Es gibt viele Gründe, den Job zu wechseln. Eine Grundregel lautet jedoch: Der neue Job sollte stets eine finanzielle Verbesserung zum vorherigen darstellen – oder zumindest keine Verschlechterung. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Wir möchten Ihnen deshalb heute erläutern, wann Sie trotz schlechterem Gehalt über einen Jobwechsel nachdenken sollten. Geld ist schließlich nicht das Wichtigste im Leben und daher nicht der einzig legitime Kündigungsgrund.

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Soll ich trotz schlechterem Gehalt den Job wechseln?
Bild: Arbeits.abc.de/Canva.com

Inhalt
1. Bedeutet ein neuer Job immer eine Gehaltsverbesserung?
2. Wann Sie ein schlechter bezahltes Jobangebot ausschlagen sollten
3. 6 Gründe, welche für die Stelle mit weniger Gehalt sprechen
4. Grund #1: Geringere Arbeitslast
5. Grund #2: Gesundheitliche Entlastung
6. Grund #3: Flexible Arbeitszeiten
7. Grund #4: Reduktion von Pendlerwegen
8. Grund #5: Berufliche Perspektiven
9. Grund #6: Bessere Arbeitsatmosphäre
10. Fazit: Ein Jobwechsel trotz geringerem Gehalt will gut durchdacht sein

Bedeutet ein neuer Job immer eine Gehaltsverbesserung?

In der Regel werden Sie beim Bewerbungsprozess nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt. Würden Sie dann freiwillig eine schlechtere Bezahlung als Ihre bisherige veranschlagen? Vermutlich nicht! Experten nennen als Grundregel:

Ein Jobwechsel sollte stets eine Verbesserung für Sie darstellen.

Doch dieser muss nicht immer finanzieller Natur sein. Natürlich wäre es schön, wenn Sie nach dem Jobwechsel zumindest gleich viel verdienen wie zuvor auch. Noch besser ist es, wenn Sie sogar mehr Gehalt aushandeln. Schließlich bringen Sie mittlerweile auch mehr Berufserfahrung und Knowhow mit als noch bei Ihrer Bewerbung auf den vorherigen Job. Was aber in der Theorie so schön klingt, lässt sich in der Praxis leider nicht immer umsetzen. Wenn Sie zum Beispiel von der Großindustrie in ein Startup wechseln, müssen Sie meist zwangsläufig mit einer finanziellen Schlechterstellung rechnen, da Ihr neuer Arbeitgeber schlichtweg nicht über dieselben finanziellen Mittel verfügt.

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Das bedeutet allerdings nicht, dass die neue Stelle nicht dennoch eine „Verbesserung“ für Sie darstellen kann. Das Gehalt mag zwar ein wichtiges Argument für oder gegen ein Jobangebot sein, aber längst nicht das einzige. Es gibt berechtigte Gründe, eine schlechter bezahlte Anstellung anzutreten. Welche das sind, werden wir Ihnen verraten.

Wann Sie ein schlechter bezahltes Jobangebot ausschlagen sollten

Zuerst widmen wir uns aber der Frage, welcher Grund gegen einen Job mit schlechterem Gehalt spricht. Dieser ist simpel: Wenn das Geld nicht zum Leben reicht. Sie sind an Ihr bisheriges Gehalt gewöhnt und haben Ihren Lebensstandard daran ausgerichtet. Wenn Sie dazu bereit sind, können Sie diesen Lebensstandard auf den Prüfstand stellen und eventuell ein wenig herunterfahren. Sollte das Geld allerdings nicht für Miete, Auto & Co reichen, oder Sie nagen bereits in Ihrem bisherigen Job beinahe am Hungertuch, sollten Sie keinesfalls eine Stelle mit geringerem Gehalt annehmen. Rechnen Sie deshalb gründlich durch, ob Sie mit dem „Weniger“ an Geld Ihren bisherigen oder den angepeilten neuen Lebensstandard finanzieren könnten.

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6 Gründe, welche für die Stelle mit weniger Gehalt sprechen

Sollten Sie hingegen zu dem Schluss kommen, dass der neue Job zwar eine finanzielle Verschlechterung darstellen würde, Sie aber dennoch problemlos von dem Geld leben könnten, gibt es auch gute Gründe für eine Zusage. Denn manchmal sind die Verbesserungen in anderer Hinsicht größer als die Verschlechterung in der finanziellen.

Infografik: Junge Deutsche sehen vor allem Überstunden als Problem | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Während bei der sogenannten „Generation Y“ in den USA das Geld der häufigste Kündigungsgrund ist, stellen für die deutschen Befragten eher zahlreiche Überstunden ein Problem dar. Zu geringe Gehaltssteigerungen stehen hier erst auf den zweiten Platz, dicht gefolgt von unflexiblen Arbeitszeiten sowie mangelnden beruflichen Perspektiven.

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Wir haben Ihnen deshalb sechs Gründe zusammengetragen, die einen Stellenwechsel trotz schlechterer Bezahlung rechtfertigen können, da sie auf andere Art und Weise eine Verbesserung bedeuten:

Grund #1: Geringere Arbeitslast

Wenn zu viele Überstunden für junge Deutsche der häufigste Kündigungsgrund sind, kann eine geringere Arbeitslast eine schlechtere Bezahlung im neuen Job wieder wettmachen. Sie haben das Gefühl, Ihr gesamtes Leben nur noch am Arbeitsplatz zu verbringen? Die „Work-Life-Balance“ ist für Sie ein Fremdwort? Wenn genau jetzt ein Headhunter mit einem Jobangebot auf Sie zukommt, sollten Sie sich dieses trotz schlechterer Bezahlung zumindest einmal genauer ansehen.

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Zudem können Sie auch selbst die Initiative ergreifen und sich nach einer „besseren“ Stelle umsehen, bei welcher Sie neben der Arbeit auch noch ein Privatleben haben. Denkbar wäre in diesem Fall zudem eine interne Reduktion der Arbeitszeit, wenn das bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber möglich ist.

Grund #2: Gesundheitliche Entlastung

Die Entlastung durch eine geringere Überstundenzahl bedeutet zugleich eine für Ihre Gesundheit. Spätestens, wenn Sie bereits erste stressbedingte gesundheitliche Beschwerden wahrnehmen – psychischer oder physischer Art – wird es Zeit für die Notbremse. Ein geringeres Gehalt ist Gold wert, wenn es Sie vor einem Burnout-Syndrom, Schlaganfall, Herzinfarkt, Bandscheibenvorfall oder Ähnlichem bewahrt.

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Denn so unrealistisch es für Sie auch klingen mag: Der Tod durch Überarbeitung ist mittlerweile nicht mehr nur in Japan, sondern auch hierzulande eine steigende Problematik.

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Zudem sind Burnout-Kliniken überlaufen und immer mehr Menschen leiden eigener Angabe zufolge unter ständigem Stress bei der Arbeit.

Infografik: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Grund #3: Flexible Arbeitszeiten

Ein Plus für Ihre Work-Life-Balance bedeuten auch flexiblere Arbeitszeiten. Wenn Sie Ihren „Nine-to-Five-Job“ an den Nagel hängen möchten und dafür ab sofort im neuen Job Ihre Arbeitszeiten selbst oder zumindest ein bisschen flexibler einteilen können, kann dies ein schlechteres Gehalt unter Umständen übertrumpfen. Gerade für Familien mit kleinen Kindern bedeuten flexible Arbeitszeiten häufig eine große Entlastung sowie mehr kostbare Zeit mit dem Nachwuchs. Doch auch sonst ist es ein Privileg, dass wir heutzutage dank Digitalisierung in vielen Branchen von Zuhause, dem Strand oder einem Café aus arbeiten können. Ein Leben als digitaler Nomade ist zwar für viele Angestellte bislang (noch) nicht möglich.

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Doch Regelungen à la „Remote Work“ oder „Homeoffice“ sind derzeit schwer im Kommen und in vielen Unternehmen bereits fester Bestandteil des Employer Brandings. Werden Sie sich also darüber bewusst, was Ihnen in Ihrem Job wichtiger ist und entscheiden Sie sich gegebenenfalls für die flexiblen Arbeitszeiten und gegen das höhere Gehalt.

Grund #4: Reduktion von Pendlerwegen

Das Pendeln gehört für viele deutsche Arbeitnehmer zum Arbeitsalltag. Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande gibt es immer mehr sogenannte „Extreme Commuter“, also Personen, welche jeden Tag 90 Minuten oder mehr pro Weg zur Arbeit pendeln. Das bedeutet mindestens drei Stunden pro Tag im Auto, Zug oder Flugzeug. Doch selbst ein Arbeitsweg von einer halben bis ganzen Stunde kann auf Dauer zur Belastung werden und frisst eine Menge wertvolle Freizeit.

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Wenn Sie also zu Ihrem bisherigen Arbeitsplatz pendeln mussten, der neue aber nur fünf Minuten zu Fuß entfernt wäre, ist das ein legitimes Argument für einen Jobwechsel trotz geringerer Entlohnung. Zudem fallen eventuelle Fahrtkosten weg – sei es für das Benzin oder Zugticket. Trotz steuerlicher Absetzbarkeit kann dies am Ende des Monats in Ihrem Portemonnaie ein Plus bedeuten, welches es bei Ihrer Entscheidung zu berücksichtigen gilt. Nicht zu vergessen ist zudem Ihre gute Tat für die Umwelt.

Grund #5: Berufliche Perspektiven

Manchmal bedeutet ein Stellenangebot zwar im ersten Moment eine finanzielle Verschlechterung, auf Dauer aber im Gegenteil sogar eine Verbesserung. Wenn Sie in Ihrem bisherigen Job zwar gut bezahlt sind, jedoch keine weiteren Aufstiegsmöglichkeiten mehr haben, werden Sie langfristig stagnieren. Ist Ihnen das Niveau hoch genug, ist das für Sie eventuell kein Kündigungsgrund. Viele Menschen sehnen sich aber früher oder später nach neuen Herausforderungen oder einem hierarchischen und damit in der Regel auch finanziellen Aufstieg.

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Es kann dann durchaus möglich sein, dass Sie im neuen – aber schlechter bezahlten – Job langfristig bessere berufliche Perspektiven genießen. Dies gilt es, frühzeitig zu prüfen und im Vorstellungsgespräch abzuklären, damit der Jobwechsel am Ende keine Enttäuschung für Sie wird und Sie auf einem niedrigeren Niveau als zuvor stagnieren.

Grund #6: Bessere Arbeitsatmosphäre

Wie viel Zeit pro Tag verbringen Sie am Arbeitsplatz? Sechs Stunden? Acht? Zehn? Für Ihre Gesundheit und Lebenszufriedenheit ist es daher unerlässlich, dass Sie sich hier wohlfühlen. Wer dauerhaft in einer schlechten Arbeitsatmosphäre oder einem konfliktträchtigen sozialen Umfeld arbeiten muss, wird früher oder später darunter leiden. Wenn eine Mediation oder interne Versetzung in Ihrem Fall nicht möglich sind oder nicht die erhoffte Verbesserung Ihrer Arbeitssituation bringen, sollten Sie einen Jobwechsel in Erwägung ziehen. Hierbei kann eine gute Arbeitsatmosphäre sowie freundschaftliche Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen ein wichtigeres Argument sein als das Gehalt.

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Leider kann es sich als problematisch entpuppen, die inneren Zustände eines Unternehmens im Vornherein realistisch einzuschätzen. Bevor Sie sich für einen schlechter bezahlten Job entscheiden, sollten Sie deshalb prüfen, ob das Gras auf der anderen Seite wirklich grüner ist. Holen Sie zum Beispiel Informationen von Freunden oder Bekannten aus dem Unternehmen ein, bitten Sie um einen Probearbeitstag oder recherchieren Sie im Internet auf Plattformen mit anonymer Arbeitgeberbewertung.

Fazit: Ein Jobwechsel trotz geringerem Gehalt will gut durchdacht sein

Der letzte Punkt verdeutlicht bereits die Problematik bei der Jobsuche: Wie die Zustände im neuen Unternehmen sind und ob der schlechter bezahlte Job tatsächlich eine Verbesserung auf anderer Ebene darstellt, beispielsweise hinsichtlich der Arbeitsatmosphäre, Arbeitszeiten oder Karrierechancen, erfahren Sie erst im Nachhinein. Schließlich präsentiert sich jedes Unternehmen im Bewerbungsprozess positiv und neigt dazu, hier und dort ein wenig zu beschönigen – ebenso wie der Bewerber ja auch. Sie befinden sich allerdings in der ungewöhnlichen Zwickmühle, dass Sie im Falle einer Enttäuschung Ihrer Erwartungen in einem schlechter bezahlten Job ohne nennenswerte Verbesserungen sitzen. Die Entscheidung für einen Jobwechsel trotz geringerem Gehalt stellt deshalb ein Risiko dar, welches gut durchdacht sein will.

Was denken Sie? Wann ist ein Jobwechsel trotz schlechterer Bezahlung sinnvoll? Welche Erfahrungen haben Sie persönlich damit bereits gemacht? Oder stellt ein geringeres Gehalt bei einem Jobangebot für Sie ein generelles No-Go dar?