Werden Sie auch immer im Urlaub krank? Die „Leisure Sickness“ ist in der Fachwelt zwar umstritten, dennoch erscheint es aus der subjektiven Wahrnehmung vielen Personen so, als seien sie stets „nur“ im Urlaub, an den Wochenenden oder Feiertagen krank. Immer, wenn Sie sich endlich auf die wohlverdiente Freizeit freuen, macht Ihnen der Körper einen Strich durch die Rechnung. Was hat es mit dieser „Freizeitkrankheit“ auf sich und wie können Sie sich davor schützen?

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Mann ist im Urlaub krank geworden
Bildnachweis: iStock.com/mediaphotos

Inhalt
1. Definition „Leisure Sickness“: Was steckt hinter der „Freizeitkrankheit“?
2. „Leisure Sickness“ ist harmlos: Typisches Beschwerdebild
3. Ursachen für die „Leisure Sickness“: Warum macht Freizeit krank?
4. Theoretisch ist die „Urlaubskrankheit“ gar nicht so schlimm
5. Wie Sie sich dennoch vor der „Leisure Sickness“ schützen können
6. #1 Freizeitstress reduzieren
7. #2 „Pufferzeiten“ vor und nach dem Urlaub einplanen
8. #3 Regelmäßig Sport treiben
9. #4 Individuelle Entspannungsmethoden finden
10. #5 Grenzen setzen und „Nein“ sagen
11. #6 Erreichbarkeit im Urlaub einschränken
12. #7 Jobwechsel in Erwägung ziehen

Definition „Leisure Sickness“: Was steckt hinter der „Freizeitkrankheit“?

In der Regel handelt es sich bei der „Leisure Sickness“ nicht unbedingt um einen handfesten Virus, eine bakterielle Infektion oder eine sonstige Krankheit, welche klar definiert beziehungsweise diagnostiziert werden kann. Stattdessen leiden viele Personen an harmlosen, leichten, dennoch aber unangenehmen gesundheitlichen Problemen, sobald sie Urlaub, ein verlängertes Wochenenden oder aus anderen Gründen mehr Freizeit haben als gewohnt.

Der Niederländer Adrian Vingerhoets der Universität Tilburg war im Jahr 2001 der erste Wissenschaftler, welcher auf dem Kongress der American Psychosomatic Society eine Studie zur „Leisure Sickness“ veröffentlichte. Er kam damals zu dem Ergebnis, dass rund drei Prozent der 1.893 Probanden auffallend häufig sowie regelmäßig im Urlaub beziehungsweise in ihrer Freizeit krank wurden.

„Leisure Sickness“ ist harmlos: Typisches Beschwerdebild

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der „Ferienkrankheit“ um eine harmlose Erkrankung. Sie beschreibt ein allgemeines Beschwerdebild, welches individuell aus unterschiedlichen Symptomen besteht. Dies können

  • Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne,
  • Magenbeschwerden,
  • Verdauungsstörungen,
  • Rückenschmerzen,
  • Muskel- und Gelenkschmerzen,
  • bleierne Müdigkeit,
  • eine leichte Erkältung oder
  • ein grippaler Infekt sein.

In der Regel ist die „Leisure Sickness“ nach wenigen Tagen wieder vorbei. Doch auch schwerwiegendere Erkrankungen sind möglich, zum Beispiel

  • handfeste Erkältungen oder Virusinfekte,
  • bakterielle Entzündungen wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung,
  • Harnwegsinfektionen oder sogar
  • eine kurzweilige Depression.

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„Freizeitkrankheiten“ sind demnach harmlos – zumindest ohne gesundheitliche Vorbelastung sowie unter rechtzeitiger und richtiger Behandlung – vermiesen Ihnen aber doch mächtig den Urlaub. Woher also kommt das Phänomen?

Ursachen für die „Leisure Sickness“: Warum macht Freizeit krank?

Dass diese Beschwerden beziehungsweise Erkrankungen vor allem in der Freizeit auftreten, ist genauso wenig ein Zufall wie die Person, welche davon betroffen ist. Für die „Leisure Sickness“ gibt es nämlich eine einfache Erklärung:

Bei Arbeitnehmern sowie Selbstständigen, welche im Beruf unter Dauerstress stehen, werden durch den Körper Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Diese mobilisieren die „letzten“ Kraftreserven des Körpers. Sobald der Stress und dadurch auch die Hormonausschüttung im Urlaub absinken, wird das Immunsystem geschwächt und der Körper begibt sich in eine Art Regenerationsphase.

Diese Regenerationsphase stellt sich also automatisch ein, sobald Sie Urlaub beziehungsweise ungewöhnlich lange Freizeit haben. Dass Sie genau jetzt anfälliger für Krankheiten sind, ist demnach logisch. Und dass es immer wieder Sie „trifft“, weist darauf hin, dass Sie außerhalb Ihrer Urlaubszeiten unter zu viel Stress leiden. Die ständige Ausschüttung der Stresshormone stellt für den Körper nämlich eine Dauerbelastung dar, welche Sie unbedingt vermeiden sollten. Eigentlich ist die Urlaubskrankheit also ein hilfreiches Phänomen, das Sie im Urlaub zur Entspannung „zwingt“ und Sie dadurch vor schlimmeren Stressfolgen wie einem Burnout-Syndrom bewahrt.

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Theoretisch ist die „Urlaubskrankheit“ gar nicht so schlimm

Dementsprechend sollten Sie für die „Ferienkrankheit“ also sogar dankbar sein. Diese bewahrt Sie vor Schlimmerem und Sie können sich ja auch im Urlaub von einem Arzt krankschreiben lassen, sodass Ihre Urlaubstage nicht „verloren“ sind, sondern Sie diese zu einem anderen Zeitpunkt erneut nehmen können – natürlich in der Hoffnung, dass dann nicht wieder die „Leisure Sickness“ zuschlägt. So viel zur Theorie.

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In der Praxis hinterlässt es beim Arbeitgeber jedoch keinen guten Eindruck, wenn Sie in jedem Urlaub plötzlich eine Krankschreibung einreichen. Dies könnte den Anschein erwecken, Sie würden Ihre freien Tage künstlich verlängern. Zudem ist die „Freizeitkrankheit“ besonders ärgerlich, wenn Sie eine Reise gebucht haben. Diese können Sie mit einer offiziellen Krankschreibung natürlich nicht antreten. Und selbst, wenn Sie auf die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verzichten und Ihren Urlaub krank „aussitzen“, macht das weder zu Hause noch am Reiseziel besonders viel Spaß.

Wie Sie sich dennoch vor der „Leisure Sickness“ schützen können

Es ist deshalb verständlich, dass Sie sich über das Phänomen ärgern, statt dafür eine Form der Dankbarkeit zu entwickeln.

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Wir möchten Ihnen darum helfen, der „Leisure Sickness“ endlich den Garaus zu machen. Am besten können Sie diese verhindern, indem Sie ihr Stresslevel im Alltag senken. Je weniger Ihr Körper im Berufsalltag auf Hochtouren laufen muss, umso geringer muss er sich im Urlaub davon regenerieren. Wenn Sie es schaffen, Ihre Stresspegel im Arbeitsalltag niedrig zu halten, werden Sie automatisch in der Freizeit unter weniger körperlichen Beschwerden leiden – garantiert. Allerdings ist dies nicht immer möglich. Zudem können weitere Faktoren hinzukommen, welche eine „Freizeitkrankheit“ begünstigen. Wie also können Sie sich noch davor schützen?

#1 Freizeitstress reduzieren

Auch sogenannter Freizeitstress schwächt Ihr Immunsystem. Verplanen Sie deshalb nicht jeden Feierabend, jeden freien Tag und jeden Urlaub bis auf die letzte Minute. Gönnen Sie sich stattdessen ein wenig Entspannung und Freiraum für Spontanität. Viele Menschen haben das Gefühl, sie müssten in der Freizeit das nachholen, was sie während ihres acht-, neun- oder zehnstündigen Arbeitstages verpassen. Sie werkeln nach Feierabend im Eigenheim, nehmen an den Wochenenden jede Veranstaltung mit und besuchen im Urlaub Tag für Tag mit ihren Kindern eine Attraktion nach der nächsten. Streichen Sie also Ihren Terminkalender, Ihre To-Do-Listen und Ihre inneren Ansprüche radikal zusammen. Sie müssen nicht immer leisten, leisten, leisten oder im Urlaub zwanghaft jede Sehenswürdigkeit mitnehmen. Gönnen Sie sich stattdessen Auszeiten und Ruhephasen. Dann können Sie die Aktivitäten auch gesund und besser genießen.

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#2 „Pufferzeiten“ vor und nach dem Urlaub einplanen

Viele Menschen machen den Fehler, dass sie den Urlaub voll und ganz nutzen möchten und deshalb direkt vom ersten bis zum letzten freien Tag reisen gehen. Das Problem ist: Jede Reise benötigt entsprechende Vorbereitungen. Sie müssen packen, eventuell die Wohnung noch einmal auf Vordermann bringen und und und… Reduzieren können Sie diesen unnötigen Stress, indem Sie vor sowie nach dem Urlaub zwei bis drei „Puffertage“ einplanen. So können Sie vorab alles in Ruhe vorbereiten und hinterher auch wieder gelassen auspacken sowie ein eventuelles Jetlag überwinden, bevor Sie anschließend in den Arbeitsalltag durchstarten.

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#3 Regelmäßig Sport treiben

Um Ihr Stresslevel während des Berufsalltags zu reduzieren, sollten Sie regelmäßige Sporteinheiten in Ihren Terminplan integrieren. Beim Sport werden nämlich Glückshormone ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut. Wichtig ist allerdings, dass Sie Ihre sportliche Betätigung nicht als weitere „stressige Verpflichtung“ wahrnehmen und den Effekt dadurch in das Gegenteil umkehren. Suchen Sie sich also eine Sportart aus, die Ihnen Spaß bereitet. Wenn Sie Joggen hassen, gehen Sie stattdessen eben Tanzen oder Fahrradfahren. Das Sportangebot ist mittlerweile so breit, dass gewiss auch für Sie die richtige Wahl dabei sein wird!

#4 Individuelle Entspannungsmethoden finden

Auch Entspannungszeiträume gilt es fest in Ihren Alltag einzubauen. Finden Sie dabei eine Entspannungsmethode, die Ihnen persönlich liegt:

  • Lesen Sie ein Buch,
  • üben Sie sich in Meditation,
  • machen Sie am Morgen eine Runde Yoga,
  • versinken Sie einfach auf dem Sofa in Tagträumen,
  • beobachten Sie bei einer wohltuenden Tasse Kaffee Ihre Kinder beim Spielen im Garten,
  • machen Sie einen Spaziergang (mit Hund) in der Natur oder
  • beginnen Sie mit autogenem Training.

Die Möglichkeiten sind vielfältig!

#5 Grenzen setzen und „Nein“ sagen

Lernen Sie zudem, im Job Grenzen zu setzen, hin und wieder „Nein“ zu sagen und dadurch Ihre Arbeitslast sowie den Termindruck zu reduzieren. Egal, wie wichtig Ihnen Ihre Karriere ist: Ihre Gesundheit ist wichtiger und wenn Sie im Burnout landen, ist damit niemandem geholfen – auch nicht Ihrem beruflichen Erfolg. Lernen Sie deshalb, Ihre Energieressourcen bewusster einzusetzen und Ihr Stresslevel auf einem gesunden Maß zu halten.

Lese-Tipp: Zeitmanagement ist „out“ – Energiemanagement ist „in“!

In beinahe jedem Job gibt es stressige Phasen. Doch sollten darauf auch wieder entspanntere folgen. Schlussendlich werden Ihr Chef oder Ihre Kollegen aber nicht von alleine Rücksicht auf Ihr Wohlbefinden nehmen, solange Sie dies nicht selbst tun. Wenn Sie also zu den „guten Seelen mit Helfersyndrom“ im Betrieb gehören, die dazu neigen, sich ausnutzen zu lassen – oder zu den Leistungstieren, welche sich selbst unter viel zu viel Druck setzen – üben Sie sich öfter in dem Wörtchen „Nein“. Ihr Immunsystem wird es Ihnen danken!

Lese-Tipp: Lernen Sie, Nein zu sagen: Grenzen setzen im Beruf, ohne zu verletzen

#6 Erreichbarkeit im Urlaub einschränken

Im Urlaub können Sie den Stress zudem reduzieren und dadurch neue Energie für die anstehende Arbeitsphase sammeln, indem Sie einfach einmal nicht erreichbar sind. Durch ständige Erreichbarkeit im Job senden Sie vielleicht positive Signale an Kollegen und Vorgesetzte, jedoch werden Sie selbst niemals vollständig abschalten können. Sie bleiben also auch im Urlaub gestresst und können sich nicht ausreichend regenerieren. Dadurch schwächen Sie Ihr Immunsystem immer weiter. Selbst, wenn Sie diesen Urlaub „unbeschadet“ überstehen, lässt die „Leisure Sickness“ dann spätestens im nächsten gewiss nicht lange auf sich warten. Schalten Sie also Handy, Laptop & Co aus und versuchen Sie, keinen Gedanken an die Arbeit zu „verschwenden“, sondern Ihren Urlaub in vollen Zügen zu genießen.

Infografik: Mit dem Firmenhandy am Strand | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

#7 Jobwechsel in Erwägung ziehen

Sollte eine Stressreduktion in Ihrem Job nicht möglich sein, Sie müssen ständig erreichbar sein und Ihr „Nein“ wird nicht akzeptiert, so wird es eventuell Zeit, einen Stellenwechsel in Erwägung zu ziehen. Dies kann nicht nur für Ihre langfristige Gesundheit sowie die Vermeidung der „Leisure Sickness“ eine gute Entscheidung sein, sondern auch aus finanzieller Sicht.

Lese-Tipp: Diesen großen Nachteil haben Sie, wenn Sie nicht durchschnittlich alle 2 Jahre den Job wechseln

Ansonsten wird der Dauerstress Ihnen auf lange Sicht noch viel schlimmere Probleme bereiten als „nur“ die Freizeitkrankheit. Üben Sie sich daher in Selbstreflexion und achten Sie bewusst darauf, wann es Ihrer Gesundheit oder Ihrer Zufriedenheit zuliebe an der Zeit für die Notbremse ist. Was Sie zudem tun können, um seltener krank zu werden, haben wir Ihnen bereits in folgendem Artikel erläutert:

Lese-Tipp: Nie wieder krank! 5 Tipps für ein starkes Immunsystem

Um welche weiteren Maßnahmen wissen Sie, um eine „Leisure Sickness“ zu vermeiden beziehungsweise das Immunsystem dauerhaft zu stärken? Kennen auch Sie das Phänomen aus eigener Erfahrung? Oder haben Sie vielleicht genau deshalb selbst schon einmal den Job gewechselt? Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge in den Kommentaren!