Ein Bewerbungsgespräch ist stets ein aufregendes Unterfangen: Jedes Unternehmen ist anders, jedes Gespräch verläuft unterschiedlich und jeder Personaler stellt verschiedene Fragen – denken Sie zumindest. Auf den ersten Blick mag das durchaus stimmen. Auf den zweiten Blick möchte Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber aber in jedem Vorstellungsgespräch die Antworten auf genau drei Fragen erfahren. Wenn Sie sich perfekt auf diese vorbereiten, können Sie gewiss überzeugen und die Zusage auf Ihren Traumjob ist zum Greifen nah. Welche also sind sie, die drei essentiellen Fragen jedes Bewerbungsgesprächs – und was sollen Sie darauf antworten?

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Bewerber kann essentielle Fragen im Bewerbungsgespräch nicht zufriedenstellend beantworten
Bildnachweis: © Séa – Fotolia.com

Inhalt
1. Frage 1: Wer sind Sie?
2. Frage 2: Wieso möchten Sie bei diesem Unternehmen arbeiten?
3. Frage 3: Was macht Sie „besonders“?

Frage 1: Wer sind Sie?

Ein Vorstellungsgespräch dient natürlich in erster Linie dem Zweck, dass sich Arbeitgeber und Bewerber gegenseitig kennenlernen. Die Frage, welche jeden Personaler deshalb brennend interessiert, ist: „Wer sind Sie eigentlich“? Gestellt wird sie auch häufig in folgender oder ähnlicher Form:

  • Erzählen Sie uns etwas über sich!
  • Stellen Sie sich uns kurz vor!
  • Wie würden Sie sich selbst in drei Sätzen/mit drei Begriffen beschreiben?
  • Nennen Sie uns Ihre Stärken und Schwächen!

Spitzen Sie Ihre Ohren und achten Sie gezielt auf Ihr Stichwort, wann der Personaler direkt oder indirekt etwas über Sie als Person erfahren möchte. Von der konkreten Formulierung der Frage hängt natürlich auch Ihre exakte Antwort ab. Wie Sie beispielsweise auf den Klassiker mit den Stärken und Schwächen reagieren, erfahren Sie im Artikel

Lese-Tipp:Vorstellungsgespräch: Stärken und Schwächen nennen

Dennoch können und sollten Sie sich im Voraus grob auf die Frage „Wer sind Sie?“ vorbereiten, damit Sie diese aus dem Effeff beantworten können, selbstbewusst sowie ohne Zögern oder Stottern. Am besten nehmen Sie sich hierfür einen Stift sowie ein Blatt Papier und gehen wie folgt vor:

  • Listen Sie Ihre Stärken und Schwächen auf.
  • Bitten Sie Freunde, Familie und Bekannte, Sie in drei kurzen Sätzen oder Begriffen zu charakterisieren. Welche sind Ihre herausragendsten Eigenschaften?
  • Nehmen Sie die Stellenausschreibung (wenn vorhanden) herbei und fügen Sie die Begriffe aus dem Bereich „erwünschte Eigenschaften/Qualifikationen“ Ihrer Liste hinzu.
  • Prüfen Sie nun, welche Ihrer Stärken sich mit diesen Begriffen decken.
  • Streichen Sie anschließend alle Begriffe Ihrer Liste, welche für die Stelle entweder irrelevant oder sogar nachteilig sind.
  • Orientieren Sie sich gerne an Ihrem „Plädoyer“ im Bewerbungsanschreiben. Auch hier haben Sie die Frage „Wer sind Sie?“ nämlich in der Regel bereits beantwortet.
  • Ergänzen Sie also im Vorstellungsgespräch jene Informationen, welche der Personaler Ihren eingesendeten Unterlagen bereits entnehmen konnte.
  • Nennen Sie ihm vor allem für die Stelle relevante besondere Eigenschaften, die Sie als Persönlichkeit ausmachen.
  • Untermauern Sie all Ihre Behauptungen unbedingt durch glaubhafte Beweise.

Beispiel:

„Ich bin Max Mustermann, 32 Jahre alt, studierter Maschinenbauingenieur und ein echter Teamplayer – nicht nur in meiner Fußballmannschaft. In meiner vorherigen Anstellung wurden vor allem meine extrovertierte Art sowie strukturierte Arbeitsweise häufig gelobt. Da ich allerdings ein zielstrebiger Mensch bin und mich beruflich weiterentwickeln möchte, mir bei meinem früheren Arbeitgeber aber die Perspektiven fehlten, bin ich jetzt auf der Suche nach neuen Herausforderungen. An Ihrer Stellenausschreibung hat mich sofort begeistert, dass ich auch mit internationalen Kunden zu tun haben und auf Geschäftsreisen sein werde. Ich habe nämlich ein Faible für Fremdsprachen und beherrsche neben Englisch auch Spanisch und Italienisch, wie Sie meiner Bewerbung gewiss schon entnommen haben. Zudem reise ich für mein Leben gerne und war bereits auf vier verschiedenen Kontinenten. Mein Ziel ist es, irgendwann die Sieben voll zu machen.“

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Frage 2: Wieso möchten Sie bei diesem Unternehmen arbeiten?

Die zweite wichtige Frage, welche jeden Arbeitgeber brennend interessiert und die deshalb in garantiert allen Vorstellungsgespräch früher oder später fällt, ist:

  • Wieso möchten Sie gerade für uns arbeiten?
  • Was hat Sie zu Ihrer Bewerbung bewogen?
  • Weshalb haben Sie sich beworben?
  • Warum würden Sie lieber für uns arbeiten als für die Konkurrenz?
  • Wieso sehen Sie Ihre berufliche Zukunft in unserem Unternehmen?

So oder so ähnlich wird der Personaler Sie nach Ihren Motiven für die Einsendung der Bewerbungsunterlagen löchern. Natürlich ist ihm durchaus bewusst, dass Sie sich vermutlich auch bei anderen (Konkurrenz-) Unternehmen beworben haben. Dennoch möchte er natürlich sichergehen, dass diese Stelle Ihre erste Wahl wäre. Motivation ist schließlich das A und O und jeder geübte Personaler weiß, dass eine hohe Motivation ein Manko wie fehlende Berufserfahrungen oder Qualifikationen problemlos wettmachen kann – gemäß dem Motto „Wer will, der kann!“. Fehlt hingegen von Anfang an die Motivation beziehungsweise Identifikation mit der Arbeitsstelle und dem Unternehmen, werden sich die Loyalität, Produktivität, Lernbereitschaft & Co bei dem Bewerber ebenfalls in Grenzen halten. Für Sie ist es wichtig zu verstehen, worauf der Personaler mit einer solchen Frage hinausmöchte. Nun wissen Sie nämlich auch, was Sie antworten sollten:

  • Werden Sie sich darüber klar, wieso Sie bei dem Unternehmen arbeiten möchten.
  • Legen Sie dem Personaler glaubhaft dar, dass und weshalb Sie der Meinung sind, perfekt zu dem Arbeitgeber zu passen.
  • Wirken Sie selbstbewusst und motiviert.
  • Lästern Sie niemals (!) über die Konkurrenz, sondern heben Sie die Vorzüge dieses Unternehmens aus Ihrer individuellen Sicht hervor.
  • Lassen Sie den Personaler gerne merken, dass Sie sich vorab über das Unternehmen informiert haben. Zitieren Sie zum Beispiel den Leitsatz des Unternehmens oder Passagen aus der Stellenanzeige.

Beispiel:

„Bereits seit meiner Kindheit hat mir das Reisen sehr viel Freude bereitet. Dass Sie in der Stellenausschreibung deshalb die Möglichkeit von Geschäftsreisen und Auslandsaufenthalten erwähnt haben, hat mich direkt begeistert. Da ich aus der Region komme, ist der Ruf Ihres Unternehmens ohnehin bereits vorausgeeilt und ich habe bisher nur Positives gehört. Also habe ich mich näher informiert und konnte mich direkt mit Ihren Leitwerten Vertrauen, Fortschritt und Miteinander identifizieren. Schließlich habe ich mich damals für das Ingenieurstudium entschieden, um die Technologie weiterzuentwickeln und dadurch die Welt für alle Menschen besser sowie einfacher zu gestalten. Das Miteinander ist mir zudem sehr wichtig, da ich der Meinung bin, Fortschritt ist nur in Teamarbeit möglich. In meiner vorherigen Anstellung war ich als Teamleiter tätig und kann mir nicht vorstellen, jetzt oder in Zukunft „alleine“ im Einzelbüro vor mich hinzuarbeiten. Dafür bin ich ein zu extrovertierter und sozialer Mensch. Ich denke deshalb, dass ich perfekt auf die ausgeschriebene Stelle passe und bei Ihnen eine einzigartige berufliche Perspektive für die Zukunft habe.“

Frage 3: Was macht Sie „besonders“?

Zu guter Letzt möchte der Personaler meist noch einmal klipp und klar wissen, warum er gerade Sie einstellen sollte. Auch, wenn Sie hoffentlich bereits einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, gibt es ja gewiss noch weitere Bewerber mit guten Argumenten für ihre Einstellung. Es ist daher wichtig, dass Sie bei dieser dritten Frage durch Originalität glänzen: Legen Sie dem Arbeitgeber dar, welchen Mehrwert Sie für das Unternehmen mitbringen würden und weshalb er quasi keine andere Wahl hat als Sie einzustellen. Die Frage lautet häufig auch so oder so ähnlich:

  • Warum sollten wir Sie einstellen?
  • Welchen Mehrwert bringen Sie für das Unternehmen mit?
  • Was haben Sie, was die anderen Bewerber nicht haben?
  • In einem Satz: Warum sollten wir Sie wählen?
  • Welches Problem würden Sie für unser Unternehmen lösen?

„Problem“ ist das Stichwort, um welches es  schlussendlich geht. Fragen Sie sich, welches Problem der Arbeitgeber haben könnte, sodass er genau jetzt diese Stelle ausschreibt und einen Bewerber wie Sie sucht. Wünscht er sich technologischen Fortschritt? Eine sozial kompetente Führungskraft? Einen Spezialisten für die hauseigene PR, aufgrund eines kürzlich eingetretenen Imageschadens? Hilfe im Employer Branding, wegen des drohenden Fachkräftemangels? Wenn Sie mittels der Stellenausschreibung sowie durch Ihre Recherche ein bis drei Hauptprobleme Ihres potenziellen neuen Arbeitgebers ausfindig machen und lösen (!) können, kann er Sie eigentlich kaum noch nicht einstellen. Lassen Sie ihm also keine andere Wahl!

Infografik: Das müssen Arbeitnehmer können | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Selbst, wenn Sie mit Ihren Argumenten nicht direkt ins Schwarze treffen, beweisen Sie durch Ihr Vorgehen zumindest Problemlösungskompetenz und damit den wichtigsten Soft Skill für 52 Prozent der europäischen Arbeitgeber. Wenn Sie also wissen, welche Antwort der Personaler auf die Frage nach Ihrem „Mehrwert“ für das Unternehmen erwartet, können Sie durch Ihre individuelle Problemlösung überzeugen und den Sack zumachen.

Beispiel:

„Ich habe gesehen, dass Sie marketingtechnisch zwar mit Ihrer Homepage sowie Karriereseite sehr weit sind, für ein erfolgreiches Employer Branding fehlt es Ihnen aber noch an einem professionellen Social-Media-Auftritt. Die Postings auf Facebook sind noch zu unregelmäßig und es fehlt an einer konkreten Markenbildungsstrategie. Ich empfehle Ihnen daher die Implementierung einer crossmedialen Employer Branding Strategie via Homepage, Karriereseite, Facebook, Twitter, Xing und einem eigenen Firmenblog – so ähnlich wie das Projekt, welches ich für die Mustermann AG im Jahr 2012 bereits umgesetzt habe. Wir konnten daraufhin durchschnittlich 20 Prozent mehr Bewerber auf Stellenausschreibungen verzeichnen sowie eine 12 Prozent geringere Mitarbeiterfluktuation.“

Wenn Sie ab sofort bewusst darauf achten, werden Sie merken, dass es in jedem Vorstellungsgespräch schlussendlich nur um die Klärung dieser drei essentiellen Fragen geht. Haben Sie sich gut vorbereitet und die perfekte Antwort parat, hat der Personaler eigentlich kaum mehr eine andere Wahl, als Ihnen den Traumjob zuzusagen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und drücken die Daumen!

Haben Sie als Personaler oder aus Arbeitnehmersicht weitere Tipps zum Thema für unsere Leser? Welche Antworten sollte der Bewerber auf diese drei Fragen geben – und welche nicht? Wir bedanken uns für Ihre Meinungen und Ratschläge in den Kommentaren!

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