7 Führungsfehler – So vergraulen Chefs ihre besten Mitarbeiter

1

In meinem Artikel „Fachkräfte: Wie Führungskräfte die Fluktuationsrate senken“ haben Sie bereits erfahren, dass in Deutschland derzeit – wenn auch langsam – ein Umdenken stattfindet. Noch ist den deutschen Arbeitnehmern Sicherheit im Job zwar wichtiger als eine große Karriere, doch schon bald werden guten Fachkräften dank akutem Mangel zahlreiche attraktive Jobangebote offenstehen. Wer mit seiner Stelle unzufrieden ist, fasst immer häufiger den Mut zur Kündigung. Ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit und Motivation im Job ist dabei die Führung im Unternehmen. Wir zeigen Ihnen heute, wie gute Führung geht und vor allem: wie nicht.

Inhalt
1. Was bedeutet eigentlich „gute Führung“?
2. Die 7 gravierendsten Fehler der Mitarbeiterführung
3. Führungsfehler Nr. 1: Geben Sie kein Feedback
4. Führungsfehler Nr. 2: Gehen Sie Konflikten aus dem Weg
5. Führungsfehler Nr. 3: Bewerten Sie die Work-Life-Balance nicht über
6. Führungsfehler Nr. 4: Selbstständigkeit ist ein Tabu für Ihre Mitarbeiter
7. Führungsfehler Nr. 5: Ihre Zeit ist knapp
8. Führungsfehler Nr. 6: Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus
9. Führungsfehler Nr. 7: Arbeitnehmer sind keine Menschen
10. Fazit: Das macht eine gute Führungskraft aus

Was bedeutet eigentlich „gute Führung“?

Wie im Artikel zur Fluktuationsrate bereits herausgestellt wurde, heißt gute Führung vor allem mitarbeiterorientiert zu handeln. Die Kultur des Unternehmens, die Regeln, Werte, Ziele und Überzeugungen sollten offen vermittelt und gemeinsam gelebt werden, und zwar vom Praktikanten bis zum CEO. Eine gute Führungskraft handelt daher berechenbar und gerecht. Ihre Ziele sind uneigennützig, fair und dienen der aktiven Förderung Ihrer Mitarbeiter. Doch gute Mitarbeiter und hochqualifizierte Fachkräfte sind mittlerweile Mangelware. Wer sie als Chef im Unternehmen halten möchte, muss deshalb folgende sieben Fehler unbedingt vermeiden. Ansonsten bringt auch die aktive Förderung Ihrer Mitarbeiter auf lange Sicht nicht den gewünschten Erfolg und Ihre Fachkräfte werden sich früher oder später von Ihrem Unternehmen verabschieden.

Die 7 gravierendsten Fehler der Mitarbeiterführung

Führungsfehler Nr. 1: Geben Sie kein Feedback

Falsch-SymbolAls Führungskraft sind Sie schwer beschäftigt und haben keine Zeit, jedem einzelnen Mitarbeiter Ihres Teams regelmäßig Feedback zu geben. Gemäß dem Motto „Nicht getadelt ist gelobt genug“ konzentrieren Sie sich deshalb lieber darauf, den Mitarbeitern bei Fehlern oder nachlassender Motivation ein wenig Dampf unter dem Hintern zu machen. Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Als Führungskraft liegt Ihre Hauptaufgabe in der guten Führung Ihres Teams und dazu gehört nun auch einmal regelmäßiges Feedback. Dieses hat außerdem jederzeit konstruktiv zu sein. Natürlich dürfen Sie Kritik üben, wenn Ihnen der Mitarbeiter dazu Anlass gegeben hat, doch bleiben Sie dabei fair und sachlich. Und zu jedem Kritikpunkt gibt es bestimmt auch mindestens einen Punkt, den Sie loben könnten. Also tun Sie das auch! Nur durch Wertschätzung werden sich Ihre Mitarbeiter langfristig im Unternehmen halten lassen.

Führungsfehler Nr. 2: Gehen Sie Konflikten aus dem Weg

Falsch-SymbolWenn Sie Ihre guten Mitarbeiter und Fachkräfte möglichst schnell wieder loswerden möchten, gehen Sie einfach jedweden Konflikten aus dem Weg. Ihr Angestellten sind schließlich alt genug, um Unstimmigkeiten im Team selbständig zu lösen. Und wenn nicht, wird der Störenfried früher oder später schon rausgemobbt und Ihr Problem erledigt sich von selbst. So einfach geht Führung! Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: In jedem Team gibt es Konflikte, denn diese lassen sich in sozialen Gruppierungen schlichtweg nicht vermeiden. Auch wenn Ihnen die Gründe augenscheinlich sinnlos oder kindisch erscheinen: Nehmen Sie Konflikte im Team ernst. Häufig steckt hinter einem scheinbar oberflächlichen Streit ein viel tiefergehender Grund. Und ist der Konflikt erst einmal eskaliert, wird es immer schwieriger wieder eine gute Arbeitsatmosphäre herzustellen. Im schlimmsten Fall leiden ein oder mehrere Mitarbeiter so sehr unter der Situation, dass sie intern versetzt werden müssen, mit Depressionen oder Burnout krankgeschrieben werden oder schlichtweg kündigen. Und genau das wollen Sie ja schließlich vermeiden. Bei Konflikten gilt deshalb:

  • Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, sich bei Problemen an Sie zu wenden.
  • Haben Sie ein offenes Ohr für alle Beteiligten, ihre Meinungen und Ansichten.
  • Bleiben Sie objektiv.
  • Handeln Sie so frühzeitig wie möglich.
  • Holen Sie notfalls einen Mediator zur Schlichtung hinzu.

Führungsfehler Nr. 3: Bewerten Sie die Work-Life-Balance nicht über

Work-Life-BalanceFalsch-Symbol? Das wird total überbewertet. Ein guter Mitarbeiter ist stets zur Stelle, schuftet Überstunden und notfalls auch am Wochenende. Wer nicht jeden Tag mindestens eine Stunde länger bleibt, wird im Feedbackgespräch dafür getadelt. Befördert werden eh nur die Angestellten mit wirklicher Motivation und 200 Überstunden. Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Die Zeiten, in welchen die Mitarbeiter um ihre Jobs fürchteten und ihr gesamtes Privatleben aus der Angst des Jobverlustes heraus geopfert haben, sind vorbei. Alle aktuellen Studien belegen: Die Work-Life-Balance wird immer wichtiger. Überstunden sind in Ordnung, wenn sie eine Ausnahme sind. Ansonsten werden der Krankheitsstand und die Fluktuationsrate in Ihrer Abteilung beziehungsweise in Ihrem Unternehmen stetig ansteigen.

Dass das als „Modekrankheit“ verschriene Burnout-Syndrom in den letzten Jahren so rasant zugenommen hat, kommt schließlich nicht von ungefähr. Chronischer Dauerstress, die zunehmende Komplexität der Aufgabenfelder, unausgewogene Work-Life-Balance: Dies sind nur einige der Ursachen für die Erkrankung. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter, die unter Dauerstress arbeiten, zahllose Überstunden anhäufen und zu wenig schlafen, schlichtweg weniger effizient und qualitativ schlechter arbeiten. Klar, wir sind schließlich keine Maschinen. Wenn Sie wirklich gute Mitarbeiter haben und halten möchten, müssen Sie dafür sorgen, dass sie glücklich sind. Und dazu gehört nun einmal die ausgewogene Work-Life-Balance. Führen Sie flexible Arbeitszeitmodelle oder Home-Office-Zeiten ein. Behandeln Sie zudem alle Mitarbeiter im Team als gleichwertig. Wenn Sie Überstunden einfordern, dann von allen Beteiligten. Hin und wieder ist das durchaus erlaubt, stärkt sogar den Teamgeist und Zusammenhalt.

Führungsfehler Nr. 4: Selbstständigkeit ist ein Tabu für Ihre Mitarbeiter

Falsch-SymbolSie sind der Chef also behalten Sie auch die Kontrolle. Als Führungskraft müssen Sie stets alles im Blick haben. Schließlich tragen Sie ja auch die Verantwortung, wenn einer Ihrer Mitarbeiter einen Fehler macht, der das Unternehmen hinterher vielleicht viel Geld oder einen großen Auftrag kostet. Also betreiben Sie effektives Mikro-Management, kontrollieren Sie alle Arbeitsschritte Ihrer Mitarbeiter und überprüfen Sie jedes Ergebnis einer delegierten Aufgabe haargenau. Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Mit dem Mikro-Management erreichen Sie prinzipiell nur,

  • dass Ihre Mitarbeiter das Gefühl haben, Sie trauen ihnen nichts zu.
  • dass Ihre Angestellten früher oder später absolut demotiviert sind.
  • dass Sie selbst keine Zeit mehr für Ihre eigene Arbeit haben.
  • dass Ihre Mitarbeiter eine anspruchsvollere Stelle suchen werden.

Ein Unternehmen hat seine Arbeitnehmer ja schließlich aus dem Grund angestellt, dass es durch das Modell der Arbeitsteilung effizienter, schneller und besser arbeiten und dadurch bessere Ergebnisse liefern kann. Jeder Angestellte ist daher in seinem Arbeitsgebiet zu einer Fachkraft geschult, entweder durch eine Ausbildung, ein Studium oder die langjährige Berufserfahrung. Zudem sehnt sich jeder Mensch nach Freiraum und Selbstverantwortung. Geben Sie Ihren Mitarbeitern diesen Freiraum und diese werden motivierter arbeiten, bessere Ergebnisse liefern und zufriedener sein. Dies zieht eine Senkung der Fluktuationsrate nach sich. Als Führungskraft sollten Sie nämlich vor allem eines können: auf die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter vertrauen. Lernen Sie deshalb zu delegieren anstatt zu kontrollieren.

Führungsfehler Nr. 5: Ihre Zeit ist knapp

Falsch-SymbolWeil Sie so sehr mit Ihrem Mikro-Management beschäftigt sind, haben Sie nicht auch noch die Zeit, um sich die Sorgen und Nöte Ihrer Mitarbeiter anzuhören. Sie sind ja schließlich nicht ihr Therapeut und auch keine Berufsberatungsstelle. Für solche Belange gibt es andere Instanzen im Unternehmen. Den Betriebsrat zum Beispiel. Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Als Führungskraft liegt Ihre Hauptaufgabe – ich möchte es noch einmal betonen – in der erfolgreichen Führung Ihrer Angestellten. Nachdem Sie sich ja nun hoffentlich vom Mikro-Management verabschiedet haben, bleibt Ihnen daher wieder Zeit für Ihre eigentliche Grundaufgabe: Stehen Sie für die Belange Ihrer Mitarbeiter zur Verfügung, egal ob für Fragen, Konflikte oder Ideen. Dadurch werden in Zukunft weniger Fehler passieren, die ansonsten viel Zeit für die Korrektur benötigen. Zudem werden Ihre Angestellten schlichtweg zufriedener sein, weil ihnen zugehört wird und sie sich ernst genommen fühlen. Am besten setzen Sie feste Zeiten, zu welchen Sie jeden Tag für Ihre Mitarbeiter zur Verfügung stehen und kommunizieren diese entsprechend. Eine Möglichkeit ist das einfache aber wirksame „Tür-auf-Tür-zu“-Prinzip.

Führungsfehler Nr. 6: Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus

Falsch-SymbolAlso gut, dann hören Sie Ihren Mitarbeitern eben zu und machen ihnen einige Zugeständnisse, damit sie anschließend zufrieden sind und wieder weiterarbeiten. Früher oder später werden sie Ihre Versprechungen schon vergessen haben. Falsch!

 

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Dies ist wohl einer der effektivsten Wege, Ihre guten Fachkräfte möglichst schnell zu vergraulen. Denn es reicht nicht nur, sich Zeit für die Mitarbeiter zu nehmen und diesen zuzuhören, sie müssen aus den Gesprächen auch Konsequenzen ziehen. Wenn Sie Versprechungen machen, so halten Sie diese auch ein. Sei es schlichtweg ein Termin oder sogar die Gehaltserhöhung. Fühlen sich die Mitarbeiter von Ihnen enttäuscht, belogen oder sogar bewusst getäuscht, ist das Vertrauen verloren und die Kündigung oder interne Bewerbung wird nicht lange auf sich warten lassen.

Führungsfehler Nr. 7: Arbeitnehmer sind keine Menschen

Falsch-SymbolSie klingt lächerlich und ist eine doch leider so häufig praktizierte Einstellung in den deutschen Unternehmen: Bei der Arbeit ist kein Platz für Menschlichkeit, Emotionen, Wünsche oder auch Schwächen. Ein Arbeitnehmer hat professionell zu sein und seine ihm zugeteilten Aufgaben anstandslos zu erledigen. Seine Träume und Wünsche kann er in seiner Freizeit ausleben. Falsch!

Häkchen-Symbol RichtigRichtig: Gerade, wenn Sie Ihre Mitarbeiter als Menschen sehen, sich für ihre Träume, Wünsche und Ziele interessieren und dabei sogar noch aktiv unterstützen, werden Sie kein Problem mit einer hohen Fluktuationsrate haben. Helfen Sie Ihren Angestellten dabei, sich selbst zu verwirklichen, befördern Sie sie auf entsprechend passende Stellen, ermöglichen Sie Weiterbildungen, entwickeln Sie gemeinsam ein Konzept, wie die berufliche Zukunft des Mitarbeiters aussehen könnte. Haben Sie zudem Verständnis für persönliche oder private Krisen und dafür, dass wir eben doch alle nur menschlich sind. Dort, wo sich Mitarbeiter entfalten können, sich ernst genommen, unterstützt und einfach wohl fühlen, werden sie nicht zur Konkurrenz wechseln. Wieso auch?

Fazit: Das macht eine gute Führungskraft aus

Eine bei Statista veröffentlichte Umfrage macht noch einmal deutlich: Ein guter Chef fördert seine Mitarbeiter aktiv, trifft klare Entscheidungen und hat ein offenes Ohr für seine Angestellten. Nehmen Sie sich die Tipps zu Herzen und verhindern Sie so die Kündigung Ihrer Fachkräfte bevor es zu spät ist. Denn die Konkurrenz schläft ja bekanntlich nicht…

Statistik: Was macht einen guten Chef aus? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

1 Kommentar

  1. Alexandros Linos am

    Alles schön und gut. Aber warum ist die Fluktuationsrate in einigen Unternehmen trotz guter Vorgesetzter und marktgerechtem Gehalt weiterhin hoch? Hier sind immer öfter die zunehmende Bürokratisierung, die Behinderung effizienter Arbeit aufgrund von ineffizienten Unternehmensinterna jeglicher Art, sowie das unbedachte Aufsetzen zu hoher Wchstumsziele ebenfalls Gründe, um sich nach einem anderen Arbeitgeber umzuschauen. Es wird immer wieder und zu sehr auf die Führungskräfte geschaut. In den meisten privaten Unternehmen gibt es Kontrollmechanismen, um ineffiziente Vorgesetzte schnell auszuwechseln. Die eigentlichen Ursachen für das Unwohlsein der Belegschaft werden oft jedoch spät oder gar nicht angegangen.

Schreiben Sie einen Kommentar