Stellenabbau, Mobbing, arbeitgeberseitige Kündigung? Es kann viele Gründe geben, weshalb Sie mit über 50 noch einmal Ihre Arbeitsstelle wechseln (müssen). Sei es unfreiwillig oder weil Sie sich nach einer neuen Herausforderung sehnen und sich zu jung fühlen, um noch weitere zehn, 15 oder auch 20 Jahre in ein und demselben perspektivlosen Job zu versauern: Eine Bewerbung mit über 50 ist alles andere als ungewöhnlich – aber eine echte Herausforderung. Denn die Vorurteile gegenüber „älteren“ Bewerbern sind groß und die Stellen sind je nach Branche rar. Wir verraten Ihnen mit unseren Bewerbungstipps heute, wie es dennoch klappt mit dem neuen Job.

Inhalt
1. Best Ager: Die Generation 50plus möchte arbeiten!
2. Vorurteile, Probleme & Co: Wie viele Hürden warten auf Bewerber 50plus?
3. Gleichbehandlungsgesetz? Von wegen! Jeder vierte Manager hat Vorurteile
4. Aber: Den Best Agern stehen „Best Times“ bevor
5. Stichwort „Erfahrung“: Der unbestreitbare Vorteil der Gold Agers
6. Der Diversity-Ansatz: Kunden schätzen ältere Arbeitnehmer
7. So bitte nicht! Typische Fehler in der Bewerbung von älteren Arbeitssuchenden
8. Checkliste: Schritt für Schritt zur perfekten Bewerbung 50plus
9. Bewerbung 50plus: Muster für Anschreiben und Lebenslauf

Best Ager: Die Generation 50plus möchte arbeiten!

Die heutige Generation 50plus besitzt viele Namen: Best Ager, Silver Ager, Golden Ager, Generation Gold, Third Ager oder Mid-Ager. Nennen Sie sie, wie Sie möchten. Fakt ist: Die Best Ager möchten arbeiten. Wer heutzutage mit über 50 seinen Job verliert – aus welchen Gründen auch immer – wird zu hören bekommen:

„Für eine neue Anstellung sind Sie ohnehin viel zu alt.“
„In dem Alter haben Sie auf dem Bewerbermarkt doch keine Chance mehr.“
„Gehen Sie einfach in Frührente!“

Das Problem an der Sache ist: Eine Frührente können sich nur die wenigsten Betroffenen leisten und vor allem: Sie möchten auch nicht. Die Generation Gold ist nämlich fleißig, rechtschaffen und diszipliniert. Einfach die Füße hochlegen und den „Lebensabend“ genießen? Für die meisten unter Ihnen klingt das eher nach einem Albtraum voller Langeweile als nach erholsamem Urlaub. Die Lebenserwartung unserer westlichen Gesellschaft steigt ständig und immer mehr Menschen sind bis ins hohe Alter fit – und damit auch arbeitsfähig. Gemäß dem Motto
Alter und rostiger Truck
arbeiten die Menschen immer länger. Das liegt nicht (nur) am erhöhten Renteneintrittsalter oder der zunehmenden Altersarmut. Viele Best Ager oder sogar Rentner wollen schlichtweg arbeiten, wie eine auf Statista veröffentlichte Umfrage beweist:

Infografik: Alte im Unruhestand | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Egal, ob Sie mit 50plus oder sogar im Rentenalter also noch arbeiten wollen oder müssen: Hören Sie nicht auf die Sprüche Ihres sozialen Umfelds. Mit über 50 sind Sie keineswegs zu alt für einen Jobwechsel oder den Wiedereinstieg in Ihren Beruf. Auch immer mehr Mütter entscheiden sich für eine zweite Karriere, wenn die Kinder aus dem Haus sind und das Nest leer ist. Eine Bewerbung mit 50+ ist absolut kein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest dann nicht, wenn Sie die folgenden Tipps beachten. Mit zunehmendem Alter haben Sie einem Arbeitgeber nämlich immer noch viel zu bieten – nur eben andere Dinge als Berufseinsteiger oder die „Digital Natives“ der jungen Generation Y.

Lesetipp:Umbruchstimmung: Wie die Generation Y die Arbeitswelt verändert

Vorurteile, Probleme & Co: Wie viele Hürden warten auf Bewerber 50plus?

Wenn Sie mit über 50 eine Kündigung erhalten oder sich selbst für einen Jobwechsel entscheiden, werden Sie mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert. Zu teuer seien sie, nicht auf dem aktuellsten Stand der Dinge, überfordert mit der Digitalisierung und zu unflexibel. An Klischees mangelt es nicht, wenn es um ältere Arbeitssuchende geht – und an Hindernissen leider auch nicht. Tatsächlich sehen sich viele Bewerber 50+ neben den Vorurteilen mit zahlreichen weiteren Herausforderungen konfrontiert:

  • Sie haben sich vielleicht seit zehn, 20 oder sogar 30 Jahren nicht mehr beworben.
  • Der Bewerbungsprozess sowie die Anforderungen an eine Bewerbung haben sich seither grundlegend verändert.
  • Dies beginnt bereits bei den Stellenanzeigen: Diese haben sich nicht nur in ihrem Stil gewandelt, sondern auch in ihrem „Ort“. Viele Unternehmen veröffentlichen ihre Jobausschreibungen nunmehr ausschließlich digital, in Jobportalen, sozialen Netzwerken oder auf der Firmenhomepage.

Infografik: Bewerbungen in Deutschland | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

  • Viele Unternehmen setzen auf digitale oder Online-Bewerbungen.
  • Zwischen Bewerberblogs, You-Tube-Bewerbungen & Co wird es immer schwieriger, aus der Masse herauszustechen.
  • Die Bewerbungsunterlagen sowie das Bewerbungsbild müssen modern sein und dürfen niemals „altbacken“ wirken.
  • Die Anforderung hinsichtlich der Professionalität und des Selbstmarketings eines Jobsuchenden sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen.
  • Die Bewerbungsunterlagen müssen also nicht nur mit Müh und Not abgetippt werden, sondern für ein überzeugendes Design sind versierte Kenntnisse in InDesign, Word & Co erforderlich – oder hilfsbereite Freunde, Kinder, Bekannte…
  • In vielen Stellenausschreibungen werden Bewerber mittlerweile dazu aufgefordert, bereits konkrete Gehaltsvorstellungen zu nennen. Klar, dass ein Kandidat über 50 hier deutlich über den Vorstellungen eines Berufseinsteigers liegen wird. Für den ein oder anderen Personaler Grund genug, die Bewerbung direkt in den Reisswolf zu stecken.

Besonders kniffelig kann der Bewerbungsprozess für Sie außerdem werden, wenn sich Ihr Alter eventuell doch bereits in dem ein oder anderen gesundheitlichen Problemchen bemerkbar macht. Gut, wenn sich diese (noch) nicht nachteilig auf Ihre Arbeitsleistung auswirken und Sie sie problemlos vertuschen können. Schlecht, wenn nicht!

Lesetipp:Lebenslauf: Lange Krankheit erwähnen oder nicht?

Gleichbehandlungsgesetz? Von wegen! Jeder vierte Manager hat Vorurteile

In Deutschland werden große Stücke auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gegeben. Hier lautet es bereits in den einleitenden Zeilen:

„§ 1 Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse
oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung,
einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität
zu verhindern oder zu beseitigen.“
(Quelle: AGG)

Ein älterer Arbeitssuchender muss daher bei den Unternehmen dieselben Chancen erhalten wie die jüngere Konkurrenz. Klingt gut, diese Theorie oder? Leider gestaltet sich das in der Praxis anders, wie das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in einer Befragung von über 1.350 Managern und Personalverantwortlichen herausfand:

Demnach hat jeder vierte Entscheidungsträger in Deutschland Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern, welche sich auch im Bewerbungsprozess nachteilig auswirken können.

Sie sind überzeugt: Ältere Arbeitnehmer seien weniger leistungsfähig und könnten mit dem modernen Arbeitstempo nicht (mehr) mithalten. Sie seien zudem weniger leistungsbereit, sprich motiviert, da sie ja ohnehin „bald in Rente“ gehen. 27 Prozent der Befragten glauben, Mitarbeiter über 50 hätten keine Lust mehr sich weiterzubilden und seien daher weniger ideenreich, kreativ und engagiert als ihre jüngeren Kollegen. Und das letzte Vorurteil hat sich sogar in fast der Hälfte der Köpfe von Entscheidungsträgern festgebrannt: 44 Prozent glauben, ältere Angestellte seien häufiger sowie länger krank – und würden ihre Krankschreibung gerne einmal über den notwendigen Zeitraum hinweg ausdehnen.

„Auch im Zeitalter der Gleichberechtigung
werden sich gewisse kleine Unterschiede nicht beseitigen lassen.“
(Robert Muthmann)

Gleichberechtigung? Von wegen!

Aber: Den Best Agern stehen „Best Times“ bevor

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels: Der Arbeitsmarkt verändert sich derzeit in rasantem Tempo, was auch positive Auswirkungen auf den Umgang mit Bewerbern über 50 nach sich zieht. Dies hat vor allem drei grundlegende Ursachen:

  1. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass immer weniger jüngere Jobsuchende nachrücken und sich in manchen Branchen bereits der in Kürze erwartete Fachkräftemangel bemerkbar macht. Für Sie als Bewerber 50plus bedeutet dies weniger „junge Konkurrenz“, mit welcher Sie sich im Bewerbungsprozess messen müssen. Tatsächlich sind schon jetzt 40 Prozent der deutschen Bevölkerung über 50 Jahre alt. Tendenz steigend.
  2. Der Fachkräftemangel hat zudem steigende Gehälter zur Folge, schon bei jungen Arbeitnehmern oder Berufseinsteigern. Das Argument „ältere Arbeitnehmer seien zu teuer“ ist daher auf Dauer nicht mehr tragbar, was Sie in eine bessere Verhandlungsposition bugsiert.
  3. Zuletzt verbessert sich mit der steigenden Lebenserwartung auch der Gesundheitszustand der Best Agers. Die meisten sind auch mit über 50 noch leistungsfähig und lassen sich von den jüngeren Mitarbeitern nicht mehr so schnell den Rang ablaufen. Alt? Das sind Sie vielleicht mit 80 oder 90 – aber doch noch nicht mit 50! Hierfür sprechen auch die aktuellen Zahlen der Arbeitsmarktforscher: Etwa 70 Prozent der 55- bis 59-Jährigen befinden sich noch in einem Beschäftigungsverhältnis und sogar bei den 60- bis 64-Jährigen sind es noch 41 Prozent (Quelle: Spiegel).

Diese Veränderungen bewirken, dass auch in deutschen Unternehmen langsam aber sicher notgedrungen ein Umdenken stattfindet und sie die Vorteile von Diversity schätzen lernen. Laut Jobware sind bereits in 56 Prozent der Betriebe „altersgemischte“ Teams zu finden, in welcher sich die Erfahrung der älteren bewusst mit dem Knowhow der nachrückenden Generationen mischen soll.

Stichwort „Erfahrung“: Der unbestreitbare Vorteil der Gold Agers

Bewerberin mit langjähriger Berufserfahrung
Erfahrung soll an dieser Stelle unser Stichwort sein. Sie ist das größte Argument für einen Bewerber 50plus. Fehlende Berufserfahrung wird immer wieder bei der jungen „Generation Y“ bemängelt. Aus diesem Grund tun sich viele Absolventen zunehmend schwer mit dem Berufseinstieg und werden spöttisch bereits die „Generation Praktikum“ genannt.

Lesetipp:Generation Praktikum: Sprung in die Festanstellung

Doch Erfahrung ist lange nicht der einzige Vorteil eines älteren Arbeitssuchenden gegenüber seinen jüngeren Konkurrenten, hinzu kommen:

  • mehr Verantwortungsbewusstsein
  • langjährige Erfahrung und breites Knowhow in Ihrem Fachbereich
  • hohe Produktivität durch Routine
  • bessere Menschenkenntnis
  • über die Jahre optimierte Soft Skills
  • weniger Ablenkungen im Privatleben (Geburten, Hauskauf & Co)
  • höhere Stressresistenz bei Problemen oder Zeitdruck
  • größeres Netzwerk, welches dem Arbeitgeber zugutekommen kann
  • bessere Flexibilität hinsichtlich Urlaubszeiten oder Wohnort (keine kleinen Kinder o.ä.)
  • mehr Gelassenheit
  • Erfahrung im Umgang mit Konflikten
  • genauere Vorstellungen der persönlichen Ziele, Wünsche und Bedürfnisse, aber auch Grenzen
  • bessere emotionale Stabilität
  • ausgeprägteres Verantwortungsbewusstsein
  • geringerer Wankelmut und dadurch höhere Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
  • traditionelle Werte wie Disziplin, Fleiß und Zuverlässigkeit

Der Diversity-Ansatz: Kunden schätzen ältere Arbeitnehmer

Zum Glück lernen auch die Arbeitgeber diese Vorteile immer mehr zu schätzen und setzen nach und nach wieder auf Diversity in ihrem Unternehmen – sprich eine gesunde Mischung aus älteren und jüngeren Angestellten, Männern und Frauen, verschiedenen Kulturen, Persönlichkeiten usw. Eine Schweizer Studie fand heraus: Personaler schätzen bei Bewerbern über 50 vor allem ihre Lebenserfahrung, ihr Knowhow durch stetige Fort- und Weiterbildungen sowie deren Spezial-, Fach- und Branchenkenntnisse (Quelle: Jobware).

„Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu.“
(Marcus Tullius Cicero)

Zudem herrschen auch im Berufsalltag immer wieder Vorurteile und so kann es zu Problemen kommen, wenn ein älterer Mitarbeiter eine junge Führungskraft akzeptieren oder ein junger Berater einen betagten Kunden beraten soll. Tatsächlich fordern Kunden oftmals ältere Ansprechpartner ein, da sie ihnen mehr Kompetenz, Erfahrung und Glaubwürdigkeit zusprechen.

Mitarbeiter über 50 haben also einiges zu bieten und dürfen sich dank demografischer Entwicklung, zunehmendem Fachkräftemangel und steigender Relevanz des Diversity-Ansatzes bei deutschen Unternehmen über immer bessere Jobchancen freuen. Allerdings nur, wenn sie die typischen Fehler älterer Bewerber zu vermeiden wissen…

So bitte nicht! Typische Fehler in der Bewerbung von älteren Arbeitssuchenden

Dass viele Jobsuchende über 50 Probleme damit haben, eine neue Stelle zu finden, kann – muss aber nicht – daran liegen, dass sie einige der folgenden typischen Fehler vieler Best Ager machen:

  • zu hohe und starre Gehaltsvorstellungen
  • unsicheres Auftreten, Rechtfertigung für das Alter oder sogar „betteln“
  • ausschließliche Konzentration auf Hard Skills
  • fehlende Motivation im Bewerbungsgespräch
  • „alt“ wirken in Bewerbungsunterlagen oder Vorstellungsgespräch
  • zu lange Lebensläufe ohne erkennbaren roten Faden (Stichwort: Priorisierung)

Lese-Tipp:Lebenslauf – Form, Inhalt und Aufbau + Muster

Wenn Sie diese Fehler in Ihrer Bewerbung mit 50plus vermeiden und die Tipps aus der folgenden Checkliste berücksichtigen, haben Sie derzeit auch als älterer Arbeitssuchender beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wie gut, hängt natürlich stets von Ihrer individuellen Qualifikation sowie der Branche ab. Dennoch: Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung gehen Sie auf jeden Fall in die richtige Richtung!

Checkliste: Schritt für Schritt zur perfekten Bewerbung 50plus

Bewerbung 50+ allgemein – Wie bewerbe ich mich am besten:

1. Setzen Sie auf stetige Fort- und Weiterbildungen, um Ihr Knowhow auf dem neuesten Stand zu halten.

2. Bleiben Sie unbedingt lernbereit und motiviert und strahlen Sie dies im Bewerbungsprozess auch aus.

3. Bleiben Sie ehrlich und authentisch, aber versuchen Sie sich so „jung“ wie möglich zu präsentieren. Je „älter“ Sie wirken, umso schlechter stehen Ihre Chancen auf eine Anstellung. Dies beginnt bereits beim Bewerbungsbild, der Rechtschreibung oder dem Design in Ihrer Bewerbung.

4. Richten Sie Ihre Bewerbung unbedingt an der Stellenausschreibung aus. Verfassen Sie also für jedes Unternehmen individuelle Unterlagen mit einem erkennbaren roten Faden. Massenbewerbungen oder vorgefertigte Floskeln werden von den Personalern schnell durchschaut und aussortiert.

5. Thematisieren Sie Ihr Alter nicht – weder im Anschreiben noch dem Vorstellungsgespräch. Gemäß Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz darf dieses ohnehin kein Entscheidungskriterium sein. Sehen Sie Ihr Alter daher niemals als Schwäche an!

6. Vermitteln Sie stattdessen glaubhaft Ihre Erfahrungen und Qualifikationen und versuchen Sie jeden Punkt glaubwürdig zu belegen, zum Beispiel durch Arbeitszeugnisse, Weiterbildungen, Auslandsaufenthalte, Beförderungen o.ä.

7. Greifen Sie auf Ihr Netzwerk zurück: Zwei Drittel aller vakanten Stellen werden in Deutschland unter der Hand vergeben und niemals öffentlich ausgeschrieben. Vielleicht ergibt sich ja eine berufliche Chance über Ihre Kontakte?

8. Gehen Sie aktiv auf die Unternehmen zu und setzen Sie auch auf Initiativbewerbungen: In welcher Firma könnten Sie sich optimal einbringen? Welche Position und Tätigkeit kämen dafür infrage und welche Vorteile brächten Sie für den Betrieb mit sich? Finden Sie den zuständigen Ansprechpartner heraus und trauen Sie sich einfach auch einmal, ein wenig forscher und selbstbewusster an den Bewerbungsprozess heranzuschreiten.

9. Zeigen Sie Präsenz auf Messen, Fachkongressen oder bei Recruiting Veranstaltungen. Eventuell können Sie hier sogar als Redner mit Ihrem fachspezifischen Knowhow punkten und sich als Experte positionieren.

10. Wenn noch nicht geschehen, machen Sie sich fit in der digitalen Welt. Das ist nicht nur ein wichtiges Argument in Ihrer Bewerbung, sondern auch für den Bewerbungsprozess unerlässlich. Schließlich setzen viele Unternehmen mittlerweile auf Online-Jobportale oder digitale Bewerbungsformulare direkt über die Karriereseite.

11. Besonders positiv können Sie in dieser Hinsicht auffallen, wenn Sie sich professionelle Profile in beruflichen sozialen Netzwerken wie Xing oder Linkedin anlegen oder gar einen Bewerberblog ins Leben rufen.

Anschreiben Bewerbung 50plus:

12. Signalisieren Sie Erfahrung und Selbstbewusstsein sowie Motivation und Lernbereitschaft.

13. Führen Sie passende Fort- und Weiterbildungen aus der jüngeren Vergangenheit an, um Vorurteile hinsichtlich eines veralteten Fachwissens auszuräumen.

14. Wenn gefordert, nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellungen. Wenn Sie sich noch in einer Anstellung befinden, sollten diese keinesfalls einen Rückschritt zum aktuellen Verdienst darstellen. Wenn nicht, so gilt es das richtige Maß zu finden: Schrecken Sie nicht durch überzogene Forderungen ab, aber verkaufen Sie sich auch nicht unter Wert!

Bewerbung ältere Arbeitnehmer – der Lebenslauf:

15. Verwenden Sie unbedingt ein aktuelles, modernes und ansprechendes Bewerbungsbild, auf welchem Sie selbstbewusst, gesund und „jung“ wirken.

16. Nutzen Sie eine antichronologische Reihenfolge Ihrer beruflichen Stationen, sodass die neuesten und damit auch relevantesten Erfahrungen am Anfang stehen.

17. Setzen Sie zum Design passende Highlights wie farbige Untermalungen, Absätze oder Fettschrift, um auf besonders relevante Punkte Prioritäten zu setzen.

18. Legen Sie auch im Lebenslauf noch einmal den Fokus auf Ihre Lernbereitschaft und führen Sie übersichtlich die für die Stelle relevanten (!) Fort- und Weiterbildungen an.

19. Reduzieren Sie sich auf zwei, allerhöchstens aber drei Seiten für Ihren Lebenslauf.

20. Lassen Sie daher irrelevante Stationen bewusst weg. Dies ist zudem Ihre optimale Chance, eventuelle Lücken im Lebenslauf zu vertuschen.

So überzeugen Bewerber über 50 im Vorstellungsgespräch:

21. Strahlen Sie Selbstbewusstsein und Gelassenheit, dennoch aber Lernbereitschaft und Motivation aus.

22. Wählen Sie ein jugendliches, aber natürlich angemessenes Outfit. Setzen Sie zum Beispiel auf einen dunkelblauen Anzug mit schlichtem weißen Hemd anstatt dem karierten Modell aus den 80er Jahren. Oder greifen Sie als Frau zu einer schwarzen Stoffhose mit schicker Bluse anstelle des eingestaubten Kostüms mit Schulterpolstern.

23. Sprechen Sie nach dem Motto: „Je weiter ein Ereignis in der Vergangenheit liegt, umso kürzer Ihre Ausführungen“! Niemanden interessiert mit über 50 noch für Ihr Abiturzeugnis. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Erfahrungen und Erfolge in der jüngeren Vergangenheit.

24. Sollten Sie Ihren Lebenslauf aufgrund von Platzmangel gekürzt haben, müssen Sie sich darauf vorbereiten, dass bei Lücken genauer nachgehakt wird. Legen Sie sich also eine Antwort zurecht, aber schweifen Sie nicht aus, sondern halten Sie sich kurz und knapp. Sie haben diese Station schließlich nicht ohne Grund weggelassen, sondern weil sie für die ausgeschriebene Stelle nur wenig relevant ist.

25. Kontern Sie selbstsicher, wenn Sie mit Vorurteilen aufgrund Ihres Alters konfrontiert werden. Der ein oder andere Personaler möchte Sie vielleicht bewusst aus der Reserve locken. Bleiben Sie ruhig aber selbstbewusst und verfallen Sie nicht in Rechtfertigungen. Wie wäre es stattdessen mit: „Ob ich gesundheitliche Probleme habe? Bitte entschuldigen Sie, ich wusste nicht, dass das für die ausgeschriebene Stelle ein Muss ist“ – souverän mit einem Augenzwinkern.

26. Signalisieren Sie hinsichtlich Ihrer Gehaltsvorstellungen eine gewisse Flexibilität, aber setzen Sie sich eine Untergrenze und bleiben Sie diesbezüglich standhaft. Das geht am besten, indem Sie diese nachvollziehbar begründen können.

27. Lassen Sie sich durch unerlaubte Fragen nicht verunsichern und legen Sie sich schlagfertige Antworten zurecht, sobald der Personaler Ihr Alter oder Ihren Gesundheitszustand kritisch hinterfragen sollte. Praktische Tipps hierzu finden Sie unter „Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch – Haben Lügen wirklich kurze Beine?

Diese Checksliste können Sie, wie von uns gewohnt, hier kostenlos downloaden und ausdrucken!

Bewerbung 50plus: Muster für Anschreiben und Lebenslauf

Wie bereits erwähnt, müssen Sie als Bewerber über 50 eigentlich keine andere Bewerbung schreiben als Ihre 30- oder 40-jährigen Mitbewerber. Sie müssen sich lediglich von veralteten Bewerbungsmechanismen, -bildern, -floskeln & Co verabschieden und auf eine moderne Bewerbung mit erkennbarem roten Faden setzen. Entsprechende Tipps und praktische Muster als Inspiration finden Sie in unseren Artikeln:

Wir drücken Ihnen die Daumen, dass Sie mit Ihrer Bewerbung 50+ punkten können und auch als Best Ager schon bald wieder einen neuen Job finden. Dank der geschilderten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt können Sie in eine rosige Zukunft blicken und sich auf eine neue Herausforderung sowie beste Chancen auf Führungspositionen freuen.

Welche persönlichen Erfahrungen und Tipps können Sie unseren Lesern in den Kommentaren mitgeben? Oder worauf müssen ältere Arbeitssuchende aus Ihrer Sicht als Personaler beziehungsweise Arbeitgeber achten? Wir freuen uns auf Ihre Hilfe in den Kommentaren und bedanken uns herzlich!

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