„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf“, das ist die wohl meist gefürchtete Frage eines jeden Bewerbers. Im Artikel „Lücken im Lebenslauf: Richtige und kreative Erklärungen“ haben wir Ihnen bereits wichtige Tipps und lustige Ausreden für diese Situation mit auf den Weg gegeben. Doch Hand aufs Herz: Was tun Sie eigentlich bei einer Lücke aufgrund einer längeren Krankheit?

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Inhalt
1. Lücken im Lebenslauf so gut es geht vermeiden
2. Die Krankheit im Lebenslauf wirkt abschreckend
3. Die Art der Krankheit ist entscheidend
4. Wie können Sie die Krankheit im Lebenslauf erwähnen?
5. Dürfen Sie die Krankheit auch einfach verschweigen?
6. Sind psychische Erkrankungen ein K.O.-Kriterium?
7. Tipps für das Vorstellungsgespräch
8. Die Krankheit im Lebenslauf ist und bleibt ein Problem

Lücken im Lebenslauf so gut es geht vermeiden

Lücken im Lebenslauf sollten Sie wenn möglich immer vermeiden. Sie haben schließlich in jeder Lücke irgendetwas gemacht, egal ob Weltreise, Pflege eines Angehörigen oder Arbeitssuche. Bleibt ein Zeitraum im Lebenslauf allerdings gänzlich unerwähnt, wird sich der Personaler über die Lücke wundern und Ihre Bewerbung entweder direkt aussortieren oder im Vorstellungsgespräch gezielt nachbohren. Was also tun Sie, wenn Sie aufgrund einer Krankheit für einen längeren Zeitraum ausgefallen sind? Unser Tipp:

Füllen Sie die Lücken mit einer Fortbildung, einer Nebentätigkeit, einem Ehrenamt o.ä. Sie müssen aber stets ehrlich bleiben.

Sollten Sie aufgrund der Krankheit wirklich keinerlei andere Erklärung für den leeren Zeitraum bieten können, müssen Sie die Krankheit erwähnen. Hierbei ist aber eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt.

Die Krankheit im Lebenslauf wirkt abschreckend

Ihre Bewerbungsunterlagen können noch so überzeugend sein: Die Krankheit im Lebenslauf nehmen viele Personaler als Alarmsignal und sortieren entsprechende Bewerber direkt aus. Sie sollten mit Ihrer Krankheitsgeschichte in der Bewerbung daher nicht leichtfertig umgehen. Gerade chronische oder psychische Krankheiten sind sehr pikant, da die Chance, dass Sie erneut ausfallen, bei dieser Art von Erkrankung sehr hoch ist. Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber möchte schließlich nicht riskieren, dass Sie häufig oder lange fehlen und ihm dadurch hohe Ausfallkosten entstehen.

Die Art der Krankheit ist entscheidend

Wenn es sich um eine einmalige Krankheit handelt, können Sie diese problemlos in den Lebenslauf einfügen. Dazu gehören zum Beispiel Unfälle, Blinddarmoperationen, Zystenentfernungen oder Krebs, sofern er als geheilt gilt. Auch eine Operation am Knie ist zum Beispiel unproblematisch, wenn Sie sitzend im Büro arbeiten. Komplizierter wird es, wenn Sie Krankenschwester sind und Ihr Knie bei der Arbeit starken Belastungen ausgesetzt wird. Es gilt daher stets im Einzelfall zu prüfen, ob

  • die Krankheit Sie gegenwärtig und/oder in Zukunft in Ihrem Beruf behindern könnte und
  • wie hoch das Risiko ist, dass Sie aufgrund der Krankheit erneut ausfallen.

Als Grundregel gilt zudem: Kurieren Sie sich stets vollständig aus und schreiben Sie Ihre Bewerbung erst, wenn Sie wieder vollständig genesen und einsatzbereit sind. Eine Ausnahme stellen natürlich chronische Erkrankungen oder Behinderungen dar.

Wie können Sie die Krankheit im Lebenslauf erwähnen?

Im Anschreiben auf Ihre Krankheit einzugehen, ist nicht zu empfehlen. Besser ist es, wenn Sie die Krankheit so unauffällig wie möglich im Lebenslauf erwähnen und eventuelle Fragen dann persönlich im Vorstellungsgespräch klären. Geben Sie außerdem – wie bei jeder anderen (beruflichen) Station in Ihrem tabellarischen Lebenslauf – unbedingt die exakten Daten an, sodass keine zeitlichen Lücken entstehen. Notlügen sind im Bewerbungsprozess nur in Sonderfällen erlaubt, welche Sie im Artikel „Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch – Haben Lügen wirklich kurze Beine?“ nachlesen können. Ansonsten gilt das Credo der absoluten Ehrlichkeit. Dennoch müssen Sie die Art der Krankheit nicht im Detail ausführen. Sie können die Auszeit stattdessen umschreiben, sollten sich dann im Bewerbungsgespräch aber auf neugierige Fragen gefasst machen. Sie haben also zwei Formulierungsmöglichkeiten:

  • „Krankheitsbedingte Auszeit und vollständige Genesung“
  • „Auszeit aus privaten Gründen“

Für welche Variante Sie sich entscheiden, hängt sowohl von Ihrem persönlichen Geschmack ab als auch von der Art der Erkrankung. Dass Sie vollständig genesen sind, sollten Sie natürlich nur dann schreiben, wenn dies auch der Wahrheit entspricht. Die Auszeit aus privaten Gründen lässt hingegen Raum für Spekulationen positiver wie negativer Art. Sie könnten einen Angehörigen gepflegt haben oder Sie waren im Gefängnis. Wenn Sie die privaten Gründe nicht erwähnen, gehen viele Personaler automatisch vom Worst-Case-Szenario aus. Wir empfehlen daher die erste Variante.

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Dürfen Sie die Krankheit auch einfach verschweigen?

Wenn sich aufgrund der Krankheit keine Lücke in Ihrem Lebenslauf ergibt, müssen Sie diese auch nicht erwähnen. Bei einer krankheitsbedingten Auszeit von über zwei Monaten jedoch, sollte die Lücke unbedingt geschlossen werden. Sie müssen die Krankheit außerdem immer dann erwähnen, wenn Sie Ihre Arbeit gegenwärtig oder in Zukunft beeinträchtigen könnte. Das gilt auch für chronische Krankheiten.

Sind psychische Erkrankungen ein K.O.-Kriterium?

So weit, so gut. Besonders kniffelig wird die Situation allerdings, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Jeder vierte Arbeitnehmer wird in Deutschland vor dem Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Der Hauptgrund: Psychische Erkrankungen. Auf dem zweiten Platz befinden sich Rückenbeschwerden. Kein Wunder, dass der Arbeitgeber vor Bewerbern mit einer psychischen Erkrankung zurückschreckt. Die Ausfallzeiten sind unvorhersehbar, eine Psychotherapie langwierig und die medikamentöse Behandlung nur eingeschränkt möglich. Zudem bleibt eine vollständige Genesung oft aus. Das bedeutet: Gerät der Betroffene wieder in eine belastende Situation, tritt die psychische Krankheit erneut auf. Das muss nicht so sein, doch das Risiko ist für viele Arbeitgeber zu groß. Psychische Erkrankungen sind daher tatsächlich häufig ein K.O.-Kriterium. Sie sollten also niemals im Lebenslauf als solche erwähnt werden. Wählen Sie auch hier eine der beiden aufgeführten Varianten und klären Sie die Details lieber persönlich im Bewerbungsgespräch. Und selbst dann sollten Sie lieber zu wenig verraten als zu viel. Eine rechtlich saubere und durchaus legitime Antwort auf allzu bohrende Fragen wäre:

„Über die Details der Krankheit möchte ich nicht sprechen, aber ich kann Ihnen versichern, dass ich vollständig genesen bin!“

Sollten Sie es stattdessen mit einer Notlüge versuchen, wie einem Sabbatical oder einer Rehabilitation nach einem Unfall, müssen Sie im schlimmsten Fall mit einer fristlosen Kündigung rechnen, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Ein Risiko, das immer mehr Menschen zu tragen bereit sein, da sie sich ansonsten mit einer psychischen Erkrankung keine Chancen mehr auf die Stelle ausrechnen.

Tipps für das Vorstellungsgespräch

Merken Sie sich: Sie müssen niemals im Detail auf Ihre Krankheit eingehen. Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme:

Sie müssen Ihren Arbeitgeber nur über eine Krankheit informieren, wenn diese die Ausübung Ihrer Arbeit beeinträchtigt oder eine Ansteckungsgefahr besteht.

Trifft dies für Sie nicht zu, müssten Sie Ihre Krankheit eigentlich gar nicht erwähnen. Allerdings erfährt Ihr Gegenüber eventuell durch Ihren Lebenslauf davon, wenn Sie eine Lücke von mehr als zwei Monaten nicht anderweitig (ehrlich) schließen können. Das bedeutet nun aber nicht, dass Sie dem Personaler im Bewerbungsgespräch tiefergehende Informationen geben oder Ihr Herz ausschütten müssen. Sie sind durchaus berechtigt, Ihre Antworten kurz und vage zu halten. Sagen Sie, dass Sie nicht im Detail darüber sprechen möchten und bleiben Sie sachlich. Werden Sie nicht emotional. Stellen Sie stattdessen die Vorteile heraus, die die Krankheit für Sie mit sich brachte. Vorteile? Was soll denn an einer Krebserkrankung oder Depression vorteilhaft sein, fragen Sie sich? Dies ist eine gute Übung für Sie: Versuchen Sie, das Positive an der Situation zu erkennen:

  • Sie sind als Persönlichkeit gereift.
  • Sie fühlen sich emotional stabiler und stärker als je zuvor.
  • Sie wissen nun, was Sie wirklich von Ihrem Leben und Ihrem Beruf wollen.
  • Sie sind sich über Ihre Ziele klar geworden.
  • Sie starten mit neuer Motivation und Energie.
  • Sie hatten endlich den Mut, Ihren vorherigen, krankmachenden Job zu kündigen.
  • u. v. m.

Fassen Sie sich so kurz wie möglich. Vielleicht haben Sie ja auch Glück und der Personaler fragt gar nicht weiter nach.

Die Krankheit im Lebenslauf ist und bleibt ein Problem

Schlussendlich ist und bleibt die Krankheit im Lebenslauf aber ein problematisches Thema und wird für den ein oder anderen Arbeitgeber ein Grund sein, Sie aus dem Bewerbungsprozess auszusortieren. Hier müssen Sie einfach für sich selbst die richtige Einstellung finden. Möchten Sie wirklich für einen Menschen arbeiten, der keinerlei Verständnis für Ihre Krankheit hat und lieber eine „Maschine“ einstellen würde?

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2 Kommentare

  1. Carsten Chowanietz

    Aha, dann sind also alle Arbeitgeber nie Krank gewesen oder können nie krank werden. Erstaunlicherweise sind eigentlich genau diese Personen Sozialer eingestellt als der Personaler. Der Personaler und auch ein Chef sollten niemals vergessen das sie selbst Mensch sind, und daher auch diese bestimmten Krankheiten bekommen können.

    Traurig ist das es mitlerweile soviele gibt die Ehrlichkeit im Gespräch haben wollen aber selbst nicht so ehrlich sind das sie nichts besseres sind. Diese Personaler und Chefs die ein solches Denken haben, sind wohl bei der Sozialintelligenz nicht anwesend gewesen als diese vergeben wurde.

    Ich kenne ein paar Firmenchefs und die erwähnen mir das selbe, das sind keine Chefs das sind Egoisten weswegen es so viele Menschen gibt die krank werden. Einer dieser bekannten leitet eine Klinik mit 450 Fachkräften.

  2. Brit Meyer

    Die Formulierung für den Lebenslauf war genau das, was mir für meine Bewerbung noch gefehlt hat. Die fühlt sich für mich sehr stimmig an und ich kann gut damit leben. Vielen Dank dafür.

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