„Finden Sie einen Beruf, den Sie lieben – und Sie müssen nie wieder arbeiten!”. Kommt Ihnen dieses Sprichwort bekannt vor? Natürlich träumt jeder Mensch davon, eines Tages den Job zu finden, der einen schon bei dem Gedanken an den nächsten Morgen mit Vorfreude erfüllt und bei welchem Sie nach dem Weckerklingeln freudig aus dem Bett springen und sich nichts Schöneres vorstellen können, als endlich wieder zur Arbeit zu dürfen. Klingt unrealistisch? Ist es in der Regel auch! Wir verraten Ihnen deshalb heute, was es wirklich damit auf sich hat, seinen Job zu „lieben“ und wie auch Sie das schaffen können.

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Erfolgreicher Mann liebt seinen Job
Bildnachweis: iStock.com/eclipse_images

Inhalt
1. Um Ihren Beruf zu lieben, müssen Sie kein „Star“ sein
2. Den perfekten Job gibt es nicht, sondern er ist Einstellungssache
3. Job-Hopping ist nicht die Lösung!
4. Genügsamkeit ist der Schlüssel zu einem Job, den Sie lieben
5. Wann sollten Sie stattdessen zur Kündigung greifen – und wieso?

Um Ihren Beruf zu lieben, müssen Sie kein „Star“ sein

Wenn Sie ein Kind nach seinen späteren Berufswünschen fragen, erhalten Sie meist die Antwort Feuerwehrmann, Pilot, Astronaut oder Bauer. Alles schöne Berufe, keine Frage, doch nur die wenigsten der Befragten werden diese Pläne im Erwachsenenalter auch in die Tat umsetzen. Stattdessen wandeln sich die Wünsche meist im Laufe der Kindheit und Pubertät. Die meisten Jugendlichen träumen von der großen Karriere als Musiker, Schauspieler, Model, Fußballer, Instagram-Star & Co. Irgendetwas mit Ruhm und Geld – das klingt für viele Menschen in unserer narzisstischen Gesellschaft erstrebenswert. Doch auch diese Wunschvorstellung werden nur die wenigsten Erwachsenen tatsächlich erfüllen. Bedeutet das also, dass Sie früher oder später irgendeinen zweitklassigen Job annehmen müssen, wenn es mit Ihrem eigentlichen Traum, der nächste Olympiasieger zu werden, nicht geklappt hat?

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Nein! Es gibt viele Berufe, die zwar mit weniger Geld, Macht oder gesellschaftlicher Anerkennung einhergehen, die Sie aber dennoch erfüllen können. Und ebenso merken viele „Stars“, dass die Realität weniger glamourös aussieht als in ihren Träumen. Plötzlich ist ihr Beruf doch nicht mehr so liebenswert, die Paparazzi treiben sie in den Wahnsinn, ihre Freunde sind nur auf das Geld oder den Ruhm aus und ständig diese Angst davor, eines Tages wieder „weg vom Fenster“, pleite und zurück in der Welt der 08/15-Menschen zu sein. Doch vielleicht merken sie dann auch, dass es in dieser Welt gar nicht so übel ist. Um Ihren Beruf zu lieben, müssen Sie nämlich kein „Star“ sein.

Den perfekten Job gibt es nicht, sondern er ist Einstellungssache

Die Schilderung macht eines deutlich: Wir leben in einer Gesellschaft mit überzogenen Erwartungen, unrealistischen Vorstellungen und „First World Problems“. Angetrieben durch die scheinbar perfekten Instagram-Feeds der Influencer und die schillernden Bilder aus Hollywood denken die Menschen in der westlichen Welt, ein perfektes Leben sei möglich und damit ein erreichbares Ziel. Doch selbst in Hollywood bröckeln zwischen Weinstein-Skandalen und Drogeneskapaden langsam aber sicher die Fassaden. Und immer mehr wird auch uns hierzulande bewusst: So etwas wie „Perfektion“ gibt es im Leben nicht – nicht in Hollywood, nicht in märchenhaften Liebesbeziehungen und eben auch nicht bei angeblichen Traumberufen.

Sogar das Vortrefflichste hängt von Umständen ab und hat nicht immer seinen Tag.

(Baltasar Gracián y Morales)

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Doch keine Sorge, wir möchten keine Schwarzmalerei betreiben und Sie anschließend frustriert sowie desillusioniert wieder ins Berufsleben entlassen. Die gute Nachricht ist nämlich: Wenn Sie endlich verstehen, dass Perfektion nicht existiert, können Sie lernen, Ihren Job zu lieben – ohne ein berühmter Musiker, Sänger, Sportler oder Visionär à la Steve Jobs zu sein.

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Im Gegenteil: Wahres Glück liegt in der Einfachheit des Lebens. Glückliche Menschen sind bescheiden, dankbar und in der Lage, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Das bedeutet keinesfalls, dass Sie arm sein oder im Minimalismus leben müssen, um glücklich zu werden. Keine Frage: Viele Menschen leiden unter finanziellen Problemen, Stress am Arbeitsplatz oder auch Krankheiten. Das lässt sich nicht schönreden. Doch mindestens genauso viele Menschen in Deutschland haben schlichtweg die Zufriedenheit verlernt.

Job-Hopping ist nicht die Lösung!

Sie wandern von einer Beziehung zur nächsten, von einem Wohnort zum nächsten und von einem Job zum nächsten – stets auf der Suche nach dem vermeintlichen Glück. Doch sie müssen immer wieder feststellen, dass sie es auch beim zehnten Umzug, achten Partner und zwölften Jobwechsel noch nicht gefunden haben. Das Problem liegt nämlich nicht im Äußeren, sondern im Inneren. Um beim Thema Beruf zu bleiben, bedeutet das: Sie müssen nicht in Job-Hopping verfallen, um eines Tages den perfekten Job zu ergattern. Sie werden diesen ohnehin nicht finden. Gleichzeitig müssen Sie sich aber auch nicht zwangsweise mit Ihrer Situation zufriedengeben und diese „lieben“ lernen.

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Denn wer im Job dauerhaft unzufrieden ist, setzt damit nicht nur sein Glück aufs Spiel, sondern auch seine Gesundheit. Folgen wie Migräne, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen, ein Burnout-Syndrom oder sogar Erkrankungen mit Todesfolge wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sind leider keine Seltenheit.

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Wie also finden Sie das richtige Maß? Wann ist es Zeit zu gehen? Und wann müssen Sie nur ein wenig Ihre Ansprüche herunterschrauben und wieder lernen, einfach zufrieden zu sein? Denn Hand aufs Herz: Den Job, bei welchem Sie jeden Morgen freudig aus dem Bett springen, gibt es schlichtweg nicht. Sie werden immer Tage haben, an welchen es Ihnen gesundheitlich nicht gut geht, Zeiten an denen Sie lieber Freizeit hätten und etwas mit Ihrer Familie unternehmen würden oder Phasen, in denen scheinbar alles schiefläuft.

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Sobald Sie eines Tages lieber im Bett bleiben als zur Arbeit gehen würden, müssen Sie längst noch nicht die Kündigung zücken. Ist Ihre Freude am Job hingegen gänzlich erloschen oder der Gedanke an den nächsten Tag bereitet Ihnen regelrechte Bauchschmerzen, sollten Sie rechtzeitig die Notbremse ziehen. Zudem gibt es weitere triftige Gründe, einen Job – manchmal sogar fristlos – hinzuschmeißen, wie wir Ihnen in folgendem Artikel bereits erläutert haben:

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Wir möchten Ihnen deshalb verraten, wie Sie es schaffen, Ihren Job (wieder) zu lieben und wann Sie stattdessen zur Kündigung greifen sollten.

Genügsamkeit ist der Schlüssel zu einem Job, den Sie lieben

Wenn die Liebe für Ihren aktuellen Job verlorengegangen ist oder diese nie existiert hat, wird es Zeit für ein wenig Selbstreflexion. Nehmen Sie sich Papier und Stift oder neumodischer den Laptop zur Hand und schreiben Sie nieder…

  • …weshalb Sie sich damals für den Job entschieden haben.
  • …was Sie seither in fachlicher sowie persönlicher Hinsicht gelernt haben.
  • …was Ihnen im Berufsalltag besonders viel Spaß macht.
  • …welchen Sinn Sie in Ihrer Tätigkeit sehen.
  • …welche Situationen Ihnen immer wieder das Gefühl geben, im „richtigen“ Job zu sein.
  • …wie Ihre Perspektiven und Wünsche für die Zukunft in diesem Beruf aussehen.
  • …was der Gedanke, diesen Job noch bis zum Renteneintritt auszuführen, in Ihnen auslöst.
  • …welche Erfolge Sie in der aktuellen Anstellung – oder Selbstständigkeit – bereits verzeichnet haben.
  • …wie die realistischen Alternativen aussehen würden.

Hinterfragen Sie also Ihre aktuelle berufliche Situation und Ihre damaligen Beweggründe, genau diesen Job zu wählen. Vielleicht hat sich das Betriebsklima seither zum Negativen verändert oder Sie haben sich persönlich in eine andere Richtung weiterentwickelt, sodass Sie in Ihrer ursprünglichen Berufswahl als Bänker keinen Sinn mehr sehen, sondern lieber als Erzieher arbeiten würden. In den meisten Fällen werden Sie jedoch merken, dass der Job noch genauso gut oder schlecht ist wie zu Beginn Ihrer Karriere und dass sich lediglich Ihr Fokus nach der Euphorie der Anfangszeit mittlerweile auf die negativen Aspekte des Berufsalltages verlagert hat.

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Es kann daher kleine Wunder für Ihre Zufriedenheit und Ihre „Liebe“ zum Job bewirken, wenn Sie sich die genannten Aspekte immer wieder ins Bewusstsein rufen und sich dadurch auf das Positive in Ihrem Beruf zurückbesinnen. Trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, sich auf die Erfolgserlebnisse, Fortschritte und anderen positiven Erlebnisse des (beruflichen) Alltags zu konzentrieren, statt auf das Negative. In erster Linie ist Glück nämlich nicht mehr als Einstellungssache. Diese Strategie ist vor allem für Job-Hopper empfehlenswert, die mit großer Wahrscheinlichkeit nach einer unrealistischen Utopie suchen und durch ihr Verhalten nicht nur ihrer Karriere schaden, sondern auch niemals ihr Ziel des Jobs, den sie „lieben“, erreichen werden.

Wann sollten Sie stattdessen zur Kündigung greifen – und wieso?

Menschen, die davon sprechen, dass sie ihren Job „lieben“, sind also in der Regel nicht außergewöhnlich reich, mächtig oder berühmt. Sie haben stattdessen gelernt, ihre Erwartungshaltung an die Realität anzupassen und schlichtweg zufrieden zu sein. Sie finden Freude, Sinn und Glück in den kleinen Erfolgen des Berufsalltages und Dingen wie netten Kollegen, dem „Danke“ eines Patienten oder der Freiheit flexibler Arbeitszeiten. Sollten Sie hingegen keine positiven Aspekte in Ihrem Berufsalltag finden können oder der Gedanke an den nächsten Arbeitstag bereitet Ihnen dennoch Bauchschmerzen, weil Sie zum Beispiel gemobbt werden, am Rande eines Burnout-Syndroms wandeln oder gegen Ihre eigenen Werte arbeiten – als Tierfreund im Schlachthof vielleicht – müssen Sie rechtzeitig die Notbremse ziehen und sich beruflich umorientieren. Aber wieso eigentlich?

  1. Gesundheit: Wie bereits erwähnt, setzen Sie Ihre Gesundheit aufs Spiel, wenn Sie dauerhaft im Job unglücklich sind. Natürlich gilt es im Leben und damit auch im Job manchmal schlechte Phasen zu überwinden. Doch wenn aus der Phase ein Dauerzustand wird und sich erste gesundheitliche Zipperlein – psychischer oder physischer Art – bemerkbar machen, ist es Zeit für die Kündigung oder interne Versetzung.
  2. Reue: Wenn Sie Ihr Leben in einem Beruf verbringen, der Sie unglücklich macht oder sogar gegen Ihre moralischen Werte verstößt, wird das früher oder später zu Reue führen. Sie werden eines Tages auf Ihrem Sterbebett liegen und sich fragen, weshalb Sie niemals den Mut hatten, Ihren Job zu kündigen und stattdessen Ihren Träumen nachzujagen. Natürlich sind nicht alle davon realistisch, doch Sie müssen und sollten sich eben auch nicht dauerhaft mit einem Zustand zufriedengeben, der Sie unglücklich macht. Eine Verbesserung der Situation ist nur durch Veränderung möglich.
  3. Erfolg: Zuletzt werden Sie garantiert niemals in einem Job dauerhaft erfolgreich sein, der nicht zu Ihnen passt. Nicht nur Ihre Gesundheit, sondern auch Ihre Motivation und Ihre Performance werden nämlich unter Ihrer Unzufriedenheit leiden. Schlimmstenfalls wird Ihre Karriere eines Tages jäh durch ein Burnout-Syndrom beendet. Wenn Sie hingegen einen Job finden, der in Ihnen Leidenschaft weckt und in welchem Sie einen tieferen Sinn sehen, verfügen Sie über eine hohe intrinsische Motivation, die Erfolg überhaupt erst auf lange Sicht möglich macht.

Schlussendlich müssen Sie also ein individuelles Gespür dafür entwickeln, wann Sie sich mit einer guten, aber nicht perfekten Situation zufriedengeben sollten und wann ein Job nicht (mehr) zu Ihnen passt und es Zeit wird für eine berufliche Veränderung. Gehen Sie deshalb regelmäßig in die Selbstreflexion, üben Sie sich in Bescheidenheit sowie Dankbarkeit und fassen Sie auf der anderen Seite aber auch den Mut zur Veränderung, sobald diese im Sinne der drei genannten Gründe notwendig wird. So kommen Sie früher oder später garantiert doch noch an einen Job, den Sie „lieben“ – sei es der bisherige oder ein neuer.

Lieben Sie Ihren Job? Weshalb (nicht)? Denken Sie auch, dass viele Menschen in Deutschland schlichtweg die Zufriedenheit verlernt haben? Oder sind Sie ein überzeugter Verfechter des Job-Hopping? Vielen Dank für Ihre Kommentare!