Morgens auf dem Weg zur Arbeit bereits den Feierabend herbeizusehnen, kann ein Indiz dafür sein, dass man verliebt ist – oder seinen Job innerlich bereits hinter sich gelassen hat.

Feststellbar ist das Phänomen der inneren Kündigung besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bei Mitarbeitern, die frustriert sind und lediglich die passende Gelegenheit abwarten, um ihren Job endlich zu wechseln.

Eines der Merkmale der inneren Kündigung ist ihr lautloser Verlauf im Gegensatz zu einer schriftlich fixierten Beendigung des Arbeitsvertrages. Bei einer offiziellen Kündigung erfährt der Arbeitgeber, dass der Mitarbeiter künftig nicht mehr zur Verfügung steht, und kann sich darauf einstellen. Möchte der Arbeitnehmer aber seinen ungeliebten Job behalten und einen offenen Konflikt mit seinem Chef vermeiden, spricht man von innerer Kündigung. Darunter zu leiden hat meist der Betroffene selbst, aber auch den Kollegen macht er mit seiner eingeschlafenen Motivation das Arbeitsleben schwer.

Möglicher Verlauf der inneren Kündigung

Sie verläuft Schritt für Schritt und ist oft kaum wahrnehmbar für Außenstehende. Da macht einer scheinbar seinen Job weder besonders engagiert noch betont lustlos – wie ein ganz durchschnittlicher Arbeitnehmer eben. Seine längst erfolgte, aber verschwiegene innere Kündigung ist häufig die Summe eines länger andauernden, vielschichtigen Prozesses und/oder das Resultat von gravierenden negativen Erfahrungen, über die er nie geredet hat. Dies können Misserfolge, Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Unterforderung sein, die verdrängt oder in sich hineingefressen wurden. Aber auch die Erkenntnis, dass sich entweder der Job, das Management der Firma oder der Spirit im Unternehmen als eine einzige Enttäuschung herausgestellt haben.

Vielleicht hat der Betreffende seinen Job einmal hoch motiviert angetreten – nun agiert er als indifferenter oder distanzierter Mitläufer, der gelangweilt und missmutig seine Stunden abreißt. Seltsamerweise gibt es Vorgesetzte, die gar nichts dagegen haben, wenn aus einem einst engagierten und kritischen Mitarbeiter ein lammfrommer Anpasser geworden ist.

Wie macht sich die innere Kündigung nach außen bemerkbar?

Irgendwann lässt es sich nicht mehr verbergen, dass sich der Mitarbeiter von seiner Arbeit innerlich distanziert hat. Das wird meist bei Meinungsverschiedenheiten im Team deutlich. Wer sich an Diskussionen nicht mehr beteiligt und weder Ideen noch Kritik einbringt, hat sich innerlich abgemeldet und lässt es sogar zu, dass ihm andere in den Kompetenzbereich pfuschen. Spürbar wird die innere Kündigung auch durch die aufs Allernötigste reduzierte Kommunikation mit den Kollegen und den Vorgesetzten.

Warum kommt es bei Mitarbeitern zur inneren Kündigung?

Experten nennen es den “Bruch des psychologischen Arbeitsvertrages”, den der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber eingegangen ist, als er das rechtlich bindende Dokument unterschrieb. Unausgesprochene Bestandteile des psychologischen Vertrages sind sämtliche Erwartungen und Wünsche an den Chef, die der Arbeitnehmer beim Jobantritt mitbringt. Werden diese nicht eingelöst, rettet sich mancher in eine innere Kündigung, die für ihn den gerechten Ausgleich für seine Frustration darstellt.

Manchmal haben auch Fehler von Führungskräften Einfluss darauf, dass sich eine innere Kündigung entwickelt. Übermäßige Kontrolle oder das wiederholte Übergehen des Mitarbeiters, ausgeprägt autoritäre Firmenstrukturen, starre Hierarchien oder eine hermetische Haltung der Chefetage können die Ursachen für den verheimlichten Rückzug sein. Auf dem Boden der Unkollegialität sprießen ebenfalls Gründe für die innere Kündigung.

Wie lässt sich eine innere Kündigung aufheben?

Wer das Gefühl hat, dass sein psychologischer Arbeitsvertrag nicht erfüllt wurde, kann die Firma natürlich verlassen, indem er formal kündigt. Das hängt allerdings von Faktoren wie Alter, Konjunktur oder sozialen Bindungen am Arbeitsplatz ab. Der unzufriedene Mitarbeiter kann auch sagen, was ihm nicht gefällt – in der Hoffnung, dass sich etwas verändert. Es ist eine Frage der Persönlichkeit, wie offensiv er seine Beschwerden vorbringt und wie gut er sie belegen kann. Abzuraten ist auf jeden Fall von Winkelzügen.

Vorher sollte sich der Betroffene lieber seinen Frust bei einer Vertrauensperson von der Seele reden, ehe er sich entschlossen an seinen Vorgesetzten wendet. Soziale Unterstützung ist ganz wichtig bei der Bewältigung von Stress. Danach fällt das Gespräch leichter, in dem ggf. Führungsfehler des Chefs zur Sprache kommen.

Kluge Vorgesetzte mit sogenannten Soft Skills wissen, wie sie der inneren Kündigung eines Mitarbeiters zuvorkommen oder aber diese abbiegen, zur Not mit einem attraktiven Angebot. Gute Personalentscheider sind meist ebenfalls darauf programmiert, diese Entwicklung bei Arbeitnehmern zu verhindern. Anders disponierte Führungskräfte hingegen müssen damit rechnen, dass in Zeiten besserer Konjunktur aus der inneren Kündigung manches Mitarbeiters auch eine formale wird.

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