Manchmal währt die Freude nur kurz und nachdem Sie gerade erst den lang ersehnten Job ergattert haben, flattert noch in der Probezeit die Kündigung herein. Wie gehen Sie mit einer solchen Enttäuschung um? Und vor allem: Wie erklären Sie die Kündigung in der Probezeit bei der nächsten Bewerbung?

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Inhalt
1. Probezeit – Chance oder Risiko?
2. Ist die Probezeit gesetzlich vorgeschrieben?
3. „Hilfe!“ – Was tun bei einer Kündigung in der Probezeit?
4. Die Probezeit Revue passieren lassen und Kündigungsgründe analysieren
5. Wie geht es nach der Kündigung weiter?
6. Exkurs: Die Geschichte vom Mann und dem Pferd
7. Bewerbung nach der Kündigung in der Probezeit
8. Aus Fehlern lernen – Vorbereitung der nächsten Probezeit

Probezeit – Chance oder Risiko?

Bei vielen Arbeitsverträgen in Deutschland wird eine Probezeit vereinbart. Es handelt sich hierbei um einen Zeitraum, in welchem sowohl Arbeitgeber als auch -nehmer die Chance haben, erst einmal zu prüfen, ob die Zusammenarbeit überhaupt funktioniert.

Beide Seiten genießen in dieser Zeit einen gelockerten Kündigungsschutz. Für Sie als Arbeitnehmer bedeutet dies, dass Sie, sollten Sie sich bei der neuen Arbeitsstelle nicht wohlfühlen, mit einer Frist von gerade einmal zwei Wochen kündigen können. Ebenso verhält es sich aber leider auch andersherum: Sollte der Arbeitgeber mit Ihrer Leistung nicht zufrieden sein oder aber es treten unerwartete betriebliche Gründe auf, die ihn zur Kündigung veranlassen, kann er Sie bis zum letzten Tag der Probezeit mit einer Frist von nur zwei Wochen entlassen. Sozialplan? Abfindungszahlung? Pustekuchen! Die Probezeit ist daher für beide Seiten Chance und Risiko zugleich. Experten schätzen die Zahl der in der Probezeit gescheiterten Arbeitsverhältnisse auf rund 20 bis 25 Prozent.

Ist die Probezeit gesetzlich vorgeschrieben?

Die Probezeit ist gemäß §662 Abs. 3 BGB eine freiwillige Vereinbarung, von der aber der Großteil aller Arbeitgeber in Deutschland Gebrauch macht. Sie dauert höchstens sechs Monate, je nach Vertragsklauseln kann auch eine kürzere Probezeit festgelegt werden. Nach diesem halben Jahr greift das Kündigungsschutzgesetz, selbst dann, wenn im Arbeitsvertrag eine längere Probezeit vereinbart sein sollte. Auch eine Verkürzung der Kündigungsfrist während der Probezeit ist nicht möglich. Die 14 Tage sind hierbei aber als Minimum zu verstehen, eine längere Kündigungsfrist während der Probe kann durchaus im Arbeitsvertrag vereinbart werden.

Ausnahme: In Sonderfällen kann selbst in der Probezeit der gesetzliche Kündigungsschutz greifen, zum Beispiel bei Schwangerschaft oder Schwerbehinderung. Gesonderte Bedingungen gelten zudem in Ausbildungsverhältnissen. Unwirksam sind Kündigungen in der Probezeit weiterhin auch dann, wenn sie zu sogenannten „Unzeiten“ oder aus diskriminierenden Gründen ausgesprochen werden.

„Hilfe!“ – Was tun bei einer Kündigung in der Probezeit?

Auch, wenn die meisten Arbeitnehmer um den fehlenden Kündigungsschutz in der Probezeit wissen, ist es dennoch stets ein Schock, wenn tatsächlich die Kündigungserklärung im Briefkasten liegt. Es stehen meist Fragen im Raum, wie

  • War ich nicht gut genug?
  • Wieso habe ich versagt?
  • Was soll ich jetzt machen?
  • Nimmt mich ein anderer Arbeitgeber nun überhaupt noch?
  • Soll ich die Kündigung in meiner nächsten Bewerbung lieber verschweigen?
  • u. v. m.

Erst einmal ist es wichtig, dass Sie die Kündigung nicht als persönliches Scheitern bewerten, sondern in erster Linie haben der Arbeitgeber beziehungsweise die Stelle und Sie nicht zusammengepasst. Das ist nicht ungewöhnlich. Wie bereits erwähnt, scheitern knapp ein Viertel aller Arbeitsverhältnisse in der Probezeit. Anstatt also in Selbstzweifeln oder Selbstmitleid zu versinken, sollten Sie die Gründe für die Kündigung identifizieren, für die Zukunft wichtige Lehren ziehen und sich dann wieder aufs Pferd schwingen und neue Bewerbungen schreiben. Wie genau Sie dabei vorgehen, möchten wir Ihnen erläutern.

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Die Probezeit Revue passieren lassen und Kündigungsgründe analysieren

Natürlich dürfen Sie erst einmal geschockt sein, traurig oder wütend. Lassen Sie die Emotionen aber privat raus, zum Beispiel beim Boxen oder Joggen, auf keinen Fall aber am Arbeitgeber. Dieser könnte schließlich der beste Freund des Personalers sein, bei welchem Sie sich als nächstes bewerben. Wichtig ist daher, dass Sie im Fall einer Kündigung konstruktiv vorgehen und die Gründe analysieren. Hierfür können Sie natürlich das Vier-Augen-Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen und in professioneller Atmosphäre nach den Kündigungsgründen fragen.

Unsere Tipps für das Kündigungsgespräch lauten:

  • Treten Sie zurückhaltend und bescheiden, niemals aber als Opfer oder Bittsteller auf.
  • Zeigen Sie Kritikfähigkeit und Einsicht.
  • Versuchen Sie niemals Ihren Kollegen oder sogar dem Vorgesetzten selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben.
  • Bleiben Sie sachlich und gehen Sie niemals auf eine persönliche Ebene über.
  • Bringen Sie gerne auch Ihre Enttäuschung zum Ausdruck, ohne aber in Vorwürfen zu versinken.
  • Fragen Sie nach konstruktiven Verbesserungsvorschlägen oder Tipps für Ihren weiteren Werdegang.
  • Verabschieden Sie sich höflich und mit der Bitte um ein einfaches Arbeitszeugnis (qualifizierte Arbeitszeugnisse in der Probezeit sind unüblich).

Sollten Sie nicht die Chance auf ein solches Gespräch haben oder Sie erhalten nicht alle Antworten auf Ihre Fragen, gilt es, sich in Selbstreflexion zu üben:

  • Kam die Kündigung wirklich überraschend für Sie?
  • Welche Warnzeichen gab es vorab?
  • An welcher Stelle haben Sie eventuell Fehler gemacht oder ein falsches Verhalten an den Tag gelegt?
  • Was können Sie aus dieser Erfahrung lernen?
  • Woran müssen Sie persönlich oder im Bereich Ihrer Kompetenzen unbedingt arbeiten?
  • Welche Perspektiven ergeben sich nun für Sie?

Klar ist es schmerzhaft, sich Fehler eingestehen zu müssen und natürlich suchen Sie lieber die Schuld bei den egoistischen Kollegen oder dem Chef, der Sie gefühlt ohnehin von Anfang an auf dem Kieker hatte. Doch nur, wenn Sie die Erfahrung objektiv bewerten, Fehler identifizieren und für die Zukunft ausmerzen können, kommen Sie beruflich weiter und können einen dementsprechenden Karriereknick im Nachhinein als positive Erfahrung bewerten – und im Vorstellungsgespräch als eine solche verkaufen. Niederlagen gehören nun einmal zum (Berufs-) Leben. Doch versuchen Sie es positiv zu sehen: Diese bringen Sie persönlich und fachlich deutlich weiter als Erfolgserlebnisse und vielleicht ist die unerwartete Wendung ja im Nachhinein der größte Glücksfall Ihres Lebens.

Wie geht es nach der Kündigung weiter?

So manches Mal wartet nämlich direkt hinter der nächsten Ecke Ihr wahrer Traumjob. Also schnappen Sie sich Papier und Stift (oder natürlich den Laptop) und schreiben Sie munter neue Bewerbungen. Dies ist allerdings nur eine von vielen Möglichkeiten:

  • Sollte die Kündigung aus fachlichen Mängeln resultieren, könnten Sie zum Beispiel eine Fort- oder Weiterbildung in dem betreffenden Bereich machen und dadurch die Ihnen fehlenden Hard oder Soft Skills erwerben.
  • Hat der Arbeitgeber Sie gekündigt, da Sie immer wieder aufgrund einer körperlichen oder psychischen Erkrankung ausgefallen sind? Dann nutzen Sie die freie Zeit nun erst einmal, um sich auszukurieren oder sich in eine entsprechende Behandlung zu begeben.
  • Vielleicht war der Job aber auch einfach nicht das Richtige für Sie und dann kam eines zum anderen: Mangelnde Motivation, mittelmäßige Leistung, Unzufriedenheit beim Arbeitgeber, Kündigung…Stellen Sie sich dann doch einmal die Frage: Ist dieser Beruf überhaupt das Richtige für mich? Oder soll ich mich vielleicht an eine berufliche Neuorientierung, Umschulung oder sogar den Sprung in die Selbstständigkeit wagen?

Sie sehen: Eine Kündigung ist immer auch ein Zeichen, dass die jeweilige Arbeitssituation für Sie zumindest momentan nicht die richtige war. Es liegt nun an Ihnen, das Zeichen richtig zu deuten und daraus für sich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wo auch immer Sie Ihr Weg hinführt: Ob die Kündigung schlussendlich wirklich so ein Desaster war oder vielleicht sogar das größte Glück in Ihrem Leben, sollten Sie stets erst rückwirkend bewerten. Hierzu eine kleine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus:

Exkurs: Die Geschichte vom Mann und dem Pferd

Im alten China lebte ein Mann, der nicht sehr viel mehr besaß als ein Pferd.
Eines Tages lief das Pferd davon.
„Welch Unglück!“, bedauerten ihn die Dorfbewohner.
Der Mann aber entgegnete nur: „Man wird sehen…“

Nur wenige Tage später kam das Pferd zurück.
Doch es war nicht alleine, es brachte eine ganze Herde gesunder und starker Wildpferde mit sich.
„Welch ein Glück!“, riefen die Dorfbewohner.
Der Mann entgegnete wiederum: „Man wird sehen…“

Kurze Zeit später brach sich der Sohn des Mannes beim Versuch, eines der Pferde einzureiten, das Bein.
„Welch Unglück!“, hörte man die Dorfbewohner erneut sagen.
Der Mann hingegen sagte: „Man wird sehen…“

Als schließlich der Kaiser in den Krieg zog, schickte er seine Soldaten, alle jungen Männer zu rekrutieren.
Der Sohn jedoch, durfte aufgrund des gebrochenen Beines bei dem Mann bleiben.
„Welch ein Glück!“, beneideten ihn die anderen Dorfbewohner.
Der Mann aber sagte: „Ist es Glück oder Unglück? Man weiß es nie! Man wird sehen…“

Bewerbung nach der Kündigung in der Probezeit

Also lassen Sie sich nicht entmutigen und schwingen auch Sie sich wieder auf das Pferd. Früher oder später werden Sie sich vermutlich wieder auf eine neue Stelle bewerben – es sei denn, Sie haben sich für die Selbstständigkeit, eine Frührente o.ä. entschieden – und da kommen einige Fragen auf: Müssen Sie die Kündigung in der Bewerbung erwähnen? Sollten Sie die Kündigungsgründe schildern? Hat der Personaler das Recht darauf zu wissen, ob Sie als Arbeitnehmer gekündigt haben oder wurden? Wir haben Ihnen in Kürze das Wichtigste zur Bewerbung nach der Kündigung in der Probezeit zusammengetragen:

Frage 1: Müssen Sie die Kündigung in der Probezeit bei der Bewerbung erwähnen?

Nein! Prinzipiell gibt es keine Verpflichtung dazu, dass Sie die kurze Anstellung sowie die zugehörige Kündigung in der Probezeit in der Bewerbung oder auch im Vorstellungsgespräch erwähnen. Lügen allerdings, dürfen Sie im Bewerbungsprozess nicht (außer bei unerlaubten Fragen im Bewerbungsgespräch). Das bedeutet: Möchten Sie die Kündigung verschweigen, ergibt sich eventuell eine Lücke in Ihrem Lebenslauf. Wie Sie mit dieser umgehen können, erklären wir Ihnen im Artikel „Lücken im Lebenslauf: Richtige und kreative Erklärungen“.

Unser Tipp lautet: Bei einer Kündigung nach zwei oder weniger Monaten, können Sie das Arbeitsverhältnis getrost verschweigen. Ging die Probezeit länger, sollten Sie Lücken im Lebenslauf unbedingt vermeiden. Können Sie diesen Zeitraum also nicht anderweitig sinnvoll und ehrlich füllen, nehmen Sie die Probezeit lieber in die Bewerbung mit auf, allerdings ausschließlich im Lebenslauf. Im Anschreiben hat sie nichts verloren. Weitere Erläuterungen können Sie sich für das Vorstellungsgespräch aufsparen.

Frage 2: Muss ich im Bewerbungsgespräch die Kündigungsgründe darlegen?

Natürlich dürfen Sie auf die Frage nach der Lücke im Lebenslauf oder den Gründen für Ihre kurze Beschäftigung nicht lügen. Allerdings gilt es auch nicht, dem Personaler Ihre Erfahrung mit allen pikanten Details zu schildern. Machen Sie sich bewusst, was Ihr Gegenüber wirklich interessiert. Dies sind nämlich vor allem zwei Dinge:

  1. Habe ich etwas übersehen, das gegen die Einstellung dieses Bewerbers spricht?
  2. Hat der Bewerber aus der Kündigung gelernt und wird er die Fehler in Zukunft vermeiden?

Es hilft daher weder Ihnen noch Ihrem Gesprächspartner, wenn Sie nun über Ihre ehemaligen Kollegen herziehen oder dem Vorgesetzten die Schuld an der Kündigung geben. Im Gegenteil: So hinterlassen Sie einen unprofessionellen und unreifen Eindruck. Schildern Sie hingegen in Kürze, weshalb die Stelle und Sie nicht zusammengepasst haben, zeigen Sie Kritikfähigkeit und Professionalität und stellen Sie heraus, was Sie aus dieser Erfahrung gelernt haben und wieso Selbiges bei dem neuen Unternehmen garantiert nicht wieder passieren wird. So könnte es doch sein, dass

  • die Aufgabengebiete völlig anders waren als erwartet beziehungsweise in der Stellenanzeige beschrieben und daher überhaupt nicht zu Ihren Kompetenzen passten.
  • Sie sich nicht mit der Unternehmenskultur identifizieren konnten und sich im Betriebsklima unwohl gefühlt haben.
  • Sie für sich gemerkt haben, dass dieser Beruf nicht die richtige Wahl war und Sie deshalb zum jetzigen Beruf umgeschult haben.

Mehr dazu lesen Sie hier: Kündigungsgründe im Bewerbungsgespräch erklären.

Aus Fehlern lernen – Vorbereitung der nächsten Probezeit

Während sich eine Kündigung in der Probezeit in der Bewerbung noch vertuschen oder zumindest durch geschicktes Selbstmarketing ausmerzen lässt, sollte Ihnen das natürlich kein zweites Mal passieren. Dann nämlich liegt die Vermutung für den Personaler nahe, dass das Problem doch bei Ihnen liegt und nicht bei dem jeweiligen Arbeitgeber. Es gilt daher, die nächste Probezeit gründlich vorzubereiten und aus den Fehlern, die zur Kündigung geführt haben, zu lernen.

„Ein Fehler ist erst dann ein Fehler, wenn Sie ihn zweimal machen“

, so lautet ein bekanntes Sprichwort. Das bedeutet einerseits, dass Sie nur einen Job annehmen sollten, bei welchem Sie länger als lediglich über die Dauer der Probezeit hinweg bleiben möchten. Sie wissen ja nun hoffentlich ein wenig besser, welche Tätigkeiten Ihnen liegen oder wann Ihre Menschenkenntnis Alarm schlägt. Hören Sie bei der Entscheidung auch auf Ihr Bauchgefühl. Andererseits sollten Sie natürlich Ihr Bestes geben, Professionalität an den Tag legen und mögliche Missverständnisse oder Konflikte frühzeitig ansprechen sowie beheben. Dann kann in der Probezeit eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Probezeit oder einer Kündigung in der Probezeit gemacht? Und welche Tipps können Sie dadurch unseren Lesern für die Bewerbung nach einer Kündigung in der Probezeit mit auf den Weg geben? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen in den Kommentaren, bedanken uns und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihrer nächsten Probezeit.