Sie haben den Job! Sie haben sich durch den Bewerbungsprozess gekämpft und sich im Vorstellungsgespräch gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Oder Sie haben ein Jobangebot durch einen Headhunter angenommen. Vielleicht resultiert Ihr neuer Arbeitsvertrag auch aus einer unternehmensinternen Neuorientierung. So oder so: Wann immer Ihnen ein Arbeitsvertrag zur Unterzeichnung vorliegt, können und sollten Sie gewisse Punkte verhandeln. Wir verraten Ihnen, welche das sind.

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Arbeitnehmerin verhandelt mit Arbeitgeber ihre Rechte und Pflichten im Arbeitsvertrag
Bildnachweis: iStock.com/bowdenimages

Inhalt
1. Arbeitsvertrag: Verhandeln Sie Ihre Rechte und Pflichten!
2. Punkt 1: Gehalt
3. Punkt 2: Arbeitgeberleistungen
4. Punkt 3: Arbeitszeiten
5. Punkt 4: Erreichbarkeit
6. Punkt 5: Tätigkeitsbereich
7. Tipps für die Verhandlung Ihres Arbeitsvertrages

Arbeitsvertrag: Verhandeln Sie Ihre Rechte und Pflichten!

Viele Arbeitnehmer sind froh, überhaupt einen Job gefunden zu haben. Je mehr dieser auf dem Papier ihren Wunschvorstellungen entspricht, umso geringer ist ihre Bereitschaft zur Verhandlung. Sie möchten schließlich nicht gleich als anspruchsvoll gelten oder einen schlechten Eindruck hinterlassen. Diese Einstellung ist zwar verständlich, leider aber nicht richtig. Den „perfekten“ Job gibt es schließlich nicht und so lässt sich auch in jedem Arbeitsvertrag die eine oder andere Kleinigkeit finden, über die es sich zu verhandeln lohnt.

Infografik: Jeder Fünfte verhandelt nie über das Gehalt | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Selbst, wenn Sie beispielsweise mit dem Gehalt zufrieden sind, wäre es doch den Versuch wert, ein wenig mehr auszuhandeln. Gegen mehr Geld auf dem Konto am Ende des Monats hätten Sie gewiss nichts, oder?! Was also sollten Sie stets verhandeln – oder sich zumindest im Arbeitsvertrag genauer ansehen und kritisch prüfen – bevor Sie diesen unterzeichnen? Wir haben die fünf wichtigsten Punkte für Sie zusammengetragen:

Punkt 1: Gehalt

Das Gehalt ist ein ausschlaggebender Faktor bei der Wahl Ihrer Arbeitsstelle. Es entscheidet zu großen Teilen darüber, ob Sie in Ihrem Job auf Dauer zufrieden sind oder nicht. Zwar kann ein gutes Gehalt einen ansonsten miesen Berufsalltag in der Regel nicht langfristig wettmachen, doch umgekehrt werden Sie auch nicht glücklich, wenn Sie zwar jeden Tag mit Spaß und Freude zur Arbeit gehen, sich aber kaum genug zum Essen leisten können. Gerade die jungen Fachkräfte, die sogenannte Generation Y, gelten eigentlich als besonders anspruchslos – zumindest im materiellen Sinne. Sie bringen die Arbeitgeber eher mit dem Wunsch nach viel Freizeit oder einem Sinn in ihrer Tätigkeit zur Verzweiflung. Dieser Ruf eilt ihnen voraus.

Lese-Tipp: Umbruchstimmung: Wie die Generation Y die Arbeitswelt verändert

Aktuelle Umfragen erzeugen aber ein gänzlich anderes Bild: Auch für die Generation Y ist das Gehalt einer der wichtigsten Entscheidungsfaktoren für oder gegen ein Stellenangebot – bei vielen sogar der wichtigste (Quelle: Welt). Die Gehaltsverhandlung findet in zahlreichen Fällen bereits im Vorstellungsgespräch statt. Sollten Sie sich in diesem Zuge bereits geeinigt haben, dürfen Sie natürlich nicht vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages plötzlich nochmal nachverhandeln. Hierfür sind das Ende der Probezeit oder andere Zeitpunkte geeigneter, wie in folgendem Artikel beschrieben:

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Sollte hingegen noch keine Lohnverhandlung stattgefunden haben, ist der Zeitpunkt vor der Vertragsunterzeichnung der richtige. Wie bereits erwähnt, kann sich die Verhandlung über das Gehalt selbst dann lohnen, wenn Sie mit Ihrem zukünftigen Verdienst eigentlich zufrieden sind. Hierbei ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt: Ist das Gehalt bereits angemessen oder sogar überdurchschnittlich, sind Verhandlungsversuche nicht unbedingt notwendig. Ist das zukünftige Einkommen hingegen (nicht einmal) durchschnittlich, sollten Sie die Gelegenheit beim Schopfe packen, um es in die Höhe zu handeln.

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Doch nicht nur das Gehalt bietet bei einem neuen Arbeitsvertrag Verhandlungsspielraum. Sie sollten Ihre Forderungen daher mit den folgenden Punkten abgleichen.

Punkt 2: Arbeitgeberleistungen

Manchmal ist es sinnvoller, vom Arbeitgeber andere Leistungen zu fordern als mehr Gehalt. Sobald Sie dabei nämlich eine gewisse Grenze überschreiten, steigt auch Ihr Steuersatz und von dem Mehr an Einkommen bleibt am Ende kaum etwas übrig. Daher gibt es auch sogenannte steuerfreie Arbeitgeberleistungen, welche Sie anstelle der Gehaltsverhandlung in einem neuen Arbeitsvertrag aushandeln können. Hierzu gehören:

  • Sachzuwendungen wie Waren- oder Benzingutscheine
  • Kindergartenzuschüsse
  • Privatnutzung von elektronischen Arbeitsmitteln wie einem Smartphone
  • Gesundheitsförderung
  • u. v. m.

Welche Leistungen steuerfrei sind und in welcher Höhe, ist gesetzlich eindeutig geregelt. Doch Sie können natürlich auch steuerpflichtige Sonderleistungen wie einen Geschäftswagen einfordern. Auch die Zahlung eines 13. Monatsgehaltes, von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld ist ein beliebtes Thema bei Verhandlungen über einen Arbeitsvertrag.

Infografik: Nur knapp jeder Zweite bekommt Urlaubsgeld | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Möglich sind zudem eine Betriebsrente, ein Anspruch auf mindestens eine Weiterbildung pro Jahr, die vom Unternehmen bezahlt wird, oder zahlreiche weitere individuelle Regelungen. Überlegen Sie also, von welchen Vereinbarungen Sie außerhalb eines höheren Einkommens profitieren könnten und versuchen Sie Ihr Glück im Rahmen der Arbeitsvertragsverhandlung.

Punkt 3: Arbeitszeiten

Auf Platz zwei der wichtigsten Faktoren am Arbeitsplatz bezüglich Ihrem Grad an Zufriedenheit stehen gewiss die Arbeitszeiten. Wenn Sie beispielsweise 3.000 Euro brutto pro Monat verdienen, macht es einen großen Unterschied, ob Sie dafür 40 oder 35 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Auch Überstunden sind für viele Arbeitnehmer ein Problem, wenn sie zu häufig oder in zu großem Ausmaß geleistet werden müssen. Wünschenswert sind zudem für viele Arbeitnehmer Modelle wie das Homeoffice oder die Remote Work.

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Sehen Sie sich also Klauseln zu Ihren Arbeitszeiten, zur Urlaubs- und Überstundenregelungen sowie weiteren relevanten Faktoren an, die über Ihre Arbeits- oder Freizeit bestimmen. Werden Sie sich darüber bewusst, was Ihnen wichtiger ist – mehr Freizeit oder mehr Geld – und an welcher Stelle Sie deshalb verhandeln möchten. Berücksichtigen Sie dabei aber auch die Auswirkungen auf Ihre Karriere. So ist es in vielen Unternehmen zum Beispiel schwierig, mit reduzierter Arbeitszeit eine Führungsposition zu erlangen.

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Bei der Verhandlung bezüglich kürzerer Arbeitszeiten oder mehr Urlaubstagen handelt es sich in der Regel um ein Entweder-oder mit Ihrer Forderung nach mehr Geld. Dennoch zeigen sich viele Arbeitgeber hinsichtlich der Arbeitszeiten nachgiebiger als bei finanziellen Aspekten. Einen Versuch ist es also durchaus wert.

Punkt 4: Erreichbarkeit

Aufgrund der Digitalisierung bedeutet Freizeit heutzutage aber längst nicht mehr, dass Sie von der Arbeit abschalten können. In vielen Unternehmen ist es gang und gäbe, dass Sie auch außerhalb der Arbeitszeiten für Ihre Kollegen, den Chef oder Kunden erreichbar sein müssen. Das Smartphone klingelt also auch am Wochenende und Ihre E-Mails checken Sie sogar im Urlaub. Das ist nicht nur nervig, sondern kann auf Dauer zur echten gesundheitlichen Belastung werden.

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Treffen Sie daher mit Ihrem Arbeitgeber eine fixe Vereinbarung, wann Sie auf welchem Wege erreichbar sein müssen – und wann Sie getrost „offline“ gehen dürfen. Halten Sie diese Regelung als Klausel im neuen Arbeitsvertrag fest, sodass Sie im späteren Berufsalltag immer wieder darauf verweisen können. Auch hier müssen Sie allerdings vorsichtig sein, dass das „Abschalten“ nicht zum Karrierehemmnis wird. Allerdings sollten Sie für die Karriere natürlich nicht Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Sie bewegen sich also erneut auf einem schmalen Grat.

Punkt 5: Tätigkeitsbereich

Last but not least können Sie in Ihrem Arbeitsvertrag nicht nur Ihre Rechte, sondern auch Ihre Pflichten verhandeln, sprich: Was schulden Sie dem Arbeitgeber im Gegenzug für das Gehalt & Co? Welche Tätigkeiten müssen Sie erbringen – und welche nicht? Wie sieht es mit Ihrem Verantwortungsbereich aus? Wo liegen die Grenzen der Weisungsbefugnis Ihres Vorgesetzten? Müssen Sie also „niedere“ Tätigkeiten ausführen, für welche Sie eigentlich überqualifiziert sind, wenn Ihr Chef Ihnen das aufträgt? Und wenn ja, ab wann dürfen Sie „Nein“ sagen? Auch solche Definitionen Ihres Tätigkeitsbereiches sollten im Arbeitsvertrag festgehalten werden – und natürlich dürfen Sie bestehende Klauseln verhandeln. Trauen Sie sich!

Tipps für die Verhandlung Ihres Arbeitsvertrages

Viele Arbeitnehmer trauen sich schlichtweg nicht, einen Arbeitsvertrag zu verhandeln, weil sie nicht wissen, wie sie an die Sache herangehen sollen. Sie haben wenig Verhandlungserfahrung und fühlen sich angesichts der „neuen“ Situation überfordert. Wir möchten Ihnen deshalb abschließend noch drei Tipps an die Hand geben, um Ihnen mit der Verhandlung Ihres Arbeitsvertrages zu helfen:

  1. Überlegen Sie sich im Voraus, was Sie fordern möchten, ob diese Forderung realistisch ist und wie Sie diese begründen. Je besser Ihre Argumente sind, umso höher ist Ihre Chance auf ein „Ja“.
  2. Geben Sie sich selbstbewusst, aber kompromissbereit. Wenn Sie überzogene Ansprüche verlautbaren und nicht von diesen abrücken wollen, wirken Sie hochnäsig und unter Umständen kommt der „Deal“ – sprich der Arbeitsvertrag – doch nicht zustande. Er ist schließlich noch nicht unterzeichnet. Also beweisen Sie bei Vertragsverhandlungen unbedingt Fingerspitzengefühl!
  3. Setzen Sie Ihre Forderungen stets etwas höher an als Ihr eigentliches Ziel. So lassen Sie sich selbst Handlungsspielraum, um dem Arbeitgeber entgegenzukommen. Wenn Sie also zwei Prozent mehr Gehalt wünschen, so fordern Sie fünf Prozent mehr und treffen Sie sich mit dem Verhandlungspartner in der Mitte.

Was würden Sie unseren Lesern noch für die Vertragsverhandlung raten? Welche Klauseln im Arbeitsvertrag sind Ihrer Meinung nach verhandelbar und welche nicht? Wieso? Wir bedanken uns für Ihre Anregungen zum Thema in den Kommentaren!