Stellenkürzungen, Unternehmensinsolvenz oder eine Firmenübernahme – niemand ist “schuld” und doch ist sie ein Makel: Eine länger andauernde Arbeitslosigkeit macht sich auch heute noch in einem Lebenslauf denkbar schlecht. Was können Sie nun tun, wenn Sie sich neu bewerben?

Arbeitslosigkeit nie verschweigen

Es gibt zunehmend weniger lückenlose Lebensläufe als noch vor 10 Jahren! Und natürlich kommt es darauf an, wie Sie Ihre Arbeitslosigkeit darstellen. Zuerst hängt es vom Zeitraum ab, während dem Sie auf Jobsuche waren. Je kürzer die Zeiträume der Arbeitslosigkeit sind, desto eher werden sie heute von den Personalverantwortlichen toleriert. Wenn es Sie erwischt hat und Sie eine Zeitlang arbeitslos waren, müssen Sie auf jeden Fall Farbe bekennen und die Arbeitslosigkeit angeben. Verschweigen fällt dem Profi immer auf, sie zu umschreiben wird toleriert. Aber wie kann eine geeignete Darstellung der Arbeitslosigkeit im Lebenslauf aussehen?

Arbeitslosigkeit ins Positive verkehren?

Möchten Sie den Begriff “arbeitslos” in Ihrem Lebenslauf ins Positive verkehren, dann empfiehlt es sich, eine zusätzliche Rubrik für diese Zeiten einzuführen, z. B. „Praktische Tätigkeiten“. Hier können Sie entweder mit zusätzlichen beruflichen Erfahrungen punkten oder zeigen, dass Sie die Zeit Ihrer Arbeitslosigkeit nicht verschlafen, sondern gut genutzt haben. Das setzt natürlich voraus, dass Sie die Zeit als Chance auch wirklich nutzen. Es gibt auch zahlreiche Angebote in den Jobcentern. Beschreiben Sie Ihre Aktivitäten während der arbeitslosen Zeiten:

Praktische Tätigkeiten:

01/2013 – 06/2013Aushilfstätigkeit in der Buchhaltung der XYZ AG in …
– Erstellung von Tabellen mit Excel
– Dateneingabe
08/2010 – 12/2010Praktikum in XYZ GmbH in …
– Mithilfe bei der Planung und Betreuung von Schulungen
– Unterstützung bei der Betreuung von Meetings

 

Hüten Sie sich davor, irgendwelche Tätigkeiten zu erfinden: Spätestens im persönlichen Treffen fliegt das auf und das Vorstellungsgespräch ist zu Ende. Kritisch wird es auch, wenn die Zeiträume der Arbeitslosigkeit sehr lang sind – bis zu einem Jahr kann der Bewerber auf Jobsuche sein, ohne dass es einen modernen Personalentscheider stört. Ein lückenloser Lebenslauf ist das A und O einer Bewerbung. Wenn die Lücken zwischen den verschiedenen Jobs zu groß sind, ohne dass diese Zeiten woanders im tabellarischen Lebenslauf auftauchen, könnte der zukünftige Arbeitgeber schon beim Lesen der Bewerbung skeptisch werden.

Arbeitslosigkeit umschreiben

Wenn Sie Ihre Arbeitslosigkeit im Lebenslauf angeben, können Sie die Bezeichnung „Arbeitslosigkeit“ mit „Arbeit suchend” umschreiben. Berichten Sie darüber, welche Schritte Sie unternommen haben, um wieder einen Arbeitsplatz zu bekommen, welche Fachmessen Sie besucht haben, welche Weiterbildungen und Kurse Sie belegt haben. Auch regelmäßige Termine im Jobcenter zeugen vom Interesse auf einen neuen Job. Hilfreich könnte auch die Umschulung auf einen anderen Beruf sein.

Schwierig wird es erst, wenn der Zeitraum der Arbeitslosigkeit sehr lang ist. Eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half im September 2009 unter ca. 6000 Personal- und Finanzmanagern ergab, dass bis zu 7,6 Monate ohne Job akzeptiert werden. Ist der Zeitraum länger, wird sie negativ ausgelegt. Wenn die Arbeitslosigkeit deutlich länger als ein Jahr dauert oder wenn es in diesen Zeiten keinerlei Aktivitäten gibt, liegt natürlich der Schluss nahe, dass bei diesem Bewerber Desinteresse oder Faulheit vorgeherrscht hat. Das ist natürlich für jede Bewerbung fatal!

Arbeitslosigkeit ohne Tricks und Lügen darstellen

Illustration von PinocchioIn einschlägigen Bewerbungsratgebern und in Bewerbungstrainings wird oftmals der Ratschlag gegeben, die Zeit der Arbeitslosigkeit durch Angaben von sogenannten Lückenfüllern darzustellen.

Bedenken Sie dabei aber bitte: Das, was Sie angeben, sollten Sie auch wirklich getan haben. Sie könnten eine Fremdsprache gelernt (mit den entsprechenden Kursen belegen) oder im Ausland vertieft haben, Sie könnten sich mit Hilfe von Fachliteratur im Bereich XYZ weitergebildet haben oder sich ehrenamtlich engagiert haben.

Dem Personalprofi sind diese “Tricks” natürlich bekannt. Bereiten Sie sich also auf ein Vorstellungsgespräch gut vor – entsprechende Nachfragen kommen bestimmt!

Das gilt immer:

Erfinden Sie nichts, lügen Sie nicht. Signalisieren Sie stattdessen, dass Sie sich Ihrer Arbeitslosigkeit nicht schämen, schließlich haben Sie sie nicht selbst herbeigeführt. Und vor allem, dass Sie nicht resignieren, sondern stets auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sind!

Tipps zur Formulierung von Arbeitslosigkeit

Geben Sie die Zeiträume nicht in Jahreszahlen an. Jahreszahlen verbergen größere Lücken, das macht Personalentscheider misstrauisch.

Wenn die Arbeitslosigkeit „unverschuldet“ herbeigeführt wurde, stellen Sie es im Lebenslauf dar.

03/2008 – 10/2013Büroleiter bei der XYZ AG in …
(Kündigung wegen Insolvenz)

 

Sind Sie derzeit arbeitslos, so sollten Sie bereits im Anschreiben darauf hinweisen.

Beziehen Sie Ihr Anschreiben immer auf die jeweilige Firma und Position, beschreiben Sie Ihre Qualifikationen passend zum Anforderungsprofil der Stelle.

Formulierungsvorschläge für Bewerbungsschreiben bei Arbeitslosigkeit:

„Durch mein soziales Engagement bei jugendlichen Fußballern … konnte ich zahlreiche Erfahrungen im Umgang mit Menschen sammeln. Ich bin davon überzeugt, dass ich diese Erfahrungen gewinnbringend in Ihrem Unternehmen einsetzen kann.“

„Während meines Auslandsaufenthalts stellt ich fest, dass ich Freude an … habe und meine Interessen im … Bereich liegen. Für meinen beruflichen Neustart möchte ich mich bei Ihrem Unternehmen als … bewerben.“

„Wie Sie meinen Unterlagen entnehmen können, habe ich bereits mehrere Jahre in der … Branche gearbeitet. (Schildern Sie Ihre Erfahrungen und den Tätigkeitsbereich). Nun möchte ich mich in diesem Bereich beruflich weiterentwickeln und bewerbe mich als … bei Ihrem Unternehmen.“

Bereiten Sie sich gut auf Detailfragen vor

Wie kam es zu Ihrer Arbeitslosigkeit?
Natürlich müssen Sie beides, also die selbstverschuldete (Kündigung) und die unverschuldete Arbeitslosigkeit (z. B. Insolvenz des Unternehmens) erklären können.

Welche Aktivitäten haben Sie während Ihrer Arbeitslosigkeit vorzuweisen?
Bitte antworten Sie nie: Das steht doch in den Bewerbungsunterlagen!
Hier muss genau das als Antwort kommen, was Sie geschrieben haben. Seien Sie auch darauf gefasst, dass der eine oder andere Punkt genauer hinterfragt wird!

10 Kommentare

  1. “Niemand ist schuld” ist schnell gesagt, bringt aber nix. Die bessere Variante: Sich überlegen, warum gerade ich(!) entlassen wurde? A4-Blatt nehmen: Linke Seite: Wo könnten meine Defizite gelegen haben. Rechte Seite: Woran muss ich arbeiten, was muss ich besser machen. Und dazu ein Plan aufstellen. Step by Step an der eigenen Persönlichkeit arbeiten – das bringt langfristig Erfolg – und nicht die Schuldzuweisungen!

  2. Guten Morgen,

    schöner Artikel, mir gefällt der Aufruf zum Nicht-Vertuschen von Lücken und zur Offenheit.

    Als Ergänzung: Ich findes es auch gar nicht verwerflich, wenn sich Arbeitnehmer nach Kündigung bewusst eine Auszeit nehmen (wer sich das leisten kann) und keine Motivation haben, direkt nahtlos den nächsten Job zu suchen. Oft nutzen Arbeitnehmer diese Zeit auch, um runterzukommen und sich neu zu orientieren. Auch das sollte nach meiner Meinung dann in den Lebenslauf hinein, denn es ist auch für den nächsten Arbeitgeber von Vorteil, wenn sich der Mitarbeiter “erholt” und über seine nächsten Schritte und Ziele Gedanken gemacht hat.

    Viele Grüße,
    Bernd Slaghuis

  3. Julian Riedel

    Heute mit Zeitarbeitsfirmen wird man schnell Arbeitssuchend. Dann ist es auch ok dies im Lebenslauf zu hinterlegen.

  4. Mit Grausen habe ich das Umfrageergebnis unter den Personalern gelesen. 7,6 Monate Arbeitslosigkeit werden “noch toleriert”. Dann dürften diese Betriebe im Osten fast niemanden einstellen, denn hier ist die Suchzeit aufgrund immer noch vorhandener, erheblicher Strukturprobleme meist wesentlich länger. Auch gute Leute finden hier einfach keine Arbeit. Beispiel Akademiker: Auf 3.000 Arbeiter kommen in den verlängerten Werkbänken der neuen Bundesländer gerade mal rund 15 Stabsstellen. Die Konzernzentralen mit den Entwicklungsabteilungen, dem Marketing usw. sitzen nicht mit im Osten. Der einzige Vorhalt könnte sein, dass es vielen Arbeitsuchenden an “Flexibilität” mangelt, nämlich dass sie nicht in den Westen wollen. Da spielen aber oft solche “Kleinigkeiten” wie Familie und soziales Umfeld eine Rolle. Zum Artikel: Nur Mut, schreibt die Arbeitslosigkeit offen rein! Und die Aktivitäten, wenn es welche gab (und nein, nicht alle können Fußballtrainer sein). Übrigens: Die Personaler im Osten ticken meist etwas anders, falls sie nicht gerade frisch importiert worden sind. 😉

  5. Guten Morgen,
    Ich finde den Artikel nicht nur sehr interessant, er bestätigt mir auch, dass das was mir gerade in einem Seminar vom Arbeitsamt “beigebracht” wird falsch ist. Hier versucht die Seminarleiterin durch die Angabe von nur den Jahreszahlen Arbeit suchend Zeiten zu verschleiern. Sie meint das haette im Lebenslauf nichts zu suchen und es wuerde Personaler abschrecken. Mag ja sein, aber wenn ich halt Arbeit suchend war fliegt es sowieso auf. Zudem sieht es sehr gewöhnungsbedürftig aus, wenn dreimal nacheinander z. B. 2008 auftaucht.

  6. Marvin

    Hallo,

    der text ist sehr gut und informativ geschrieben. Jedoch wird eine Frage nicht beantwortet.
    Unter welcher Rubrik sollte man Arbeitsuchend schreiben ?

    Gruß
    Marvin

  7. Ich würde auch empfehlen, Zeiten der Arbeitslosigkeit mit Fortbildung oder Projekten zu umschreiben.

    Akademiker könnten sagen, sie sind selbstständig bzw. freiberuflich tätig gewesen.

  8. `Serap

    ich arbeite als Jobcoach und bekomme nur schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose die irgendwo vergessen wurden. Ihr Geheimnis ist es oft das Sie so nebenher gearbeitet haben dies aber nicht in ihrem Lebenslauf festmachen wollen. so Arbeitslosenzeiten von 2 Jahren sind sogar recht kurz. Trage ich da offen hin Orientierung auf dem Arbeitsmarkt oder stehe ich zu der Lücke? einige Kollegen schreiben überall Arbeitssuchend hin wenn der Teilnehmer Lücken hat, finde ich sehr abschreckend wenn mehr Lücken da sind und die durch das O Wort nicht besser werden. Trage ich was ein wenn Lücken sind oder lasse ich es offen?

  9. Die zunehmende Bereitschaft auf Seiten der Personaler Bewerbungs-Screenings durchführen zu lassen sollte jeden Bewerber dazu veranlassen, bei der Wahrheit zu bleiben. Vertuschen, “schön”färben oder tricksen nur mit Jahreszahlen usw. sind klare Indizien für Täuschungsversuche. Die Minuspunkte daraus sind kaum wieder gut zu machen. Manfred Lotze, KOCKS CONFIDENCE Ges. für Vertrauensmanagement mbH, Düsseldorf.
    PS: nach unserer Untersuchung ist etwa jede 3. Bewerbung nicht komplett wahrheitsgemäß…
    in unseren Workshops klären wir darüber auf und sensibilisieren Recruiter.

  10. Sozial statt Elitär

    Guten Tag,

    ein Patentrezept kann es nicht geben, da jeder Personaler anders ist und auch je nach Stimmung anders gelaunt sein kann, in dem Moment, wo er die Bewerbung in die Hand bekommt. Manchmal reicht es schon unsympathisch auf dem Bild, per Namen, Alter oder auch Geschlecht zu wirken und er liest nicht weiter. So befreit von Vorurteilen ist kein Mensch, weil es eben menschlich ist, auch seine persönliche Meinung und Empfindug in die Auswahl einzubringen. Das geschieht nicht unbedingt absichtlich, sondern eher unterbewusst, aber in bruchteilen von Sekunden. Alles was danach kommt wird negativ oder immer noch positiv wahrgenommen, je nach erstem Eindruck. Psychologisch belegbar.

    Daher sind, um schon diese erste Hürde überwinden zu können, persönliche Daten nicht mehr erforderlich bis auf Name Anschrift und Kontaktmöglichkeiten. Alter, Familienstand, Bild und anderes sind überflüssig. Diskriminierungsschutzgesetz!

    Wenn also Bewerbungen trotzdem abgelehnt werden, liegt es nicht am Bewerber, sondern den Unternehmen, die etwas in Ihrem Denken ändern sollten, statt weiterhin solche Daten und überdurchschnittliche Qualifikationen zu fordern. Nicht jeder hat studiert und das braucht es auch nicht, um einer Arbeit nachgehen zu können, die man im Laufe der Berufstätigkeit durch Routine erlernen kann, so dass man wie jeder andere Hochschulabsolvent oder Studierte, die entsprechenden Tätigkeiten ausführen kann. Nicht in jedem Bereich natürlich, aber wenn ich lese, dass die AG in Bereichen nur noch die Elite sucht, wo zuvor Haupt- oder Realschüler ausreichten, dann kann es nicht an einem echten Fachkräftemangel oder den lückenbehafteten Bewerbungen liegen, sondern an den zu hohen Ansprüchen der AG.

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