Weniger arbeiten – das ist ein Traum vieler Arbeitnehmer in Deutschland. Du sehnst dich nach mehr Freizeit und einer ausgewogeneren Work-Life-Balance. Das Problem an der Sache ist: In vielen Fällen würde bei einer Reduktion der Arbeitszeit das Geld nicht mehr für ein Leben im bisherigen Wohlstand ausreichen. Was, wenn wir dir jetzt sagen, dass du nicht nur weniger arbeiten, sondern dabei auch noch mehr Geld verdienen kannst? Unglaublich, aber wahr.

Anzeige

Was verdient Deutschland?

Beginnen wir einmal ganz am Anfang: Weißt du überhaupt, was ein deutscher Arbeitnehmer durchschnittlich verdient? Viele Arbeitnehmer kennen nicht einmal die für ihre Branche üblichen Gehälter, was mitunter dazu führen kann, dass sie nichtsahnend absolut unterbezahlt sind. Wir wollen deshalb einmal genauer hinsehen und dir verraten, was der „Durchschnittsdeutsche“ so im Jahr verdient:

Der durchschnittliche Brutto-Jahresarbeitslohn von 32.643 Euro stellt den höchsten Wert in der Geschichte dar. Das bundesdeutsche Durchschnittseinkommen ist seit dem Jahr 1960 stetig gestiegen.

Natürlich müssen hierbei aber auch die ebenfalls steigenden Lebenshaltungskosten sowie die Inflation berücksichtigt werden. 32.643 Euro – das ist allerdings nur ein Durchschnittswert, welcher sich vor allem aus Top-Verdienern auf der einen und Geringverdienern auf der anderen Seite zusammensetzt.

Anzeige

Lese-Tipp: IW-Studie: Mit knapp 3.500 Euro gilt man als reich

Denn es ist ein altbekanntes Problem, dass der wohlsituierte Mittelstand in Deutschland immer mehr wegbricht. Laut ARD-Magazin „Monitor“ seien die Einkommen von Managern seit dem Jahr 1997 um rund 42 bis 186 Prozent gestiegen und lägen bei schätzungsweise 500.000 Euro brutto pro Jahr.

Der deutsche „Durchschnittsverdiener“ hingegen, verdient gerade einmal etwa 15 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. (Quelle: WSWS). Diesem einen (!) Prozent der Top-Verdiener stehen also zahlreiche Geringverdiener gegenüber, die mit weniger als 2.750 Euro brutto im Monat auskommen, eventuell sogar eine Familie ernähren müssen.

Gehaltsvergleich: Banken Top, Hotellerie Flop!

Doch nicht nur zwischen Managern und Arbeitnehmern gibt es natürlich enorme Einkommensunterschiede, sondern auch zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten, neuen und alten Bundesländern sowie leider immer noch zwischen Männern und Frauen. Ausschlaggebend ist zudem die jeweilige Branche, in welcher du tätig bist. Werfen wir deshalb noch einmal einen genaueren Blick auf die Tops und Flops der Branchen hinsichtlich ihres Einkommensniveaus:

Anzeige
  1. Durchschnittlich 62.451 Euro brutto zahlen Banken ihren Arbeitnehmern jährlich.
  2. Auf dem zweiten Platz findet sich die Pharmaindustrie mit 59.991 Euro brutto pro Jahr.
  3. Den dritten Platz belegt die Automotive-Branche mit einem durchschnittlichen Jahresbruttoverdienst von 59.727 Euro.

Darauf folgen laut Stepstone die Branchen Telekommunikation, Chemie, Maschinenbau, Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt, Versicherungen und Energie. Am schlechtesten bezahlt seien hingegen die Branchen Hotellerie, Gastronomie und Catering, Handwerk, Bildung und Training, Freizeit und Touristik sowie Agentur und Werbung.

Werden nur die Fleißigsten zu Top-Verdienern?

Doch wie wirst du nun eigentlich auch zu einem dieser wenigen Top-Verdiener in Deutschland? Oder wie kannst – wenn du nicht unbedingt zu diesem einen Prozent gehören musst – dein Einkommen wenigstens ein bisschen aufbessern, um sich einen Urlaub auf den Malediven zu gönnen, endlich das neue Auto zu kaufen oder bei der Arbeit etwas kürzer zu treten?

Bislang geht der Wunsch nach einer aus gewogeneren Work-Life-Balance oder mehr Zeit für die Familie meist mit Einschnitten im Verdienst einher. Wir sagen dir aber: Das muss nicht sein! Verabschiede dich endlich von dem hartnäckigen Mythos, dass nur die Fleißigsten zu den Top-Verdienern gehören können und jedes Fünkchen Faulheit sich direkt negativ auf dein Einkommen auswirkt.

Lese-Tipp: Rechne hier aus, ob du genug verdienst.

Anzeige

Reichtum und Faulheit schließen sich nicht aus!

Natürlich hält sich dieser Mythos hartnäckig, schließlich wird er von den obersten Riegen fleißig gepflegt. Er hilft dabei, den „kleinen Arbeiter“ klein zu halten, sodass er schuftet bis zum Umfallen, stets in der utopischen Hoffnung der Beförderung oder einer Gehaltserhöhung. Wer nur genug Überstunden macht, überdurchschnittliche Leistung bringt und selbstlosen Einsatz zeigt, wird irgendwann die Lorbeeren ernten, so das Versprechen der modernen Geschäftswelt. In Realität führt diese Einstellung zu immer mehr unbezahlten Überstunden, sinkenden Gehältern sowie steigenden Zahlen stressbedingter Erkrankungen.

Und wer sitzt wirklich an der Spitze? Sind es die Fleißigsten der Fleißigen? Oder sind es vielleicht einfach jene, die das beste Selbstmarketing beherrschen, über ein gutes Zeitmanagement verfügen und zum richtigen Zeitpunkt Forderungen zu stellen wissen? Wir wollen dich mit dieser Erkenntnis nun aber nicht frustrieren, sondern im Gegenteil sogar motivieren. Auch für dich bedeutet das nämlich fortan, dass du umdenken kannst: Du musst nicht mehr arbeiten, um mehr Geld zu verdienen. Du musst nur ab sofort „richtig“ arbeiten.

Lese-Tipp:Von wegen harte Arbeit: Faule Menschen sind erfolgreich und intelligent

Mehr Geld für weniger Arbeit – Das ist möglich!

Wenn du einmal die Erkenntnis gewonnen hast, dass nicht das „Wieviel“ an Arbeit über dein Einkommen bestimmt, sondern das „Wie“, bist du all deinen Kolleginnen und Kollegen einen großen Schritt voraus. Eine ausgewogenere Work-Life-Balance bei besserem Verdienst könnte für dich schon bald zur Realität werden. Alles, was du dafür wissen musst, sind folgende drei Faktoren:

  1. Zeitmanagement
  2. Selbstmarketing
  3. Mut

Zeitmanagement nach dem Pareto-Prinzip

Das Pareto-Prinzip, auch 80/20-Regel genannt, ist eine bekannte Zeitmanagement-Theorie, welche Folgendes besagt:

Anzeige

Mit nur 20 Prozent der Leistung werden 80 Prozent der Ergebnisse erreicht.

Der Entwickler dieser 80/20-Regel Vilfredo Pareto zog daraus folgenden Schluss: Für die restlichen 20 Prozent benötigen Sie 80 Prozent der Leistung. Dies allerdings wäre zu viel Aufwand, zum Beispiel finanzieller oder zeitlicher Art, und daher in den meisten Fällen nicht lohnenswert. Meist soll es daher ausreichend sein, 80 Prozent der Ergebnisse zu erbringen. Dadurch spart du dir wiederum 80 Prozent deiner Ressourcen ein und kannst so alles in allem deine Leistung vervielfachen.

Nehmen wir an, du erledigst Aufgabe A zu 80 Prozent und benötigst dafür 20 Prozent der Zeit. So nimmst du anschließend Aufgabe B in Angriff, erledigst auch diese zu 80 Prozent in 20 Prozent der Zeit. Du hast nun also bereits 160 Prozent Leistung erbracht, mit gerade einmal 40 Prozent Zeitaufwand. Mit 100 Prozent Zeitaufwand hingegen, hättest du zu diesem Zeitpunkt erst 100 Prozent Leistung erbracht und mit Aufgabe B noch nicht einmal begonnen.

Durch die 80/20-Regel kannst du also fortan viel mehr Arbeit in viel weniger Zeit schaffen. Wäge daher stets ab, ob du für eine Aufgabe auf deiner To-Do-Liste wirklich 100 Prozent Leistung erbringen musst, oder ob nicht eventuell auch 80 Prozent der Ergebnisse völlig ausreichend wären. Hast du das Pareto-Prinzip einmal verinnerlicht, wirst du dieses schon bald vollautomatisch in jeden Bereich deines Lebens integrieren und so erfolgreicher, glücklicher und gesünder werden – dank ausgewogener Work-Life-Balance und mehr Wohlstand.

Dafür musst du aber folgende häufige Fehler beim Anwenden der 80/20-Regel unbedingt vermeiden du:

  • arbeitest nicht mit To-Do-Listen.
  • setzt keine oder falsche Prioritäten.
  • arbeitest an mehreren Aufgaben gleichzeitig, Stichwort „Multitasking“.
  • lässt dich ablenken und büßt dadurch Konzentration ein.
  • prokrastinierst ungeliebte Aufgaben.
  • verlierst dich in Perfektionismus.

Setze Prioritäten, stoppe das Multitasking und widmen dich dann für 20 Prozent der Zeit zu 100 Prozent dieser Aufgabe – so wirst du 80 Prozent der Ergebnisse erzielen!

Anzeige

Selbstmarketing – „Image is everything“

Nun, da du mehr Leistung in weniger Zeit erbringst, möchtest du natürlich auch die Lorbeeren dafür ernten. Du wirst schließlich weder finanziell noch karrieretechnisch vorankommen, wenn deine Arbeit unbemerkt bleibt. Begebe dich einmal in die Beobachterrolle: In jedem Unternehmen gibt es fleißige Bienchen, die Tag für Tag schuften und dennoch nach 20 Jahren in derselben Position bei etwa derselben Bezahlung zu finden sind. Und dann gibt es die Trittbrettfahrer, welche sich selbst als Leistungsträger zu verkaufen wissen, in Wahrheit aber keinen Finger rühren. Dennoch scheinen diese schneller und höher aufzusteigen als jedes fleißige Bienchen in ihrem Dunstkreis. Woran liegt das?

Das Stichwort lautet „Selbstmarketing“. In der heutigen Geschäftswelt brauchst du für die große Karriere eigentlich nur zwei Dinge: Die richtigen Kontakte und das passende Image. Wieso das so ist, kannst du im Artikel „Nicht wer leistet, wird befördert. Sondern…?“ nachlesen. Nutze die 80 Prozent Zeit, welche du ab sofort dank der 80/20-Regel bei deiner Arbeit einsparst, also lieber für Networking und die Arbeit an deinem Image:

  • Dokumentiere deine (nun gesteigerten) Leistungen und Erfolge.
  • Sei zur richtigen Zeit zur Stelle. Zeige also Engagement, wenn der Chef es einfordert, und lasse dafür unwichtige Aufgaben auch einmal liegen.
  • Dress for Success“ – Achte auf deine Kleiderwahl.
  • Sei stolz auf dich selbst und lasse vom „Understatement“.
  • Ergreife in Meetings hin und wieder das Wort und bringe dich aktiv ein.
  • Nehme wichtige Aufgaben an, statt „der Mann beziehungsweise die Frau für Alles“ zu sein.
  • Spezialisiere dich und eigne dir „unersetzbares Expertenwissen“ an.
  • Pflege deine Kontakte und präsentiere dich hilfsbereit.
  • Bespreche mit deinem Vorgesetzten deine Karriereziele, statt diese für sich zu behalten.
  • Prüfe immer wieder deinen Marktwert durch Gespräche mit Headhuntern oder externe Bewerbungen.
  • Fasse den Mut, regelmäßig eine Gehaltserhöhung einzufordern.
  • Wechsel unter Umständen intern oder extern die Stelle, wenn du hier bessere Verdienstchancen erwartest.

Ein Fünkchen Mut kann Wunder bewirken!

Das dritte und letzte Stichwort ist ebenfalls bereits gefallen: Mut. Wenn du deinen Wert als Arbeitskraft kennst und diesen nun auch nach außen richtig vertrittst, musst du nur noch den Mut haben, die entsprechende „Belohnung“ einzufordern. Werde dir über deine Ziele klar:

  • Möchtest du mehr im Homeoffice arbeiten?
  • Willst du die Arbeitszeit reduzieren?
  • Wünschst du dir eine Gehaltserhöhung?
  • Oder mehr Verantwortung?

Je besser du dich selbst und deine Ziele kennenlernst, umso eher kannst du Forderungen stellen. Du erbringst nun schließlich noch mehr Leistung in noch weniger Zeit und genießt einen exzellenten Ruf im Unternehmen. Wieso solltest du da nicht das Vieraugengespräch mit deinem Vorgesetzten suchen? Die wenigsten Unternehmen haben etwas zum Verschenken. Du kannst daher lange auf das Angebot

„Lieber Herr Mustermann, wollen Sie vielleicht weniger arbeiten und dafür mehr Geld?“

warten. Wenn du allerdings selbst aktiv wirst, dein Zeitmanagement sowie Selbstmarketing verbesserst und eine entsprechende Gegenleistung einforderst, ist dieser Wunsch mit ein wenig Verhandlungsgeschick durchaus realistisch.

Weniger arbeiten kann mehr Leistung bedeuten – und mehr Geld!

Für viele Menschen klingt „Mehr Geld für weniger Arbeit“ nach einer unrealistischen Traumvorstellung. Durch die richtigen Maßnahmen handelt es sich dabei aber um ein durchaus umsetzbares Karrierekonzept. Du musst dich einfach entscheiden, ob dein Ziel im hierarchischen Aufstieg oder einer ausgewogeneren Work-Life-Balance steckt. Gerade als hochqualifizierte Fachkraft kannst du nämlich heutzutage bei entsprechender Gegenleistung auch Forderungen stellen, zum Beispiel eben eine Gehaltserhöhung, die Reduktion der Arbeitszeit oder sogar beides. Du musst dich nicht zwingend selbstständig machen, ein passives Einkommen aufbauen oder nebenbei mit Aktien spekulieren. Zerbreche dir nicht weiter den Kopf oder gehe gar unkalkulierte Risiken ein: Mehr Geld für weniger Arbeit kann so einfach sein.

Also höre mit dem Denken auf und beginne an deinem Zeitmanagement, Selbstmarketing und Mut zu arbeiten. In spätestens zwei Jahren solltest du dann die erste Gehaltserhöhung und/oder Flexibilisierung der Arbeitszeit einfordern können. Oder geht das vielleicht sogar noch schneller und einfacher? Wir freuen uns auf deine persönlichen Erfahrungen, praktischen Tipps und kreativen Ideen zum Thema in den Kommentaren.

Bildnachweis: iStock.com/stockfour