Es gibt viele Artikel zum Thema verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch. Dabei handelt es sich aber stets um die Perspektive: Welche Fragen des Personalers sind unzulässig und müssen daher vom Bewerber nicht beantwortet werden? Allerdings steht im Bewerbungsgespräch nicht nur der Jobinteressent Frage und Antwort, sondern auch das Unternehmen. Fragen stellt also auch der Bewerber – und dabei sollte er unbedingt vorsichtig sein. Mit diesen sieben Fragen im Vorstellungsgespräch schießt er sich schleunigst selbst ins Aus.

Bewerber schießt sich mit einigen Fragen im Vorstellungsgespräch selbst ins AUS
Photo by Brock DuPont on Unsplash

Inhalt
1. Die Betonung liegt auf „Gegenseitigkeit“
2. Bewerberfragen? Ja bitte – aber die richtigen!
3. Sieben „No-Gos“: Fragen, die Bewerber nicht stellen sollten
4. #1 In welcher Branche war das Unternehmen nochmal tätig?
5. #2 Habe ich erst einmal ein halbes Jahr Urlaubsperre?
6. #3 Erhalte ich dann einen Firmenwagen?
7. #4 Welches Gehalt kann ich erwarten?
8. #5 Ab wann ist eine Beförderung möglich?
9. #6 Was ist am negativen Image wahr?
10. #7 Wie viele andere Bewerber haben Sie?
11. 15 Anregungen für „gute“ Bewerberfragen im Vorstellungsgespräch

Anzeige

Die Betonung liegt auf „Gegenseitigkeit“

Aufgrund des Antidiskriminierungsgesetzes, dürfen Personaler in Vorstellungsgesprächen gewisse Fragen nicht stellen, beispielsweise jene nach der politischen Einstellung, Religion oder eventuellen Krankheiten des Bewerbers – Ausnahmen bestätigen die Regel, wie Sie folgendem Artikel entnehmen können:

Lese-Tipp: Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch – Haben Lügen wirklich kurze Beine?

Das Verbot hält allerdings längst nicht alle Personaler davon ab, dennoch kritische Fragen zu stellen und sich damit an der Grenze zur Legalität zu bewegen. Für den Bewerber ist es daher gut zu wissen, dass er bei unerlaubten Fragen lügen darf, ohne entsprechende Konsequenzen befürchten zu müssen. Noch besser, wenn er sich mit einem schlagfertigen Spruch unauffällig aus der Affäre ziehen und dabei am besten auch noch das Gegenüber zum Schmunzeln bringen kann. Doch viel wichtiger noch ist, dass Bewerber das Vorstellungsgespräch nicht als einseitiges Interview betrachten, sondern als ein gegenseitiges Kennenlernen. Sie haben das gute Recht, ebenfalls Fragen zu stellen und sollten dieses auch nutzen.

Bewerberfragen? Ja bitte – aber die richtigen!

Wenn ein Bewerber keine Fragen stellt, wirkt er unter Umständen desinteressiert und mindert dadurch seine Chancen auf die Jobzusage. Selbiges kann passieren, wenn Sie die falschen Fragen stellen. Welche Fragen ein Mensch stellt, verrät nämlich viel über dessen Interessen und Werte im Leben und kann daher für so manchen Personaler aufschlussreicher sein als jede Antwort. Bewerber sollten deshalb zwar im Vorstellungsgespräch Fragen stellen, sich aber im Voraus gut überlegen welche. Einerseits dienen Ihre Fragen der Abklärung, ob das Unternehmen zu Ihnen passt und Sie den Job – wenn Sie eine Zusage erhalten sollen – überhaupt annehmen möchten.

Lese-Tipp: Diese 6 Fragen sollten Bewerber stellen, bevor sie sich für einen Job entscheiden

Andererseits kann eine richtige Fragestellung Teil Ihres Selbstmarketings sein und den Personaler in seiner Entscheidung positiv beeinflussen. Allerdings ist aber auch das Gegenteil der Fall, wenn Sie durch Ihre Fragen einen schlechten Eindruck hinterlassen. Welche Sie deshalb keinesfalls im Bewerbungsgespräch stellen sollten, haben wir für Sie zusammengefasst.

Sieben „No-Gos“: Fragen, die Bewerber nicht stellen sollten

Bewerber sollten sich bereits während der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch Gedanken darüber machen, welche Fragen sie stellen möchten – und welche nicht. Zudem ist es empfehlenswert, Unklarheiten im Gespräch selbst durch eine Rückfrage zu klären. Machen Sie sich dafür am besten während des Gespräches Notizen und warten Sie, bis Ihr Gegenüber ausgesprochen hat. Anschließend prüfen Sie, ob noch Fragen unbeantwortet geblieben sind.

Anzeige

Lese-Tipp: Die 9 Phasen jedes Vorstellungsgespräches – und wie Sie diese meistern

Es gilt aber, jede Frage im Voraus abzuwägen und im Zweifelsfall lieber zu schweigen. Denn eine dieser folgenden sieben Fragen könnte ein schlechtes Licht auf Sie werfen und dadurch Ihre Jobchancen zunichtemachen. Fragen, welche Sie nicht stellen sollten, sind also beispielsweise:

#1 In welcher Branche war das Unternehmen nochmal tätig?

Wenn Sie eine solche oder ähnliche Frage im Vorstellungsgespräch stellen, entlarven Sie eine schlechte Vorbereitung. Alle wichtigen Kennzahlen zum Unternehmen hat ein motivierter und interessierter Bewerber nämlich vorab recherchiert und sich gemerkt. Der Rückschluss des Personalers lautet also: Sie möchten den Job nicht wirklich. Mitarbeiteranzahl, Branche, Standorte & Co sollten Sie im Vorstellungsgespräch parat haben und auf Nachfrage aufzählen können.

#2 Habe ich erst einmal ein halbes Jahr Urlaubsperre?

Natürlich interessieren Sie sich als Bewerber für grundlegende Dinge wie die Urlaubs- und Arbeitszeitenregelung im potenziellen neuen Job. Üblich ist in der Regel eine Probezeit zu Beginn des Arbeitsverhältnisses sowie eine Urlaubsperre von bis zu einem halben Jahr. Dennoch handelt es sich dabei um Details, welche Sie lieber erfragen, wenn es an die konkrete Vertragsverhandlung geht. Wer sofort nach dem Urlaub fragt, erwirkt schnell den Eindruck, es ginge ihm nur um die freie Zeit sowie die „Vorzüge“ im Job – und nicht um die Arbeitsstelle selbst.

#3 Erhalte ich dann einen Firmenwagen?

Solche „Vorzüge“ sind zum Beispiel ein Firmenwagen, flexible Arbeitszeiten oder Sonderzahlungen. Wenn solche in Ihrem zukünftigen Job enthalten sein sollten, erwähnt sie der Personal mit großer Wahrscheinlichkeit selbst im Rahmen der Unternehmensvorstellung – schließlich sind sie ein wichtiger Bestandteil des hauseigenen Employer Brandings.

Sollten diese Informationen nicht von selbst genannt werden, können Sie gerne nachhaken. Im Vorstellungsgespräch sollten Sie dabei aber äußerst vorsichtig vorgehen. Besser wäre es, wenn Sie bis zur Jobzusage abwarten und entsprechende Details später bei der Vertragsunterzeichnung regeln.

#4 Welches Gehalt kann ich erwarten?

Die Frage nach dem Gehalt ist eine, welche der Personaler ohnehin auf dem Schirm hat – garantiert! Allerdings sind nicht Sie in der Position, nach dem zu erwartenden Gehalt zu fragen, sondern meist werden hingegen Sie vom Personaler nach Ihrem Wunschgehalt gefragt. Seien Sie sich also im Klaren darüber, welches Einstiegsgehalt Sie erwarten. Der Personaler wird dieses aber in der Regel nicht kommentieren, sondern nur zur Kenntnis nehmen und notieren. Fragen wie „Was verdienen denn andere Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen?“ oder „Was bin ich Ihnen wert?“ wirken hingegen unprofessionell und die meisten Arbeitgeber verstehen bei diesem Thema nur wenig Spaß.

#5 Ab wann ist eine Beförderung möglich?

Sie präsentieren sich im Vorstellungsgespräch ambitioniert und erkundigen sich nach Ihren Perspektiven im Unternehmen? Super, dadurch wirken Sie gewiss motiviert und sammeln Pluspunkte. Dennoch müssen Sie sich Ihre Lorbeeren erst verdienen und Arroganz macht unsympathisch.

Lese-Tipp: Selbstbild: Warum Angeber im Beruf gute Karten haben

Wenn Sie also direkt davon ausgehen, dass Sie ohnehin befördert werden, und direkt wissen möchten, wann es so weit sein wird, schlägt Ihre angebliche Motivation schnell in Überheblichkeit um und der Personaler wird seine Entscheidung vielleicht noch einmal kritisch hinterfragen.

#6 Was ist am negativen Image wahr?

Das Unternehmen macht gerade negative Schlagzeilen, hat eine kritische Geschichte oder ein eher schlechtes Image in Ihrem sozialen Umfeld? Solche Fragen sollten Sie dennoch niemals stellen, denn kein Personaler holt sich gerne einen Kritiker in die eigenen Reihen. Wenn Sie also tatsächlich Zweifel daran haben, ob es sich um einen für Sie attraktiven Arbeitgeber handelt, recherchieren Sie lieber über Internet, Bekannte & Co oder schlagen Sie den Job vorsorglich aus – das ist wohl für alle Beteiligten die beste Lösung. Denn mit einem miesen Bauchgefühl werden auch Sie in Ihrer potenziellen neuen Arbeitsstelle gewiss nicht glücklich.

#7 Wie viele andere Bewerber haben Sie?

Sie möchten den Job unbedingt haben und sind ein ungeduldiger Mensch, welchem es vor der bangen Wartezeit bis zur endgültigen Zu- oder Absage graut? Das ist verständlich, aber da müssen Sie durch!

Lese-Tipp: Vorstellungsgespräch – So verabschieden Sie sich richtig

Den Personaler bei der Verabschiedung zu fragen, wie Ihre Chancen stehen oder wie viele andere Bewerber in der engeren Auswahl sind, hinterlässt einen unprofessionellen Eindruck. Eine brauchbare Antwort werden Sie ohnehin nicht erwarten können. Stattdessen folgt wahrscheinlich eine diplomatische Floskel und – wenn sich der Personaler unter Druck gesetzt fühlt – vermutlich eine Absage. Fragen Sie stattdessen, wann Sie mit einer Rückmeldung rechnen können und üben Sie sich dann in Geduld.

Lese-Tipp: Erfolg durch Geduld: Was lange währt, wird endlich gut!

15 Anregungen für „gute“ Bewerberfragen im Vorstellungsgespräch

Was Sie als Bewerber außerdem fragen können, um einen guten oder zumindest neutralen Eindruck zu hinterlassen, ist zum Beispiel:

  1.  Wie sieht es in dem Job mit Geschäftsreisen aus?
  2. Welche werden meine Tätigkeitsbereiche sein?
  3. Wie viele Mitarbeiter wird mein Team haben?
  4. Wer ist mein direkter Vorgesetzter?
  5. Ist mein Vorgänger noch im Unternehmen tätig?
  6. Handelt es sich um eine neu geschaffene Stelle und weshalb?
  7. Welche Erwartungen hegen Sie an mich als Mitarbeiter?
  8. Welche sind Ihre kurz-, mittel- und langfristigen Unternehmensziele?
  9. Wann haben Sie die Neuerung XYZ implementiert?
  10. Wie stehen Sie zu Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter?
  11. Welche werden im Detail meine Aufgabenbereiche sein?
  12. Wäre ich ausschließlich in diesem Standort tätig?
  13. Wissen Sie bereits, welche Kunden ich betreuen würde?
  14. Wie sehen meine beruflichen Perspektiven in Ihrem Unternehmen aus?
  15. Wie handhaben Sie die Einarbeitung für neue Mitarbeiter?

Welche weiteren guten oder schlechten Bewerberfragen kennen Sie? Welche Fragen hinterlassen bei Ihnen aus Personalerperspektive einen positiven Eindruck – und welche einen eher schlechten? Vielen Dank für Ihre Ergänzungen in den Kommentaren!

Anzeige

Ihr Kommentar zum Thema