkurs: Fluide Intelligenz – Worin liegt der Unterschied?
4. Kristalline Intelligenz ist eigentlich nichts Anderes als „Altersweisheit“
5. Emotionale Intelligenz als Bestandteil der kristallinen Intelligenz
6. Wie können Sie die kristalline Intelligenz trainieren?

Definition: Was bedeutet „kristalline Intelligenz“?

Die „kristalline Intelligenz“ beschreibt in der Intelligenztheorie alle Fähigkeiten und Informationen, die ein Mensch im Laufe des Lebens erwirbt. Es handelt sich also im Gegensatz zur fluiden Intelligenz nicht um eine angeborene Intelligenzform. Die kristalline Intelligenz setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  1. Explizites Wissen, sprich Faktenwissen, zeitliche Daten, Erinnerungen usw.
  2. Implizites Wissen, sprich erlernte Verhaltensweisen oder Fähigkeiten wie Fahrradfahren, Wortschatz, Rechnen usw.

Experten schreiben der kristallinen Intelligenz einen großen Einfluss auf die sowohl finanziellen als auch sozialen Erfolge eines Menschen zu. Sie kann zudem Lernprozesse positiv beeinflussen und dadurch wiederum die Wissensaneignung eines Menschen optimieren. Sie verstärkt sich also selbst in einer Art geschlossenem Kreislauf. Zudem lassen sich bei der kristallinen Intelligenz kulturelle Unterschiede ausmachen.

Kristalline Intelligenz ist kulturabhängig

Da die kristalline Intelligenz unmittelbar mit der (Schul-) Bildung eines Menschen zusammenhängt, weist sie natürlich auch kulturelle Unterschiede auf. So weiß ein deutscher Schüler gewiss mehr über den ersten Weltkrieg als ein Gleichaltriger in Brasilien. Dieser wiederum kennt dafür vermutlich genauere Fakten über das erste Kaiserreich von Pedro I. Neben dem

  • Schulwissen, sind auch
  • die Allgemeinbildung und
  • Lebenserfahrungen

eines Menschen für dessen kristalline Intelligenz verantwortlich. Und auch diese sind natürlich je nach kulturellem Background, Herkunftsland oder auch Medienberichterstattungen unterschiedlich. Denn wir alle wissen ja: Die „News“ in China oder Russland mögen denkbar anders sein als jene, die wir in Deutschland gewohnt sind. Und dass Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den USA gewinnen konnte, wurde laut Experten zu großen Teilen ebenfalls durch die Medien ermöglicht. Weitere kulturelle Unterschiede zwischen Menschen werden Sie in folgendem Video verblüffen:

Doch damit nicht genug: Auch das implizite Wissen als Bestandteil der kristallinen Intelligenz unterscheidet sich kulturell mitunter groß. Schließlich fallen darunter auch die Sprache, der individuelle Wortschatz oder der Umgang mit Emotionen, welche ein Kind von seinen Eltern lernt. In China wird zum Beispiel eine viel größere Distanz als angenehm empfunden als in Italien. In Deutschland reichen wir unserem Gegenüber die Hand, während in Frankreich schneller einmal ein Wangenküsschen aufgedrückt wird. All diese sind kleine alltägliche Unterschiede in der kristallinen Intelligenz eines Menschen – mit kulturellen Ursachen.

Exkurs: Fluide Intelligenz – Worin liegt der Unterschied?

Die kristalline Intelligenz wird stets als Gegenstück zur sogenannten „fluiden Intelligenz“ angesehen, wie sie in folgendem Video kurz erläutert wird:

Fluide Intelligenz ist im Gegensatz zur kristallinen Intelligenz angeboren und kann daher nur schwer trainiert oder „erlernt“ werden. Sie beschreibt vor allem

  • das Gedächtnis,
  • die Auffassungsgabe oder auch
  • die Fähigkeit, sich in fremden Situationen schnell zurechtzufinden.

Die fluide Intelligenz nimmt aber ab dem 25. Lebensjahr stetig ab und wird anschließend in der Regel durch die kristalline Intelligenz „ausgeglichen“, welche bis zum 60. oder 70. Lebensjahr – bei manchen sogar bis zum Lebensende – konstant bleiben oder sogar wachsen kann. Wie das funktioniert? Wir verraten es Ihnen!

Kristalline Intelligenz ist eigentlich nichts Anderes als „Altersweisheit“

Zwar bildet sich die kristalline Intelligenz in ihren Grundzügen nur bis zum 18.- 20. Lebensjahr aus, doch kann sie im Gegensatz zur fluiden Intelligenz auch anschließend noch weiter wachsen – nur eben etwas langsamer. Experten schätzen: Bis etwa zum 65. Lebensjahr ist es möglich, die kristalline Intelligenz weiterzuentwickeln. Anschließend sinkt sie wieder, was allerdings durch gezieltes Training verlangsamt oder sogar gänzlich gestoppt werden kann.

Eule hält Schild mit Zitat zur Intelligenzgenz

Prinzipiell nimmt die kristalline Intelligenz eines Menschen im Laufe des Lebens automatisch zu. Schließlich macht er jeden Tag neue Erfahrungen und sammelt weitere Informationen. Sein gesammeltes Wissen wächst, er erweitert seinen Wortschatz und bildet seine sozialen Kompetenzen mit jedem gelösten Konflikt weiter aus. Kristalline Intelligenz ist also nichts Anderes als das, was wir landläufig „Altersweisheit“ nennen und der Grund dafür, weshalb Erfahrung nicht nur im Privatleben, sondern auch im Beruf immer mehr geschätzt wird. Denn laut einer auf Statista veröffentlichten Umfrage entscheiden vor allem

  • eine gute Schuldbildung,
  • ein breites Allgemeinwissen,
  • die Herkunft eines Menschen,
  • eine gute Berufsbildung sowie
  • „Intelligenz“ an sich

hauptsächlich über den beruflichen Erfolg eines Menschen. Allesamt gehören zu den Aspekten der kristallinen Intelligenz.

Statistik: Was entscheidet Ihrer Ansicht nach heutzutage vor allem über die Erfolgs- und Zukunftschancen junger Menschen? | Statista
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Doch kristalline Intelligenz kann auch gezielt trainiert werden. Und das sollte Sie, um eben die abnehmende fluide Intelligenz optimal auszugleichen. Nur so können Sie im Laufe des Lebens „gleich intelligent“ bleiben und werden nicht „dümmer“ – um es einmal polemisch auszudrücken. Der Zusammenhang gestaltet sich wie folgt:

  1. Bei der Geburt besitzen Sie bereits Ihre individuelle fluide Intelligenz.
  2. Bis zum 18. beziehungsweise 20. Lebensjahr bilden Sie zusätzlich Ihre kristalline Intelligenz aus.
  3. Beide gemeinsam bilden Ihren „Intelligenzquotienten“.
  4. Ab dem 25. Lebensjahr beginnt die fluide Intelligenz nachzulassen.
  5. Sie müssen also anteilig Ihre kristalline Intelligenz erhöhen, um schlussendlich wieder auf denselben „Intelligenzquotienten“ zu kommen.
  6. Bei einem „normalen“ Verlauf erreichen Sie so ungefähr im Alter von 40 Jahren den Höhepunkt Ihrer Intelligenz.

Emotionale Intelligenz als Bestandteil der kristallinen Intelligenz

Das Stichwort der „sozialen Kompetenzen“ ist bereits gefallen und im Artikel „EQ statt IQ: Mit emotionaler Intelligenz zum beruflichen Erfolg“ haben wir uns schon mit dem Begriff der emotionalen Intelligenz auseinandergesetzt. Eine Umfrage von Parship fand zudem heraus, dass 79 Prozent der befragten Männer und Frauen emotionale Intelligenz als wichtigstes Attraktivitätsmerkmal für eine/n potenzielle/n Partner/in bewerten.

Neben attraktiv und humorvoll soll für die meisten Deutschen der Traumpartner auch intelligent sein. Doch was bedeutet das für Sie – welcher der folgenden Aspekte macht Ihre Traumfrau/Ihren Traummann für Sie besonders sexy?
Anteil der BefragtenGesamtFrauenMänner
Emotionale Intelligenz: Taktgefühl und Einfühlungsvermögen sind wahnsinnig anziehend.79%84%73%
Umfassendes Allgemeinwissen: Ich schätze es, wenn jemand breit gefächertes Wissen hat und bei vielen Themen von Politik bis Literatur mitreden kann.52%54%50%
Eine philosophische Art: Mich reizt es, wenn jemand die Zusammenhänge durchschauen will und alles hinterfragt.20%16%23%
Sprachtalent und Eloquenz: Ich bewundere Menschen, die eine oder mehrere Sprachen perfekt sprechen – von ihm/ihr lasse ich mir gern die Welt zeigen und erklären18%17%20%
Naturwissenschaftliches Verständnis: Ob Urknall-Theorie oder Informatik-Fachwissen, wer sich in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen auskennt, wickelt mich sofort um den Finger.7%6%9%
Sonstiges3%4%2%

Alle weiteren Informationen zur Statistik finden Sie auf Statista

Aber wie genau lässt sich nun eigentlich diese emotionale Intelligenz einordnen? Dass emotionale Intelligenz bewusst trainiert und im Laufe des Lebens verbessert werden kann, liefert an dieser Stelle bereits einen wichtigen Hinweis: Sie fällt in den Bereich der kristallinen Intelligenz. Mittlerweile können Sie sogar Fort- und Weiterbildungen oder Seminare zur Optimierung Ihrer emotionalen Intelligenz belegen. Aber wie sieht das bei der kristallinen Intelligenz aus?

Wie können Sie die kristalline Intelligenz trainieren?

Seminare oder Weiterbildungen zur Steigerung Ihrer kristallinen Intelligenz werden Sie vergeblich suchen. Da sie sich in zahlreiche verschiedene Aspekte gliedern lässt, müssen Sie theoretisch jeden einzeln trainieren, um schlussendlich Ihre kristalline Intelligenz in der Gesamtheit zu verbessern:

  • soziale Kompetenzen
  • Wortschatz
  • Allgemeinwissen
  • Rhetorik
  • u. v. m.

Dennoch haben wir einige praktische Tipps für Sie, wie Sie ohne große Anstrengung und mit einer Menge Spaß Ihre kristalline Intelligenz fördern können. Probieren Sie es aus:

  1. Gehen Sie interessiert und mit offenen Augen durch das Leben! Ja, so einfach kann Intelligenzsteigerung sein. Da kristalline Intelligenz eben auch die Allgemeinbildung umfasst, fördern Sie diese schon alleine dadurch, dass Sie jeden Abend die Tagesschau ansehen und sich die Namen der Politiker zu merken versuchen, dass Sie einen historischen Roman lesen und dabei geschichtliche Daten hängenbleiben oder dass Sie Ihre Freunde und Bekannten einfach einmal offen und interessiert fragen, womit sie denn ihren Arbeitsalltag verbringen und was sie Ihnen über ihre Branche erzählen können.
  2. Stillstand ist Rückschritt! Also beginnen Sie regelmäßig neue Hobbys, lernen Sie eine neue Sprache oder belegen Sie ein Online-Seminar. Es ist völlig egal, was Sie lernen. Wichtig ist nur, dass (!) Sie lernen. Dadurch halten Sie Ihre grauen Zellen auf Trab und erweitern Ihr Wissen stetig – also Ihre kristalline Intelligenz.
  3. Schauen Sie doch mal wieder „Wer wird Millionär?“. Um Ihre kristalline Intelligenz zu fördern, müssen Sie nicht büffeln oder sich nach einem anstrengenden Arbeitstag zum Englischkurs aus dem Haus quälen. Machen Sie es sich auf dem Sofa gemütlich, schalten Sie eine der zahlreichen Wissenssendungen im Fernsehen ein und raten Sie fleißig mit. Oder Sie kaufen sich eines dieser lustigen Brettspiele à la „Trivial Pursuit“. Da wird die Steigerung Ihrer kristallinen Intelligenz gleich noch zur geselligen Runde unter Familie und Freunden.
  4. Laden Sie sich Apps wie „Quizduell“ herunter und verbringen Sie Wartezeiten oder die Busfahrt fortan mit ein wenig Gehirnjogging auf dem Smartphone. Auch, wenn die positiven Effekte auf Ihre kristalline Intelligenz je nach App vielleicht überschaubar sind: Spaß macht es auf jeden Fall und besser als die kahle Wand im Wartezimmer des Arztes anzustarren ist es allemal!
  5. Reisen bildet! Also welche schönere Art, um Ihre kristalline Intelligenz zu fördern, könnte es geben als eine Weltreise? Und wenn Sie dafür im Moment nicht ausreichend Zeit oder Geld haben, gehen Sie wenigstens aus dem Haus, wagen Sie neue Abenteuer und erleben Sie etwas! Oder würden Sie einen 90-Jährigen als „altersweise“ bezeichnen, der von nichts Anderem erzählen kann als seiner Arbeit im Büro und den Abenden auf der Couch? Lebenserfahrung ist wohl der wichtigste und zugleich auch schönste Aspekt der kristallinen Intelligenz – also sorgen Sie dafür, dass Sie Ihren Enkeln später Spannenderes zu berichten haben!

Welche weiteren schönen, lustigen oder auch spannenden Arten, um die kristalline Intelligenz zu verbessern, fallen Ihnen ein? Oder was möchten Sie sonst noch zum Thema loswerden? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag in den Kommentaren!

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