Ein Image als Leistungsträger, das ist es, wovon viele ambitionierte Arbeitnehmer träumen. Klar, wer als fleißig gilt, wird eher befördert und klettert Sprosse für Sprosse die Karriereleiter hinauf. So zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das allerdings anders aus. Diese drei Fragen sollten Sie sich deshalb jedes Mal stellen, bevor Sie sich noch mehr Arbeit aufhalsen.

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Überarbeitete Mitarbeiterin bekommt noch mehr Arbeit aufgehalst
Bildnachweis: iStock.com/Voyagerix

Inhalt
1. Leistung und Karriere hängen weniger zusammen, als Sie denken
2. Lernen Sie, „Nein“ zu sagen
3. „Sollen“ – Ein Wort, das schnell zur Falle wird
4. Was Sie im Job wirklich „sollen“ – und was nicht
5. Frage #1: Handelt es sich um intrinsische oder extrinsische Motivation?
6. Frage #2: Kann ich die Aufgabe mit mir vereinbaren?
7. Frage #3: Habe ich überhaupt die Wahl?

Leistung und Karriere hängen weniger zusammen, als Sie denken

Für viele Menschen sind Gesundheit, Freizeit oder Glück von Vornherein wichtigere Lebensziele als beruflicher Erfolg, Macht oder Geld. Was Sie im Leben erreichen möchten, müssen Sie schlussendlich selbst entscheiden.

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Doch auch, wenn Sie die große Karriere anstreben, wäre es die falsche Strategie, immer noch mehr Arbeit anzunehmen und Überstunde um Überstunde abzusitzen.

Infografik: Schon wenige Überstunden machen krank | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Denn wenn Sie Ihr Leben nur noch mit Arbeit verbringen, macht Sie das auf Dauer unglücklich und krank. Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind aber Ihre wichtigsten Ressourcen auf dem Weg zum beruflichen Erfolg. Ansonsten geht Ihnen früher oder später sprichwörtlich die Puste aus und all Ihre Mühe war umsonst. Es ist zudem ein Trugschluss, dass Sie herausragende Leistungen erbringen müssen, um befördert zu werden und in der Hierarchie aufzusteigen. Es gibt stattdessen andere Faktoren, die Entscheidungsträgern bei Anwärtern auf Führungspositionen viel wichtiger sind.

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Verstehen Sie uns nicht falsch: Leistung ist wichtig. Sie sollte nicht schlechter sein als bei Ihren Teammitgliedern. Nur muss sie eben auch nicht unbedingt besser sein. Sie müssen nicht 24/7 erreichbar sein, immer 100 Überstunden mehr haben als der fleißigste Kollege oder jede Weiterbildung in Ihrem Fachgebiet belegen, die es auf dem Markt gibt. Ihr Image, Ihre Konformität und auch Ihr Selbstbewusstsein sind hingegen wichtigere Erfolgsfaktoren. Doch mehr hierzu erfahren Sie im Artikel:

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Das Fazit heute soll also schlicht lauten: Es ist nicht (nur) Ihre Leistung, welche über Ihren beruflichen Erfolg oder Misserfolg bestimmt.

Lernen Sie, „Nein“ zu sagen

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Sie sich eben nicht immer noch mehr Arbeit aufhalsen müssen, um in der Hierarchie Step-by-Step aufzusteigen. Denn wenn sich die unerledigten Aufgaben auf Ihrem Schreibtisch zu türmen beginnen, bringt Ihnen das nichts als Stress, Zeitdruck, Hektik, Versagensängste, die ein oder andere Panikattacke oder sogar ein Burnout-Syndrom ein. Schlicht gesagt: Sie werden krank, unglücklich und erfolglos sein. „Nein“ zu sagen, ist deshalb eine wichtige Fähigkeit im Berufsalltag – vor allem im Sinne Ihres eigenen Wohlbefindens.

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Wenn also demnächst Ihr Kollege oder Chef mit weiteren Aufgaben auf Sie zukommt, „sollten“ Sie sich folgende drei Fragen stellen, bevor Sie zusagen.

„Sollen“ – Ein Wort, das schnell zur Falle wird

Leider sind wir Menschen Sozialwesen und legen großen Wert darauf, was unser soziales Umfeld von uns denken könnte. Deshalb orientieren wir uns in der Regel an gesellschaftlichen Konventionen:

  • Wenn Sie jemand um Hilfe bittet, „sollten“ Sie zusagen.
  • Mit 35 Jahren „sollten“ Sie längst verheiratet sein.
  • Sie „sollten“ Sport machen und sich gesund ernähren.
  • Wenn der Chef Ihnen Arbeit überträgt, „sollten“ Sie diese annehmen.

Das Leben vieler Menschen ist mehr vom „Sollen“ bestimmt als vom „Wollen“. Sie tun alles, damit sie beliebt, respektiert und vielleicht sogar bewundert werden. Dahinter kann eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit dem ständigen Wunsch nach sozialer Bestätigung stecken – muss sie aber nicht.

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Ein Stück weit liegt die Angst vor Zurückweisung und dadurch die Orientierung an den gesellschaftlichen Konventionen auch einfach in unseren Genen verankert. Schließlich war das Überleben außerhalb einer sozialen Gruppe zu Zeiten der Jäger und Sammler äußerst schwierig bis unmöglich. Wer ausgestoßen wurde, war quasi zum Tode verurteilt. Zwar sind diese Gepflogenheiten längst Vergangenheit, doch tragen wir den Wunsch nach Akzeptanz in unserem sozialen Umfeld immer noch tief in uns. An sich ist das eine gute Sache, sonst würden wir wohl in einer traurigen, einsamen und emotional kalten Welt leben. Doch hat sie eben auch einen Haken: Viele Menschen orientieren sich nur am „Sollen“ und leben dadurch an ihrem persönlichen Glück, ihren Wünschen, Vorstellungen, Bedürfnissen und Träumen vorbei.

Was Sie im Job wirklich „sollen“ – und was nicht

Das „Sollen“ verfolgt uns auch im Job. Kennen Sie das nicht auch? Sie „sollten“ heute etwas länger bleiben, weil Sie das Projekt XY unbedingt heute fertigstellen „sollten“, da Sie nächste Woche keine Zeit haben, sondern eine Geschäftsreise antreten „sollen“. Sie „sollen“ immer höflich, korrekt gekleidet und gesund sein. „Sollen“ stellt nur die beschönigte Formulierung vom „Müssen“ dar – und warum dieses Ihrem Erfolg mehr schadet als nützt, erfahren Sie in folgendem Artikel:

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Sie „sollen“ beziehungsweise „müssen“ also im Beruf nicht alle Ihnen aufgetragenen Arbeiten widerstandlos annehmen, um beruflich erfolgreich zu werden. Stattdessen „sollten“ Sie sich stets diese drei Fragen stellen, bevor Sie sich noch mehr Arbeit aufhalsen und dadurch Ihre Gesundheit aufs Spiel setzen:

Frage #1: Handelt es sich um intrinsische oder extrinsische Motivation?

Im Idealfall leben Sie selbstbestimmt und gemäß Ihrer intrinsischen Motivation. Das bedeutet: Sie gehen nur jenen Aufgaben nach, die Ihnen wirklich Spaß machen oder in welchen Sie einen Sinn sehen.

Definition „Intrinsische Motivation“: Die intrinsische Motivation beschreibt einen Zustand, in welchem Sie für die ausgeübte Tätigkeit einen inneren Anreiz verspüren. Die Befriedigung für Ihre Arbeit liegt also nicht in dem erwarteten Ergebnis, einer Beförderung beispielsweise oder einer Gehaltserhöhung, sondern in der Ausübung der Tätigkeit selbst. Wenn Sie einer Aufgabe intrinsisch motiviert nachgehen, geraten Sie in den sogenannten „Flow-Zustand“.

Natürlich ist das in der Praxis nur in den wenigsten Berufen möglich. Selbst, wenn Sie selbstständig und Ihr eigener Boss sind, wird es immer Aufgaben geben, welche Ihnen keinen Spaß machen, die Sie aber nicht (vollständig) outsourcen können. Das Leben ist eben kein Ponyhof, wie man so schön sagt. Dennoch können Sie sich die Frage nach Ihrer Motivation stellen: Wenn ich diese zusätzliche Aufgabe meines Teamkollegen oder Vorgesetzten annehmen würde, weshalb? Was verspreche ich mir davon? Wovor habe ich vielleicht Angst? Die Antwort könnte also lauten: Sie halsen sich immer mehr und mehr Arbeit auf, weil Sie auf eine Beförderung hoffen oder Angst davor haben, dass Sie im Falle einer Ablehnung gekündigt werden.

Lese-Tipp: „Flow“ – Wenn’s läuft, dann läuft’s!

Im Idealfall nehmen Sie die zusätzliche Arbeit also nur an, weil Sie sich tatsächlich für das Projekt interessieren, weil Sie einen Sinn in der Tätigkeit sehen oder bereits kreative Ideen für den Slogan haben. Manchmal müssen Sie natürlich auch ungeliebte Aufgaben übernehmen. Doch kommen Sie stets zu demselben Ergebnis, nämlich dass Ihre Arbeit nur auf extrinsischer Motivation beruht, „sollten“ Sie nicht nur lernen, Nein zu sagen, sondern eventuell sogar über einen Jobwechsel nachdenken.

Frage #2: Kann ich die Aufgabe mit mir vereinbaren?

Kommen der Chef oder die Kollegen mit einem neuen Projekt, einer Aufgabe oder Tätigkeit auf sie zu, welche sie übernehmen sollen, stellen sich viele Arbeitnehmer die Frage: Lässt sich die zusätzliche Arbeit mit meiner Zeit vereinbaren? Ist der Workload also ohne oder mit einem überschaubaren Maß an Überstunden machbar? Allerdings wäre die viel spannendere Frage: Können Sie diese Aufgabe mit sich selbst vereinbaren? Entspricht sie also Ihren Werten, Ihren Moralvorstellungen und Ihren beruflichen sowie privaten Zielen, Wünschen und Träumen? Oder überschreitet sie vielleicht Grenzen, zum Beispiel moralischer, legaler oder gesundheitlicher Art?

Lese-Tipp: Selbstbewusstsein stärken: Tipps & Übungen für mehr Selbstvertrauen

Es braucht eine Menge Selbstbewusstsein, eine Bitte abzulehnen, weil die Arbeit nicht Ihrer Persönlichkeit entspricht. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass Sie Ihre eigenen Grenzen setzen und sich selbst treu bleiben. Das Problem an der Sache ist, dass viele Menschen ihre persönlichen Werte, Ziele, Wünsche und Grenzen überhaupt nicht kennen. Sie sind sich also „selbst nicht bewusst“. Wie können Sie das ändern? Versuchen Sie es mit einer Liste:

  • Legen Sie eine Tabelle mit vier Spalten an.
  • Schreiben Sie in der ersten Spalte mindestens fünf Dinge nieder, die Ihnen im Leben am wichtigsten sind.
  • Hierzu können Ihre Familie gehören, Zeit für Sie selbst, Reisen oder finanzielle Sicherheit.
  • Je genauer Sie diese persönlichen Ziele formulieren, umso besser. Nutzen Sie hierfür die SMART-Formel.

Lese-Tipp: Zielstrebigkeit: Ziele richtig setzen und erreichen

  • Verwenden Sie die verbleibenden drei Spalten, um Ihre Ressourcen einzuteilen: Geld, Zeit und Energie.

Lese-Tipp: Zeitmanagement ist „out“ – Energiemanagement ist „in“!

Sie werden sehen, dass Ihr Leben ein ständiges Spannungsfeld aus Entscheidungen zwischen dem, was Sie „wollen“, und dem, was Sie „sollen“, ist. Sich dies einmal vor Augen zu führen, kann Ihren Fokus wieder auf jene Dinge lenken, die Ihnen persönlich im Leben wirklich wichtig sind. Sie sind es ansonsten nämlich auch, wer die falschen Entscheidungen am Ende bereut, zum Beispiel, wenn Sie zu wenig Zeit mit Ihren Kindern verbracht haben, als diese noch klein waren. Nehmen Sie zusätzliche Arbeit also nur an, wenn diese nicht Ihre Zeit, Energie oder Finanzen verschlingt, die Sie lieber anderweitig einsetzen würden. Ansonsten sitzen Sie am Wochenende widerwillig bei der Arbeit, obwohl Sie lieber mit Ihrer Familie im Schwimmbad wären – und leisten dadurch nur mittelmäßige Ergebnisse. Ob das Ihrem beruflichen Erfolg, Ihrer Gesundheit und Ihrem Lebensglück einen Nutzen bringen würde, ist äußerst fraglich.

Frage #3: Habe ich überhaupt die Wahl?

Schön und gut, denken Sie sich jetzt, aber das klingt eher nach einer Märchenwelt als nach der Realität im Arbeitsleben? Leider ist das in vielen Branchen der Fall. Nur wenige Menschen genießen die Freiheit, im Job ausschließlich geliebte Aufgaben zu übernehmen und ungeliebte anderweitig zu delegieren. Wer nicht gerade selbstständig, ganz oben in der Hierarchie oder eine heiß begehrte Fachkraft in einer vom Fachkräftemangel betroffenen Branche ist, muss eben manchmal in den sauren Apfel beißen und zusätzliche Arbeit annehmen – auch, wenn diese nicht aus intrinsischer Motivation resultiert oder in Ihren „Ressourcenplan“ passt.

Lese-Tipp: „Ich kann nicht mehr“ – Wie Sie Ihren Chef um weniger Arbeit bitten

Fragen Sie sich deshalb auch, ob Sie überhaupt eine Wahl haben. Und wenn nicht, wieso? Was würde passieren, wenn Sie „Nein“ sagen? Wichtig ist allerdings, dass diese Frage an dritter und nicht an erster Stelle steht. Denn nur so entwickeln Sie ein Bewusstsein dafür, was Ihnen wirklich wichtig ist und was Sie auf Dauer (nicht) glücklich machen wird. Kommen Sie nämlich immer wieder zu dem Entschluss, dass Sie die zusätzliche Arbeit eigentlich lieber ablehnen würden, aber schlichtweg keine Wahl haben, sollten Sie ernsthaft eine berufliche Neuorientierung in Erwägung ziehen – einen Jobwechsel vielleicht, eine Selbstständigkeit oder eine Umschulung.

Lese-Tipp: Diesen großen Nachteil haben Sie, wenn Sie nicht durchschnittlich alle 2 Jahre den Job wechseln

Wirklich erfolgreich, glücklich und gesund werden Sie auf Dauer nämlich nur sein, wenn Sie einen Job haben, für welchen Sie eine intrinsische Motivation hegen, der sich mit Ihrem Ressourcen- sowie Lebensplan vereinbaren lässt und in welchem Sie nicht immer nur „sollen“, sondern vor allem „wollen“. Und da die Patchwork-Karriere ohnehin schwer im Kommen ist, „sollte“ die Angst vor dem Jobwechsel das Letzte sein, was Sie dazu zwingt, sich immer neue Arbeit aufzuhalsen, obwohl Sie lieber „Nein“ sagen würden.

Oder was denken Sie? Wie gehen Sie vor, wenn der Chef oder Kollege mit noch mehr Arbeit auf Sie zukommt? Wie entscheiden Sie, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen, welche Sie delegieren und wann Sie von Vornherein „Nein“ sagen? Haben Sie deshalb schon einmal den Job gewechselt? Erzählen Sie uns Ihre Geschichten und Meinungen in den Kommentaren!