Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit. Irgendwie scheint dieses Sprichwort nie aus der Mode zu kommen. Doch wusstest du, dass nicht nur ständiges Zuspätkommen im Job einen schlechten Eindruck hinterlassen kann, sondern auch andauerndes „Zufrühkommen“? Aber wieso?

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Zuspätkommen kann zum Kündigungsgrund werden

Es gibt Menschen, die sind scheinbar immer zu spät. Egal, ob sie zum Essen verabredet sind, einen Bus erreichen müssen oder am Morgen ein Meeting haben: Das Einzige, worauf du dich bei diesen Zuspätkommern verlassen kannst, ist ihre Unpünktlichkeit. Und nein, es handelt sich dabei nicht nur um Frauen, weil diese zu lange vor dem Spiegel standen. Stattdessen meint der Zeitforscher Dr. Marc Wittman jetzt herausgefunden zu haben, dass Unpünktlichkeit in den Genen verankert ist. Nähere Informationen hierzu findest du im Artikel:

Lese-Tipp:Sorry, I’m late – again! 5 Tipps für mehr Pünktlichkeit

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Genetisch oder nicht: Im Berufsleben wird diese Ausrede wohl kaum Bestand haben. Chronische Unpünktlichkeit kann schlimmstenfalls sogar zu einer Abmahnung bis hin zur Kündigung führen. Wenn du also „zur Sicherheit“ ab sofort immer schon 15, 20 oder 30 Minuten vor Arbeitsbeginn am Schreibtisch sitzen, drohen Ihnen solche rechtlichen Konsequenzen nicht. Dennoch kannst du dadurch indirekt deiner Karriere schaden. Wir wären nicht in Deutschland, wenn nicht einmal die Sache mit dem einen Haken hätte. Schließlich machen wir es uns hierzulande gerne und häufig unnötig kompliziert.

Warum Pünktlichkeit nicht deine „Nummer sicher“ ist

Zu spät darf ich nicht kommen, zu früh aber auch nicht, regst du dich jetzt auf? Natürlich ist es unmöglich, dass du stets auf die Minute genau am Arbeitsplatz, bei einem Meeting oder sonstigen Termin auftauchst. Also keine Sorge: Fünf Minuten vor der Zeit sind völlig in Ordnung. Auch zehn Minuten zu früh zu sein, wird dir niemand übelnehmen. Doch wer 15 Minuten oder mehr „überpünktlich“ ist, kassiert dafür vielleicht miese Stimmung unter Kollegen, Gesprächspartnern & Co. Aber wieso? Wir haben neun Gründe für dich zusammengetragen, weshalb Überpünktlichkeit deiner Karriere fast so sehr schadet wie Unpünktlichkeit:

Grund #1: Du verbreitest Stress

Nehmen wir einmal an, Du wurdest zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dass Unpünktlichkeit ein echter Fauxpas ist, brauchen wir dir sicherlich nicht erzählen. Doch versetze dich einmal in die Lage des Personalers: Der Bewerber sitzt bereits 20 Minuten vor dem Termin in der Lobby und wartet. Wie würdest du dich fühlen? Richtig: gestresst!

„Gewisse Leute sind äußerst vielseitig.
Sie verstehen es vorzüglich, uns das Zusammenleben mit ihnen
auf vielerlei Art und Weise schwer zu machen.
(Ernst Ferstl)

Erst einmal würdest du einen verstohlenen Blick auf die Uhr werfen, um zu prüfen, ob du eventuell die Zeit vergessen hast. Anschließend suchst du so schnell wie möglich alle Unterlagen zusammen, welche du eigentlich noch einmal vor dem Gespräch in Ruhe studieren wolltest. So oder so ähnlich wird es nicht nur dem Personaler gehen, wenn du viel zu früh zum Bewerbungsgespräch erscheinst, sondern auch all deinen Kollegen, Vorgesetzten, Geschäftspartnern oder Kunden bei Terminen jeder Art. Durch deine Überpünktlichkeit verbreitest du also unwillkürlich Stress und setzt deine Gesprächspartner unnötig unter Druck.

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Grund #2: Du wirkst überkorrekt

Es gibt Menschen, die wirken immer irgendwie steif, überkorrekt und als hätten sie einen Stock im Allerwertesten. Möchtest du ein solcher Mensch sein? Wer stets überpünktlich erscheint, hinterlässt nämlich genau solch einen unsympathischen Eindruck.

Lese-Tipp:Der erste Eindruck zählt: Mit diesen 6 Verhaltensweisen begeistern Sie Personaler, den Chef oder die neuen Kollegen

Menschen machen schließlich Fehler und dazu gehört auch hin und wieder ein wenig Unpünktlichkeit. Fehlbarkeiten machen sympathisch, weil wir uns mit ihnen identifizieren können und sie uns den Druck zur Perfektion von den Schultern nehmen. Wenn du allerdings Tag für Tag als Erster am Schreibtisch sitzt, wirkt das eher wie ein Roboter als menschlich.

Grund #3: Du riskierst einen schlechten Ruf

Am besten bist du dann auch noch so sehr in deine Arbeit vertieft, dass du nicht einmal ein Lächeln über die Lippen bringst, wenn deine Kolleginnen und Kollegen das Büro betreten. Oder noch besser: Du wirfst einen mahnenden Blick auf die Uhr und gibst genervte Geräusche von dir. Würde ein solches Verhalten auf dich nicht auch überheblich wirken? Selbst, wenn du es nicht dermaßen übertreibst, sondern „nur“ viel zu pünktlich bist, kann das deinen Ruf im Team nachhaltig beschädigen. Erste Lästereien werden nicht lange auf sich warten lassen.

Lese-Tipp:Lästereien am Arbeitsplatz: So gehen Sie damit um

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Du wirkst karrieregeil, egoistisch und wie ein Schleimer, der alles tun würde für eine Beförderung und um beim Chef einen Stein im Brett zu haben. Im schlimmsten Fall wirst du sogar Opfer gezielten Mobbings. Eine interne Versetzung oder ein Jobwechsel können dann die einzige Möglichkeit zur Auflösung der Situation werden. Förderlich für deine Karriere war deine Überpünktlichkeit in dem Fall nicht – für deine Gesundheit, deine Zufriedenheit am Arbeitsplatz sowie dein Image ebenso wenig.

Lese-Tipp:Experten verraten: Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?

Grund #4: Du ziehst den Fokus auf dich

Klar, dass deine Kolleginnen und Kollegen nur darauf warten, dass der immer steife, überkorrekte, karrieregeile, schleimige Roboter irgendwann auch einmal einen Fehler macht. Du ziehst also unwillkürlich den Fokus auf dich und musst mit entsprechendem Spott und gehässigen Kommentaren rechnen, wenn du doch einmal unpünktlich erscheinst – was sich auf Dauer wohl nicht vermeiden lässt. Die Chancen, dass dein Fehler dann unnötig aufgebauscht und an den Chef herangetragen wird, sind deutlich höher als bei einem Mitarbeiter, der ansonsten nicht durch ständige Überpünktlichkeit zu glänzen versucht. Du setzt dich also ein Stück weit selbst unnötig unter Druck zur Perfektion.

Lese-Tipp:Perfektionismus ablegen – So lebt’s sich leichter

Grund #5: Du verärgerst dein Team

Dein Verhalten ist also weder für die Atmosphäre im Team noch für dich selbst von Vorteil. Hinzu kommt, dass deine Teamkolleginnen und Teamkollegen eventuell das dumpfe Gefühl erhalten, du möchtest diese ausstechen und auf der Karriereleiter überholen. Sie könnten sich von dir herabgesetzt fühlen und dich als unsozial abstempeln. Wieso? Weil du dich offensichtlich für „etwas Besseres“ hältst und deine eigene Karriere über den Teamgedanken stellst.

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Doch es gibt noch eine zweite Interpretationsmöglichkeit, welche sich ebenfalls nachteilig auf das gesamte Team auswirkt: Menschen neigen dazu, „Schwächere“ auszunutzen. Eventuell gehen deine Teamkolleginnen und Teamkollegen davon aus, dass du eine Menge Zeit hast, wenn du ja ohnehin viel zu früh am Arbeitsplatz bist. Also laden sie dir zusätzliche Arbeit auf oder bitten um Mithilfe bei ihren eigenen Projekten. Wenn du nicht rechtzeitig lernst, deine Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen, wirst du schnell ausgenutzt.

Grund #6: Du untergräbst dein eigenes Selbstbewusstsein

So ironisch es klingt: Fehler erfordern ein Mindestmaß an Mut. Nur Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein können zu Fehlern wie Unpünktlichkeit stehen und sich dafür entschuldigen – ohne gleich Angst um ihren Arbeitsplatz zu entwickeln.

„Der höhere Mensch hat Seelenruhe und Gelassenheit,
der gewöhnliche ist stets voller Unruhe und Aufregung.“
(Konfuzius)

Wenn du also über ausreichend Selbstbewusstsein verfügst, dich selbst sowie deinen Fähigkeiten vertraust und um deinen Wert für das Unternehmen weißt, stellt auch eine Verspätung hin und wieder keinen Weltuntergang dar – weder für dich persönlich noch für deinen Arbeitgeber. Andersherum bedeutet das: Dass du um jeden Preis einen Fehler wie eine Verspätung zu verhindern versuchst, in diesem Fall durch eine übertriebene Pünktlichkeit, zeugt von wenig Selbstbewusstsein und strahlt auch genau dies aus. Und dass Arbeitnehmer mit geringem Selbstvertrauen nicht unbedingt ganz oben auf der Beförderungsliste stehen, ist kein Geheimnis.

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Grund #7: Du wirkst unwichtig

Kennst du den Spruch: Wer etwas auf sich hält, der macht sich rar? Du magst ihn für dämlich halten, doch er hat seinen wahren Kern. Wer zu früh kommt und länger bleibt, also immer verfügbar ist, wird schnell übersehen und für unwichtig gehalten. Wärst du wirklich wichtig, wärst du schließlich stets gestresst, auf Geschäftsreise, Kundenterminen oder beim Chef im Büro, richtig? Sitzt du hingegen schon am Morgen 20 Minuten vor der Zeit an deinem Schreibtisch, lautet die logische Schlussfolgerung, du hättest nichts Besseres zu tun. Wenn du uns immer noch nicht glaubst, beobachte einmal aufmerksam, wer dir im Büro am „wichtigsten“ erscheint. Wir sind uns sicher, es wird sich um eine Person handeln, die sich – bewusst oder unbewusst – rarmacht.

Grund #8: Du schneidest dich ins eigene Fleisch

Wenn dich der vorherige Grund #7 nicht überzeugt hat, so haben wir einen weiteren parat: Überpünktlichkeit ist schlichtweg Zeitverschwendung. Vorausgesetzt, diese Arbeitszeit wird dir nicht als Überstunden angerechnet, verschenkst du jeden Tag wertvolle Minuten, welche du anderweitig sinnvoller nutzen könntest. Nehmen wir einmal an, du bist tatsächlich jeden Morgen 20 Minuten zu früh im Büro. So habst du allein in einem Monat über sechs Stunden „verschwendet“. Der Leidtragende bist am Ende also du ganz alleine.

Grund #9: Du wirst nicht wertgeschätzt

Solltest du im Gegenzug auf Wertschätzung hoffen, zum Beispiel eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung oder einfach ein Lob durch den Vorgesetzten, ist die Enttäuschung in der Regel vorprogrammiert.

Lese-Tipp:Loben Sie noch oder wertschätzen Sie schon? Wirkungsvolle Führung durch Wertschätzung

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Vorausgesetzt, dein Chef ist nicht selbst jeden Tag 20 Minuten zu früh am Schreibtisch, wird er deine Überpünktlichkeit mit großer Wahrscheinlichkeit übersehen.

Fazit: Überpünktlichkeit lohnt sich nicht!

Schlussendlich ist Überpünktlichkeit also nicht unbedingt karriereförderlich. Sie kann stattdessen beinahe ebenso schädlich werden wie Unpünktlichkeit. Doch noch viel wichtiger ist, dass du dich durch eine übertriebene Angst vor dem Zuspätkommen ins eigene Fleisch schneidest. Eine „Belohnung“ kannst du dafür nicht erwarten. Du machst dich viel eher selbst zum Außenseiter und dadurch das (Berufs-) Leben schwer. Solltest du das nächste Mal mehr als zehn Minuten zu früh am Arbeitsplatz sein, nutze die Zeit doch lieber für einen Spaziergang oder, um deine WhatsApp-Nachrichten zu beantworten und dadurch Freundschaften zu pflegen. Bist du hingegen jeden Morgen zu früh, weil zum Beispiel die öffentlichen Verkehrsmittel eine ungünstige Verbindung haben, sollten deine Kollegen sowie dein Chef das wissen. Dann lassen sich Fehlinterpretationen und Missverständnisse präventiv vermeiden.

Lese-Tipp:Sorry fürs Zuspätkommen: Das Königreich der Ausreden

Alles in allem ist Überpünktlichkeit am Ende immer noch die bessere Alternative als Unpünktlichkeit. Da kann Ihre Ausrede noch so gut sein…

Was denkst du? Hast du selbst bereits negative Erfahrungen mit übertriebener Pünktlichkeit gemacht? Oder ist das Thema für dich „halb so wild“? Kennst du weitere Gründe, die gegen Überpünktlichkeit im Berufsleben sprechen? Diskutiere mit uns in den Kommentaren!

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Bildnachweis: hvostik/Shutterstock.com

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