Sie können es nicht mehr hören: Immer dasselbe Gejammer! Fast jeden Tag kommen Ihre Mitarbeiter mit denselben Beschwerden auf Sie zu. Als Führungskraft geht das bei Ihnen mittlerweile zum einen Ohr herein und zum anderen wieder hinaus. Ist doch ohnehin alles nur „Mimimi“, oder? Wir sagen Ihnen, wie Sie das ewige Mitarbeiter Lamento wirklich stoppen und weshalb es wertvoller ist, als Sie vielleicht dachten.

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Mitarbeiterin ist ständig am Jammern
Bildnachweis: iStock.com/marcoventuriniautieri

Ist ständige Unzufriedenheit bei Mitarbeitern normal?

Menschen beschweren sich. Das gehört zu unserer Kultur. Während in anderen Regionen dieser Welt etwas mehr Lebenszufriedenheit zu finden ist, sind wir Deutschen prinzipiell eher missmutig veranlagt.

Die Gründe hierfür können vielfältig sein: Dem Einen mag das Gehalt zu gering sein, der Andere wünscht sich flexiblere Arbeitszeiten und dem Dritten sind die Kommunikationswege zu lang oder die Projekte gehen ihm zu schleppend voran. Führungskräfte sehen sich zudem mit einer Menge unterschiedlicher Charaktere konfrontiert:

  • hoch motivierte High-Achiever
  • faule Trittbrettfahrer
  • verunsicherte Berufseinsteiger
  • lustlose Fast-Rentner
  • gestresste Teilzeiteltern
  • u. v. m.

Führungskräfte sollten Beschwerden lieben lernen

Wo so viele unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenarbeiten, lassen sich Konflikte nicht vermeiden. Zudem haben Sie stets mindestens ein Teammitglied, das sich liebend gerne von morgens bis abends beschwert. Garantiert! Gejammer und Beschwerden gehören daher für quasi jede Führungskraft zum normalen Berufsalltag. Daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern lassen. Was Sie hingegen ändern können, ist Ihr Umgang mit dem Lamento Ihrer Mitarbeiter.

Wenn Sie Beschwerden nämlich lieben und richtig zu händeln lernen, kann daraus ein wundervoller Fortschritt entstehen. Werden diese hingegen auf lange Sicht ignoriert, wächst die Unzufriedenheit bei Betroffenen mit all ihren negativen Konsequenzen auf das Team, die Abteilung und das gesamte Unternehmen, die da seien

  • zunehmende Konflikte
  • schlechtes Betriebsklima
  • sinkende Produktivität
  • fehlende Innovationen
  • stagnierende Weiterentwicklung
  • Mängel in der Kommunikation
  • hoher Krankenstand
  • u. v. m.

Also jammern Sie nicht länger über das Gejammer, liebe Führungskräfte. Sondern gehen Sie mit gutem Beispiel voran und beginnen Sie Beschwerden als Chance zu sehen.

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Beschwerden sind Ihre Chance auf Innovation

Wenn Sie den richtigen Umgang mit Beschwerden Ihrer Mitarbeiter finden, können sich daraus zahlreiche positive Effekte ergeben:

  1. Das Vertrauen zu Ihnen als Führungskraft wächst, wenn die Mitarbeiter mit ihrem Anliegen zu Ihnen kommen können, ohne einen Wutanfall oder gar die Kündigung befürchten zu müssen.
  2. Sie können die Mitarbeiter ermutigen, selbst aktiv zu werden und dadurch deren Kreativität, Selbstverantwortung und Arbeitszufriedenheit stärken.
  3. Sie können Missstände frühzeitig aus dem Weg räumen und dadurch die Fehlerquote senken.
  4. Sie entlasten sich als Führungskraft, da Beschwerden konstruktiv gehandhabt und schnell gelöst werden.
  5. Schlussendlich sind so alle Beteiligten zufriedener, vom Chef über die Angestellten bis hin zum Endkunden: Eine Win-Win-Situation!

Führungskräfte aufgepasst: In 5 Schritten zum richtigen Umgang mit Beschwerden

Mit Beschwerden der Mitarbeiter richtig umgehen
Bild: Arbeits-ABC/Canva.com

Damit Sie all diese positiven Effekte von Beschwerden nutzen und diese in eine echte Chance für das Unternehmen umwandeln können, sollten Sie in folgenden fünf Schritten vorgehen:

Schritt #1: Ein offenes Ohr haben!

Eine Beschwerde kann nur gelöst werden, wenn sie auch gehört wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter trauen mit einem Problem zu Ihnen zu kommen. Sie müssen ein offenes Ohr haben und authentisch sowie berechenbar auftreten. Hierfür ist es wichtig, dass Sie nicht an einem Tag freundlich bleiben und am nächsten den Mitarbeiter mit hochrotem Kopf und einem Wutanfall aus dem Büro jagen. Auch, wenn es manchmal schwerfällt: Hören Sie sich Beschwerden an und bleiben Sie ruhig, freundlich sowie professionell.

Schritt #2: Feste Regeln einführen!

Natürlich müssen Sie nun aber nicht Seelenklempner spielen und sich jedes ziellose Lamento Ihrer lebensunzufriedenen Angestellten anhören. Sie dürfen – und sollten sogar – feste Regeln im Umgang mit Beschwerden einführen. Kommunizieren Sie diese offen und für alle Beteiligten nachvollziehbar. Erstellen Sie zum Beispiel eine entsprechende To-Do-Liste, sodass jeder Mitarbeiter weiß, wie er mit Beschwerden umzugehen hat.

Schritt #3: An mündige Mitarbeiter appellieren!

Eine solche To-Do-Liste könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • Tritt eine Beschwerde auf, soll der Mitarbeiter diese notieren.
  • Anschließend soll er selbstständig mindestens drei konkrete Lösungsvorschläge niederschreiben (dadurch verhindern Sie zielloses Gejammer).
  • Mit diesen drei konstruktiven Lösungsansätzen kann er nun zu Ihnen als Vorgesetzten kommen und darf dann auch mit Ihrer Aufmerksamkeit rechnen.
  • Im Vieraugengespräch entscheiden Sie gemeinsam über die nächsten Schritte.

So appellieren Sie an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, fördern dessen Kreativität und Lösungskompetenz und entlasten sich als Vorgesetzte/r automatisch selbst.

Schritt #4: Eine „Ideenkiste“ einführen!

Noch besser ist es aber natürlich, wenn Sie Beschwerden verhindern, bevor diese überhaupt entstehen. Viele Mitarbeiter haben zahlreiche Ideen, wie der Arbeitsalltag besser, effizienter oder moderner gestaltet werden könnte. Fühlen sie sich nicht gehört, werden sie unzufrieden. Manch ein Mitarbeiter hat aber eventuell Angst davor, mit seiner Idee ausgelacht zu werden. Führen Sie daher zum Beispiel eine anonyme Ideenkiste ein. Hier kann jeder Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge notieren. In regelmäßigen Abständen, zum Beispiel einmal monatlich in der Teambesprechung, wird die Ideenkiste dann geleert und in der Gruppe besprochen.

Schritt #5: Beschwerde-Tagebuch führen!

Dennoch wird es die ein oder andere Beschwerde geben, welche immer wieder zu Tage tritt, aber niemals konstruktiv bearbeitet wird. Wenn Ihnen zum Beispiel in den Telefonkonferenzen auffällt, dass immer wieder die Gesprächsqualität schlecht ist, notieren Sie sich dies. Es gab vermehrt Kommunikationsprobleme zwischen Abteilung A und Abteilung B? So schreiben Sie sich auch das auf. Führen Sie ein kleines Beschwerde-Tagebuch mit all dem Gejammer, welches Ihnen zu Ohren dringt, und gleichen Sie dieses von Zeit zu Zeit ab. So können Sie sehen, welche Beschwerden regelmäßig auftreten und daher in Angriff genommen werden sollten – und welche nicht.

Fazit: Kein Gejammer hieße kein Fortschritt!

Ein Unternehmen ohne jammernde Mitarbeiter ist quasi undenkbar. Perfektionismus mag zwar das Ziel sein, doch es wird stets irgendwo irgendein Problem geben und irgendeinen Mitarbeiter, welcher sich darüber beschwert. Und das ist auch gut so! Nur, wenn Führungskräfte ein offenes Ohr für das Lamento ihrer Angestellten haben, können Missstände nämlich zum Besseren gewandelt werden. Kein Gejammer hingegen hieße, dass es im Unternehmen auch keinen Fortschritt gibt. Stillstand ist in der schnelllebigen Geschäftswelt von heute aber ein gefährlicher Zustand. Begreifen Sie die Beschwerden Ihrer Mitarbeiter daher (endlich) als Chance für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess und entlasten Sie sich dennoch selbst durch den richtigen Umgang mit dem Gejammer. Nur so profitieren am Ende alle Beteiligten!

Oder vertreten Sie zum Thema Beschwerden der Mitarbeiter eine andere Ansicht? Wie händeln Sie das Gejammer und welchen konkreten Umgang pflegen Sie mit unzufriedenen Mitarbeitern? Welche positiven (oder auch negativen) Effekte konnten Sie daraus beobachten? Wir freuen uns auf Ihre Meinung zum Thema in den Kommentaren.