Im Bewerbungsgespräch gehört die Frage nach der persönlichen Motivation häufig zum Standard – aber wie antwortest du? Kommunikationscoach Joel Schwartzberg gibt Bewerbern Strategien an die Hand, um rhetorisch und persönlich im Jobinterview zu überzeugen.

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Die Frage nach der persönlichen Motivation und Eignung stellt Bewerber vor ein Problem

„Warum möchten Sie hier arbeiten?“

Ohne Zweifel gehört diese Frage zu den Jobinterviewfragen, die sich regelmäßig als Herausforderung entpuppt.

Aber: Warum ist das so?

Es handelt sich um eine sogenannte „offene Frage“. Im Gegensatz zu einer „geschlossenen Frage“, die du lediglich bejahen oder verneinen kannst – etwa die Frage danach, ob du einen Führerschein besitzt – , lassen offene Fragen Raum für größere Antwortmöglichkeiten und so auch mehr Raum für Zweideutigkeit und Fehlinterpretationen.

Während einige Bewerber mit einer eingeübten Antwort daherkommen, holen andere weit aus, geraten ins Stottern oder schweigen zunächst grüblerisch. Denn die Frage nach der persönlichen Motivation ist kompliziert: Sollst du erzählen, was du am Unternehmen bewunderst und warum es zu dir passt? Oder offenkundig kommunizieren, dass es dir ums Geld geht?

Wie auch immer die Antwortoptionen aussehen – sie bringen uns oft in eine verzwickte Lage, da sie missverständlich interpretiert werden könnten. Eine gute Vorbereitung hilft dir dabei, einige Anhaltspunkte für den Ernstfall parat zu haben.

Diese 3 Antwortstrategien helfen dir, gekonnt auf die Frage zu reagieren

Leere Phrasen oder eingeübte Standardtexte sind out, wenn es um die Frage geht, weshalb du für einen bestimmten Arbeitgeber tätig werden möchtest. Präsentationscoach, Autor und Kommunikationsexperte Joel Schwartzberg empfiehlt drei Ansätze, die sich allesamt für die heikle Frage nach dem Warum eignen. Wir fassen die Ideen im Folgenden zusammen.

Strategie 1: Kommuniziere deine persönliche Leidenschaft für den betreffenden Job oder die Dienstleistung

Du kannst dich mit der Mission des Unternehmens persönlich identifizieren? Dann ist die erste Strategie passend für dich. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es sich um eine gemeinnützige Organisation handelt oder du dich für ein Unternehmen bewirbst, welches eng mit anderen Menschen zusammenarbeitet – etwa im sozialen Bereich oder in der Dienstleistung.

Kommuniziere, welche Verbindung du zu deinem eigenen Leben herstellst und wie du deine Leidenschaft mit der Mission des Unternehmens in Verbindung bringst. Wichtig: Betone nicht nur, dass du eine bestimmte Leidenschaft oder Überzeugung hegst. Sondern vor allem, warum du es tust.

Beispielantworten zur Orientierung:

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„XY ist mir nicht nur im beruflichen Leben wichtig. Auch privat bin ich fest davon überzeugt, dass …“

„In den letzten Jahren hat der Grundwert XY eine wichtige Rolle für mich gespielt, weil (…). Da auch Ihre Organisation diesen Wert verfolgt und ich mich damit identifiziere, möchte ich für Ihr Unternehmen tätig werden.“

Strategie 2: Beschreibe, welche Erfahrung und Kompetenz dich für gerade diesen Job auszeichnet

Erfahrung und Kompetenz sind wichtig, um Vertrauen aufzubauen. Wenn dein zukünftiger Arbeitgeber weiß, dass du dir deiner Fähigkeiten und Berufserfahrung bewusst und sicher bist, kannst du punkten – besonders dann, wenn du auf dieser Basis wachsen möchtest.

Das Wichtigste: Überzeuge mit dieser Strategie, indem du kommunizierst, wie dich deine bisherige Erfahrung auf die neue Position vorbereitet hat. Stelle konkrete Bezüge her.

Antworte also mit einer Strategie, die Vertrauen in deine bisherige Erfahrung weckt und zeigt, dass du dich auch für die Zukunft des Unternehmens und für dich nach Wachstum sehnst. Dies gilt besonders, wenn du dich zum Beispiel für eine leitende Position bewirbst.

Beispielantworten zur Orientierung:

„Nachdem ich mir ein besseres Bild von der Position machen konnte, bin ich davon überzeugt, Ihnen zum Beispiel in Sachen XY helfen zu können. Meine Erfahrung zeigt, dass sich hier ein neuer /kreativer Ansatz lohnen könnte.“

„Ich bin in meinen bisherigen Jobs und Positionen, besonders im Unternehmen XY, schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass es XY braucht, um Kunden zu gewinnen / Verbraucher davon zu überzeugen, dass (…). Deshalb kann ich mir gut vorstellen, hier mit Ihrem Team anzuknüpfen.“

Strategie 3: Erzähle, weshalb du deine Arbeit mit Freude verbindest

Was hat dir schon immer Freude bereitet? Bei der dritten Strategie geht es nicht nur um gemeinsame Grundwerte, wie es bei der ersten Strategie der Fall ist. Sondern vor allem um „Genuss“ an einer Sache bzw. an Verantwortlichkeit.

Ja, richtig gelesen – denn der Mensch ist aus psychologischer Sicht am ehesten zufrieden, wenn dieser sich gebraucht fühlt und seine Aufgabe gerne erledigt. Erkläre im Jobinterview deshalb, warum du es genießen würdest, die Verantwortung für eine bestimmte Position und Funktion zu übernehmen.

Tipp: Ob für eine Stelle, die Datenanalyse, das Verfassen von Berichten oder eine Dozententätigkeit umfasst – nutze praktische Beispiele aus deiner Vergangenheit, um deine Antwort zu formulieren und stelle schließlich einen Bezug zu deiner potenziell neuen Arbeit her.

Beispielantwort zur Orientierung:

„Zahlen und Daten begleiten mich seit XY, weshalb es mir bis heute Spaß macht, sie zu einer Geschichte zu verarbeiten.“

„Mir bereitet es eine große Freude, Aufgaben im Bereich XY durchzuführen. Bereits zu Studienzeiten / während der Ausbildung / im letzten Job habe ich Freude daran entwickelt, (….). Ich kann mir gut vorstellen, diese Leidenschaft hier einzubringen.“


Was ist außerdem wichtig bei der Frage nach der persönlichen Eignung oder Motivation?

Die Frage nach dem Warum ist für deinen potenziellen Arbeitgeber von zentraler Bedeutung.

Merke dir: Es zeugt von guter Vorbereitung, wenn du dich mit den Produkten, der Dienstleistung und der Unternehmensphilosophie vertraut machst. Für Jobinterviewer geht es oft aber nicht darum, dass Bewerber das Unternehmen in den Himmel loben, um von sich zu überzeugen. Denn Personalverantwortlichen und Führungskräften, die beim Bewerbungsgespräch dabei sind, sind die Attribute der eigenen Firma bereits klar.

Das bedeutet: Dein Gegenüber möchte eher wissen, was dich persönlich antreibt, um zu erfahren, wie kompatibel ihr seid. Zum inneren Antrieb gehören zum Beispiel die eigenen Wertvorstellungen und persönliche Überzeugungen – denn diese motivieren uns langfristig.

Zum Vergleich: Wer lediglich des Geldes oder des Images wegen motiviert ist, für ein Unternehmen zu arbeiten, muss damit rechnen, dass der innere Antrieb etwas geringer ausgeprägt ist – ein Grund weniger für das Unternehmen, sich für entsprechende Jobkandidaten zu entscheiden.

No-Gos: Diese Strategien eignen sich weniger

Unabhängig davon, für welche Antwortstrategie du dich entscheidest – stelle sicher, dass du authentisch bleibst. Alles, was nicht wirklich deinen Werten, deiner Überzeug oder deiner tatsächlichen Erfahrung entspricht, eignet sich deshalb weniger als Antwort. Denn früher oder später wird sich herausstellen, ob du „geflunkert“ hast – und dann heißt es: vertuschen, kreativ werden oder über die Flunkerei aufklären.

Übrigens: Manchmal führt die Frage nach der persönlichen Motivation auch zu Grenzüberschreitungen während des Jobinterviews. Kommt es zu spezifischen Nachfragen, dürfen Bewerber in einigen Fällen zu einer „Notlüge“ greifen oder schweigen. Dies gilt bei unzulässigen Fragen, etwa wenn Personaler nach religiösen Werten, einer Schwangerschaft oder der politischen Überzeugung fragen.

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Bildnachweis: skynesher/istockphoto.com