Gehören Sie zu den Menschen, welche in einer neuen Situation erst einmal eine Weile brauchen, um sich zu „akklimatisieren“? Vielen Bewerbern geht es ähnlich, doch leider sind gerade die ersten Minuten in einem Vorstellungsgespräch häufig die entscheidenden. Die Begrüßungssituation souverän zu meistern, kann Ihre Fahrkarte in den neuen Job werden. Wie also sollten Sie sich zu Beginn eines Bewerbungsgespräches verhalten?

Bewerberin begrüßt Personaler im Vorstellungsgespräch
Bildnachweis: iStock.com/sturti

Inhalt
1. Jedes Vorstellungsgespräch ist ein Sprung ins kalte Wasser
2. Das Problem mit dem ersten Eindruck
3. Lautet die Devise also „Fake It Till You Make It“?
4. Schritt für Schritt durch die Begrüßungssituation im Vorstellungsgespräch
5. Schritt 1: Stellen Sie sich vor!
6. Schritt 2: Stehen Sie auf!
7. Schritt 3: Achten Sie auf einen festen Händedruck!
8. Schritt 4: Merken Sie sich die Namen!
9. Schritt 5: Wählen Sie die richtige Reihenfolge!
10. Schritt 6: Bedanken Sie sich!
11. Schritt 7: Streichen Sie das Wort „Nein“!
12. Schritt 8: Warten Sie auf Anweisungen!

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Jedes Vorstellungsgespräch ist ein Sprung ins kalte Wasser

Vor einem Bewerbungsgespräch nervös zu sein und sich gerade zu Beginn nicht sonderlich wohl zu fühlen, ist vollkommen normal. Die meisten Bewerber betreten den Raum mit schwitzigen Händen und Herzrasen. Erst, wenn Sie sich im Laufe des Gesprächs wohl zu fühlen beginnen, lässt die Nervosität langsam nach, Sie werden selbstbewusster und gelassener.

Lese-Tipp: „Just relax: 5 Tipps für mehr Gelassenheit im Job

So oder so ähnlich geht es vielen Menschen. Sie müssen sich in neuen Situationen und ungewohnten Umgebungen erst einmal „zurechtfinden“. Dabei handelt es sich um einen völlig normalen Prozess im Gehirn. Unwillkürlich scannt es die fremden Gesichter, Räumlichkeiten & Co nach möglichen Gefahren ab und versucht vorherzusagen, was als Nächstes passieren könnte. Ein Mechanismus, welcher wieder einmal beeindruckend beweist, dass unsere Gehirne zu wesentlichen Teilen nach wie vor aus der Zeit der „Jäger und Sammler“ stammen. Für das Gehirn bedeutet jedes Vorstellungsgespräch daher einen Sprung ins kalte Wasser, eine Herausforderung, ja eine mögliche Gefahr.

Das Problem mit dem ersten Eindruck

An dieser Stelle spielt es Ihnen aber einen fiesen Streich, denn gerade diese ersten „unsicheren“ Momente sind in einem Bewerbungsgespräch die wichtigsten. Der erste Eindruck ist bekanntlich bleibend und in diesem präsentieren Sie sich nicht selten unsicher, angespannt und nervös. In Extremfällen bringen Sie vielleicht kaum ein Wort über die Lippen, verhaspeln sich und begrüßen den Personaler mit zittrigen Händen. Im Laufe des Gesprächs werden Sie hingegen immer souveräner, präsentieren sich selbstbewusst und beginnen, sich zu entspannen.

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Bei der Verabschiedung ist der Schweiß von Ihren Händen längst getrocknet, Ihre Orientierung sagt Ihnen genau, wo der Ausgang ist, und Ihnen liegt ein strahlendes Lächeln der Erleichterung auf den Lippen. Eigentlich sollte es also dieser letzte Eindruck sein, welcher dem Personaler im Gedächtnis bleibt. Er ist in der Regel nicht nur viel positiver, sondern auch deutlich realistischer. Schließlich basiert der erste Eindruck lediglich auf optischen und akustischen Reizen wie Ihrem Aussehen, Ihrer Körpersprache, Ihrer Stimme oder Ihrer Mimik. Über Sie als Person sagt er also – vor allem angesichts der Ausnahmesituation, in welcher Sie sich befinden – so gut wie überhaupt nichts aus. So viel zur Theorie. In der Praxis ist es leider genau dieser erste Eindruck, der häufig über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Und das auch, aber nicht nur, in Bewerbungsgesprächen.

Lautet die Devise also „Fake It Till You Make It“?

Wie Sie einen guten ersten Eindruck hinterlassen und warum das so wichtig ist, haben wir Ihnen bereits in folgendem Artikel erläutert:

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Lese-Tipp: „Der erste Eindruck zählt: Mit diesen 6 Verhaltensweisen begeistern Sie Personaler, den Chef oder die neuen Kollegen

Die Fragen, welche uns heute stattdessen beschäftigen, sind: Wie sollten Sie sich in der Begrüßungssituation bei einem Vorstellungsgespräch verhalten? Welchen Knigge gilt es zu befolgen? Und wohin mit Ihrer Nervosität? Prinzipiell bleibt Ihnen erst einmal nichts anderes übrig, als Ihr Gehirn auszutricksen. Je selbstbewusster Sie sich nach außen geben, umso überzeugender wird das nicht nur auf Ihr Gegenüber, sondern auch auf Sie selbst wirken. Egal, wie ängstlich Sie sich in Wirklichkeit fühlen: Ihr Motto lautet erst einmal „Fake It Till You Make It“. Befolgen Sie also unsere Regeln für die Begrüßung in einem Bewerbungsgespräch und geben Sie sich souverän, bis Ihr Gehirn sich an die neue Situation gewöhnt hat und langsam entspannt.

Schritt für Schritt durch die Begrüßungssituation im Vorstellungsgespräch

Wenn Sie dank unserer Tipps Selbstbewusstsein ausstrahlen, auf Mimik, Gestik, Körperhaltung und Worte achten, hinterlassen Sie gewiss auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Dennoch zeigen sich viele Bewerber verunsichert, wie sie sich konkret in der Begrüßungssituation verhalten sollen. Wir haben Ihnen deshalb einen Leitfaden mit acht kurzen Schritten zusammengestellt – noch bevor Sie sitzen und das eigentliche Gespräch beginnt:

Schritt 1: Stellen Sie sich vor!

Wie bereits erwähnt, müssen Sie sich nach Betreten des Unternehmensgeländes beziehungsweise -gebäudes erst einmal orientieren. Doch stehen Sie nicht einfach verloren in der Gegend herum, sondern gehen Sie schnurstracks auf die Rezeption zu, um sich anzumelden.

„Guten Tag, ich bin Herr Mustermann und habe um 14 Uhr ein Bewerbungsgespräch mit Frau Musterfrau.“

Nun werden Sie entweder die Aufforderung zum Hinsitzen und Warten erhalten oder Sie werden direkt in den Raum des Vorstellungsgespräches oder zu Ihren Ansprechpartnern geführt. Stehen Sie hingegen nur passiv im Flur, bis Sie irgendwann à la „Wer sind Sie und was wollen Sie hier eigentlich?“ angesprochen werden, hinterlässt das einen unprofessionellen sowie verunsicherten Eindruck. Sollte es keine Rezeption geben, wie in vielen kleineren Unternehmen üblich, werden Sie dennoch aktiv: Gehen Sie auf die nächste Person, welche Ihren Weg kreuzt, zu.

„Entschuldigung, darf ich Sie kurz stören? Ich heiße Herr Mustermann und habe um 14 Uhr ein Bewerbungsgespräch bei Frau Musterfrau. Wissen Sie vielleicht, wo ich sie finde oder wo ich mich anmelden soll? Vielen Dank!“

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ihnen die angesprochene Person nicht weiterhelfen kann, probieren Sie es bei der nächsten einfach erneut. Bleiben Sie geduldig und freundlich. Sie werden Ihren Weg schon finden. Besser als Däumchendrehen ist Ihre Eigeninitiative allemal – und sie stellt zugleich eine willkommene Abwechslung von Ihrer Nervosität dar.

Schritt 2: Stehen Sie auf!

In den meisten Fällen müssen Sie noch auf Ihre Gesprächspartner warten. Werden Sie zum Sitzen aufgefordert, folgen Sie der Anweisung gerne. Dennoch sollten Sie aufstehen, sobald eine Person zielgerichtet auf Sie zusteuert und Augenkontakt herstellt. Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um einen Gesprächspartner, eine Personalerin vielleicht oder den CEO höchstpersönlich handelt – und nicht nur um einen vorbeihaschenden Praktikanten. Stehen Sie zu spät auf, hinterlässt das einen unhöflichen Eindruck. Bleiben Sie also aufmerksam und reagieren Sie schnell. In das Smartphone vertieft zu sein und erst einmal durch ein Räuspern aufgeschreckt werden zu müssen, wirkt höchst unprofessionell sowie desinteressiert.

Schritt 3: Achten Sie auf einen festen Händedruck!

Es ist die immer gleiche Geschichte vom Händedruck. Doch sie hat ihre Daseinsberechtigung. Ein Großteil der Personal achtet tatsächlich auf einen festen Händedruck. Fühlt sich Ihre Hand schweißnass oder lasch wie ein „toter Fisch“ an, schließen viele Experten auf wenig Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit. Ob ein Händedruck wirklich so viel über eine Person aussagt, ist fraglich. Ein „falscher“ Händedruck bedeutet aber zumindest, dass Sie sich schlecht vorbereitet haben. Üben Sie stattdessen im Voraus mit Freunden oder Bekannten und achten Sie unbedingt auf trockene Hände – aller Nervosität zum Trotz.

Schritt 4: Merken Sie sich die Namen!

Ihr Gesprächspartner wird vermutlich so oder so ähnlich auf Sie zukommen:

„Herr Mustermann, guten Tag, ich bin Frau Musterfrau. Schön, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben. Bitte folgen Sie mir. Hatten Sie eine gute Anreise?“

Mit etwas Smalltalk geht es dann in Richtung Besprechungszimmer oder – sollten Sie sich bereits darin befinden – es folgt direkt die Begrüßungsrunde. Wichtig ist nun, dass Sie sich nicht nur den Namen von „Frau Musterfrau“ merken, sondern auch jene all Ihrer anderen Gesprächspartner im Raum. Wenn Sie jeden davon auch am Ende des Bewerbungsgesprächs noch mit dem korrekten Namen ansprechen können, schinden Sie garantiert Eindruck. Es zeugt zudem von Interesse und Respekt. Aber was, wenn Sie Probleme damit haben, sich Namen zu merken – vor allem angesichts der Stresssituation? Versuchen Sie es mit einer Eselsbrücke, wie in folgendem Artikel beschrieben:

Lese-Tipp: „Neuer Job? 10 Überlebenstipps für die ersten 30 Tage

Schritt 5: Wählen Sie die richtige Reihenfolge!

Bei der Begrüßungsrunde ist aber nicht nur wichtig, dass Sie die Namen Ihrer Gesprächspartner kennen, sondern Sie müssen diese auch unbedingt in der richtigen Reihenfolge begrüßen. Beginnen Sie bei der hierarchisch am höchsten gestellten Person. Arbeiten Sie sich anschließend quasi „vom CEO zum Praktikanten“ vor. Aber woher sollen Sie wissen, wer wer ist? Gute Frage! Warten Sie erst einmal ab, ob nicht Ihr Gegenüber selbst die Initiative ergreift. Dies ist in den meisten Vorstellungsgesprächen der Fall. Ansonsten können Merkmale wie Alter, Kleidung oder Sitzposition am Tisch wichtige Hinweise auf die Hierarchie sein.

Schritt 6: Bedanken Sie sich!

Stellen Sie sich jedem Gesprächspartner mit Ihrem Namen vor und schütteln Sie dessen Hand. Bedanken Sie sich anschließend für die Einladung zum Vorstellungsgespräch und drücken Sie Ihre Freude über diese Chance aus. Höflichkeit hat schließlich noch nie geschadet – auch nicht im Bewerbungsgespräch.

Schritt 7: Streichen Sie das Wort „Nein“!

Das Wort „Nein“ wirkt bei der Begrüßung sehr unhöflich, selbst wenn Sie es durch ein „Danke“ ergänzen. Wird Ihnen also etwas zum Trinken angeboten, sagen Sie stattdessen „Ja, gerne. Vielen Dank“. Auch, wenn Sie das Glas Wasser oder den Kaffee schlussendlich kaum anrühren, hinterlassen Sie dadurch einen sympathischeren Eindruck. Zudem wäre es seltsam, würden Sie zu Beginn ablehnen und dann im Laufe des Gesprächs doch nach etwas Wasser fragen. Also gehen Sie lieber auf Nummer sicher!

Schritt 8: Warten Sie auf Anweisungen!

Haben Sie die bisherigen sieben Schritte sowie die Tipps aus dem Video beachtet, müssen Sie nun eigentlich nur noch auf die Anweisung zum Hinsetzen warten und schon kann das Gespräch losgehen. Sich von selbst einfach zu setzen – vor allem, wenn Ihre Gesprächspartner noch stehen – wäre äußerst unhöflich.

Geschafft! Leider war das erst die Begrüßung und die wahre Herausforderung, das eigentliche Bewerbungsgespräch, haben Sie noch vor sich. Bleiben Sie also konzentriert und geben Sie Ihr Bestes. Und zwar nicht nur bis zur Verabschiedung, sondern bis Sie außer Sicht- und Hörweite des Unternehmens sind. Aber weitere Informationen hierzu finden Sie im Artikel:

Lese-Tipp: „Vorstellungsgespräch – So verabschieden Sie sich richtig

Klingt kompliziert? Niemand hat behauptet, ein Bewerbungsgespräch wäre einfach. Schließlich handelt es sich um eine Ausnahmesituation mit allen eingangs geschilderten Stressfaktoren für das Gehirn. Doch auch hier gilt: Übung macht den Meister. Und wenn Sie stets authentisch, sympathisch und motiviert bleiben, wird es schon schiefgehen. Ansonsten wissen Sie ja: „Fake It Till You Make It“!

Oder was denken Sie? Worauf sollte der Bewerber bei der Begrüßung noch achten? Welche sind in Ihren Augen absolute No-Gos? Oder ist der erste Eindruck Ihrer Meinung nach vielleicht gar nicht so wichtig? Wir bedanken uns für Ihre Kommentare!


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