Unter dem Schlagwort New Work werden viele verschiedene Phänomene zusammengefasst, die gerade für einen Umbruch in der Arbeitswelt sorgen. CoWorking bringt die verschiedensten Menschen in einem Büro zusammen, Jobrotation sorgt für frischen Wind in Unternehmen und der Flex Desk ermöglicht es, heute hier und morgen dort zu arbeiten. Eine weitere Ausprägung der New Work ist das Jobsharing, im Deutschen auch Arbeitsplatzteilung genannt. Was sich hinter diesem Arbeitsmodell verbirgt, haben wir im nachfolgenden Artikel für Sie zusammengefasst. Außerdem finden Sie darin ein Interview mit den Jobsharing-Expertinnen Anna Kaiser und Jana Tepe. Die beiden Frauen sind Gründerinnen und Geschäftsführerinnen der Jobsharing-Plattform Tandemploy und werden unter anderem am 30. März 2017 auf der New Work Experience live über Ihre Erfahrungen sprechen.

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Inhalt
1. Was ist Jobsharing?
2. Wie funktioniert Jobsharing in der Praxis?
3. Den passenden Jobsharing-Partner finden
4. Die Vorteile vom Jobsharing
5. Karriere durch Jobsharing – Ist das möglich?
6. Bin ich für das Jobsharing geeignet?
7. Interview mit Anna Kaiser und Jana Tepe von Tandemploy.de

Was ist Jobsharing?

Jobsharing ist ein sogenanntes Arbeitszeitmodell, dass es Menschen ermöglicht, qualifizierte Jobs auch in Teilzeit auszuüben. Hierfür teilen (englisch: to share) sich zwei oder mehr Personen mindestens eine Vollzeitstelle und splitten die anfallenden Aufgaben. Ziel vom Jobsharing ist es, mehr Zeit für private Interessen zu haben und den Beruf dennoch nicht aufgeben zu müssen. Anders als bei klassischen Teilzeitstellen ist es mithilfe von Jobsharing sogar möglich, eine Führungsposition zu besetzen.

Grundsätzlich lässt sich Jobsharing in diese drei Formen aufteilen:

Job-SplittingJob-PairingTop-Sharing
Eine Vollzeitstelle wird in zwei unabhängige Teilzeitstellen aufgeteilt. Die Aufgaben sind in beiden Stellen gleich.Auch hier wird eine Stelle in zwei geteilt. Allerdings sind die beiden Arbeitnehmer verpflichtet, sich untereinander abzusprechen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Verantwortung gemeinsam getragen.Hierunter versteht man eine bestimmte Form der Unternehmensführung. Es wird auch gern der Begriff der „Doppelspitze“ verwendet.

Wie funktioniert Jobsharing in der Praxis?

Wird eine Vollzeitstelle nicht einfach nur in zwei Teilzeitstellen aufgeteilt, sondern spricht man vom Jobsharing im kooperativen Sinne, ist vor allem eines wichtig: Kommunikation. Jobsharer arbeiten als besonders verwachsenes Team zusammen, das von regelmäßigen und fehlerfreien Absprachen lebt.

Doch ehe man gemeinsam den Arbeitsalltag meistert, muss man sich erst einmal finden. Jobsharing beginnt in aller Regel bereits im gemeinsamen Bewerbungsprozess. Es ist mittlerweile nicht unüblich, die entsprechenden Unterlagen zu zweit einzureichen und sich darin als Team zu präsentieren. Daraus geht von Anfang an hervor, dass man beabsichtigt, sich die ausgeschriebene Stelle zu teilen.

Info: Aus einer sogenannten Tandem-Bewerbung sollten immer die Vorteile vom Jobsharing betont werden – erst recht, wenn der potentielle Arbeitgeber das Modell (noch) nicht kennt. Mehr zu den Vorteilen vom Jobsharing lesen Sie weiter unten im Text.

Wie genau das Jobsharing in der Praxis aussieht, hängt zum Großteil von den einzelnen Parteien ab, die sich den Job teilen. Während manche Teams nur „das Nötigste“ miteinander absprechen, stehen andere im ständigen Kontakt. Hier gilt es eine gute Balance zu finden, denn zu viele Absprachen können den Workflow auch behindern. Es handelt sich hierbei um einen der wenigen Kritikpunkte zum Jobsharing.

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Wichtig ist außerdem, einen festen Rhythmus zu finden. Dieser hilft einerseits den Jobsharern, einen geregelten Arbeitsablauf zu etablieren und andererseits den Kollegen und Vorgesetzten, die dann immer genau wissen, wen sie wann wo erreichen können.

Den passenden Jobsharing-Partner finden

Eine der am meisten gestellten Fragen zum Thema Jobsharing ist: Wie finde ich einen geeigneten Partner? Da dieses Arbeitszeitmodell immer noch vielen Menschen gänzlich unbekannt ist, kann sich die Suche nach einem Partner mitunter ziemlich mühevoll gestalten. Es ist jedoch keinesfalls unmöglich, den passenden Deckel zu finden. Welche Möglichkeiten es unter anderem gibt, verrät Ihnen die nachfolgende Auflistung:

  • Gespräche mit Arbeitskollegen: Ein erster Schritt in die richtige Richtung kann es sein, das Thema Jobsharing offen im Unternehmen anzusprechen und mit unterschiedlichen Kollegen ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist, niemanden festzunageln, sondern sich einfach locker auszutauschen. Unter Umständen finden Sie ja einen Mitarbeiter, der Interesse am Teilen einer Stelle hat.
  • Jobsharing-Plattform: Natürlich gibt es auch im Internet inzwischen Angebote, die potentielle Jobsharer zusammenführen. Das größte davon, nämlich tandemploy.de, wird im Interview weiter unten genauer vorgestellt.
  • Soziale Medien: Soziale Netzwerke sind ein guter Ort, um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Wenn es um berufliche Belange wie Jobsharing geht, sollten LinkedIn und Xing stets die erste Wahl sein. Hier können Sie durchaus im eigenen Profil angeben, dass Sie auf der Suche nach einem Jobsharing-Partner sind. Weiterhin ist es denkbar, das Thema in diversen Gruppen und Foren anzusprechen.
  • Netzwerk-Veranstaltungen: Auch beim klassischen Networking kann es passieren, dass man seinem perfekten Jobsharing-Partner über den Weg läuft. Um ihn zu finden, ist es auch hier hilfreich, das Thema offen anzusprechen und sich mit anderen auszutauschen.

Die Vorteile vom Jobsharing

Auch wenn Jobsharing zu den New Work-Phänomenen gehört, handelt es sich hierbei um ein recht altes Arbeitszeitmodell. Dass es sich bereits seit den 1980er Jahren hält und seitdem kein bisschen Aktualität verloren hat, liegt auch zum großen Teil an den vielen Vorteilen, von denen sowohl Arbeitgeber als auch -nehmer profitieren – eben eine klassische Win-Win-Situation.

Vorteile für den ArbeitnehmerVorteile für den Arbeitgeber
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Ausüben eines qualifizierten Jobs in Teilzeit
  • gute Aufstiegs-/Karrierechancen
  • gute Vereinbarung von Beruf und Familie
  • Lernen vom Jobsharing-Partner
  • permanenter Austausch
  • mehr Zeit für private Angelegenheiten und Hobbys
  • Mehr Kompetenz und fachliches Wissen
  • mehr Energie
  • Schaffung attraktiver Teilzeitstellen – auch in Führungsetagen
  • Steigerung der Produktivität
  • kein Ausfall im Urlaub und bei Krankheit
  • Employerbranding / positives Image

Karriere durch Jobsharing – Ist das möglich?

Dass Jobsharing so oft mit Teilzeit gleichgesetzt wird, führt häufig zu einem Missverständnis. Immer wieder sind Menschen der Meinung, dass es nicht möglich ist, Karriere zu machen, wenn man sich einen Job teilt. Hierbei handelt es sich um einen Trugschluss. In Wirklichkeit ist Jobsharing sogar eine ausgezeichnete Möglichkeit, um Karriere zu machen. Der Weg ist einfach nur anders als der übliche. Jobsharing macht Stellen im Führungssegment teilzeit-tauglich. Es ermöglicht eine flexible Zeiteinteilung und bietet gleichzeitig anspruchsvolle Aufgabenfelder. Damit das Jobsharing auch wirklich funktioniert und am Ende keiner zum Verlierer wird, ist es wichtig, sich im Vorfeld mit seinen Sharing-Partnern über Motivationen, Ziele und Wünsche auszutauschen. Wenn der eine die Karriere-Leiter erklimmen will und der andere lieber unten bleiben möchte, kommt es früher oder später immer zu Diskrepanzen. Besser ist es, sich im Vorfeld abzusprechen und anzugleichen. Wenn keine Einigung in Sicht ist, muss leider ein Partner-Wechsel stattfinden.

Bin ich für das Jobsharing geeignet?

Bis hierhin klingt es so, als wäre Jobsharing der ultimative Schlüssel für ein erfülltes, glückliches und ausgeglichenes Arbeitsleben. Doch ist es das wirklich? Eignet sich das Arbeitszeitmodell für jeden von uns oder müssen hier Abstriche gemacht werden?

Grundsätzlich kann nahezu jede Arbeit im Sinne von Jobsharing ausgeübt werden – vorausgesetzt der Arbeitgeber ist einverstanden und hat die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass Sie als potentieller Jobsharer gewisse Eigenschaften und grundlegende Bereitschaften mitbringen müssen, um mit diesem Arbeitsmodell auch wirklich glücklich zu werden.

  • Bereitschaft, weniger Geld zu verdienen: Weniger arbeiten für gleiches Geld? Nun, so großartig die Vorteile vom Jobsharing für Ihren Chef auch sein werden, es ist unwahrscheinlich, dass er Ihnen weiterhin das volle Gehalt zahlt. Wenn Sie sich für Jobsharing entscheiden, muss Ihnen klar sein, dass das auch einen Rückgang des Einkommens bedeutet.
  • Kommunikation: Wie weiter oben bereits erwähnt, kann Jobsharing ohne reibungslose und fehlerfreie Kommunikation nicht funktionieren. Wer Probleme damit hat, sich mit anderen auszutauschen, ist für diese Form des Arbeitens nicht geeignet.
  • Kompromissbereitschaft: Egal wie gut Sie und Ihr Jobsharing-Partner zusammenpassen, es wird immer wieder Situationen geben, in denen Sie nicht einer Meinung sind. In solchen Situationen ist es wichtig, kompromissbereit zu sein und auch mal vom eigenen Standpunkt abzurücken.
  • Vertrauen: Jobsharing bedeutet, gemeinsam Verantwortung für etwas zu übernehmen, über das man nicht 100 % Kontrolle haben. Wenn Sie gerade nicht im Büro sind, sollten Sie deswegen und Ihren Nerven zuliebe Ihrem Partner vollständig vertrauen.
  • Zwischenmenschliches: Wenn sich die Jobsharing-Partner nicht verstehen, ist das komplette Projekt zum Scheitern verurteilt. Es geht nicht nur um Kompromissbereitschaft und eine professionelle Kommunikation. Es geht in erster Linie um das Zwischenmenschliche, die Chemie, die sprichwörtlich stimmen muss. Nur dann ist Jobsharing in der Praxis möglich. Extrovertierte Menschen mit Empathie haben hier einen Vorteil.
  • Organisationstalent: Jobsharing bedeutet auch, zu jeder Zeit top-organisiert zu sein. Ihr Partner muss sich beispielsweise darauf verlassen, dass Sie alles soweit fertig machen und vorbereiten, sodass er am Folgetag nahtlos anknüpfen kann.

Interview mit Anna Kaiser und Jana Tepe von Tandemploy.de

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Guten Tag Frau Kaiser und Frau Tepe, sagen Sie doch zunächst einmal etwas zu Ihrer Person.

Jana: Wir sind Anna und Jana, Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy.

Wie genau funktioniert diese Plattform?

Anna: Auf Tandemploy.com finden Menschen durch einen automatisierten Matching-Algorithmus den perfekten Partner, mit dem sie sich einen Job teilen können und treffen auf der anderen Seite auf Unternehmen, die dem Thema offen gegenüberstehen. Das ist die öffentliche Plattform. Seit diesem Jahr nutzen Unternehmen aber auch unsere Software flex:workz, wo Menschen sich innerhalb der Firma in einem geschlossenen (auf Wunsch anonymen) Raum zusammenfinden – für Jobsharing, aber auch Projekte, Jobrotation oder Mentoring.

Wie kam Ihnen die Idee, ein solches Angebot zu schaffen?

Anna: Als Jana eines Tages eine Tandembewerbung auf dem Tisch liegen hatte, in der sich zwei Frauen gemeinsam (!) für eine Führungsposition im HR Bereich beworben haben, sind wir zum ersten Mal auf das Thema „Jobsharing“ gestoßen. Wir waren erstaunt, dass wir zu der Zeit als Personalberaterinnen das Thema nicht einmal kannten, obwohl es seit den 80iger Jahren existierte, allerdings immer nur als Zufallsprodukt – nie strategisch von Unternehmen genutzt.

Was sind die Vorteile von Jobsharing? Ist es richtig, dass hiervon nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber profitieren?

Jana: Auf jeden Fall! Für die Firmen bedeutet das doppelte Power, doppelte Kompetenz, weniger Ausfälle und keine Urlaubslücken mehr. Das spart bares Geld und ist eine deutliche Risikominimierung.

Wie groß ist die Bereitschaft der Unternehmen zum Jobsharing tatsächlich?

Anna: Jedes Unternehmen, das auf die Veränderung am Arbeitsmarkt reagieren will und muss, interessiert sich auch für flexiblere Arbeitsmodelle. Daher merken wir eine stark steigende Nachfrage von Unternehmen, nicht nur auf unserer Jobsharing-Plattform präsent zu sein, sondern vor allem auch unsere interne Software einzusetzen, die ja gleich mehrere flexible Arbeitsmodelle abdeckt und mittlerweile weit über Jobsharing hinausgeht.

Gibt es Branchen, in denen dieses Arbeitszeitmodell schon besonders gut Fuß gefasst hat? Oder kann man das aktuell noch nicht sagen?

Jana: Wir haben Kunden aus allen Branchen und Firmen aller Größen. Die Bereitschaft, die eigenen Strukturen und Modelle zu flexibilisieren, hängt viel mehr von anderen Dingen ab, insbesondere von der Offenheit der Unternehmen, neue Wege zu gehen und sich zu öffnen.

Auch nach der Gründung eines eigenen Unternehmens praktizieren Sie Jobsharing weiterhin mit als Co-Gründerinnen. Wie funktioniert das?

Anna: Jana und ich teilen uns die Geschäftsführung klassisch im Jobsharing und wir würden es nie mehr anders wollen. Man ist als Team einfach so viel stärker und besser und hat immer einen Sparringspartner zur Seite.

Wie wird Jobsharing den Arbeitsmarkt der Zukunft beeinflussen?

Jana: Jobsharing wird eine ganz logische Schlussfolgerung der Veränderung am Arbeitsmarkt sein. Wir müssen alle agilere Strukturen in unseren Unternehmen schaffen und hierbei spielt das Arbeitsmodell Jobsharing in jedem Fall eine ganz wichtige Rolle.

Welche New Work-Trends sind Ihrer Meinung nach sonst noch unausweichlich? Warum?

Anna: Es gibt viele New Work- Trends im Moment. Durch die Digitalisierung werden sich Arbeitsaufgaben und -abläufe in unterschiedlicher Form verändern. Was am Ende aber immer wichtig bleibt, wenn wir mehr und mehr Routineaufgaben an Maschinen abgeben, ist die zwischenmenschliche Komponente.

Jana: Wir brauchen Menschen, die mutig und eigenverantwortlich mit Ergebnissen aus möglichst wenig Meetings rausgehen und die eher Angst haben, sich im groß angelegten Entwurf zu verlieren, als mit einer kleinen konkreten Idee auch mal zu scheitern. Die menschliche Seite der Arbeitswelt rückt wieder mehr in den Vordergrund und das finden wir eine sehr schöne Veränderung.

Vielen Dank für das Gespräch

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Artikel einen umfangreichen Einblick in die Thematik Jobsharing gegeben zu haben. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, können Sie diese gern in Form von einem Kommentar hinterlassen.

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(Bildernachweis © baranq – Fotolia.com)

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